1. Einleitung

Die formale Bildung an allgemeinbildenden Schulen vermittelt sowohl fachbezogenes und fächerübergreifendes Wissen als auch grundlegende Kompetenzen, die in strukturierten Lehrplänen festgelegt sind. Ziel ist es, staatlich anerkannte Abschlüsse zu ermöglichen, die zur Aufnahme weiterer Bildungs- und Berufswege berechtigen. Darüber hinaus fördert die schulische Bildung die Persönlichkeitsentwicklung, soziale Kompetenzen und die Fähigkeit zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe. 

In den letzten Jahren wurden auf Bundes- und Landesebene neue bildungs- und familienpolitische Schwerpunkte gesetzt, die zu strukturellen und inhaltlichen Veränderungen im Bildungssystem führen. So tritt ab dem Schuljahr 2026/27 bundesweit ein gestufter Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für Kinder im Grundschulalter in Kraft, um deren Bildungs- und Teilhabechancen zu verbessern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

In Bayern wurde zudem die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) beschlossen, sodass ab dem Schuljahr 2025/26 die Schulzeit an den Gymnasien wieder auf neun Jahre ausgeweitet wird. Infolgedessen fanden im Jahr 2025 an den meisten bayerischen Gymnasien keine Abiturprüfungen statt. An den Grundschulen wurden durch Änderungen an der Stundentafel die Basiskompetenzen in Deutsch und Mathematik gestärkt. Zudem wurde mit der sogenannten Verfassungsviertelstunde ein niedrigschwelliges Format zur Demokratiebildung bereits ab dem Grundschulalter eingeführt.

Der Abbau von Bildungsungleichheiten gewinnt deutschlandweit zunehmend an Bedeutung. Mit dem Startchancen-Programm haben Bund und Länder ein umfassendes Fördervorhaben auf den Weg gebracht, das über einen Zeitraum von 10 Jahren gezielt Schulen in sozial herausfordernden Lagen unterstützt. Ziel ist es, die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft nachhaltig zu verbessern. In Nürnberg werden insgesamt 57 Schulen an diesem Programm teilnehmen. In den kommenden Jahren wird zu beobachten sein, inwiefern diese Maßnahmen langfristig bessere Voraussetzungen für Bildungserfolg schaffen.

Um insbesondere Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache zu fördern, sind in Bayern im Jahr 2025 erstmals Sprachstandserhebungen eineinhalb Jahre vor der Einschulung vorgeschrieben. Wird Förderbedarf festgestellt, ist der Besuch einer staatlich geförderten Kindertageseinrichtung mit integriertem Vorkurs Deutsch verpflichtend, um den altersgerechten Erwerb deutscher Sprachkenntnisse zu unterstützen.

Die vielfältigen Herausforderungen der letzten Jahre haben erkennbare Auswirkungen auf die Schulen, deren Ausmaß sich jedoch nicht eindeutig bemessen lässt. Wie sieht Schule heute – nach der Corona-Pandemie mit ihren tiefgreifenden Folgen für den Schulbetrieb – aus? Die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine ab Februar 2022 prägt den schulischen Alltag in Nürnberg weiterhin. Es wurden pädagogische Willkommensgruppen, anschließend Brückenklassen und schließlich Deutschklassen eingerichtet – jeweils schulartspezifisch unterschiedlich ausgestaltet.

Gesellschaftliche Veränderungen erfordern von Bildungseinrichtungen fortwährende Anpassungen. Auch die Schullandschaft in Nürnberg befindet sich im Wandel. Zahlreiche Neubauten und Erweiterungen sind geplant oder bereits im Bau. Im neuen Stadtteil Lichtenreuth soll eine fünfzügige Grundschule mit Turnhalle entstehen, die zum Schuljahr 2027/28 den Betrieb aufnehmen soll. An der Breslauer Straße wird ein großer Bildungscampus mit Gymnasium, Realschule und Beruflicher Oberschule gebaut, dessen Fertigstellung für das Schuljahr 2028/29 vorgesehen ist. Der neue Schulcampus Werderau wurde bereits Anfang 2024 übergeben. Parallel dazu werden Ersatzneubauten errichtet und umfangreiche Sanierungen durchgeführt; dabei entstehende Raumbedarfe werden häufig durch Interimslösungen überbrückt.

