Berufliche Bildung ist ein zentraler Bestandteils des Bildungssystems und erfüllt mehrere wichtige Funktionen auf individueller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene zugleich. Berufliche Bildung qualifiziert junge Menschen und ist grundlegend für ihren weiteren Bildungs- und Karriereweg – und damit für ein selbstbestimmtes Leben in Eigenverantwortung. Zugleich dient berufliche Bildung der Sicherung des Fachkräftebedarfs und somit der Sicherung des Wirtschaftsstandortes und dessen Wettbewerbsfähigkeit. Auf gesellschaftlicher Ebene trägt berufliche Bildung maßgeblich zu Chancengerechtigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe bei. Gleichzeitig sind die Steuerungsstrukturen der beruflichen Bildung in Deutschland komplex und basieren auf einem Zusammenspiel föderaler und korporatistischer Elemente. Dies erschwert die Entwicklung eines transparenten und inklusiven Fördersystems.153
Im jährlichen Berufsbildungsbericht und der Bildungsberichterstattung des Bundesinstituts für Berufsbildung werden die Entwicklungen in der beruflichen Bildung differenziert beschrieben: So spiegelte sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland auch in der Ausbildungsbilanz des Jahres 2024.154 Trotz einer steigenden Ausbildungsnachfrage stagnierte die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2024 bundesweit.155 Die Prognosen, dass das Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie nicht mehr erreicht werden kann, haben sich bestätigt.156
Die gestiegene Nachfrage nach Ausbildungsplätzen hat die Marktsituation für die ausbildungssuchenden jungen Menschen in Deutschland leicht verschlechtert, wodurch wichtige Potenziale ungenutzt bleiben.157
Der Übergang von der Schule in die Ausbildung gestaltet sich für bestimmte Gruppen junger Menschen nach wie vor besonders schwierig. Das gilt etwa für junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die trotz der grundsätzlichen Integrationsleistung des Systems der beruflichen Bildung geringere Chancen auf eine Ausbildung haben.158 Ein weiterer Faktor für Benachteiligung ist ein niedriger oder fehlender Schulabschluss. Befragungsdaten weisen darauf hin, dass Schülerinnen und Schüler mit niedrigem (formalen) Bildungsniveau am häufigsten an ihren Chancen zweifeln und dazu tendieren, zunächst auf eine Ausbildung zu verzichten.159 Ohne formale Ausbildung steigt das Risiko, auch langfristig in unqualifizierten Arbeitsverhältnissen zu verbleiben: Die hohe Anzahl von aktuell 2,86 Millionen junger Menschen ohne berufliche Qualifikation160 ist hier ein Alarmzeichen. Dass auch junge Menschen mit Behinderungen zu den Personengruppen gehören, die am Ausbildungsmarkt strukturell benachteiligt und von Exklusion betroffen sind, ist bekannt; es fehlen allerdings statistische Daten, um ihre Situation genauer beschreiben und analysieren zu könnne.161 Stark verflochten mit den beschriebenen Benachteiligungsdimensionen ist die sozioökonomische Benachteiligung von jungen Menschen. Sie ist insbesondere bei vulnerablen Personengruppen von entscheidender Bedeutung für einen erfolgreichen Übergang in den Beruf und den weiteren Bildungsweg.162
Im Bericht 2022 wurden die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Übergangsprozesse dargestellt. 2024 leidet ein geringer Teil der jungen Menschen weiterhin unter deren Folgen: So gaben 15 % der befragten jungen Menschen in der Shell-Studie 2024 an, dass ihre Bildungs- und Berufsplanung durch die Pandemie nachhaltig beeinflusst wurde.163
Angesichts der hohen individuellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der erfolgreichen Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt misst die Stadt Nürnberg diesem Bildungsbereich eine herausgehobene Bedeutung bei. Verwiesen sei an dieser Stelle auf das „Nürnberger Modell zum Übergang Schule–Beruf" (E 4.1), das durch die kontinuierliche und konstruktive Zusammenarbeit der Akteure mit Leben gefüllt wird. Dabei wurde in den letzten beiden Schuljahren auch die Zusammenarbeit zwischen Mittelschulen und Berufsschulen systematisch intensiviert und der Übergang damit erleichtert. Die gemeinsame Anlaufstelle der Jugendberufsagentur (E 6.1) bietet jungen Menschen mit Unterstützungsbedarfen in mehreren Lebensbereichen Hilfestellung im Übergang.
Anknüpfend an die laufende Berichterstattung164 werden im Folgenden die Nürnberger Befunde zum Berufsbildungssystem, zur dualen Ausbildung und zum Übergangssystem dargestellt.
- 153 Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024, Bielefeld, S. 270.
- 154 Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB (2025): Weller, Stephanie/Christ, Alexander/Milde, Bettina/Granath, Ralf-Olaf: Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2024, Berlin; vgl. auch lit.bibb.de/vufind/Record/DS-782949
- 155 Ebd., S. 29.
- 156 Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland, S. 176.
- 157 Ebd., S. 24.
- 158 Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024, Bielefeld, S. 288; Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) gGmbH (2023): „Ungleiche Bildungschancen“, Faktenpapier vom 14.2.2023.
- 159 Barlovic, Ingo/Ullrich, Denise/Wieland, Clemens (2024): Ausbildungsperspektiven 2024. Bertelsmann Stiftung (Hg.), Gütersloh, S.7. Online verfügbar unter: www.chance-ausbildung.de/jugendbefragung2024, letzter Zugriff: 24.10.2025; DGB-Bundesvorstand Abteilung Jugend und Jugendpolitik (2025): Ausbildungsreport 2025, Berlin, S. 17.
- 160 Bundesministerium für Bildung und Forschung (2025): Berufsbildungsbericht 2025, vorläufige Fassung, Bonn, S. 24.
- 161 Bundesministerium für Bildung und Forschung (2024): Berufsbildungsbericht 2024, Bonn, S. 12.
- 162 Brunner, Joshua/Knize, Veronika/Schiele, Maximilian/Wolf, Markus (2025): Kinder aus Haushalten, die über längere Zeit SGB-II-Leistungen beziehen, haben geringere Ausbildungs- und Beschäftigungschancen. In: IAB-Forum 10.6.2025, www.iab-forum.de/kinder-aus-haushalten-die-ueber-laengere-zeit-sgb-ii-leistungen-beziehen-haben-geringere-ausbildungs-und-beschaeftigungschancen; letzter Zugriff: 25.6.2025; Wicht, Alexandra/Winkler, Oliver/Granato, Mona/Nonnenmacher, Alexandra: The Role of Contexts in the Educational and Employment Transitions and Pathways of Young People; in: Social Inclusion, Volume 13, Artikel 10698 im Themenheft 2025.
- 163 Albert, Matthias/Quenzel, Gudrun/de Moll, Frederick (2024): 19. Shell Jugendstudie 2024: Jugend 2024, Weinheim, Zusammenfassung der Shell-Jugendstudie 2024, letzter Zugriff: 25.11.2025.
- 164 Zuletzt: Stadt Nürnberg, Bildungsbüro: Bericht zum Übergang Schule-Beruf / Nürnberger Modell in der gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfe- und Schulausschusses am 20.6.2024.

Abbildungsbeschreibung:
Abbildung E 2.1 zeigt in Form eines gestapelten Säulendiagramms die Bevölkerungsentwicklung der Personen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mit Hauptwohnung in Nürnberg im Zeitraum von 2014 bis 2024. Die X-Achse bildet die Kalenderjahre von 2014 bis 2024 in 2-Jahres-Schritten ab. Die Y-Achse zeigt die absolute Anzahl der Personen in Zehntausenderschritten von 0 bis 70000. Jeder Jahreswert ist durch einen senkrechten Balken dargestellt, der sich in zwei Segmente unterteilt. Das untere Segment stellt Personen mit Migrationshintergrund dar, das obere Segment Personen ohne Migrationshintergrund.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Zeitverlauf steigt die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren mit Hauptwohnung in Nürnberg insgesamt an. Im Jahr 2014 lag die Anzahl der 15- bis unter 25-Jährigen bei 57006 und 2016 bei 57646, sank bis 2020 auf 54520 und stieg 2024 auf 57631.
Für das Jahr 2024 ergibt sich folgende Aufteilung: Von den insgesamt 57631 Personen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren in Nürnberg hatten 35437 Personen einen Migrationshintergrund (61,5%) und 22194 Personen keinen Migrationshintergrund (38,5%). Zum Vergleich: Im Jahr 2014 lebten 57006 Personen im Alter von 15 bis unter 25 Jahren in Nürnberg, davon hatten 26176 Personen einen Migrationshintergrund (45,9%) und 30830 Personen in dieser Altersgruppe (54,1%) keinen Migrationshintergrund.
Wertetabelle:
| Migrationshintergrund | 2014 | 2016 | 2018 | 2020 | 2022 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mit Migrationshintergrund | 26176 | 29134 | 29767 | 29567 | 32819 | 35437 |
| Ohne Migrationshintergrund | 30830 | 28512 | 26625 | 24953 | 23398 | 22194 |
| Insgesamt | 57006 | 57646 | 56392 | 54520 | 56217 | 57631 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 2.1: Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und unter 25 Jahren in Nürnberg nach Migrationshintergrund, 2014 bis 2024</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister.
2024 lebten in Nürnberg 57 631 junge Menschen in der für den Ausbildungsmarkt besonders relevanten Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren. Dies stellt den höchsten Stand seit dem Jahr 2015 dar, als viele junge Menschen aus dem Ausland zugewandert waren (A 2.2). Danach hatte die Gesamtzahl bis 2021 (54 080) stetig leicht abgenommen und war erst im Jahr 2022 mit der Fluchtzuwanderung aus der Ukraine wieder angestiegen.
In der Altersgruppe der 15 bis unter 25-Jährigen sind junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte stark repräsentiert: Insgesamt 35 437 Personen besaßen einen Migrationshintergrund, was einem Anteil von 61,5 % entspricht. Von diesen Personen hatten 47,7 % eine ausländische Nationalität und 52,3 % waren deutscher Staatsangehörige (Abb. E 2.1).165
Abb. D 3.6 zeigt die soziodemographische Zusammensetzung an den Nürnberger Schulen nach Schularten im Schuljahr 2023/24: An Mittelschulen besaßen 43,2 % der Schülerinnen und Schüler eine ausländische Staatsangehörigkeit, 77,0 % wiesen einen Migrationshintergrund auf. An Wirtschaftsschulen lag der Anteil der ausländischen Staatsbürger und Staatsbürgerinnen bei 33,9 %, der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund bei 60,8 %. An Realschulen betrug der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit 17,1 %, der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund lag bei 52,3 %.
Die Stadt Nürnberg verfügt über einen großen Einzugsbereich. Zahlreiche junge Menschen absolvieren ihre Ausbildung in der Stadt, wohnen jedoch außerhalb Nürnbergs. Im Jahr 2024 (Stichtag 30.6.) kamen 4 710 Auszubildende für ihre Ausbildung nach Nürnberg, das waren 100 weniger als im Vorjahr.
77,9 % (3 670) der Auszubildenden, die nach Nürnberg einpendelten, wohnen in Mittelfranken. Demgegenüber pendelten 2 200 Auszubildende mit Wohnsitz in Nürnberg für ihre Ausbildung in einen anderen Landkreis. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem leichten Anstieg von 80 Personen. Der Ausbildungsort lag dabei für die meisten (81,3 %) ebenfalls in Mittelfranken.166
Die Bedarfe der beruflichen Bildung und damit die Klassen- und Schulplanung können nicht direkt aus den demographischen Daten abgeleitet werden, sondern werden auch von ökonomischen, technologischen, ökologischen und sozialen Transformationsprozessen bestimmt.167 Aus der Praxis werden neben weiter steigenden Bedarfen der Deutschsprachförderung auch Veränderungen im „Vorbildungsniveau“ der Schülerinnen und Schüler berichtet, die neue Anforderungen an die beruflichen Schulen stellen.168
- 165 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister.
- 166 Quelle: Bundesagentur für Arbeit; Pendlerstatistik, Juni 2023 und Juni 2024.
- 167 Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024, Bielefeld, S. 265.
- 168 Z.B.: Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport, Vorlage im Schulausschuss 2024, Sachverhalt Berufsvorbereitung Schuljahr 2024/25.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung E 2.2a zeigt ein gestapeltes horizontales Balkendiagramm mit Daten zur Anzahl der Jugendlichen in verschiedenen beruflichen Bildungssystemen in Nürnberg von 2018/19 bis 2023/24. Auf der y-Achse werden die Schuljahre von 2018/19 bis 2023/24 gezeigt. Die x-Achse stellt die Anzahl der Jugendlichen dar, mit einer Skala von 0 bis 8000. Die Balken sind in drei Segmente unterteilt, die jeweils ein Bildungssystem darstellen: „Duales System“, „Schulberufssystem“ und „Übergangssystem“.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Schuljahr 2018/19 sind 5006 Jugendliche ins duale System, 952 ins Schulberufssystem und 1178 ins Übergangssystem eingetreten, insgesamt waren es 7136. Im Jahr 2019/20 war die Gesamtzahl der Eintritte mit 7382 am höchsten, davon 5223 im dualen System, 1054 im Schulberufssystem und 1105 im Übergangssystem. Seit dem Schuljahr 2020/21 sinkt die Gesamtzahl kontinuierlich von 6484 im Schuljahr 2020/21 auf 6124 (2021/22), 6477 (2022/23) und 6907 (2023/24). Im Schuljahr 2023/24 waren 4631 Jugendliche im dualen System, 1001 im Schulberufssystem und 1275 im Übergangssystem erfasst.
Wertetabelle:
| Schuljahr | Duales System | Schulberufssystem | Übergangssystem | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|
| 2023/24 | 4631 | 1001 | 1275 | 6907 |
| 2022/23 | 4307 | 1039 | 1131 | 6477 |
| 2021/22 | 4235 | 925 | 964 | 6124 |
| 2020/21 | 4440 | 956 | 1088 | 6484 |
| 2019/20 | 5223 | 1054 | 1105 | 7382 |
| 2018/19 | 5006 | 952 | 1178 | 7136 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 2.2: Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler auf die drei Teilbereiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg, Schuljahre 2018/19 bis 2023/24 </figcaption>
Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
Ohne private Schulen. Ab dem Schuljahr 2023/24 werden die Schülerinnen und Schüler im sozialpädagogischen Einführungsjahr an den Fachakademien nicht mehr dem Schulberufssystem, sondern dem Übergangssystem zugeordnet.
Im Schuljahr 2023/24 traten insgesamt 6 907 junge Menschen in das Berufsbildungssystem in der Stadt Nürnberg ein. Das stellt den höchsten Stand seit dem Schuljahr 2020/21 – dem ersten Jahr der Corona-Pandemie – dar.
Abb E 2.2a zeigt, dass insbesondere der Bereich der dualen Ausbildung im Schuljahr 2023/24 im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich gewachsen ist (+324), den Stand vor der Pandemie aber – wie auch deutschlandweit prognostiziert wurde169 – weiterhin nicht wieder erreicht.
Die Eintrittszahlen im Übergangssystem blieben insgesamt stabil. Der dargestellte Zuwachs ist fast ausschließlich auf eine statistische Neuzuordnung zurückzuführen.170
Im Schuljahr 2022/23 war dagegen ein stärkerer Zuwachs im Übergangssystem zu verzeichnen, der vor allem auf den Zugang von jungen Menschen aus dem Ausland und hier insbesondere auf Geflüchtete aus der Ukraine zurückzuführen war. Hierauf wurde mit einer raschen Ausweitung der Berufsintegrationsklassen reagiert (vgl. E 4.2).
Abb. E 2.2b verdeutlicht die unterschiedliche Zusammensetzung der Systeme in Bezug auf die Herkunft: Im Übergangssystem befanden sich rund doppelt so viele Personen mit ausländischer Nationalität (52,5 %) als im Gesamtdurchschnitt (25,5 %).
Dies liegt insbesondere in der Natur und Funktion der Berufsintegrationsklassen, die für junge zugewanderte Menschen (ab 15 Jahren) mit Deutsch-Sprachförderbedarf der institutionell zugewiesene Bildungsort sind: Von den 1 275 ins Übergangssystem Eingetretenen verfügten 370 (29,0 %) über einen sogenannten „sonstigen Abschluss“, das entspricht zumeist einem Schulabschluss aus dem Ausland.
Aber auch 43,8 % der jungen Menschen, die mit einem deutschen Hauptschulabschluss171 ins Übergangssystem eintraten, besaßen eine ausländische Nationalität. Demgegenüber haben lediglich 25,1 % der Absolventinnen und Absolventen einer Mittelschule, die eine duale Ausbildung beginnen, eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Im System der dualen Ausbildung ist allerdings über die Jahre ein moderater Anstieg der jungen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit zu beobachten: Während im Schuljahr 2019/20 die Quote noch bei 17,9 % lag, betrug sie im Jahr 2023/24 21,9 %.
Die Verteilung der Eintritte nach Geschlecht172 hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert: In der Summe wurde das Übergangssystem weiterhin überwiegend von jungen Männern (61,5 % aller Personen im Übergangssystem), das Schulberufssystem wiederum von jungen Frauen (70,2 % aller Personen im Schulberufssystem) geprägt.173 Im dualen System war das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Eine leichte Mehrheit von männlichen Auszubildenden (2023/34: 52,1 %) bleibt dabei bestehen (vgl. auch E 3.6).
Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
Ohne private Schulen. Ab dem Schuljahr 2023/24 werden die Schülerinnen und Schüler im Erzieherpraktikum im sozialpädagogischen Einführungsjahr an den Fachakademien nicht mehr dem Schulberufssystem, sondern dem Übergangssystem zugeordnet.
- 169 Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024, Bielefeld, S. 176.
- 170 Teilnehmende des Sozialpädagogischen Einführungsjahrs SEJ, das seit 2021/22 von Personen mit mittlerem Schulabschluss anstelle des zweijährigen Sozialpädagogischen Seminars SPS vor der Ausbildung zur Erzieher/-in absolviert werden kann, werden in der Landesstatistik nun in das Übergangssystem gezählt.
- 171 Die amtliche Statistik spricht aus Gründen der Vergleichbarkeit von „Hauptschulabschluss“. In Bayern sind dies die Abschlüsse der Mittelschule „erfolgreicher Abschluss der Mittelschule“ und „qualifizierender Abschluss“ der Mittelschule.
- 172 In der Landesstatistik werden nur die Ausprägungen „männlich“ und „weiblich“ ausgegeben, die Geschlechtszugehörigkeit „divers“ wird nicht erhoben.
- 173 Auch hier wäre der Anteil im Übergangssystem ohne die statistische Neuzuordnung höher.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung E 2.3 zeigt ein Kreisdiagramm, das die Verteilung der Bildungswege von Nürnberger Mittelschulabgängerinnen und -abgängern nach dem Abschluss der 9. Jahrgangsstufe im Schuljahr 2024/25 darstellt. Der Kreis ist in vier farbig voneinander abgegrenzte Segmente unterteilt. Jedes Segment steht für einen Einmündungsbereich der beruflichen Bildung und Ausbildung.
Zusammenfassung und Verlauf:
Das größte Segment nimmt das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ohne Berufsintegrationsklassen (BIK) ein. Es umfasst 37,1 % der Abgängerinnen und Abgänger. Im Uhrzeigersinn daneben folgt das zweitgrößte Segment mit 36,3 %, das für die Fachklassen des dualen Ausbildungssystems steht. Mit einem Anteil von 15,1 % ist das nächste Segment den Berufsfachschulen zugeordnet. Das kleinste Segment stellt die Berufsintegrationsklassen (BIK) dar. Es umfasst 11,5 % aller Übergänge.
Wertetabelle:
| Einmündungen in berufliche Bildung und Ausbildung | Schuljahr 2024/25 |
|---|---|
| Berufsintegrationsklassen | 11,5% |
| BVJ-Klassen | 37,1% |
| Betriebliche Ausbildung | 36,3% |
| Berufsfachschule | 15,1% |
| Insgesamt | 100,0% |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 2.3: Einmündungen von Nürnberger Mittelschulabgänger/-innen (nach 9. Jahrgangsstufe) in die beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg, Schuljahr 2024/25</figcaption>
Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen; Stichtrag: 20.10.2024
Schüler/-innen mit Wohnort Nürnberg aus Mittelschule nach Jahrgangsstufe 9 (alle staatlichen sowie X private Mittelschulen) mit bekanntem Austrittsdatum.
Die beruflichen Schulen nehmen ihre Schülerschaft vor allem aus Abgängerinnen und Abgängern der Mittel- und Realschulen auf. Während die Zahl derjenigen, die von einer Realschule abgingen, in den letzten drei Jahren weitgehend konstant blieb (2020/21: 1 044; 2022/23: 1 080), stieg die Zahl der Mittelschulabgängerinnen und -abgänger deutlich an: von 1 623 im Schuljahr 2020/21 auf 1 777 im Schuljahr 2022/23.174
Zum Schuljahr 2023/24 wechselten 2 005 Schülerinnen und Schüler von einer Mittelschule175 an eine Nürnberger Berufsschule, 302 weitere waren in eine Berufsfachschule (BFS) eingetreten. Aus Realschulen kamen 965 (bzw. 82 Übertritte in BFS) und aus Gymnasien 519 (bzw. 36 in BFS). Demgegenüber fällt der Übergang von Schülerinnen und Schülern aus Förderzentren in eine (Regel-)Berufsschule zahlenmäßig gering aus. Zum Schuljahr 2023/24 traten 46 Schülerinnen und Schüler in eine Regelberufsschule über, 16 weitere schlossen eine Ausbildung an einer Berufsfachschule176 an.177
Abb. E 2.3 veranschaulicht, welche weiteren Bildungswege die Nürnberger Schülerinnen und Schüler verfolgten, nachdem sie nach dem Abschluss der 9. Jahrgangsstufe die Mittelschule verlassen hatten. Die dargestellten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Schülerinnen und Schüler mit Wohnsitz in Nürnberg, die im Rahmen ihrer Berufsschulpflicht von einer Nürnberger Mittelschule an eine berufliche Schule in Nürnberg übergetreten sind – sei es in eine Klasse der Berufsvorbereitung, eine Fachklasse der Berufsschule oder in eine Klasse der Berufsfachschule.178
Von den insgesamt 780 Abgängern und Abgängerinnen Nürnberger Mittelschulen, die zum Schuljahr 2024/25 in die beruflichen Schulen übergingen, haben 402 – das entspricht 51,4% – eine Ausbildung in einem Betrieb („Duale Ausbildung“) oder an einer Berufsfachschule begonnen. Der Anteil dieser direkten Einmündungen in Ausbildung ist im Vergleich zum Schuljahr 2022/23 um 2,1 Prozentpunkte gesunken.
380 der Abgängerinnen und Abgänger einer Mittelschule konnten noch kein Ausbildungsverhältnis beginnen und mündeten damit in die Klassen der Berufsvorbereitung ein: 11,5 % gingen in eine Klasse der Berufsintegration (BIK) mit intensiver Sprachförderung und 37,1 % in die sonstigen Klassen der Berufsvorbereitung (BVJ). Der Anteil der Einmündung aus der Mittelschule in die BIK stieg damit im Vergleich zum Schuljahr 2022/23 um 2,4 Prozentpunkte.
Um Schülerinnen und Schüler der Mittelschule frühzeitig über die Anschlussmöglichkeiten nach der Mittelschule umfassend zu informieren, wurden vom SCHLAU Team Berufsschulberatung auch im Schuljahr 2024/25 Berufsschulberatungstage mit Informationen rund um das Thema Berufsschulpflicht angeboten. Daran nahmen 42 Klassen aus 28 öffentlichen und privaten Mittelschulen teil. Daneben wurden Fortbildungen und Fallberatungen für Lehrkräfte durchgeführt, die zukünftig ausgeweitet werden sollen. Darüber hinaus beriet das Team berufsschulpflichtige Schülerinnen und Schüler, Eltern und Fachkräfte in Einzelberatungen, an denen über 200 Personen teilnahmen.
- 174 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik.
- 175 Schülerzahlen beziehen sich bei allen Schularten auf Wechsel aus allen Jahrgangsstufen.
- 176 Inklusive Berufsfachschulen für Blinde und Sehbehinderte am bbs.
- 177 Quelle: Landesamt für Statistik, Schulstatistik. Im Gegensatz zu den oben gezeigten Übergängen der Nürnberger Mittelschüler/-innen betreffen diese Daten auch Schüler/-innen mit Wohnort außerhalb Nürnbergs.
- 178 Das Amt für Berufliche Schulen kann diese Einmündungsdaten direkt aus der Schulverwaltungssoftware entnehmen. Ein Vergleich mit den bisherigen Auswertungen (vgl. Stadt Nürnberg, Bildung in Nürnberg 2022, Abb. E-3), die auch den weiteren Verbleib (z.B. Übergang in weiterführende Schulen, Klassenwiederholungen) abbilden, ist mit diesen Daten nicht mehr möglich.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung E 3.1 zeigt ein gruppiertes horizontales Balkendiagramm zur Entwicklung des Ausbildungsmarkts in Nürnberg in den Berichtsjahren 2018/19 bis 2023/24. Dargestellt wird jeweils die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen und der gemeldeten Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen. Die Y-Achse führt die Schuljahre von oben nach unten chronologisch auf. Die X-Achse ist von 0 bis 6000 skaliert und in 1000er-Schritten unterteilt.
Zusammenfassung und Verlauf:
Für jedes Schuljahr sind zwei horizontale Balken abgebildet. Der untere Balken steht für die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen, der darüberliegende Balken zeigt die Anzahl der Bewerber/-innen. Im Schuljahr 2018/19 wurden 5067 Ausbildungsstellen und 3443 Bewerber/-innen gezählt. Im Schuljahr 2019/20 waren es 4057 Stellen und 3457 Bewerber/-innen. 2020/21 sank die Zahl der Stellen auf 3930, die der Bewerber/-innen auf 2977. Im Schuljahr 2021/22 stieg die Anzahl der Stellen wieder auf 4128, während 3004 Bewerber/-innen registriert wurden. 2022/23 erhöhte sich die Zahl der Stellen auf 4330 bei 3037 Bewerber/-innen. Im Schuljahr 2023/24 wurden 4048 Ausbildungsstellen und 3157 Bewerber/-innen gemeldet.
Wertetabelle:
| Berichtsjahr | Gemeldete Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen | Gemeldete Berufsausbildungsstellen |
|---|---|---|
| 2018/19 | 3443 | 5067 |
| 2019/20 | 3457 | 4057 |
| 2020/21 | 2977 | 3930 |
| 2021/22 | 3004 | 4128 |
| 2022/23 | 3037 | 4330 |
| 2023/24 | 3157 | 4048 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 3.1: Seit Beginn des Berichtsjahrs gemeldete Berufsausbildungsstellen und Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, Berichtsjahre 2018/19 bis 2023/24</figcaption>
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, September 2018 bis 2023; eigene Darstellung.
Ein Berichtsjahr bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen.
Mit der Pandemie war die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ab 2020/21 nochmals zurückgegangen. Der seitdem zu verzeichnende Anstieg hat sich 2023/24 nicht mehr fortgesetzt: Es wurden 282 (1,9 %) weniger Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Dagegen ist die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber wieder um 5,1 % gestiegen (+120). Damit hat sich die Lücke zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage wieder verringert – eine Entwicklung, die auch bundesweit zu verzeichnen ist.179
Rechnerisch waren in Nürnberg 891 mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber gemeldet. Damit kamen 82 Bewerber und Bewerberinnen auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen. 2022/23 lag das Verhältnis noch bei 73 Ausbildungsinteressierten auf 100 Stellen. Im Bundesdurchschnitt waren es 86 Bewerberinnen und Bewerber auf 100 Ausbildungsstellen.180
Auch bei Betrachtung aller „institutionell erfassten Ausbildungsinteressierten“, die der Indikator „erweiterte Angebots-Nachfrage-Relation“ (eANR für den gesamten Agenturbezirk) erfasst, zeigt sich dieser Rückgang. Der Indikator sank von 106,6 (2022/23) auf 100,4 (2023/24). Das bedeutet: Auf 100 Ausbildungsinteressierte kommen derzeit auch nahezu genauso viele Ausbildungsstellen.181
Es gehört seit vielen Jahren zu den strukturellen Merkmalen des Ausbildungsmarkts, dass er trotz Stellenüberhang nicht ausgeglichen ist. Diesem sogenannten „Mismatch“ liegen verschiedenen Ursachen zugrunde. Auf der einen Seite gibt es eigenschaftsbezogene Faktoren, wie etwa ein als nicht passend empfundenes Kompetenzprofil der Bewerberinnen und Bewerber. Auf der anderen Seite stehen berufsfachliche Faktoren, beispielsweise weil nachgefragten Berufe nicht dem Angebot entsprechen, oder es gibt regionale Disparitäten, die zu Ungleichgewichten führen.
Die Bundesagentur für Arbeit weist auf weitere Einflussgrößen hin, wie das Image von Ausbildungsberufen und -betrieben, die Arbeitszeiten, die Vergütung und die Perspektiven nach dem Abschluss der Ausbildung (auf der Seite der Betriebe) oder die Schulnoten und Sozialkompetenzen (auf der Seite der Absolventinnen und Absolventen).183
- 179 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Oktober 2024, S. 2.
- 180 Hierbei ist zu beachten, dass sich mittlerweile nur noch 60 % aller erfassten Ausbildungsstellensuchenden überhaupt bei der Arbeitsagentur als Bewerberin oder Bewerber melden. Von den aktuellen Schulabgänger/-innen aus Haupt- und Realschulen sind es sogar nur 30 %. Hierfür ist laut Bundesagentur für Arbeit vor allem eine gestiegene Transparenz (über Online-Börsen und Internet-Auftritte der Unternehmen) verantwortlich. Gleichzeitig bleibt damit die Nachfrage nach Ausbildung zu einem großen Teil unbeleuchtet. Bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen beträgt die Meldequote dagegen 77 % (Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Oktober 2024, S. 2).
- 181 Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) (2025): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2024 in den Arbeitsagenturbezirken, Bonn.
- 182 Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) (2024): Eckwerte zum Ausbildungsmarkt 2023 in den Arbeitsagenturbezirken, Bonn.
- 183 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Oktober 2024, S. 8.

Abbildungsbeschreibung (linkes Diagramm):
Abbildung E 3.2 besteht aus zwei nebeneinander angeordneten Diagrammen. Links ist ein vertikales Säulendiagramm zu sehen, das die Entwicklung der absoluten Zahl der gemeldeten Bewerberinnen um Berufsausbildungsstellen in Nürnberg über fünf Jahre hinweg zeigt. Die X-Achse ist mit den Schuljahren von 2019/20 bis 2023/24 beschriftet. Die Y-Achse reicht von 0 bis 5000 und ist in 500er-Schritten skaliert.
Zusammenfassung und Verlauf (linkes Diagramm):
Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber lag im Jahr 2019/20 bei 3457 und sank im Jahr 2020/21 auf 2977. In den Folgejahren stieg sie leicht an, auf 3004 im Jahr 2021/22, 3037 im Jahr 2022/23 und zuletzt auf 3157 im Jahr 2023/24.
Wertetabelle (linkes Diagramm):
| Jahr | Gemeldete Bewerberinnen und Bewerber |
|---|---|
| 2019/20 | 3457 |
| 2020/21 | 2977 |
| 2021/22 | 3004 |
| 2022/23 | 3037 |
| 2023/24 | 3157 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 3.2:Gemeldete Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, 2019/20 bis 2023/24 (linkes Diagramm)</figcaption>
Abbildungsbeschreibung (rechtes Diagramm):
Die Abbildung rechts zeigt ein horizontales Balkendiagramm, das die prozentuale Zusammensetzung der Bewerberinnen und Bewerber im Jahr 2023/24 nach verschiedenen Merkmalen darstellt. Die Y-Achse listet die Merkmalsgruppen, die X-Achse ist in 10-Prozent-Schritten skaliert und reicht bis 70 Prozent. Die Balken sind horizontal angeordnet.
Zusammenfassung und Verlauf (rechtes Diagramm):
Der Anteil der Bewerberinnen liegt bei 39,3 Prozent. 64,7 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber sind jünger als 20 Jahre. Weitere 22,6 Prozent sind zwischen 20 und 24 Jahre alt. 12,7 Prozent sind 25 Jahre oder älter.
54,3 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber sind im aktuellen Berichtsjahr von der Schule abgegangen. 45,1 Prozent waren Schulabgängerinnen und Schulabgänger aus den Vorjahren. 0,6 Prozent konnten keinem Abschlussjahrgang eindeutig zugeordnet werden.
37,3 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber haben eine ausländische Staatsangehörigkeit.
1,5 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber sind als Menschen mit Behinderung im Sinne des § 19 SGB III erfasst.
Wertetabelle (rechtes Diagramm):
| Merkmalsgruppen | Anteil an allen Bewerberinnen und Bewerbern (in Prozent) |
|---|---|
| Frauen | 39,3 |
| unter 20 Jahre | 64,7 |
| 20 bis 24 Jahre | 22,6 |
| 25 Jahre und älter | 12,7 |
| Schulabgänger/innen in den Vorjahren | 45,1 |
| Schulabgänger/-innen im Berichtsjahr | 54,3 |
| keine Angabe/keine Zuordnung möglich | 0,6 |
| Ausländer/-innen | 37,3 |
| Menschen mit Behinderung i. S. § 19 SGB III | 1,5 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 3.2:Gemeldete Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, 2019/20 bis 2023/24 (rechtes Diagramm)</figcaption>
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, September 2022 bis 2024; eigene Darstellung.
Ein Berichtsjahr bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen.
Nachdem die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsstellen in Nürnberg seit 2019/20 deutlich zurückgegangen war, stieg sie im Jahr 2023/24 um 3,95 %. Der auch bundesweit zu beobachtende Anstieg wird mit einer höheren Zahl von Schulabsolventinnen und Schulabsolventen erklärt, für Nürnberg ist dieser Zusammenhang nicht eindeutig erkennbar (vgl. Abb. E 3.2).184
Unter allen Bewerberinnen und Bewerbern um betriebliche Ausbildungsstellen sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert, da sie häufiger in die (hier nicht abgebildeten) schulischen Ausbildungsgänge, insbesondere in Berufsausbildungen im Gesundheits- und Sozialbereich, einmünden.185
37,3 % aller Bewerberinnen und Bewerber hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit, hiervon waren 41,8 % Frauen. Die Steigerung des Anteils um 5,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr 2022/23 basierte vor allem auf der Zunahme von Bewerberinnen und Bewerber mit Fluchthintergrund, insbesondere aus der Ukraine. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Staatsangehörigkeit 2023/24 bei 22 %.
Bezogen auf die Altersstruktur der Bewerberinnen und Bewerber war ein deutlicher Anstieg der höheren Altersgruppen zu verzeichnen: Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Jahr 2023/24 9,7 % mehr Bewerberinnen und Bewerber in der Altersgruppe von 20 bis unter 25 Jahren und 24,2 % mehr Bewerberinnen und Bewerber, die 25 Jahre und älter waren. Der letztgenannte Anteil lag 4,7 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt.186
1,5 % aller Bewerber und Bewerberinnen hatten im Jahr 2023/24 eine Behinderung.187 Ein Jahr zuvor waren es 2,4 % und im Jahr 2020/21 noch 3,2 %. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Personengruppe verstärkt in nicht-betriebliche Ausbildungen (Reha-Ausbildungen oder Berufsausbildungen in außerbetrieblichen Einrichtungen) eingemündet ist oder aber, dass Personen dieser Gruppe ganz auf die Meldung bei der Agentur für Arbeit verzichtet haben. Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter fördern die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben mit eigenen Instrumenten der „beruflichen Rehabilitation“188 (vgl. E 6.2).