Mit dem Entwicklungsprozess „Schule Vision 2040“ verfolgt das Referat für Schule und Sport der Stadt Nürnberg das Ziel, die kommunalen Schulen nachhaltig zu stärken und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Aufbauend auf dem im Jahr 2020 aktualisierten „Nürnberger Orientierungsrahmen für die städtischen Schulen“ wurden sieben zentrale Entwicklungsfelder definiert: selbstgesteuertes Lernen, fächervernetzendes, produktorientiertes und kooperatives Lernen, Schutzfaktoren für resiliente Systeme, lernwirksame und angstfreie Leistungsrückmeldung und -bewertung, lernförderliche Lernumgebungen, die Öffnung der Schule für mehr Selbstwirksamkeit sowie verbindliche und kollaborative Teamarbeit. Jede kommunale Schule kann diese Zielsetzungen entsprechend ihrem Bedarf umsetzen und wird dabei durch das Institut für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) sowie durch Netzwerk- und Austauschformate unterstützt. Das IPSN entwickelt Formate, um die gewonnenen Erkenntnisse auch in die staatlichen Schulen zu tragen.

Die Digitalisierung des Bildungsberichts ermöglicht eine umfassendere Analyse der allgemeinbildenden Schulen in Nürnberg. Im Vergleich zur Ausgabe von 2022 wurden neue datengestützte Inhalte ergänzt. So gibt es nun detaillierte Informationen zur Zusammensetzung der Schülerschaft an den unterschiedlichen Schularten sowie eine ausführlichere Darstellung der Schulen in freier Trägerschaft. Gleichzeitig wurden bewährte Inhalte aus früheren Berichtsjahren wieder aufgenommen. Dazu gehören die Ergebnisse der jährlichen Schuleingangsuntersuchung und Auswertungen zu den Lehrkräften, die an Nürnberger Schulen tätig sind. Im Bereich der inklusiven Bildung wurde der Bericht ebenfalls erweitert. Er enthält nun auch Daten zur Zahl sonderpädagogisch geförderter Schülerinnen und Schüler an den einzelnen Schularten sowie zur Zahl der eingesetzten Schulbegleitungen.
 

D 2. Grundinformationen

2.1 Bevölkerungsentwicklung und Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen im Schulalter

Am 31.12.2024 lebten in Nürnberg 19 824 Kinder im Alter von 6 bis unter 10 Jahren. Ihre Anzahl hat in den vergangenen drei Jahren um 9,1 % zugenommen. In der für die Sekundarstufe I typischen Altersgruppe von 10 bis unter 15 Jahren gab es 23 611 Kinder und Jugendliche, deren Anzahl in den letzten drei Jahren um 7,3 % gestiegen ist.

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund machten in der Altersgruppe der 6- bis unter 10-Jährigen 69,5 % und bei den 10- bis unter 15-Jährigen 68,2 %, also jeweils mehr als zwei Drittel aus. Ihr Anteil hat seit 2021 insbesondere in der jüngeren Altersgruppe zugenommen (+3,1 Prozentpunkte). Auch der Anteil der Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist bei jüngeren Schulkindern seit 2021 deutlich auf 28,0 % angestiegen (+ 6,2 Prozentpunkte). In der Altersgruppe von 10 bis unter 15 Jahren lag dieser Anteil im Jahr 2024 mit 25,4 % bei rund einem Viertel, im Jahr 2021 hatte er 21,0 % betragen.

Armut zeigt sich in unterschiedlichen Formen. Zahlen zu Kindern und Jugendlichen, die in Bedarfsgemeinschaften nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) leben, können Anhaltspunkte für die Analyse sozialer Benachteiligung im Bildungsbereich liefern. Die Zahlen zeigen für die beiden Altersgruppen in Nürnberg zuletzt unterschiedliche Entwicklungen (Abb. D 2.1). 3 559 der 6- bis unter 10-jährigen Kinder in Nürnberg lebten in einer Bedarfsgemeinschaft mit SGB II-Bezug. Dieser Anteil ist in den letzten drei Jahren von 15,6 % im Jahr 2021 auf 18,0 % im Jahr 2024 angestiegen. Bei den 10- bis unter 15-Jährigen stieg der Anteil im Jahr 2022 zunächst auf 16,0 %, blieb im Folgejahr stabil und sank zum Jahr 2024 leicht ab auf 15,6 % (3.675 Kinder und Jugendliche). Bis zum Jahr 2021 hatte sich die Anzahl der Kinder in SGB II-Bedarfsgemeinschaften sukzessive verringert. Bei der seit 2021 zu beobachtenden Entwicklung gilt es, die Zuwanderung aus der Ukraine und den Umstand zu berücksichtigen, dass Geflüchtete aus der Ukraine seit Mitte 2022 direkten Zugang zu Leistungen nach dem SGB II haben.83

  • 83 Vgl. Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro (2022): Bildung in Nürnberg 2022, Sechster Bildungsbericht der Stadt Nürnberg, S. 22.