41,6 % der Bewerberinnen und Bewerber verfügten im Jahr 2023/24 über einen Hauptschulabschluss189 , 34,2 % hatten einen Realschulabschluss und 0,5 % bewarben sich ohne Schulabschluss. Diese Verteilung unterschied sich nicht signifikant von derjenigen der Vorjahre und zeigt nochmals die höhere „Meldequote“ der Hauptschulabsolventinnen und -absolventen auf.190 17,6 % bewarben sich mit einer (Fach-)Hochschulreife um einen Ausbildungsplatz. Das entspricht einer Steigerung von 4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr 2022/23. Dies könnte als ein wieder leicht wachsendes Interesse der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulzugangsberechtigung an dualer Ausbildung interpretiert werden. Allerdings gewann auch die Vermittlung in ausbildungsintegrierte Duale Studiengänge an Bedeutung (vgl. F 4.1).191
33,6 % aller Ausbildungsinteressierten hatten sich bereits in den Vorjahren um einen Ausbildungsplatz beworben und ihren Ausbildungswunsch weiter aufrechterhalten. Dieser Anteil ist seit 2022 deutlich zurückgegangen – ein Indikator für die Erholung des Ausbildungsmarktes nach der Pandemie. 68,3 % dieser sogenannten „Altbewerber/-innen“192 suchten bereits seit mehr als einem Jahr nach einem Ausbildungsplatz, dies entspricht 23,0 % aller Bewerberinnen und Bewerber.
Betrachtet man die Bewerberinnen und Bewerber nach Art des Verbleibs, so mündeten 41,8 % im Jahr 2023/24 in eine Ausbildung ein. 7,2 % (227) blieben „unversorgt“. Die Quote der „Unversorgten“ erfuhr eine Steigerung um 23,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und war der höchste absolute Wert seit 2009 (vgl. E 3.5).
7,9 % der Bewerberinnen und Bewerber (248) nahmen ohne vorherige Berufsausbildung direkt eine Erwerbstätigkeit auf, 1,1 % (35) mündeten in eine Fördermaßnahme ein und 15,4 % (487) setzten ihre Schulausbildung bzw. ihr Studium fort. Bei 530 jungen Menschen, das entspricht 16,8 % aller Bewerberinnen und Bewerber, war der Verbleib unbekannt. Auch dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen (+16,0 %).
Im Jahr 2023/24 ebenfalls gestiegen ist die Zahl der sogenannten „anderen ehemaligen Bewerberinnen und Bewerber“ (aus den Vorjahren), über deren Verbleib nichts bekannt ist und für die auch keine Vermittlungsbemühungen mehr unternommen werden: Mit 1 361 Personen waren dies 11,6 % mehr als im Vorjahr. Laut BA-BiBB-Bewerber-Befragung war diese Personengruppe überdurchschnittlich häufig arbeitslos und auch überdurchschnittlich erwerbstätig (ohne vorherige Ausbildung).193
Diese arbeitslos gebliebenen Bewerberinnen und Bewerber (232) bilden mit weiteren, nicht erfassten jungen Menschen ohne Ausbildung oder Beschäftigung die Gruppe der sogenannten „NEETs“194 . Diese Personen verbleiben häufig langfristig außerhalb des Bildungssystems. Laut Berufsbildungsbericht 2023195 gelang einem hohen Anteil dieser Gruppe der Übergang in Ausbildung bzw. deren Abschluss wiederholt nicht.196 Überrepräsentiert waren dabei Personen mit höchstens einem Hauptschulabschluss (in Bayern: Mittelschulabschluss) und Personen mit Migrationshintergrund.
- 184 Bundesagentur für Arbeit: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, 30.10.2024, S. 5.
- 185 Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2024): Berufsbildungsbericht 2024, Bonn, S. 6.
- 186 Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, 30.10.2024, S. 5.
- 187 Definiert nach §19 SGB III, d.h. Menschen, die wegen Art oder Schwere der (drohenden) Behinderung wesentlich daran gehindert sind am Arbeitsleben teilzuhaben.
- 188 Mit dem Haushaltsfinanzierungsgesetz 2024 ist die Zuständigkeit für Beratung, Bewilligung und Finanzierung zu Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation von erwerbsfähigen Leistungsempfänger/-innen von den Jobcentern vollständig auf die Agentur für Arbeit übergegangen. Das Jobcenter ist aber weiterhin Anlaufstelle zur Identifizierung eines evtl. Reha-Bedarfs (nach der Deutschen Vereinigung für Rehabilitation (DVfR): www.reha-recht.de/infothek/beitrag/artikel/zustaendigkeit-arbeitsagenturen-fuer-berufliche-weiterbildung-und-rehabilitation-ab-2025, letzter Zugriff: 24.10.2025).
- 189 Die amtliche Statistik spricht aus Gründen der Vergleichbarkeit von „Hauptschulabschluss“. In Bayern sind dies die Abschlüsse der Mittelschule „erfolgreicher Abschluss der Mittelschule“ und „qualifizierender Abschluss“.
- 190 Zum Vergleich: 12,2 % der Schulabsolvent-/innen des Schuljahres 2022/23 in Nürnberg hatten einen Mittel- bzw. Hauptschulabschluss (vgl. D 5.1).
- 191 Bundesagentur für Arbeit: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, 30.10.2024.
- 192 Diese Gruppe wird als sehr heterogen beschrieben, hierunter zählen auch Personen, die zunächst auf eine Alternative ausgewichen sind oder ihre Ausbildung abgebrochen haben.
- 193 BiBB-Datenreport 2022 zitiert nach Bundesagentur für Arbeit: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, 30.10.2024.
- 194 NEETS steht für „Not in Education, Employment or Training“. Die NEETs-Quote wird im Ländervergleich als Indikator herangezogen (https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Statistics_on_young_people_neither_in_employment_nor_in_education_or_training, letzter Zugriff: 24.10.2025).
- 195 Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2023): Berufsbildungsbericht 2023, Bonn, S. 82.
- 196 Ebd. und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2025): BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie zum Ausbildungsmarkt: Ausbildungssuchende ohne Kontakt zur Arbeitsagentur und Geflüchtete sind oft im Nachteil, Ertl, Hubert et al., IAB Kurzbericht 18/2025, S. 7.

Abbildungsbeschreibung:
Abbildung E 3.3a ist ein horizontales Balkendiagramm. Es zeigt die zehn Berufe, für die sich im Jahr 2023/24 in Nürnberg die meisten Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle gemeldet haben. Die Berufe sind auf der y-Achse gelistet, von oben nach unten absteigend nach Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber. Die x-Achse stellt die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber dar, in 50er-Schritten von 0 bis 350.
Zusammenfassung und Verlauf:
Der längste Balken oben steht für den Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement mit 296 Bewerber/-innen. Es folgen Medizinische/r Fachangestellte/r mit 185 Bewerber/-innen, Verkäufer/-in mit 172 und Kraftfahrzeugmechatroniker/-in für PKW mit 153. Ebenfalls unter den zehn häufigsten Nennungen sind Fachinformatiker/-in in der Anwendungsentwicklung mit 146 Bewerber/-innen, Fachinformatiker/-in - Systemintegration mit 99, Automobilkaufmann/-frau mit 89, Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 83, Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel mit 77 und Bankkaufmann/-frau mit 76 Bewerber/-innen.
Wertetabelle:
| Berufe | Anzahl Bewerberinnen und Bewerber |
|---|---|
| Kaufmann/-frau - Büromanagement | 296 |
| Medizinische/r Fachangestellte/r | 185 |
| Verkäufer/in | 172 |
| Kfz.mechatroniker - PKW-Technik | 153 |
| Fachinformatiker-Anwendungsentwicklung | 146 |
| Fachinformatiker/in - Systemintegration | 99 |
| Automobilkaufmann/-frau | 89 |
| Anlagenmech. - Sanitär-/Heiz.-Klimatech. | 83 |
| Kaufmann/-frau im Einzelhandel | 77 |
| Bankkaufmann/-frau | 76 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 3.3a: Top 10-Berufe der Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, 2023/24</figcaption>
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt, Nürnberg, September 2024; eigene Darstellung.
Bei Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz sind manche Berufe deutlich beliebter als andere. In etlichen Berufsgruppen ist die Anzahl von Bewerbungen pro 100 gemeldete Ausbildungsplätze besonders hoch; das betrifft beispielsweise „Veranstaltungs-, Kamera-, Tontechnik“ (675), „Technische Mediengestaltung“ (600), „Holzbe- und -verarbeitung“ (600), „Floristik“ (325) sowie „Verkauf Bekleidung/Elektro/Kfz/Hartwaren“ (318). Dagegen liegen die Bewerbungen in den Berufsgruppen wie „Servicekräfte im Personenverkehr“ (11), „Lebensmittelverkauf“ (13) und „Gastronomie“ (18) weit unter dem Bedarf.
Die Berufswünsche junger Menschen verändern sich kurz- und mittelfristig kaum und sind nach wie vor stark geschlechtsspezifisch geprägt. So stehen bei den „TOP 10 Berufen“ für die Stadt Nürnberg im Jahr 2023/24 bei jungen Frauen wieder die „Kauffrau für Büromanagement“, die „Medizinische Fachangestellte“ sowie die „Verkäuferin“ auf den ersten drei Plätzen, während bei jungen Männern weiterhin der „Kfz-Mechatroniker“, der „Fachinformatiker“ und der „Kaufmann – Büromanagement“ die Wunschliste anführen. Die Berufswünsche der Jugendlichen sind offensichtlich weiterhin stark von ihrer direkten Erfahrungswirklichkeit geprägt.197 Betrachtet man die Berufswünsche der „unversorgten Bewerber/-innen“, ergibt sich im Grundsatz das gleiche Bild. 198
Im langfristigen Vergleich zeigen sich vor allem bei Männern Veränderungen bei neueren Berufen wie „Fachinformatiker“, „Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik“ oder „Anlagenmechaniker – Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik“. Hier wirken gesellschaftliche Entwicklungen wie Digitalisierung oder Klimaschutzmaßnahmen auf die Berufswahl.199
Sowohl die Auswahl der Wunschberufe wie die Geschlechterdisparitäten können zu einem Teil darauf zurückgeführt werden, wie das Ansehen des jeweiligen Berufs (Berufsprestige) in der Familie, im Freundeskreis oder im sonstigen persönlichen sozialen Umfeld der jungen Menschen wahrgenommen wird. Vor allem bei Jugendlichen, die sich in der sensiblen Phase der persönlichen und beruflichen Identitätsfindung befinden, hat das wahrgenommene Berufsimage im sozialen Umfeld erheblichen Einfluss auf ihre Berufswünsche.200
Die geschlechtsspezifische Ausprägung der Berufswünsche ist insbesondere bei Schülerinnen und Schülern von Haupt- und Mittelschulen zu sehen, die auf stark segmentierte Angebote an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im entsprechenden Qualifikationsbereich treffen.201
Sichtbar wird die geschlechtsspezifische Wahl auch in der Analyse der neuen Ausbildungsverträge der Kammern (Tab. E 3.6).
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt, Nürnberg, September 2024; eigene Darstellung.
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt, Nürnberg, September 2024; eigene Darstellung.
- 197 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Oktober 2024, S. 10.
- 198 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Juni 2025; Blatt 3.2.
- 199 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Oktober 2024, S. 10.
- 200 Kampshoff, Marita/Wiepcke, Claudia (2019): Geschlechtersensible Berufliche Orientierung – Fachdidaktischer Dreischritt für einen zeitgemäßen Wirtschaftsunterricht. In: Rudolf Schröder (Hg.): Berufliche Orientierung in der Schule. Wiesbaden, S. 91-106.
- 201 Siembab, Matthias/Wicht, Alexandra (2020), Schulformen und geschlechtstypische Berufsorientierungen. Zeitschrift für Soziologie, 49(2–3), 183–199, nach: Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2024, S. 281.

| Jahr | Anzahl der Auszubildenden in Betrieben | Anzahl der Betriebe mit Auszubildenden | Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten | Gesamtzahl der Betriebe | Ausbildungsquote(in %) | Ausbildungsbetriebsquote (in %) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2014 | 14786 | 2962 | 284915 | 14518 | 5,2 | 20,4 |
| 2015 | 14227 | 2944 | 293190 | 14697 | 4,9 | 20,0 |
| 2016 | 14278 | 2953 | 300348 | 14879 | 4,8 | 19,8 |
| 2017 | 14135 | 2988 | 308322 | 14989 | 4,6 | 19,9 |
| 2018 | 14114 | 2956 | 313621 | 15038 | 4,5 | 19,7 |
| 2019 | 14189 | 2954 | 315526 | 15006 | 4,5 | 19,7 |
| 2020 | 13710 | 2865 | 311576 | 14866 | 4,4 | 19,3 |
| 2021 | 13358 | 2824 | 316562 | 14942 | 4,2 | 18,9 |
| 2022 | 12975 | 2720 | 318577 | 14726 | 4,1 | 18,5 |
| 2023 | 13122 | 2678 | 319977 | 14516 | 4,1 | 18,4 |
| 2024 | 13403 | 2613 | 321896 | 14390 | 4,2 | 18,2 |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 3.4: Ausbildungsquote und Ausbildungsbetriebsquote in der Stadt Nürnberg, 2014 bis 2024</figcaption>
Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Arbeitsmarkt in Zahlen, Anzahl Betriebe mit Auszubildenden und Anzahl Auszubildende, Nürnberg; Stand: jeweils 31.12.; eigene Berechnungen und Darstellung.
Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen.
Die Ausbildungsquote in Nürnberg betrug im Jahr 2024 4,2 % und lag damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,5 %. Zum ersten Mal seit 10 Jahren war wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen (+0,1). Die Ausbildungsbetriebsquote allerdings verringerte sich weiter, weil die Anzahl der ausbildenden Betriebe sank. Das bedeutet, dass insgesamt weniger Betriebe mehr Auszubildende beschäftigten. Bundesweite Analysen zeigen, dass vor allem Kleinstbetriebe (weniger als 10 Beschäftigte) zunehmend seltener ausbilden.202
Bei Unternehmensbefragungen von Unternehmen geben insbesondere kleinere Betriebe häufig an, gerne mehr Auszubildende einstellen zu wollen, aber keine passenden Bewerberinnen und Bewerber zu finden.203 Zudem berichten Betriebe häufiger als früher, dass sich Bewerberinnen und Bewerber kurzfristig umentschieden.204 2023 meldeten 51 % der ausbildenden Betriebe unbesetzte Ausbildungsplätze – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 29 % 10 Jahre zuvor.205
Eine Umfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken zur Ausbildungsstellensituation 2024 bestätigt diese Entwicklung für die Region: Die Besetzungsquote lag bei 74,6 % und damit 3 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr (bayernweit: 80,5 %). Das bedeutet, dass fast jeder vierte Ausbildungsplatz bei den befragten Unternehmen unbesetzt blieb.206 Als Hauptgrund nannten die Unternehmen, dass es keine oder jedenfalls keine „geeigneten“ Bewerberinnen und Bewerber gab.
- 202 Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB (Hg.) (2024), Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2023.
- 203 Hennrich, Jonas/ Schaller, Daria (2025): Ausbildung im Fokus: Herausforderungen und Lösungsansätze, ifo-Schnelldienst, 1/2025, S. 56.
- 204 Ebbinghaus, Margit/Leber, Ute/Schwengler, Barbara (2025): „Doch lieber woanders hin“: Wenn geeignete Bewerberinnen und Bewerber abspringen, verschärft dies Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, IAB-Forum 24.3.2025, www.iab-forum.de/doch-lieber-woanders-hin-wenn-geeignete-bewerberinnen-und-bewerber-abspringen-verschaerft-dies-probleme-bei-der-besetzung-von-ausbildungsplaetzen; letzter Zugriff: 24.10.2025.
- 205 Ebd.
- 206 Die Rückmeldungen stammten zu 71 % von Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitenden. IHK Nürnberg für Mittelfranken (2024), BIHK Berufliche Bildung – Ausbildungsstellensituation 2024, www.ihk-nuernberg.de/ausbildung/ich-bilde-aus-ich-moechte-ausbilden/statistiken-umfragen-/-befragungen-zum-ausbildungsmarkt/umfrage-zur-ausbildungsstellensituation-2023; letzter Zugriff: 24.10.2025.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung E 3.5 zeigt ein gruppiertes Säulendiagramm zur Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative, unversorgten Bewerberinnen und Bewerber sowie unbesetzten Ausbildungsstellen in Nürnberg in den Jahren 2022 bis 2024. Die x-Achse ist nach Kalenderjahren gegliedert und zeigt die drei Berichtsjahre 2022, 2023 und 2024. Die y-Achse bildet die absolute Anzahl in 100er-Schritten ab, beginnend bei 0 und endend bei 800.
Für jedes Jahr sind drei nebeneinanderstehende, farblich voneinander abgesetzte Balken dargestellt: ein Balken, in dem die Anzahl der Bewerber/-innen mit Alternative und darüber die Anzahl der unversorgten Bewerber/-innen dargestellt ist sowie ein Balken mit der Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Jahr 2022 lag die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative bei 246, die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber bei 166 und es blieben 609 Ausbildungsstellen unbesetzt.
Im Jahr 2023 gab es 235 Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative, 184 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber und 678 unbesetzte Stellen.
Im Jahr 2024 wurden 250 Bewerberinnen und Bewerber mit Alternative, 227 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber und 471 unbesetzte Stellen gezählt.
Wertetabelle:
| Bewerber/-innen und unbesetzte Stellen | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|
| Bewerber/-innen mit Alternative | 246 | 235 | 250 |
| Bewerber/-innen unversorgt | 166 | 184 | 227 |
| Unbesetzte Stellen | 609 | 678 | 471 |
<figcaption>Daten zu Abbildung E 3.5: Bewerber/-innen mit Alternative oder unversorgt sowie unbesetzte Ausbildungsstellen, 2022 bis 2024</figcaption>
Bundesagentur für Arbeit, Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen, jeweils September. Stand: jeweils 30.9.
Nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze konnten mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden. Nach einem Anstieg ab 2021 sank die Zahl der unbesetzten Stellen entsprechend zum Rückgang an gemeldeten Stellen in Nürnberg – wie auch deutschlandweit – wieder deutlich. Auch der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen ging von 16,3 % auf 12,2 % zurück (Bayern: 16,9 %, Bund: 12,8 %). Dabei blieben die Besetzungsprobleme weiterhin auf einem hohen Niveau. Besonders viele unbesetzte Ausbildungsstellen gab es zum Beispiel in den Berufsgruppen des Verkaufs (106 unbesetzte Stellen zu 603 angebotenen Stellen).
Da auch die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber auf einen Höchststand stieg (vgl. E 3.2), kann nicht von einem besseren Marktausgleich gesprochen werden. Ein Hinweis auf zunehmende Passungsprobleme ist der Anstieg des Indikators „unversorgte Bewerber/-innen auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen“ von 27 auf 48 (Dieser lag 2023/24 bundesweit bei 45). Besonders hoch war der Anteil unversorgter Bewerber und Bewerberinnen im Ausbildungsjahr 2023/24 in den Berufsgruppen „Versicherungs-/Finanzdienstleistungen“ (300 unversorgte Bewerber/-innen), „Softwareentwicklung/Programmierung“ und „Informatik“ (zusammen 348).
Neben den unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern sind außerdem diejenigen einzubeziehen, die zum Stichtag 30.9. weiter ausbildungssuchend gemeldet waren, aber eine Alternative zur dualen Ausbildung gewählt haben, meist in Form der Fortsetzung ihrer schulischen Ausbildung. Zusammen mit den 227 „Unversorgten“ waren es am 30.9.2024 demnach insgesamt 477 junge Menschen, die nicht wie eigentlich gewünscht eine Ausbildung antreten konnten. Der Anteil dieser sogenannten „unvermittelten Bewerber/-innen“ an allen Bewerberinnen und Bewerbern lag 2024 bei 15,1% und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte.

| Industrie- und Handelskammer | Handwerkskammer | |||
|---|---|---|---|---|
| Anzahl | Anteil (in %) | Anzahl | Anteil (in %) | |
| Insgesamt | 3317 | 100,0 | 812 | 100,0 |
| Geschlecht | ||||
| Männlich | 2126 | 64,1 | 626 | 77,1 |
| Weiblich* | 1191 | 35,9 | 186 | 22,9 |
| Höchster Schulabschluss | ||||
| Ohne Abschluss | 62 | 1,9 | 55 | 6,8 |
| Hauptschulabschluss | 700 | 21,1 | 456 | 56,2 |
| Mittlerer Schulabschluss | 1612 | 48,6 | 221 | 27,2 |
| Hochschulzugangsberechtigung | 657 | 19,8 | 80 | 9,9 |
| Im Ausland erworbener Abschluss bzw. nicht zuzuordnen | 286 | 8,6 | - | - |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 3.6: Neueingetragene Ausbildungsverträge in der Stadt Nürnberg bei Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken und Handwerkskammer für Mittelfranken in Nürnberg, 2024</figcaption>
Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken; Handwerkskammer für Mittelfranken.
*inklusive „divers“; „Hauptschulabschluss“ entspricht in Bayern dem „einfachen und qualifizierenden Abschluss der Mittelschule“.
Für das Ausbildungsjahr 2024 (1.10.2023 – 30.09.2024) wurden insgesamt 4 048 abgeschlossene Ausbildungsverträge bei der Agentur für Arbeit gemeldet.207 Dies waren 282 weniger als im Vorjahr. Von diesen Verträgen entfielen 2 897 (71,6 %) auf Berufe in Zuständigkeit der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) und 482 (11,9 %) auf Berufe im Bereich der Handwerkskammer für Mittelfranken (hwk).
Im öffentlichen Dienst wurden 75, bei der Landwirtschaftskammer 14 Ausbildungsverhältnisse erfasst. Die zuständigen Stellen der freien Berufe verzeichneten insgesamt 375 Eintragungen (9,3 %), davon entfielen 273 auf Ausbildungsberufe bei Ärztinnen und Ärzten.
Die eigenen Auswertungen der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) und der Handwerkskammer für Mittelfranken (hwk) bilden alle eingetragenen Ausbildungsverträge im jeweiligen Bereich ab (Tab E 3.6). Bei der IHK wurden 2024 mit 3 317 Ausbildungsverhältnissen 52 weniger als im Vorjahr registriert. Bei der hwk wurden 812 Stellen gemeldet, das sind 27 weniger als im Jahr 2023. Im Einklang mit den Berufswünschen der Ausbildungsplatzsuchenden (E 3.3) waren die 3 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufe im IHK-Bereich Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement (183 Verträge), Verkäufer/in (175) und Fachinformatiker/in Systemintegration (140). Im Bereich der hwk waren es Kraftfahrzeugmechatroniker/in (149), Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (107) und Elektroniker/in (84).
Für beide Kammern zeigen sich bei der Betrachtung des höchsten Schulabschlusses der neuen Auszubildenden keine wesentlichen Veränderungen. Im IHK-Bereich ist der Anteil der Auszubildenden mit Mittelschulabschluss leicht zurückgegangen (-2 %), während er im Bereich der hwk um 3 Prozentpunkte stieg. In beiden Kammerbereichen war der Anteil der Auszubildenden mit Hochschulzugangsberechtigung rückläufig (IHK: -2,0 %, hwk: -2,3 Prozentpunkte). Auch im Bundesdurchschnitt setzt sich der Trend zur Höherqualifizierung nicht fort.208 Der jeweils häufigste Schulabschluss blieb im IHK-Bereich der mittlere Schulabschluss, im Handwerk der Mittelschulabschluss.
Der Anteil der weiblichen Auszubildenden stieg im IHK-Bereich um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Frauen waren mit einem Anteil von 47,9 % weiterhin häufiger in den kaufmännischen Berufen und deutlich seltener in gewerblich-technischen Berufen (14,9 %) vertreten. Insbesondere in den Bereichen Medien (z.B. Medienkauffrau Digital und Print: 71,4 %), Hotel -und Gastronomie (z.B. Hotelfachfrau: 70,0 %) sowie Gesundheit (z.B. Kauffrau im Gesundheitswesen: 82,9 %) ist der Anteil junger Frauen besonders hoch. Im Handwerk (Eintragungen bei hwk Mittelfranken), das traditionell einen geringeren Frauenanteil aufweist, lag die Quote der Ausbildungsanfängerinnen um 1,8 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Durch Maßnahmen wie dem „Tag des Handwerks“, an dem seit dem Schuljahr 2022/2023 alle Schülerinnen und Schüler in Bayern verpflichtend teilnehmen, soll dieser Anteil weiter erhöht werden.
Deutlich gestiegen ist der Anteil der Auszubildenden in IHK-Berufen, die ihren Schulabschluss im Ausland erworben haben: um 1,7 Prozentpunkte auf insgesamt 286. Damit ist anzunehmen, dass 8,6 % aller neuen Auszubildenden erst vergleichsweise kurz in Deutschland lebten. 2021 lag dieser Anteil noch bei 2,9 % (91). Von den neuen Auszubildenden im IHK-Bereich hatten 724 (21,8 %) eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit, 64,8 % waren männlich, 24,1 % verfügten über einen Mittelschulabschluss und 27,0 % über einen Realschulabschluss.
Im Kammerbezirk der Handwerkskammer für Mittelfranken lag der Anteil der neuen Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 18,0 %.209
Im IHK-Bereich wurden im Jahr 2024 lediglich 9 Ausbildungsverträge in Teilzeit abgeschlossen, 5 davon in kaufmännischen Berufen.
Im Rahmen der Berufsvorbereitung bieten Betriebe für junge Menschen unter 25 Jahren die Einstiegsqualifzierung EQ – ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum nach §54a SGB III – in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter an. Innerhalb der IHK-Zuständigkeit wurden im Jahr 2024 insgesamt 28 EQ-Verträge dokumentiert, 12 davon bestanden noch am 31.12.2024. Die Schwerpunkte lagen hierbei im Handel und im Hotel-/Gastgewerbe.
Seit dem 1.4.2024 ist mit dem Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung die Teilnahme an Einstiegsqualifizierungen erleichtert worden: So beträgt die Mindestdauer nur noch 4 Monate und die Möglichkeiten für die Durchführung in Teilzeit sowie die Teilnahmemöglichkeit für Menschen mit Behinderungen, die eine Fachpraktikerausbildung anstreben, wurden erweitert.
Menschen mit Behinderungen stehen grundsätzlich die gleichen Ausbildungen zur Verfügung wie Menschen ohne Behinderungen. Falls wegen Art und Schwere ihrer Behinderung eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf nicht in Betracht kommt, können sogenannte Fachpraktiker- oder Werkerausbildungen (nach § 66 BBiG oder § 42r HwO) mit Theorientlastung absolviert werden.
Im IHK-Bereich wurden im Jahr 2024 21 Verträge in diesen Sonderberufen abgeschlossen, davon 12 im kaufmännischen und 9 im gewerblich-technischen Bereich. Innerhalb des Bereichs der Handwerkskammer waren es 5. Zusammen ergibt das einen Anteil von 0,8 % an allen neuen Ausbildungsverträgen. Die weitaus meisten dieser Ausbildungen fanden in den Berufsbildungswerken (BBWs) statt (E 4.3).
- 207 Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Der Ausbildungsmarkt, Nürnberg, Juni 2025.
- 208 Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (2024): Berufsbildungsbericht 2024, Bonn, S.64. Grundlage sind hier die Ausbildungsdaten von 2022.
- 209 Statistik der Handwerkskammer für Mittelfranken, 2024. Für den Stadtbereich Nürnberg liegt keine spezifische Auswertung vor.

Abbildungsbeschreibung:
Abbildung E 4.1 zeigt ein gestapeltes Säulendiagramm, das die Entwicklung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler an beruflichen Schulen in Nürnberg im Zeitraum von Schuljahr 2018/19 bis 2023/24 darstellt. Die x-Achse bildet die Schuljahre von 2018/19 bis 2023/24 ab. Die y-Achse ist in Schritten zu 5000 skaliert und reicht von 0 bis 25000. Für jedes Jahr ist eine farbig gestapelte Säule dargestellt, die sich aus vier Schularten zusammensetzt: Berufsschulen, Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und sonstige Berufsfachschulen.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Schuljahr 2018/19 setzte sich der Balken wie folgt zusammen: 16401 Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen, 1066 an Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, 1783 an Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2200 an sonstigen Berufsfachschulen.
2019/20 stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den Berufsschulen leicht auf 16459, während die anderen Bereiche nahezu gleichblieben: 1062 an Berufsschulen mit sonderpädagogischer Förderung, 1792 in Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2307 in sonstigen Berufsfachschulen.
Im Jahr 2020/21 ging die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen auf 15617 zurück. Auch die anderen Zahlen lagen etwas niedriger: 1002 im Bereich der sonderpädagogischen Berufsschulen, 1763 in Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2.249 an sonstigen Berufsfachschulen.
2021/22 fiel die Zahl in den Berufsschulen weiter auf 15039. Die übrigen Bereiche entwickelten sich wie folgt: 972 Schülerinnen und Schüler in sonderpädagogischen Berufsschulen, 1677 in Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2253 in sonstigen Berufsfachschulen.
Im Schuljahr 2022/23 sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen auf 14679. Gleichzeitig waren 867 in sonderpädagogischen Berufsschulen, 1501 Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2172 in sonstigen Berufsfachschulen.
Im Schuljahr 2023/24 liegt die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an Berufsschulen bei 14924. Die Zahlen der weiteren Schularten sind: 878 in sonderpädagogischen Berufsschulen, 1552 in Berufsfachschulen des Gesundheitswesens und 2231 in sonstigen Berufsfachschulen.
Wertetabelle:
| Schulart | 2018/19 | 2019/20 | 2020/21 | 2021/22 | 2022/23 | 2023/24 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Berufsschulen | 16401 | 16459 | 15617 | 15039 | 14679 | 14924 |
| Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung | 1066 | 1062 | 1002 | 972 | 867 | 878 |
| Berufsfachschulen | 1783 | 1792 | 1763 | 1677 | 1501 | 1552 |
| Berufsfachschulen des Gesundheitswesen | 2200 | 2307 | 2249 | 2253 | 2172 | 2231 |
<figcaption>Wertetabelle zu Abbildung E 4.1: Schülerinnen und Schüler in beruflichen Schulen in Nürnberg nach Schulart, Schuljahre 2018/19 bis 2023/24</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik.
An den beruflichen Schulen in Nürnberg wurden im Schuljahr 2023/24 insgesamt 19 585 junge Menschen ausgebildet. Damit hat sich das Niveau nach den pandemiebedingten Rückgängen in allen Schularten weitgehend stabilisiert.
Im Vergleich zur Situation vor der Pandemie (2019/20) zeigt sich in den Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung ein Rückgang um rund 17 % und in den Regelberufsschulen ein Rückgang um rund 10 %. Während diese Entwicklung auch bei den Berufsfachschulen (Rückgang um 13 %) zu beobachten ist, konnten die Berufsfachschulen des Gesundheitswesens ihre Schülerzahl in diesem Zeitraum – mit geringen Einbußen – weitestgehend halten.
Die Statistik des Amts für Berufliche Schulen zeigt für das Schuljahr 2024/25 ebenfalls eine Tendenz zur Stabilisierung der Schülerzahlen in der dualen Ausbildung der öffentlichen beruflichen Schulen (Anstieg um 2,2 % auf 14.163 Schülerinnen und Schüler in den Fachklassen).
Während die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in den kaufmännischen Ausbildungsberufen im Vergleich zum Vorjahr leicht angewachsen ist, war bei den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen ein leichter Rückgang zu verzeichnen. So haben beispielsweise die Zahlen der Auszubildenden im Bereich Bankkaufleute (B4) wieder um 15,6 % zugenommen, wohingegen bei den Maler/-innen und Lackierer/-innen (B11) ein deutlicher Rückgang von 17,6 % zu beobachten ist.210
Der Bedarf an Unterstützung beim Erwerb der deutschen Berufssprache steigt kontinuierlich – und dies betrifft nicht nur die Schülerinnen und Schüler der Berufsintegrationsklassen (BIK). Aus diesem Grund wurde der berufssprachliche Förderunterricht an nahezu allen Berufsschulen sukzessive deutlich ausgebaut: Mit insgesamt 336 Lehrerwochenstunden hat sich der Umfang in den letzten drei Schuljahren mehr als verdreifacht (Im Schuljahr 2021/22 lag er noch bei 109 Lehrerwochenstunden). Im Schuljahr 2024/25 konnten darüber hinaus erstmals Masterstudierende der Wirtschafts- und Berufspädagogik im Rahmen des Student@work.nbg-Programms auch für die berufssprachlichen Förderung eingesetzt werden. Mit einer - vom Amt für Berufliche Schulen entwickelten - App kann nun der Sprachstand von Schülerinnen und Schüler ermittelt werden und darauf aufbauend eine angepasste individuelle Sprachförderung erfolgen.
Der Bedarf an Deutschsprach-Förderung war wiederholt Thema in den Gremien der Jugendberufsagentur (E 6), die Akteure erarbeiteten mehrfach entsprechende Konzepte. Im Schuljahr 2025/26 wird nun erstmals das Ausbildungsmodell „2+1“211 umgesetzt. Das von der Berufsschule B 6 in Zusammenarbeit mit der IHK Nürnberg für Mittelfranken und dem Bayerischen Kultusministerium entwickelte Modell erweitert die 2-jährige Ausbildung zur/zum Verkäufer/-in um ein zusätzliches Jahr, um sprachliche Hürden abzubauen.
Das Konzept „Mehr Schulerfolg an beruflichen Schulen (MSBS)“ zielte darauf ab, bildungsbenachteiligte Jugendliche während ihrer beruflichen Erstausbildung an den Berufsfachschulen zu fördern. Den Berufsfachschulen (und der Wirtschaftsschule) standen hier jeweils 2,5 Konzeptstunden zur Verfügung. Sie wurden im Schuljahr 2024/25 für Modellprojekte zur Schulentwicklung im Rahmen der Strategie „Schule Vision 2040“ genutzt, die vor allem auf die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schüler abzielen.
Im Rahmen des Arbeitskreises MUBIK (Mittelschule und Berufsschule in Kooperation) wurde in den letzten beiden Schuljahren die Kooperation zwischen Nürnberger Mittelschulen und Berufsschulen systematisch intensiviert und dabei auch das Übertrittsmanagement in die Berufsschulen (inklusive der BVJs) weiterentwickelt. Die engere Verzahnung ermöglicht unter anderem Hospitationen von Lehrkräften und Praktika von Mittelschülerinnen und Mittelschülern an den Berufsfachschulen.
Zum Stand des Schuljahres 2022/23 hatten in Nürnberg insgesamt 10 110 Personen einen beruflichen Bildungsgang durchlaufen. Davon konnten 64,6 % (1,8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr 2021/22) den Bildungsgang mit Erfolg absolvieren, 8,9 % waren nicht erfolgreich. 26,5 % konnten ihren beruflichen Bildungsgang nicht vollständig durchlaufen.
26,7 % aller Absolventinnen und Absolventen bzw. Abgängerinnen und Abgänger der beruflichen Bildungsgänge hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Bei diesen Personen fiel die Erfolgsquote mit 55,4 % erheblich geringer aus. Auch die Quote der vorzeitigen Beendigung lag bei dieser Personengruppe mit 31,2 % deutlich höher.212
- 210 Quelle: Amt für Berufliche Schulen, SchB-Statistik des Schuljahres 2024/25.