2.2 Befunde der Schuleingangsuntersuchung

In Nürnberg werden im Rahmen der jährlich stattfindenden Schuleingangsuntersuchung (SEU) alle Kinder untersucht, die im darauffolgenden Schuljahr schulpflichtig werden. Neben der Prüfung gesundheitlicher Aspekte dient die SEU der Beurteilung der „Schulfähigkeit“ der Kinder, die ihre körperliche, geistig-seelische und soziale Entwicklung umfasst. Dabei werden verschiedene Kompetenzen wie Sprachfähigkeit, Fein- und Grobmotorik und soziale Fähigkeiten geprüft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Sprachentwicklungsdiagnostik. Im Vorfeld des Schuljahrs 2024/25 nahmen 5 102 in Nürnberg gemeldete Kinder an der SEU teil.84

Etwa ein Drittel dieser Kinder (33,1 %) wurde ergänzend schulärztlich untersucht. Dabei zeigte sich, dass 39,0 % der schulärztlich begutachteten Kinder einen Entwicklungsrückstand im Bereich „Sprache“ aufwiesen. In den Bereichen „Feinmotorik“ und „Soziale Entwicklung“ wurde bei 27,5 % bzw. 20,5 % der Kinder ein Entwicklungsrückstand festgestellt, im Bereich „Grobmotorik“ waren es 19,8 %. Insgesamt war bei 52,5 % der schulärztlich untersuchten Kinder ein Entwicklungsrückstand in mindestens einem dieser Bereiche zu verzeichnen.85 Weitere Details zur Schuleingangsuntersuchung finden sich in Abschnitt C 3.6.

Bisher fand die SEU meist 3 bis 10 Monate vor Schulbeginn statt. Die reformierte Schuleingangsuntersuchung (rSEU), die der Bayerische Ministerrat im Jahr 2018 beschlossen hat, soll künftig im vorletzten Kindergartenjahr stattfinden. So können Entwicklungsverzögerungen frühzeitiger erkannt und betroffene Kinder gezielter gefördert werden. Im Zuge dieser Reform wird der Untersuchungsumfang erweitert, es werden neue Testverfahren eingeführt und auch die schulärztliche Untersuchung wird ausgeweitet. Aufgrund der Corona-Pandemie verzögerte sich die Umsetzung der Reform deutlich. Spätestens ab dem Jahr 2027 müssen jedoch alle Gesundheitsämter in Bayern mit der Einführung der rSEU begonnen haben.86

  • 84 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg; eigene Berechnungen.
  • 85 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg; eigene Berechnungen.
  • 86 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt (2025): Ausblick zur Einführung der reformierten Schuleingangsuntersuchung in Nürnberg, Vorlage zur gemeinsamen Sitzung des gemeinsamen Gesundheitsausschusses und Sozialausschusses vom 22.5.2025, S. 1.

D 3. Grundinformationen zu Schulen in Nürnberg

3.1 Schulen

Die Stadt Nürnberg verfügt im Bereich allgemeinbildender Schulen über ein vielfältiges Angebot. Es umfasst 13 Schularten mit unterschiedlichen Trägerschaften und pädagogischen Ausrichtungen. Im Schuljahr 2023/24 bestanden in Nürnberg insgesamt 147 allgemeinbildende und berufliche Schulen, die primär zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen (Tab. D 3.1). Gegenüber dem Schuljahr 2021/22 blieb die Anzahl der Schulen unverändert.

Im Schuljahr 2023/24 befanden sich insgesamt 100 allgemeinbildende Schulen in staatlicher und 14 in städtischer Trägerschaft. Dieses schulische Angebot wird durch nicht öffentliche Schulen ergänzt, zu denen 25 Schulen in freier sowie 8 Schulen in kirchlicher Trägerschaft zählen. Sie decken ebenfalls alle Bildungsstufen des Primar- und Sekundarbereichs ab (vgl. D 3.5).

Von den im Nürnberger Stadtgebiet im Schuljahr 2023/24 vorhandenen Grundschulen waren 51 in staatlicher und 7 in kirchlicher oder freier Trägerschaft. Viele der Grundschulen in Nürnberg verfügen über besondere pädagogische Ausrichtungen, wie beispielsweise jahrgangskombinierte Beschulung oder einem Schwerpunkt auf musikalischer oder mathematischer Bildung oder Inklusion.