- 211www.nuernberg.de/internet/berufsschule_6/zweipluseins.html und https://www.ihk-nuernberg.de/ausbildung/berufe-a-z/verkaeufer/in, letzter Zugriff: 24.10.2025.
- 212 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Eckzahlen sämtlicher Schularten nach kreisfreien Städten und Landkreisen, Fassung vom 2.2.2024.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung E 4.2 zeigt ein gestapeltes Säulendiagramm zur Entwicklung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler in berufsvorbereitenden Maßnahmen an beruflichen Schulen in Nürnberg im Zeitraum von 2018/19 bis 2024/25. Die x-Achse listet die Schuljahre auf, die y-Achse zeigt die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Schritten von 200 und reicht von 0 bis 1200. Jede Säule ist in zwei Abschnitte unterteilt: im unteren Säulensegment sind Schülerinnen und Schüler im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) dargestellt und im oberen Säulensegment Schülerinnen und Schüler in Klassen der Berufsintegration (BIK/V, BIK, IVK-WS).
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Schuljahr 2018/19 besuchten 184 Schülerinnen und Schüler das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und 602 eine Berufsintegrationsklasse. 2019/20 lagen die Zahlen bei 218 im BVJ und 535 in der Berufsintegration. Im Schuljahr 2020/21 wurden 256 Schülerinnen und Schüler im BVJ und 431 in Klassen der Berufsintegration gezählt. Im Schuljahr 2021/22 stieg die Zahl im BVJ auf 372, die Zahl in der Berufsintegration sank auf 399.
Ab dem Schuljahr 2022/23 sind auch IVK-WS, DK-BS und Brückenklassen in der Berufsintegration enthalten, DKB-BS lediglich im Schuljahr 2022/23. Im Schuljahr 2022/23 besuchten 362 Schülerinnen und Schüler das BVJ und 668 eine Berufsintegrationsklasse. 2023/24 waren es 354 im BVJ und 783 in der Berufsintegration. Im Schuljahr 2024/25 stieg die Zahl der BVJ-Schülerinnen und -Schüler deutlich auf 430, während in Klassen der Berufsintegration 744 Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden.
Wertetabelle:
| Angebote der Berufsvorbereitung und -integration | 2018/19 | 2019/20 | 2020/21 | 2021/22 | 2022/23 | 2023/24 | 2024/25 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Schüler/-innen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ/s, BVJ/k) | 184 | 218 | 256 | 372 | 362 | 354 | 430 |
| Schüler/-innen in Klassen der Berufsintegration (BIK/V, BIK, IVK-WS) | 602 | 535 | 431 | 399 | 668 | 783 | 744 |
<figcaption>Wertetabelle zu Abbildung E 4.2: Schülerinnen und Schüler in der Berufsvorbereitung in Nürnberg, Schuljahre 2018/19 bis 2024/25</figcaption>
Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen.
Ab Schuljahr 2022/23 einschl. IVK-WS-Klassen, DK-BS-Flexi und Brückenklassen. DK-BS lediglich im Schuljahr 2022/23.
Seit dem Schuljahr 2020/21 münden Abgängerinnen und Abgänger der Mittelschulen, die nach Beendigung ihrer Vollzeit-Schulpflicht noch keinen Ausbildungsplatz oder anderweitigen Anschluss haben, direkt in das vollschulische Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ein. Das BVJ soll die Jugendlichen auf die Anforderungen einer Berufsausbildung vorbereiten und ermöglicht das Nachholen eines allgemeinbildenden Abschlusses.
Abb. E 4.2 zeigt, dass im Schuljahr 2024/25 im Vergleich zum Vorjahr vor allem die Zahlen in den Klassen der Berufsvorbereitung (BVJ/schulisch und BVJ/kooperativ) stiegen (+21,5 %) . Dies ist insbesondere auf Schülerinnen und Schüler zurückzuführen, die das BVJ wiederholen mussten.
Die Schülerzahlen in den Klassen der Berufsintegration blieben aufgrund des anhaltenden Zuzugs ausländischer Jugendlicher auf hohem Niveau. Um die Klassenstärken zu begrenzen, richtete das Amt für Berufliche Schulen unterjährige DK-BS-Flexi-Klassen für berufsschulpflichtige Schüler und Schülerinnen ein, die im laufenden Schuljahr nicht in eine BIK aufgenommen werden konnten. 3 dieser DK-BS-Flexi-Klassen wurden als eigenständige Klassen und eine weitere Klasse wurde in Wechselbeschulung zum Zeitpunkt nach den Osterferien genehmigt. So konnte 81 Schülerinnen und Schülern ein Schulplatz zur Verfügung gestellt werden.
Hohe Flexibilität erforderte auch die gestiegene Anzahl von Abbrecherinnen und Abbrechern aus der dualen Ausbildung bzw. aus den Berufsfachschulen und von Abgängerinnen und Abgängern aus Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien. Für diese Personen, die nach dem 20.10.2024 an die Berufsschulen wechselten und nicht in die regulären BVJ-Klassen aufgenommen werden konnten, wurden daher unterjährig BV-Flexi-Klassen für insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler eingerichtet.
Viele Schülerinnen und Schüler in der Berufsintegration, die aufgrund unterschiedlichster Problemlagen eine hohe psychische Belastung aufweisen, sind deutlich mehr auf individuelle Unterstützung und ein möglichst barrierearmes Umfeld angewiesen, um einen (regelmäßigen) Schulbesuch leisten zu können. Mit dem kultusministeriellen Schreiben vom 22.2.2024 wurden die rechtlichen Rahmenbedingungen für die notwendigen flexiblen Beschulungsmodelle gesetzt, wie sie auch schon im Modellprojekt für vollschulische BVJ-Klassen 2023/24 getestet wurden: Schülerinnen und Schüler mit hohem Unterstützungsbedarf können individuelle Stunden- und Betreuungspläne (z.B. mit Befreiungsmöglichkeiten zugunsten einer berufspraktischen Erfahrung) erhalten. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Berufsberatung im Rahmen der Jugendberufsagentur (JBA) sollen besonders auch diese Schülerinnen und Schüler im Blick bleiben, um frühzeitig Anschlussoptionen an das BVJ entwickeln zu können (vgl. E 6.1).
Im Schuljahr 2023/24 wurden insgesamt 99 Schülerinnen und Schüler der Berufsvorbereitungsklassen durch das „Team Ausbildungsakquisition“ von SCHLAU beim Übergang in eine Ausbildung bzw. Qualifizierung begleitet. Hiervon konnten 46,5 % in eine duale und 24,2 % in eine vollschulische Ausbildung einmünden, weitere 12,1 % fanden einen alternativen Anschluss.213
Gleichzeitig wurden erneut 80 junge Menschen mit Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte, die vor allem aus den Berufsintegrationsklassen kamen, vom SCHLAU-Team Ausbildungsakquisition für jugendliche Geflüchtete und Neuzugewanderte betreut. Aus dieser heterogenen Gruppe konnten insgesamt 49 junge Menschen (61,3 %) in 29 verschiedene Ausbildungsberufe einmünden (37,5 % duale Ausbildung, 23,8 % begannen eine schulische Ausbildung).214
- 213 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen, SCHLAU Übergangsmanagement.
- 214 Ebd.
An den Beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg wurden im Schuljahr 2024/25 21 Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen im Rahmen der Einzelinklusion unterrichtet und damit ebenso viele wie im Vorjahr. Davon hatten 9 Personen Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung, 7 Personen im Bereich der Sinnesbeeinträchtigung (Hören und Sehen) und 5 Personen im Bereich geistige Entwicklung.
Für die konkrete Förderung der Schülerinnen und Schüler mit (festgestellten) Förderbedarfen wurden für alle beruflichen Schulen (B1 bis B14) 2022/23 insgesamt 10,5 Lehrerwochenstunden genehmigt (im Vorjahr: 11,5 Stunden).
Zur Umsetzung der Inklusionskonzepte wurden im Schuljahr 2023/24 erstmalig 10 Anrechnungsstunden für die Inklusionsbeauftragten an den kommunalen beruflichen Schulen bewilligt. Die Beauftragten sollen besondere Förderbedarfe feststellen und begleiten sowie Netzwerkarbeit leisten, dies insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD).
Die enge Verzahnung von MSD – Förderschwerpunkt Lernen (an der Alfred-Welker-Berufsschule) mit den schulischen Aktivitäten im Rahmen der alternativen schulischen Angebote (AsA) wurde fortgesetzt: So ist in der AsA-Ü-Klasse an der B5 die MSD-Kraft direkt mit 5 Wochenstunden im Unterricht eingesetzt und kann damit Förderdiagnostik und pädagogisch-didaktische Umsetzung gleichzeitig verantworten.
Auch die Kooperationsprojekte mit den sonderpädagogischen Berufsschulen (Alfred-Welker-Schule und BBW Rummelsberg gGmbH) seitens der Berufsschulen 4 und 6 und mit dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (seitens der Berufsschule 6) wurden fortgesetzt.
Inklusion an der Berufsschule im weiteren Sinne geht über Maßnahmen zur Einzelinklusion deutlich hinaus. Die Berufsschulen berichten von umfassenden Bedarfen der Schülerinnen und Schüler, insbesondere im Bereich psychischer Problemlagen und Behinderungen. Der individualisierte Stundenplan im BVJ (E 4.2) ist hier ein möglicher Weg für eine inklusivere Ausgestaltung des Unterrichts.
Neben der inklusiven Beschulung an den beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg bestehen mit dem Berufsbildungswerk BBW HSL (Hören–Sprache–Lernen) des Bezirks Mittelfranken und dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (bbs) der Blindenastalt Nürnberg e.V. zwei Bildungseinrichtungen der beruflichen Rehabilitation, mit denen auch sonderpädagogische Berufsschulen verbunden sind.
Im Schuljahr 2024/25 waren – wie im Vorjahr – insgesamt 96 Schülerinnen und Schüler im beruflichen Schulzentrum zur sonderpädagogischen Förderung – Förderschwerpunkt Sehen des bbs. 47,9 % der Schülerinnen und Schüler besaßen eine ausländische Staatsangehörigkeit oder wiesen einen Migrationshintergrund auf. 9 Schülerinnen und Schüler nahmen an einem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) teil, 28 an einer berufsvorbereitenden Maßnahme BvB (E 6.2). 59 Personen (Vorjahr: 58) absolvierten eine Ausbildung an den Berufsfachschulen für Büroberufe und -wirtschaft, Massage und Physiotherapie oder Ernährung und Versorgung. Die Ausbildungen sind in begrenztem Umfang auch für Schülerinnen und Schüler ohne Sehbehinderung zugänglich, im Schuljahr 2024/25 waren dies 21 (Vorjahr: 25).
Die sonderpädagogische Berufsschule mit Förderschwerpunkt Hören und Sprache besuchten im Schuljahr 2024/25 203 Schülerinnen und Schüler, die Alfred-Welker-Berufsschule mit Förderschwerpunkt Lernen 640 Schülerinnen und Schüler und damit 11 weniger als im Vorjahr.215 Beide Berufsschulen sind organisatorisch mit dem BBW HSL verbunden.
In der Alfred-Welker-Berufsschule befanden sich im Schuljahr 2024/25 insgesamt 286 junge Menschen in einer Maßnahme der Berufsvorbereitung, 215 davon in einem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), einer Vollzeitmaßnahme mit Praktikumsanteil. Weitere 132 sogenannte „JoA“216 -Schülerinnen und -Schüler ohne Ausbildungsplatz werden mittlerweile statistisch zur Kategorie „Berufsausbildung“ gezählt.
71 Personen absolvierten eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB „Reha“ E 6.2), in der schulischer Unterricht an 2 bis 3 Tagen mit betrieblicher Praxis (u.a. im BBW) ergänzt wird.
222 Schülerinnen und Schüler (ohne JoA) der Alfred-Welker-Schule absolvierten eine 2- oder 3-jährige Ausbildung in Regelberufen (wie z.B. Verkäufer/-in, Fachlagerist/-in, Fachkraft im Gastgewerbe, Fachkraft für Metalltechnik) oder eine Ausbildung nach § 66 BBiG in den Werkstätten im BBW oder in einem Betrieb.217
Im BBW HSL waren im Schuljahr 2024/25 insgesamt 241 Teilnehmende gemeldet. 67 Personen nahmen an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teil, 174 junge Menschen absolvierten eine anerkannte Ausbildung (nach § 4 BBiG bzw. § 66 BBiG für die Fachpraktiker-Ausbildungen) in 8 Berufsfeldern mit über 30 Berufen. 71 Auszubildende wohnten währenddessen im BBW-eigenen Internat. Die Gesamtzahl der BBW-Auszubildenden blieb über die letzten 3 Jahre auf gleichem Niveau, aktuell ergibt sich eine leichte Zunahme des Bereichs der Berufsvorbereitung gegenüber der Ausbildung.218
- 215 Quelle: Regierung von Mittelfranken, Stand der Datenübermittlung: Juli 2025.
- 216 JOA ist die frühere Formulierung für "Jugendliche ohne Ausbildungsplatz".
- 217 Quelle: Alfred-Welker-Berufsschule, Juli 2025.
- 218 Quelle: Berufsbildungswerk BBW, Stand Oktober 2024.

Abbildungsbeschreibung:
Das Schaubild E 5.1: “Nürnberger Modell: Übergang Schule - Ausbildung Stand: Juni 2025“ gibt einen Überblick über das System des Übergangsmanagements von Schule zur Ausbildung in Nürnberg. Im oberen Teil ist links der Link www.uebergangsmanagement.nuernberg.de abgebildet. Die Überschrift darunter lautet „Nürnberger Modell: Übergang Schule – Ausbildung“ mit der Unterschrift „BO-Arbeit Mittelschulen, Bildungsbüro, Netzwerk Schule-Wirtschaft“
• Von links nach rechts sind fünf beschriftete Säulen angeordnet:
1. Säule: „7. bis 10. Jahrgangsstufe“ (jeweils ein Säulensegment pro Jahrgangsstufe, im gleichen Abstand von unten nach oben)
2. Säule: „Berufsberatung (Agentur für Arbeit)
3. Säule: „Portfolio“
4. Säule: „Berufseinstiegsberatung: Berufsentwicklungsgespräche“
5. Säule: „QP: Qualifiziertes Programm“
• Daran schließen rechts beschriftete Boxen / Felder in sechs Ebenen an, die von unten nach oben angeordnet sind und den Jahrgangsstufen zugeordnet sind.
1. Ebene = 7 Jahrgangsstufe: linke Box „Berufsorientierungsprogramm: Potenzialanalyse“ und rechte Box „Berufsorientierungsmaßnahme: Talente entdecken“
2. Ebene = 8. Jahrgangsstufe: eine Box „Berufsorientierungsprogramm: Praxisorientierte Berufsorientierungstage“
3. Ebene = 8. Jahrgangsstufe: eine Box „SCHLAU 8“
4. Ebene = 8. bis 10. Jahrgangsstufe: von links nach rechts: Box „SCHLAU 9 (10)“, Box „Quapo – Förderunterricht – Berufsorientierung“ und Box: „Berufseinstiegsbegleitung“
5. Ebene = nach 9./10. Jahrgangsstufe: von links nach rechts Box: „Jugendberufsagentur Anlaufstelle“, Box: „SCHLAU Berufsschulberatung“, Box: „Berufsvorbereitungsjahr“ und Box „Weiterführende Schulen“
6. Ebene = nach 9./10. Jahrgangsstufe: Box „Berufliche Schulen“
• Rechts neben den Boxen der dritten und vierten Ebene ist eine Säule mit der Beschriftung „KIT: Keep in Touch“ angeordnet, die sich auf die Jahrgangsstufen 8.-10. bezieht.
• Die Farbgebung der Boxen bezieht sich auf die Bereiche, zu denen die Angebote gerechnet werden können und auf die Finanzierung. In der Legende werden aufgezählt: Instrumente, Beratungsangebote, städtisch mitfinanzierte BO-Maßnahmen, BO-Maßnahmen, Berufsorientierungsprogramm, Schulen (im Anschluss an Mittelschule).
Rot umrandet, das heißt mit städtischen Mitteln mitfinanziert, sind die Boxen BOP, SCHLAU 8 und SCHLAU 9, QUAPO und KIT.
Die Inhalte der Säulen und Boxen werden im Datenblatt E 5-1 sowie in den Datenblättern E 5-2 bis E 5-4 genauer erläutert.
Bildungsbüro der Stadt Nürnberg.
Das kommunale System des Nürnberger Übergangsmanagements will seit 2010 Angebote und Prozesse im Netzwerk der Akteure aus Schule, Arbeitsverwaltung und außerschulischer Bildung systematisieren und koordinieren. Erklärtes Ziel ist, jungen Menschen den Übergang von der (Mittel-)Schule in das Berufsleben zu erleichtern. Frühzeitig ansetzende Angebote zur Berufsorientierung (BO) sollen deshalb möglichst passgenau vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler unterstützen, die nicht auf ausreichend eigene Ressourcen zugreifen können.
Im Folgenden werden Maßnahmen und Änderungen kurz beschrieben (im Schaubild Abb. E 5.1 von links nach rechts). Eine Komplettübersicht aller Angebote, die vom Bildungsbüro in Zusammenarbeit den Partnern in der Jugendberufsagentur laufend auf dem aktuellen Stand gehalten wird, findet sich unter: uebergangsmanagement.nuernberg.de.
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ist die zentrale Stelle, die junge Menschen in allen Fragen rund um die Berufswahl unterstützen möchte. Im Rahmen des Konzepts der lebensbegleitenden Berufsberatung wurde das Angebot der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben an den Schulen weiter ausgebaut und der Kontakt zu Lehrkräften sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren verstärkt.
Die Berufsorientierung an Mittelschulen (BO-Arbeit Mittelschulen) wurde weiter strukturiert und systematisiert. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren für Berufsorientierung (KBO) an den Schulen und im Schulverbund übernehmen hier eine wichtige Multiplikationsfunktion für die Netzwerkarbeit. Das „Nürnberger Portfolio“ bietet weiterhin die Möglichkeit, den BO-Prozess umfangreich zu dokumentieren. Die 2020/21 pilothaft eingeführten Beruflichen Entwicklungsgespräche BEG (BEG – Berufsentwicklungsgespräche – Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg), die auf eine noch engere Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten und Begleitenden in der BO abzielen, waren im Schuljahr 2024/25 an 16 Mittelschulen fester Bestandteil der Elternarbeit.
Auch das Qualifizierte Praktikum - QP ist nun das Standard-Instrumentarium für das Schülerpraktikum an den Mittelschulen.
Das Berufsorientierungsprogramm (BOP) (vgl. E 5.2), ein Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung219 im Rahmen der Initiative „Bildungsketten“, bildet die Grundlage der weiteren Berufsorientierung in den Mittelschulen.
Dabei sind die Berufsorientierungsmaßnahmen nach § 48 SGB III (BO-Module) das zentrale Element. Diese werden vom Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit geplant und jeweils paritätisch von der Bundesagentur für Arbeit und dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) finanziert.
Aufgrund von Kürzungen im Gesamtbudget wurden im Schuljahr 2023/24 die Platzzahlen deutlich reduziert: Für die BO-Module (inklusive SCHLAU) standen anstelle von 1 609 im Vorjahr insgesamt lediglich 883 Plätze zur Verfügung, 2024/25 blieb die Platzzahl stabil. 130 der 883 Plätze entfielen dabei auf das Modul „Talente entdecken“, das vom Bildungsträger DAA Nürnberg durchgeführt wurde.
Mit insgesamt 665 Plätzen für Teilnehmende in SCHLAU 8 (Vorentlassklassen) und SCHLAU 9 (Entlassklassen) (E 5.4) liegt der Schwerpunkt der BO-Mittel beim etablierten städtischen Angebot des Übergangsmanagements.
Das Angebot IBOS, das langjährig an der MS Scharrerstraße und MS Hummelsteiner-Weg durchgeführt wurde, endete mangels Kofinanzierung des Freistaats Bayern endgültig im August 2025.
Für das nachfolgende Schuljahr 2025/26 hatte die Agentur für Arbeit eine kombinierte BO-Maßnahme (KomBO) mit ingesamt 720 Plätzen für Mittelschülerinnen und Mittelschüler der Vorentlass- und Entlassklassen ausgeschrieben. Das KomBO-Konzept integriert die nachweislich erfolgreichen Elemente von IBOS wie die hohe Praxisorientierung, die jahrgangsübergreifende Arbeit und die enge, auch örtliche Anbindung an die Schulen und wird ab Schuljahr 2025/26 das einzige buchbare BO-Modul sein. Für die Durchführung von KomBO wird SCHLAU (E 5.4) als erfahrener Träger die Verantwortung tragen.
QUAPO (E 5.4) ergänzt als weiteres städtisches Angebot die Berufsorientierung in den Schulen für die Jahrgangsstufen 8 und 9 mit unterstützendem Förderunterricht zur Erreichung des Schulabschlusses und individueller Beratung.
Das Angebot der Berufseinstiegsbegleitung (BereB) bildete mit 221 Teilnahmeplätzen auch in den Schuljahren 2023/24 und 2024/25 eine wichtige Säule im Nürnberger Modell. Es wurde vom Kolping-Bildungswerk durchgeführt.
Seit 2021 stand die Fortführung der Maßnahme mehrfach in Frage, weil die Kofinanzierung des Freistaats Bayern nicht gesichert war. Die Finanzierungszusage kommt vergleichsweise spät im Jahr, sodass BereB im Gegensatz zu anderen Angeboten jeweils erst zum Halbjahr der 8. Jahrgangsstufe beginnt und in der 9. Jahrgangsstufe fortgeführt wird.
Das Projekt KIT – Keep in Touch, das vom Jugendamt koordiniert und von der Noris-Arbeit (NOA) gGmbH seit 1.9.2022 durchgeführt wird, zählt nicht zum schulischen Übergangsmanagement im engeren Sinne. Hier werden junge Menschen niedrigschwellig beraten und begleitet, die mit Blick auf die Regelsysteme entkoppelt bzw. von Entkopplung bedroht sind. Ebenso richtet sich das Angebot an sogenannte Careleaver220 aus der stationären Jugendhilfe. Bis September 2025 wurden 266 Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre durch das Projekt begleitet.221 Davon waren insgesamt 57 von Obdachlosigkeit oder von Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt betroffen. 216 Teilnehmer waren ausländischer Herkunft, davon waren 107 aus „Drittstaaten“. 4 Teilnehmende hatten eine Behinderung. KIT wird über das ESF+-Förderprogramm „Jugend stärken: Brücken in die Eigenständigkeit“ finanziert.
Im Rahmen der Einzelfallarbeit unterstützt auch die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) die Mittelschülerinnen und Mittelschüler bei der Berufsorientierung und übernimmt hier oft eine Vermittlungsfunktion im Übergangsmanagement (vgl. D 7.6). Über den Einzelfall hinaus organisiert JaS bei Bedarf und in Abstimmung mit der Schule Angebote zur beruflichen Orientierung für Gruppen und Klassen, z.B. Kompetenz- und Bewerbungstrainings.
Die Vernetzung mit den Kammern und Arbeitgebenden geschieht insbesondere im Netzwerk Schule-Wirtschaft und im Angebot QP – Qualifiziertes Praktikum. Hier wurde in den letzten beiden Schuljahren unter anderem ein vereinfachtes Bewerbungsformular für das Schülerpraktikum entwickelt.
Auch die Kammern (Handwerkskammer für Mittelfranken und Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken) bieten Orientierungs- und Beratungsangebote rund um die Ausbildung, wie z.B. Ausbildungs- und Vermittlungsbörsen. Mit den IHK-AusbildungsScouts existiert ein Peer-to-Peer-Angebot, über das Schülerinnen und Schüler Informationen zu Ausbildungsberufen aus erster Hand erhalten können.
- 219 Jetzt Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
- 220 Als „Careleaver“ werden junge Erwachsene bezeichnet, die einen Teil ihres Lebens in der stationären Jugendhilfe verbracht haben und sich am Übergang in ein eigenständiges Leben befinden (vgl. Sting, Stefan/Groinig, Maria (2020): Care Leaver und Familie. In: Ecarius, Jutta/Schierbaum, Anja (2020): Handbuch Familie, Wiesbaden. 2019; www.doi.org/10.1007/978-3-658-19861-9_37-1, letzter Zugriff: 24.10.2025).
- 221 Die Zählung der Teilnehmenden bezieht sich auf die Gesamtprojektlaufzeit, nicht auf ein Berichtsjahr.

| Schuljahr 2023/24 | Schuljahr 2024/25 | |||
|---|---|---|---|---|
| Berufsorientierungsprogramme nach Bildungsträger | Potenzialanalyse | Praktische Erprobung | Potenzialanalyse | Praxisorientierte BO-Tage |
| NOA an Mittelschulen | 736 | 695 | 728 | 631 |
| bfz an Mittelschulen | 506 | 557 | 695 | 606 |
| Mittelschulen insgesamt | 1242 | 1252 | 1423 | 1237 |
| NOA an Förderzentren | 144 | 144 | 118 | 103 |
| bfz an Förderzentren | 27 | 30 | 61 | 83 |
| Förderzentren insgesamt | 171 | 174 | 179 | 186 |
| Mittelschulen und Förderzentren insgesamt | 1413 | 1426 | 1602 | 1423 |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 5.2: Teilnehmende Mittel- und Förderschüler/-innen am Berufsorientierungsprogramm BOP nach Bildungsträger, Schuljahre 2023/24 und 2024/25</figcaption>
Noris-Arbeit (NOA) gGmbH; bfz gGmbH. Stand: April 2025.
Die Zahlen beziehen sich auf einen “Teilnehmendenjahrgang“, d.h. diejenigen Schüler/-innen, die das Programm in dem betreffenden Schuljahr komplett durchlaufen haben.
Das Berufsorientierungsprogramm (BOP), ein Programm des BMBFSFJ im Rahmen der Initiative Bildungsketten, bildet in Nürnberg die Grundlage der weiteren Berufsorientierung an Mittelschulen. Die Durchführung erfolgt durch die Noris-Arbeit (NOA) gGmbH und die bfz gGmbH – Mittelfranken. Das Programm wird seit 2011 an allen staatlichen Mittelschulen und einer privaten Mittelschule sowie an 8 (sonderpädagogischen) Förderzentren durchgeführt. Der erste Baustein des BOP ist die 2-tägige Potenzialanalyse (PA), die eine reflektierende Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Interessen der Schülerinnen und Schüler in den Vordergrund stellt. Darauf aufbauend finden die 2-wöchigen praxisorientierten BO-Tage (vormals „Werkstatt-Tage“) statt. Diese dienen dazu, einen praxisorientierten Einblick in relevante Berufsfelder zu geben und handlungsorientiert entsprechende Tätigkeiten zu erproben.
Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufen nehmen im Regelfall gemeinsam im Klassenverband am Programm teil und arbeiten dann in Kleingruppen. Im abgeschlossenen Schuljahr 2023/24 wurden so 1 242 Schülerinnen und Schülern aus Mittelschulen und 171 aus Förderzentren erreicht.
Während die NOA ausschließlich Mittelschulen und Förderzentren betreut, führt das bfz gGmbH – Mittelfranken das BOP entsprechend angepasst auch an 7 Real- bzw. Wirtschaftsschulen sowie an einigen Gymnasien durch. Mit der Verlegung von BOP in die Werkstätten in der Gutenstetter Straße hat die NOA die Möglichkeiten zur praxisnahen Erkundung der Berufsfelder deutlich erweitert. Die mittlerweile digitalisierte Übergabe der Testergebnisse aus der Potenzialanalyse vereinfacht die Weiterarbeit in der schulischen Berufsorientierung.
Lediglich die Berufseinstiegsbegleitung (E 5.1) und das Berufsorientierungsprogramm (BOP) stehen Schülerinnen und Schülern sowohl der Mittelschulen wie auch der Förderzentren zur Verfügung. Durch Differenzierung und Anpassung des Lerntempos kann in der Praxis adäquat auf unterschiedliche Voraussetzungen eingegangen werden. Die Auswertungen der Kompetenzprofile zeigen, dass auch Förderschülerinnen und Förderschüler teilweise Ergebnisse erzielen, die über dem Durchschnitt der Referenzgruppe aller Teilnehmenden liegen. Nach Aussage der Träger ist das Zusammentreffen der Lernenden aus Mittel- und Förderschulen während des BOP und das vereinzelte Zusammenarbeiten in einer Gruppe als sehr positiv zu bewerten.
Das BOP-Team der NOA stand in intensivem Austausch mit dem Projekts BeSOS222 und verwendet das dortige Modell zur Weiterentwicklung. Im Projekt werden Instrumentarien und Handreichungen erprobt, die darauf abzielen, die berufliche Orientierungsfähigkeit von psychisch belasteten Schülerinnen und Schülern zu stärken.
- 222 Das Projekt BeSOS (Beratungsinstrumentarium zur Stärkung der beruflichen Orientierungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern mit psychischer Belastung) wird als Teil der Initiative zur Schließung der Bildungsketten durchgeführt; www.besos-sachsen.de, letzter Zugriff: 24.10.2025.

| Module | Bausteine | 2022/23 (Teilnehmende gesamt: 127) | 2023/24 (Teilnehmende gesamt: 219) | 2024/25 (Teilnehmende gesamt: 175) |
|---|---|---|---|---|
| Talente entdecken | I Potentialanalyse | 15 | 61 | 51 |
| II Erkennen der beruflichen Interessen | 24 | 17 | 20 | |
| III Berufsorientierungspraxis | 66 | 58 | 75 | |
| IV Softskills Basis | 18 | 52 | 37 | |
| Talente aufbauen | V Berufsfeldpraxis | 19 | 0 | 12 |
| VI Softskills Aufbau | 0 | 62 | - | |
| VII IT- und Medienkompetenz | 0 | 12 | - |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 5.3: Berufsorientierungsmodule an den fünf Nürnberger Sonderpädagogischen Förderzentren Schuljahre 2022/23 bis 2024/25 </figcaption>
Regierung von Mittelfranken.
Der Baustein „Softskills Basis“ wird im Schuljahr 2024/25 dem Modul „Talente aufbauen“ zugeordnet.
Junge Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen haben grundsätzlich Zugang zu allgemeinen wie spezifischen Unterstützungsmaßnahmen. Dieser ist allerdings maßgeblich von der besuchten Schulform (Förderzentrum oder Regelschule, insbesondere Mittelschule) abhängig.
An den Angeboten des Berufsorientierungsprogramms BOP (E 5.2) nehmen in getrennten Gruppen auch Schülerinnen und Schüler aus Förderzentren teil. Aus Schülerinnen und Schülern von Förderschulen und Regelschulen zusammengesetzte gemischte Gruppen haben sich nach Aussage der Träger aus organisatorischen und pädagogischen Gründen nicht bewährt.
Die Berufseinstiegsbegleitungen (E 5.1) betreuen auch Förderschülerinnen und Förderschüler, hier stehen allerdings lediglich 18 Plätze zur Verfügung. 2023/24 wurde die Maßnahme vom Bildungsträger Transfer durchgeführt.
Darüber hinaus können sonderpädagogische Förderzentren bzw. Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt Lernen über die Regierung von Mittelfranken 7 förderschulspezifische Berufsorientierungsmodule (BOM) nach § 48 SGB III beantragen.
Im Schuljahr 2024/25 nahmen insgesamt 175 Schülerinnen und Schüler aus den 5 Nürnberger sonderpädagogischen Förderzentren an mindestens einem der Module teil (Abb. E 5.3). Die Reduzierung der verfügbaren Module auf 5 schlägt sich 2024/25 in einer geringeren Teilnahmezahl nieder (-44).
Schülerinnen und Schüler aus Förderschulen bzw. Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sind Zielgruppe der Gesamtmaßnahme „Übergang Förderschule–Beruf“, die vom Integrationsfachdienst (IfD) in Kooperation mit der Access gGmbH angeboten wird. In Rahmen dieser beruflichen Orientierungsmaßnahme werden pro Jahrgang maximal 25 Schülerinnen und Schüler aus der Merianschule, der Jakob-Muth-Schule und der (privaten) Karl-König-Schule der 11. Jahrgangstufe der Berufsschulstufe intensiv bei der Berufsorientierung begleitet.
Die zweite mögliche Phase der Gesamtmaßnahme „Übergang Förderschule–Beruf“ ist die „unterstützte Beschäftigung im Übergang Schule–Beruf“. Hier werden die Teilnehmenden (12 Personen im Schuljahr 24/25) in betreuten Langzeitpraktika qualifiziert. Sie werden im Durchschnitt zu mehr als der Hälfte in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vermittelt und dort weiter unterstützt. Damit entsteht inklusive Beschäftigung anstelle des sonst regelhaften Übergangs in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.
Die Maßnahme „Berufsorientierende Einstiegsbegleitung inklusiv (BoEI)“, ebenfalls vom Fachdienst IfD und der Access gGmbH durchgeführt, wird von der Agentur für Arbeit und dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert. Inhaltlich ähnlich zur Berufseinstiegsbegleitung (vgl. E 5.1) ist diese Begleitung Schülerinnen und Schülern aller Schularten zugänglich, wenn ein „besonderer Unterstützungsbedarf wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder Behinderung“ vorliegt.
Im Schuljahr 2024/25 waren 11 von 13 Plätzen besetzt. Die Maßnahme wird im Schuljahr 2025/26 mit 10 Teilnehmendenplätzen fortgesetzt.

| Finanzierung | Schuljahr | Schuljahr | Schuljahr |
|---|---|---|---|
| mit städtischer (Mit-) Finanzierung | 2022/23 | 2023/24 | 2024/25 (laufend) |
| SCHLAU (Abgangsklassen) | 440 | 440 | 440 |
| SCHLAU (Vorabgangsklassen) | 225 | 225 | 225 |
| QUAPO | 123 | 164 | 171 |
| QUAPO – davon: im Förderunterricht | 110 | 156 | 159 |
| QUAPO – davon: in Berufsorientierung | 112 | 149 | 148 |
| ohne städtische Finanzierung | 2022/23 | 2023/24 | 2024/25 (laufend) |
| BOM: "Talente entdecken" | 440 | 130 | 130 |
| BOM: "Talente fördern" | 474 | 0 | 0 |
| Berufseinstiegsberatung (BerEB) | 222 | 222 | 221 |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 5.4: Teilnehmer/-innen an anschlussorientierten Maßnahmen im Übergang, Schuljahre 2022/23 bis 2024/25</figcaption>
Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen/SCHLAU; Noris-Arbeit gGmbH; Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
Stand für das Schuljahr 2024/25: April 2025; QUAPO ab Halbjahr jeweils ohne 8. Jahrgangsstufe.
Die Stadt Nürnberg nimmt ihre Verantwortung für die Unterstützung gelingender Bildungs- und Erwerbsbiographien wahr, indem sie Angebote des Übergangsmanagements mit städtischen Haushaltsmitteln unterstützt und Zuschüsse in unterschiedlicher Größenordnung zur Durchführung der Maßnahmen leistet.
Das städtische Angebot SCHLAU – Übergangsmanagement begleitet Schülerinnen und Schüler der Vorentlass- und Entlassklassen aus Mittelschulen im Übergang zur Ausbildung. Seit 2021/22 werden Schülerinnen und Schüler bereits in der Vorentlassklasse (in der Regel in Jahrgangsstufe 8) in Gruppenworkshops und zusätzlichen Einzelcoachings auf die Phase des Übergangs vorbereitet. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der systematischen Vor- und Nachbereitung der Schulpraktika. Seit dem Schuljahr 2022/23 stehen hierfür 225 Plätze zur Verfügung.
SCHLAU für Abgangsklassen unterstützt Mittelschülerinnen und Mittelschüler der Regelklassen aus der 9. Jahrgangsstufe sowie bis zu 146 Teilnehmende aus M10- und V2-Klassen bei der konkreten Planung und Umsetzung von Berufswegen. Schülerinnen und Schüler, die die Möglichkeit haben, an SCHLAU über den Zeitraum von 2 Schuljahren teilzunehmen, profitieren dabei besonders nachhaltig.223
Die SCHLAU-Angebote gehören ebenfalls zu den BO-Modulen, die durch die Agentur für Arbeit und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus finanziert werden. Die Vergabe erfolgt über ein öffentliches Ausschreibungsverfahren des Regionalen Einkaufszentrums der Bundesagentur für Arbeit. Die Übergangsquoten der SCHLAU-Teilnehmenden (Abgangsklassen) lagen nach einem leichten pandemiebedingten Rückgang im Schuljahr 2020/21 in den letzten Schuljahren wieder auf einem hohen Niveau: 2023/24 konnten 39,5 % der 440 Teilnehmenden eine betriebliche Ausbildung beginnen und weitere 16,2 % eine vollschulische Ausbildung anschließen.
Für das Schuljahr 2025/26 hat SCHLAU e.V. den Zuschlag für das neue BO-Modul KomBO (E 5.1) mit 300 Plätzen für die jahrgangsübergreifende Arbeit sowie mit weiteren 420 Plätzen für Teilnehmende aus Entlassklassen erhalten. Damit wurde die zentrale Stellung der Angebote von SCHLAU im Unterstützungssystem für Mittelschülerinnen und Mittelschüler im Übergang gefestigt und dem Wunsch der Schulen nach verlässlichen Strukturen und personeller Kontinuität Rechnung getragen.
Das Angebot QUAPO, das von der Noris-Arbeit (NOA) gGmbH durchgeführt und aus städtischen Mitteln finanziert wird, ergänzt das Berufsorientierungsangebot der Schulen um Förderunterricht und individuelle Berufsorientierung. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe, die zusätzliche Unterstützung benötigen, um den (qualifizierenden) Mittelschulabschluss zu erreichen.
Im Schuljahr 2023/24 hat QUAPO insgesamt 164 Schülerinnen und Schüler an 13 Nürnberger Mittelschulen begleitet. 156 von ihnen nahmen am Förderunterricht teil, der mittlerweile direkt an den Schulen durchgeführt wird. Dennoch ist die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler häufig sehr unregelmäßig. Der Förderunterricht wird in unterschiedlichen Formaten durchgeführt. Besonders bewährt hat sich die parallele Durchführung zum regulären Unterricht und die QUAPO-AG als Angebot im Ganztag. Das Angebot der Durchführung einer Quali-Prüfung zur Probe wurde kaum mehr nachgefragt und daher durch Ferienangebote zur gezielten Prüfungsvorbereitung ersetzt. 149 Schülerinnen und Schüler nahmen das Angebot zur Berufsorientierung in Form von Beratungsgesprächen und Coachings wahr.
Exakt die Hälfte der QUAPO-Teilnehmenden mündete nach dem Schuljahr 2023/24 in eine Ausbildung ein: 39,6 % begannen eine duale Ausbildung und 10,4 % schlossen eine Ausbildung in einer Berufsfachschule an.
Im Schuljahr 2023/24 hatten 78,0 % der QUAPO-Teilnehmenden einen Migrationshintergrund, Deutsch war häufig nicht die Erstsprache. Seit dem 1.4.2025 erweitert das durch den AMIF224 geförderte Projekt „moca – more chances“ die Unterstützung für Schülerinnen und Schüler aus sogenannten Drittstaaten mit erhöhtem Bedarf an Deutsch-Sprachförderung. Die Jugendlichen können durch differenzierten Unterricht gezielter unterstützt und individuell begleitet werden. Das Angebot umfasst unter anderem DaZ-Lernwerkstätten, die den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, das für eine Ausbildung notwendige Deutsch-Sprachniveau B2 zu erreichen. Begleitet wird der Kompetenzerwerb durch niedrigschwellige Angebote für Eltern, um sie kultursensibel in ihrer beratenden Rolle zu stärken.
Fachkräfte der städtischen Programme berichten übereinstimmend von Veränderungen bei der Zielgruppe: Zum einen wird die Tendenz zu längerer schulischer Ausbildung beobachtet. So setzten 21,2 % der SCHLAU- und 36,0 % der QUAPO-Teilnehmenden ihren Weg an einer weiterführenden Schule fort. Zum anderen wird ein „sprunghafter Anstieg“ psychischer und psychosomatischer Erkrankungen/Beeinträchtigungen bei den Jugendlichen beschrieben, der die häufig ohnehin vorhandenen multiplen Problemlagen noch verschärft und die Beratung vor große Herausforderungen stellt.225 Dadurch wächst die Bedeutung einer vertrauensvollen Beziehung zwischen den Jugendlichen und ihrer Begleitperson im Übergangsprozess weiter. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, werden Fortbildungsangebote (z. B. zum Umgang von Jugendlichen mit traumatischen Belastungen) und der interprofessioneller Austausch im Akteursnetzwerk als besonders wichtig erachtet.
- 223 Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport/SCHLAU (2024): Sachverhalt 035/2024 zum Schulausschuss, 28.11.2024.
- 224 Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.
- 225 SCHLAU: Tätigkeitsbericht für das Schuljahr 2023/2024, www.nuernberg.de/imperia/md/schlau/dokumente/veroeffentlichungen/eva_web_2024.pdf, letzter Zugriff: 12.11.2025.

| Jahr | Kontakte | Fälle |
|---|---|---|
| 2022 | 387 | 273 |
| 2023 | 602 | 418 |
| 2024 | 721 | 498 |
| 2025 (bis 07/25) | 242 | 197 |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 6.1: Kontakt-/Fallzahlen der Anlaufstelle der Jugendberufsagentur Nürnberg, 2022 bis 2025</figcaption>
Agentur für Arbeit Nürnberg. Stand 2025: 18.7.2025.
Die Jugendberufsagentur Nürnberg (JBA) ist ein rechtskreisübergreifendes Netzwerk, das Unterstützungsangebote am Übergang Schule–Beruf koordiniert und gestaltet. Dabei sind Akteure aus den Bereichen Jobcenter U25 (SGB II), der Agentur für Arbeit (SGB III) und dem Jugendamt (SGB VIII) sowie aus dem Schulwesen eingebunden.
Die gemeinsame Anlaufstelle der Jugendberufsagentur im Dienstleistungszentrum U25 in der Sandstraße 22/24 richtet sich vor allem an junge Menschen mit unklaren Problemlagen und Anliegen, die mehrere Lebensbereiche betreffen, wie etwa Unterhaltssicherung, Wohnen und Ausbildung. Fachkräfte der drei beteiligten Rechtskreise (SGB II, III und VIII) beraten hier gemeinsam zu Themen der beruflichen Orientierung und Integration. Im Fokus stehen dabei die gemeinsame Klärung des Anliegens („Clearing“), die Integrationsplanung sowie die Weitervermittlung in unterstützende Angebote der jeweiligen Regelsysteme.
Tab. E 6.1 zeigt die stetige Zunahme von Kontakten und Fällen in den Jahren 2022 bis 2024 (Zunahme der Kontakte um 46,3 %, der Fälle um 45,2 %). Aufgrund personeller Wechsel liegt die Prognose für 2025 (mit 197 Fällen bis zum 18.7.25) etwas unterhalb des Vorjahres. In den Beratungsprozessen werden meist komplexe Problemlagen bearbeitet, die häufig mehrere Kontakte und gemeinsame Fallbearbeitungen der Rechtskreise erfordern. Es soll deshalb ein detaillierteres Verlaufsmonitoring entwickelt werden, das den Prozess vom Erstkontakt in der Anlaufstelle bis zur Integration ins Regelsystem in geeigneter Weise abbildet.
Seit 2023 ist die Maßnahme „Fördern und Fordern“ aus dem Bereich der Jugendhilfe im Strafverfahren in die Arbeit der Anlaufstelle integriert. Zielgruppe sind strafrechtlich auffällige junge Menschen mit geringer beruflicher Orientierung. Auf Weisung der Jugendgerichtshilfe werden diese Personen für jeweils 3 Monate im Rahmen erster beruflicher Schritte begleitet. In den Jahren 2023 und 2024 wurden insgesamt 30 Personen beraten. Im Zuge dessen werden 2025 5 Personen betreut und eine weitere Person wurde neu in die Maßnahme aufgenommen.
Um auf die Bedarfslagen junger Menschen mit psychischen Erkrankungen oder drohenden Behinderungen früher und angemessener einzugehen, wurden 2024 neben Fachkräften aus der Berufsberatung vor dem Erwerbsleben auch Fachkräfte aus der Reha-Beratung der Agentur für Arbeit in die Beratungsarbeit der Anlaufstelle eingebunden. Gleichzeitig wurden Angebote beworben (z.B. Skillz 4.0 von SOS226 , KIT (E 5.1)), die der Zielgruppe einen niedrigschwelligen und freiwilligen Zugang zu weiterführender Unterstützung ermöglichen.
Weiterhin bleibt die Deutsch-Sprachförderung ein wesentlicher Baustein für die erfolgreiche Einmündung junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Ausbildung. Das Projekt „Sprachreise B1“, das für Absolventinnen und Absolventen der Berufsintegrations-Klassen (E 4.2) entwickelt wurde, die keine Anschlussperspektive haben, konnte nicht realisiert werden. Jedoch wird das 2+1-Ausbildungsmodell (E 4.1) für Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel im zweiten Anlauf nun im Schuljahr 2025/26 umgesetzt.
- 226www.sos-kinderdorf.de/kinderdorf-nuernberg/angebote/ausbildung-und-qualifizierung/skillz, letzter Zugriff: 24.10.2025.

| Arbeitsmarktleistungen nach SGB II und SGB III | 2022/23 | 2023/24 | 2024 /25 | |
|---|---|---|---|---|
| SGB III | BvB | 96 | 108 | 108 |
| BvB kombi | 96 | - | - | |
| BvB Pro | 20 | 20 | 20 | |
| BvB Reha | 60 | 36 | 36 | |
| BaE kooperativ | 14 | 10 | 10 | |
| Aktivierungshilfen AsA flex: Stundenkontingente | 10 | 10 | 10 | |
| SGB II: Aktivierungshilfen | IMPULS | 13 | 13 | 10 |
| Werkstattschule 2.0 | 25 | 20 | 20* | |
| pro aktiv | 24 | 20 | ||
| Back in Future | 20 | 20 | 20 | |
| Phönix | 12 | 12 | 12** | |
| SGB II | BaE Vollzeit | 15 | 12 | 12 |
| BaE Teilzeit | 10 | 8 | 6 |
<figcaption>Daten zu Tabelle E 6.2: Teilnehmendenplätze in berufsvorbereitenden Maßnahmen der Arbeitsagentur (SGB III) und in Aktivierungshilfen des Jobcenters (SGB II)</figcaption>
Anmerkung: *endet 3/2025 ** wegen Haushaltssperre des Bundes nicht realisiert
Agentur für Arbeit; Jobcenter Nürnberg-Stadt DLZ U25.
*endet 3/2025 ** wegen Haushaltssperre des Bundes nicht realisiert; Abkürzungserklärung im Text
Jungen Menschen, die nach der Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht (noch) keine Ausbildung gefunden haben, stehen unter dem Dach der Jugendberufsagentur weitere Maßnahmen der Arbeitsverwaltung zur Verfügung. Die Angebote von Jobcenter (SGB II) und Arbeitsagentur (SGB III) zielen auf die Vorbereitung der Aufnahme einer Berufsausbildung und dabei meist auch auf die Stärkung von Schlüsselqualifikationen und die Bewältigung persönlicher Problemlagen.
Die Platzzahlen in den Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) der Agentur für Arbeit, in denen junge Menschen auch den Schulabschluss nachholen und finanzielle Unterstützung durch die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) erhalten können, sanken in der Summe seit dem Schuljahr 2022/23 deutlich. Während die Platzzahl in der Regel-BvB stabil blieb, wurde das Angebot der BvB-Kombi mit integriertem Sprachförderangebot aus dem Portfolio der Bundesagentur für Arbeit gestrichen. Mit diesem Wegfall entstand eine deutliche Angebotslücke, die im JBA-Netzwerk wiederholt kritisch thematisiert wurde.
Auch in der BvB für jugendliche Rehabilitanden (BvB Reha), die unter anderem im Berufsbildungswerk (BBW) und dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (bbs) angeboten wird (E 4.3), gibt es seit 2023/24 deutlich weniger Plätze. Die BvB Pro, die von der Noris-Arbeit gGmbH durchführt und von der Stadt Nürnberg kofinanziert wird, bietet einen produktionsorientierten Ansatz des Lernens in der Werkstatt.
Das Angebot der Assistierten Ausbildung (AsA flex) begleitet junge Menschen im Übergang in die und während der betrieblichen Erstausbildung beispielsweise durch Förderunterricht und sozialpädagogische Begleitung. Seit 2021/22 werden Stundenkontingente für das Angebot bereitgestellt, die im Jahr 2024/25 in etwa 180 Plätzen entsprachen. Diese Größenordnung liegt damit deutlich unter den entsprechenden Angeboten (ausbildungsbegleitenden Hilfen abH und AsA) bis zum Jahr 2021/22.
Bei weitergehendem Förderbedarf können junge Menschen eine außerbetriebliche Berufsausbildung (BaE) bei einem Bildungsträger absolvieren. Beim kooperativen Modell der BaE findet der praktische Ausbildungsteil in Kooperationsbetrieben statt, im integrativen Modell ebenfalls beim Bildungsträger (z.B. im BBW). 10 kooperative Plätze wurden 2024/25 von der Agentur für Arbeit getragen, weitere 18 Plätze finanziert das Jobcenter. 2021/22 waren es in Summe noch 39 Plätze.
Auch das Jugendamt der Stadt Nürnberg trägt (mit Kofinanzierung durch den ESF+) eine außerbetriebliche Ausbildung: „Mit Erfolg zum Ausbildungsziel“ (MezA) betreut im Jahr 20 Jugendliche. Außerdem ist im Anschluss an den Clearingprozess der Jugendhilfe eine langfristige Individualhilfe für die jungen Menschen möglich, die im SGB VIII als freiwillige Leistung und in Abstimmung bzw. Kombination mit anderen Maßnahmen angeboten wird.
Falls eine Berufsausbildung für die betreffende Person noch nicht in Frage kommt, stehen die sogenannten Aktivierungshilfen für junge Menschen zur Verfügung. Dort soll durch individuelle Unterstützung eine Stabilisierung im Alltag erreicht und zu weiterführenden qualifizierenden Angeboten motiviert werden. Das Jobcenter finanzierte 2023/24 insgesamt 85 Plätze und damit etwas weniger als im Vorjahr, im Jahr 2024/25 sank die Anzahl weiter auf 50 Plätze. Die Agentur für Arbeit ergänzte gleichbleibend mit weiteren 10 Plätzen (Tab. E 6.2).
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit dokumentiert im Bereich der Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben (sog. Rehabilitanden) im Alter bis zu 25 Jahren für das Jahr 2024227 insgesamt 357 Teilnehmende in der Förderart „Besondere Leistungen zur Teilhabe“ und weitere 88 Personen im Rahmen der „allgemeinen Leistungen zur Teilhabe“. Mit 103 Eintritten war die Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB rehaspezifisch) (E 4.3) die häufigste Leistung für junge Menschen mit Behinderungen, hier ist eine Steigerung um 22,6 % gegenüber dem Vorjahr festzustellen. 89 Personen erhielten eine Leistung als „besondere Maßnahme zur Ausbildungsförderung“. 78 Personen wurden durch „sonstige individuelle rehaspezifische Maßnahmen“ gefördert, 20 von ihnen wurden durch den Integrationsfachdienst (IFD) begleitet. Für 14 Personen wurden Hilfsmittel im Rahmen der Einzelfallförderung bewilligt. Das 2020 neu eingeführte „Budget für Ausbildung“ zur Förderung einer betrieblichen Erstausbildung, das auf Personen abzielt, die Anspruch auf Leistungen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen haben, wurde im Jahr 2024 in Nürnberg nicht genutzt. 23 junge Menschen unter 25 Jahren wurden jedoch im Rahmen der unterstützten Beschäftigung (UB) gefördert, die Menschen mit besonderen Unterstützungsbedarf durch Qualifizierung und Begleitung ein Beschäftigungsverhältnis im allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht.
- 227 Vgl. Agentur für Arbeit Nürnberg (2024): Eintritte von Rehabilitanden in Maßnahmen zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben nach Maßnahmeart, Gesamtzahl seit Jahresbeginn, Oktober 2024, Datenstand: Januar 2025.
Zusammenfassung
Im Schuljahr 2023/24 traten insgesamt 6 907 junge Menschen in das System der Berufsbildung in Nürnberg ein – der höchste Stand seit dem Jahr 2020/21. Besonders die duale Ausbildung verzeichnete nach der Corona-Pandemie wieder Zuwächse (E 2.2), wenn auch das vorherige Niveau bisher nicht wieder erreicht wurde.
Der Ausbildungsmarkt in Nürnberg ist – trotz rechnerischem Überhang an Ausbildungsstellen – aufgrund struktureller Ungleichgewichte weiterhin herausfordernd: Die Einmündungsquote (EQI) sank auf 71,3 % und ein wachsender Anteil von Bewerberinnen und Bewerbern um Ausbildungsstellen blieb unversorgt (2024 waren dies 477 junge Menschen) oder hatte einen unbekanntem Verbleib (E 3.5). Gleichzeitig waren zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Anzahl der Betriebe, die ausbilden, nimmt weiterhin ab. Für das aktuelle Ausbildungsjahr 2025/26 deuten die Zahlen der Kammern zu den abgeschlossenen Ausbildungsvertägen darauf hin, dass die Ausbildungszahlen – trotz fehlendem Abiturjahrgang – stabil bleiben.
In den Beruflichen Schulen der Stadt wurden 2023/24 19 585 junge Menschen ausgebildet. Auch hier sind leichte Zuwächse bei der dualen Ausbildung sichtbar (E 4.1). Der Bedarf an Deutsch-Sprachförderung ist sowohl in der Berufsvorbereitung wie auch in den Fachklassen hoch, das Angebot wurde deutlich ausgebaut.
Im Übergangssystem sind junge Männer mit ausländischer Staatsangehörigkeit weiterhin stark vertreten. Die Aufgabe, zugewanderte ausländische Jugendliche in das Nürnberger (Aus-)Bildungssystem zu integrieren, wird damit zu einem Erfolgsfaktor für die Sicherung des Arbeitskräftepotenzials und der gesellschaftlichen Teilhabe dieser Bevölkerungsgruppe.
Darüber hinaus mündet fast die Hälfte der Mittelschüler und Mittelschülerinnen aus Nürnberg nicht direkt in eine duale oder vollschulische Ausbildung, sondern in ein Berufsvorbereitungsjahr bzw. eine Berufsintegrationsklasse ein (E 2.3). Die Berufsschulen benennen die Heterogenität der Schülerschaft in Bezug auf individuelle Lern- und Unterstützungsbedarfe als eine große Herausforderung (E 4.2).
Darüber hinaus haben junge Menschen im Übergangssystem – korrelierend mit einem niedrigen Sozialstatus – überdurchschnittlich häufig auch einen schlechteren Gesundheitszustand, insbesondere im Bereich der psychischen Gesundheit.228
Inklusive Bildungsangebote sind im Bereich Übergang Schule–Beruf in der Praxis rar gesät: So existiert für Regel- und Förderschulen jeweils ein eigenes System zur Berufsorientierung. Während im Berufsorientierungsprogramm BOP getrennte Gruppen ähnliche Inhalte durchlaufen, sind die Berufsorientierungs-Module für die Schultypen unterschiedlich organisiert und finanziert. Für spezielle Personengruppen (wie Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Behinderung) existieren eigene Angebote. Die Berufseinstiegsbegleitung (BereB) wird auch für Förderschülerinnen und -schüler angeboten, allerdings in geringerem Umfang und mit eigenen Zugängen. Die an sich inklusive Maßnahme BOEi (E 5.3) ist ebenfalls mit einer sehr geringen Platzzahl und einer segregierenden Zugangslogik organisatorisch schwer an den Regelschulen umzusetzen.
Auch die berufliche Ausbildung ist eher von Trennung als von Inklusion gekennzeichnet: Obwohl flexible Teilzeit-Modelle für Ausbildungen229 immer wieder gefordert werden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür bestehen, ist der Anteil dualer Ausbildungen, die in Teilzeit stattfinden, marginal (E 3.6). Der Schwerpunkt der Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderungen findet dagegen weiterhin in Spezialeinrichtungen wie den Berufsbildungswerken statt (E 4.3). Auch in berufsvorbereitenden Maßnahmen der Arbeitsverwaltung ist eine flexible Teilzeitregelung meist nur in einer Erprobungsphase möglich.
Das kommunale Übergangsmanagement Nürnberg setzt auf koordinierte Berufsorientierung (BO) und strukturierte Zusammenarbeit aller Akteure. Mit der Konzentration auf wenige BO-Module, die bewährte erfolgreiche Elemente wie individuelle Begleitung und enge Anbindung an die Schule beinhalten, wurden die reduzierten finanziellen Ressourcen gut genutzt und die Vision eines „all-in-one“-Moduls teilweise umgesetzt.230 Wenn die Elemente – das zum Schuljahr 2025/26 neu strukturierte Modul (KomBO/SCHLAU) und die systematische Berufsorientierung an den jeweiligen Mittelschulen unter Verantwortung der Koordinierenden für Berufsorientierung – künftig gut ineinander greifen, kann ein wirkungsvolles Übergangsmanagement sichergestellt werden. Die städtische Kofinanzierung sorgt für strukturelle und personelle Stabilität in der Begleitung der Schülerinnen und Schüler (bei SCHLAU) und gewährleistet den notwendigen Ausbau von Sprachförderangeboten (bei QUAPO/moca).
Die zentrale gemeinsame Anlaufstelle der Jugendberufsagentur erreicht vermehrt junge Menschen und konnte im Jahr 2024 rund 500 Fälle bearbeiten. Die Arbeit des rechtskreisübergreifenden Netzwerks konzentriert sich nach wie vor weitgehend auf Austausch und Abstimmung. Ein zentrales Augenmerk lag auf der Deutsch-Sprachförderung in den Berufsschulen.
Empfehlungen
Berufsausbildung
Die Gewinnung von Jugendlichen für eine duale Berufsausbildung bleibt „eine der wichtigsten Herausforderungen für die Fachkräftesicherung“.231 Hierbei sollten Betriebe ihren Fokus insbesondere auf das Potenzial derjenigen jungen Menschen legen, die bislang keinen Ausbildungsplatz fanden.232 Betriebe sollten sich auf eine zunehmend heterogene Zielgruppe (von Studienaussteiger/-innen bis zu Personen ohne Schulabschluss) einstellen233 und in Wahrnehmung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung möglichst auch „unbequemen“234 Schulabsolventinnen und Schulabsolventen mit vermeintlichen Schwächen eine Chance geben.
Klein- und Kleinstbetriebe sollten dabei unterstützt werden, wieder (mehr) Ausbildungsplätze anzubieten. Verbundausbildungen und vorhandene Förderinstrumente wie die assistierte Ausbildung können dabei hilfreich sein.235
Gut begleitete und reflektierte Schulpraktika (nach den Standards des „Qualifizierten Praktikums Nürnberg – Mittelschule“)236 bieten Schülerinnen und Schülern wie auch Betrieben eine geeignete Möglichkeit, in Kontakt zu kommen und Entwicklungspotenziale zu erkennen. Gleichzeitig stärkt der Kontakt von Lehrkräften zu Praktikumsbetrieben das Netzwerk Schule – Wirtschaft und kommt praxisbegabten Schülerinnen und Schülern zugute.
Berufsorientierung
Junge Menschen auf der Suche nach ihrer persönlichen Identität und beruflichen Zukunft brauchen verlässliche Unterstützung und konstante Ansprechpersonen, zu denen sie eine tragfähige Beziehung aufbauen können. Diese Voraussetzungen können aufgrund der aktuell meist kurzfristigen Finanzierungslogik häufig nicht gewährleistet werden.237Personelle Kontinuität und verlässliche Strukturen sollten als Grundvoraussetzungen für gelingende Berufsorientierung weiterhin gestärkt werden.
Das Nürnberger Modell (E 5.1) bietet eine solide Grundlage für die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern im Übergang von der Schule in den Beruf, die systematisch auf weitere Zielgruppen wie Schülerinnen und Schüler des M-Zweigs, der Deutschklassen, der Berufsvorbereitungsklassen und auch weiterer Schularten ausgeweitet werden könnte. Ein idealtypisches Übergangscoaching238 würde dort ebenfalls bereits in den Abschlussklassen beginnen und bedarfsorientiert über den Ausbildungsverlauf hinweg begleiten, um Abbrüche zu vermeiden.239
Vorgaben für geförderte Maßnahmen sollten aktuellen Ergebnisssen der Bildungsforschung240 Rechnung tragen: Information zu Ausbildungsberufen und grundlegende Orientierung sind eine wichtige Grundlage. Darüber hinaus sollten individualisierte Berufsorientierungsangebote gefördert werden, die Reflexionsprozesse anregen - etwa durch Austauschformate mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern - und die noch stärker an die Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfen.241
Berufsvorbereitung
In der Berufsvorbereitung erfordern die heterogenen Lernstände und individuellen Unterstützungsbedarfe der Schülerinnen und Schüler ein wirkungsvolles Zusammenspiel eines multiprofessionellen Teams an den Berufsschulen. Das neu eingeführte Teamlehrkräfte-Budget von 4 Unterrichtswochenstunden ist notwendig und sinnvoll242 . Darüber hinaus ist eine Ausweitung in den weiteren Fachdisziplinen wie der Schulpsychologie, der Jugendsozialarbeit an Schulen und des Mobilen Sonderpädagosischen Dienstes erstrebenswert. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass der Wegfall der kooperativen Klassen (mit Bildungsträgern) ab dem Schuljahr 2025/26 den Bedarf beispielsweise auch bei SCHLAU deutlich erhöhen wird.
Zur erfolgreichen Gestaltung der Einzelinklusion von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen gehört untrennbar die Bewilligung von Nachteilsausgleichen auch an Berufsschulen und die Umsetzung baulich-organisatorischer Maßnahmen wie beispielsweise die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten.243
Zugewanderte Jugendliche nachhaltig in das Nürnberger (Aus-)Bildungssystem zu integrieren, ist ein Schlüsselfaktor für die Stärkung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und die Entfaltung ihres Arbeitskräftepotenzials. Die vorhandenen Sprachförderangebote an den Berufsschulen auszubauen und die Angebote der Sprachförderung des Bundes (z.B. Azubi-Kurse) noch besser an die Gegebenheiten der Schulen anzupassen, ist daher empfehlenswert.
Um die Effektivität von Maßnahmen des Übergangssystems für Teilnehmende mit negativen Schulerfahrungen zu erhöhen244 , bietet sich die Entwicklung von alternativen „schulfernen“ Formaten an, die eine gesundheitliche Stabilisierung ermöglichen und berufsfachliche Qualifizierungsbausteine enthalten. Eine Anrechnung auf duale Ausbildungen könnte den Zugang erleichtern und den jungen Menschen individuelle Lernwege ermöglichen.245
Inklusives Übergangsmanagement
Auch im Übergang in die Ausbildung werden junge Menschen mit Behinderungen mehrheitlich einem spezialisierten Unterstützungssystem zugewiesen. Dadurch wird die häufig als stigmatisierend erlebte Trennung von Förder- und Regelschulen fortgesetzt.246 Auch Finanzierungsverfahren und Unterstützungsinstrumente sind noch weitgehend getrennt (z.B. Maßnahmen der Arbeitsförderung nach SGB III und die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen nach SGB IX). Hier bedarf es einfacher und inklusiver Zugangswege zu Beratung und Unterstützung für alle jungen Menschen gleichermaßen.
Eine inklusive Ausgestaltung des Übergangs und ein barrierefreier und gleichberechtigter Zugang aller Jugendlichen zu einem inklusiven und diskriminierungsfreien Ausbildungssystem, wie er in Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird, erfordert unter anderem die Öffnung der Berufsorientierungs-Maßnahmen für alle jungen Menschen und die Flexibilisierung der Curricula im Regelausbildungssystem.247
Jungen Menschen mit Behinderungen im SGB II-Leistungsbezug, die (nachholend) einen höheren Bildungsabschluss anstreben, sollte die Fortsetzung ihrer Bildungslaufbahn über den ersten Schulabschluss hinaus ermöglicht werden, ohne dass Leistungen gemindert werden.
Um passende Unterstützungsstrukturen schaffen zu können, ist eine gute Datengrundlage unentbehrlich. Daher sollte die Kategorie „Behinderung/en“ in die Berufsbildungsstatistik aufgenommen werden. Zudem sollte der Übergangsprozess junger Menschen mit psychischen Problemlagen im Monitoring noch stärker in den Blick genommen werden.248 Eigene Erhebungen auf kommunaler Ebene erhöhen hierbei die Transparenz.
Jugendberufsagentur
Dass das SGB IX in die Beratungsarbeit der Anlaufstelle der Jugendberufsagentur Nürnberg einbezogen wurde, ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven Beratungsstruktur. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, die derzeitigen Instrumente weiterzuentwickeln, um die Bedarfe aller jungen Menschen aufnehmen zu können.
Bisher konnten über die rechtskreisübergreifende Abstimmung hinaus noch keine neuen, bedarfsgerechten Angebote unter dem Dach der Jugendberufsagentur etabliert werden. Hierfür fehlt es unter anderem an einem gemeinsamen Budget, sodass Maßnahmen weiterhin den üblichen Ausschreibungs- und Einkaufsverfahren unterworfen sind. Mithilfe eines „Innovationsbudgets“, das von den Rechtskreisen anteilig ausgestattet wird, könnten bedarfsgerechte Maßnahmen (insbesondere für junge Menschen mit komplexen Förderbedarfen) unbürokratisch modellhaft entwickelt und langfristig ins Regelsystem transferiert werden.
- 228 Schmidtke, Claudia/Geene, Raimund/Hölling, Heike u.a. (2021), S. 25, zitiert nach Buck, Pia (2024): Der Übergangssektor und die Dauerfrage seiner Chancen und Grenzen zur Teilhabeförderung und Fachkräftepotenzialhebung vor dem Hintergrund der steigenden Zahl psychischer Auffälligkeiten – eine empirische Einzelfalluntersuchung. In: Ixmeier, Sebastian/Buck, Pia/Münk, Dieter (Hg) (2024): Chancen für Alle durch (berufliche) Bildung. Inklusion und Teilhabe für Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung, Bielefeld, S. 67ff.
- 229 Z.B. Fojkar, Thiemo/Sliwinski, Marina: Einschätzungen des Bundesverbands der Träger der beruflichen Bildung zu beruflichen Bildungsperspektiven für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen: Die Rolle der beruflichen Bildungsträger. In: Ixmeier, Sebastian / Buck, Pia/ Münk, Dieter (Hg.) (2024): Chancen für Alle durch (berufliche) Bildung. Inklusion und Teilhabe für Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung, Bielefeld.
- 230 Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro (2024): Übergang Schule - Beruf / Nürnberger Modell, Beilage 2.1 des gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschusses, 20.6.2024, S. 26.
- 231 Bundesinstitut für Berufsbildung BiBB (Hg.) (2025): Weller, Stephanie/Christ, Alexander/Milde, Bettina/Granath, Ralf-Olaf: Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2024, Berlin, 2025; https://lit.bibb.de/vufind/Record/DS-782949
- 232 Dohmen, Dieter/Bayreuther, Tamara/Sandau, Matthias (2023): Monitor Ausbildungschancen 2023. Gesamtbericht Deutschland. Bertelsmann Stiftung (Hg.), Gütersloh, S. 41; www.chance-ausbildung.de/MonitorBund, letzter Zugriff: 12.11.2025.
- 233 Allianz für Aus- und Weiterbildung 2023-2026, Gemeinsame Erklärung vom 24.5.2023, S. 3; www.aus-und-weiterbildungsallianz.de/AAW/Redaktion/DE/Downloads/allianz-fuer-aus-und-weiterbildung-2023-2026.pdf, letzter Zugriff: 12.11.2025.
- 234 Slavik, Angelika (2025): Start des Ausbildungsjahrs – Unbequemen eine Chance geben. In: Süddeutsche Zeitung vom 1.9.2025.
- 235 Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.) (2024): Berufsbildungsbericht 2024, Bonn, S. 157.
- 236www.uebergangsmanagement.nuernberg.de/qp
- 237 Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAGKJS) (2024): Positionspapier „Den Übergang Schule-Beruf inklusiv weiterentwickeln“, Düsseldorf, 14.1.2024.
- 238 Ebd.
- 239 Uhly, Alexandra/Neises, Frank (2024): Vorzeitige Vertragslösungen in der dualen Berufsausbildung. Aktuelle empirische Befunde der Berufsbildungsstatistik und Maßnahmen, 25.01.2024; www.ueberaus.de/wws/vorzeitige-vertragsloesungen-in-der-dualen-berufsausbildung.php; letzter Zugriff: 24.10.2025.
- 240 Z.B. Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) (2022): Zukunftsfähig bleiben! 9+1 Thesen für eine bessere Berufsbildung, Leverkusen.
- 241 Matthes, Stephanie (2019): Warum werden Berufe nicht gewählt? Die Relevanz von Attraktions- und Aversionsfaktoren in der Berufsfindung. Bonn.
- 242 Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport (2024): Sachverhalt “Weiterentwicklung der Berufsvorbereitung an den städtischen Berufsschulen” im Schulausschuss, 19.7.2024.
- 243 Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport (2024): Sachbericht “Die Inklusion im Nürnberger Schul- und Sportbereich 2024” im Schulausschuss, 13.12.2024.
- 244 Längsschnittanalysen mit Daten des Nationalen Bildungspanels NEPS zeigen, dass lediglich 67 % der in den Übergangssektor einmündenden Jugendlichen nach 3 Jahren den Übergang in vollqualifizierende berufliche Bildung erreichen (Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung 2024, S. 294).
- 245 Euler, Dieter/Severing, Eckart (2006) zitiert nach Buck, Pia (2024): Der Übergangssektor und die Dauerfrage seiner Chancen und Grenzen zur Teilhabeförderung und Fachkräftepotenzialhebung vor dem Hintergrund der steigenden Zahl psychischer Auffälligkeiten – eine empirische Einzelfalluntersuchung. In: Ixmeier,Sebastian/Buck, Pia/Münk, Dieter (Hg.) (2024): Chancen für Alle durch (berufliche) Bildung. Inklusion und Teilhabe für Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung, Bielefeld, S. 78.
- 246 Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAGKJS) (2024): Positionspapier „Den Übergang Schule-Beruf inklusiv weiterentwickeln“, Düsseldorf, 14.1.2024.
- 247 Deutsches Institut für Menschenrechte, Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention (2025): Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der 21. Wahlperiode (2025–2029), Berlin, S. 6.
- 248 Ebd.