Von den 28 Mittelschulen befanden sich 23 in staatlicher Trägerschaft. Sie sind in sechs Mittelschulverbünden nach Regionen organisiert. In jedem dieser Verbünde gibt es ein Ganztagsangebot (D 6.2), mindestens einen Mittlere-Reife-Zug (M-Zug, vgl. D 7.5) , drei berufsorientierende Zweige (Technik, Wirtschaft, Soziales), individuelle, modulare Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie Kooperationen mit externen Partnerinnen und Partnern für eine systematische Berufsorientierung (vgl. E 5.4). Die 5 Mittelschulen in freier Trägerschaft können ohne Sprengelpflicht besucht werden.

Zur Nürnberger Schullandschaft gehörten im Schuljahr 2023/24 auch 15 Förderschulen für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf, davon 4 in freier und kirchlicher Trägerschaft. Nachdem die psychologisch-heilpädagogische Privatschule Regina Stein für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich „emotionale und soziale Entwicklung“ den Schulbetrieb 2023 eingestellt hatte, bemühte sich die Stadt Nürnberg um ein neues staatliches Förderzentrum. Durch die Errichtung geeigneter Räume wurde sichergestellt, dass die Beschulung der Kinder und Jugendlichen mit diesem Förderschwerpunkt weitergeführt werden kann (weitere Informationen zu Förderschulen finden sich bei D 7.2).

Von den insgesamt 12 Realschulen in Nürnberg waren im Schuljahr 2023/24 3 staatlich und 4 städtisch getragen. Mit 5 nicht öffentlichen Schulen in freier oder kirchlicher Trägerschaft ist der Anteil privater Bildungseinrichtungen in dieser Schulart recht hoch (41,7 %). An den Realschulen bietet sich vor allem durch Wahlpflichtfächergruppen87 ab der 7. Jahrgangsstufe die Möglichkeit, individuelle Bildungsschwerpunkte zu setzen. Die konkrete Verteilung der Wahlpflichtfächergruppen an den Realschulen variiert je nach Ausrichtung.

Zu den Nürnberger Gymnasien zählen insgesamt 17 Schulen, davon 8 in staatlicher, 5 in städtischer Trägerschaft und jeweils 2 in kirchlicher und freier Trägerschaft. Die pädagogische Ausrichtung der Gymnasien ist vielfältig und schließt unter anderem sprachliche, naturwissenschaftlich-technologische, musische, humanistische und wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Profile ein. 

In Nürnberg gab es im Schuljahr 2023/24 3 Wirtschaftsschulen, 7 Fachoberschulen (FOS) und 2 Berufsoberschulen (BOS). Die Schulen bieten unterschiedliche Bildungswege mit beruflichem Bezug und führen jeweils zu allgemeinbildenden Schulabschlüssen. Eine der Wirtschaftsschulen und 4 der Fachoberschulen standen in freier Trägerschaft (vgl. D 3.5).

Mit der Städtischen Abendrealschule an der Veit-Stoß-Realschule, dem Privaten Abendgymnasium Nürnberg sowie dem städtischen Hermann-Kesten-Kolleg Nürnberg stehen Erwachsenen im Schuljahr 2023/24 3 Schulen des zweiten Bildungsweges zur Verfügung, um einen allgemeinbildenden Schulabschluss nachzuholen (weitere Informationen dazu finden sich in Abschnitt D 5.4).

3.2 Klassen

Im Schuljahr 2023/24 wurden in Nürnberg 54 977 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Gesamtschülerzahl ist im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 um 2 058 Schülerinnen und Schüler gestiegen. Ein deutlicher Zuwachs bei der Schülerschaft zeigte sich vor allem an Grundschulen (+ 1428), Gymnasien (+ 291) und Realschulen (+ 243). Ein Rückgang war hingegen insbesondere an den Berufsoberschulen (BOS) (- 228), am Abendgymnasium (-81) und an der Abendrealschule (-37) zu verzeichnen.

Die Anzahl der Klassen hat sich seit dem Schuljahr 2020/21 von 2 348 auf 2 492 erhöht (+144). Am höchsten fiel der Zuwachs an den Gymnasien (+72 Klassen) und den Grundschulen (+51) aus. An der BOS ging die Anzahl der Klassen von 28 im Schuljahr 2020/21 auf 20 Klassen im Schuljahr 2023/24 zurück.

Die durchschnittliche Klassenstärke variiert je nach Schulart deutlich. Im Schuljahr 2023/24 war sie an Realschulen mit 25,2 und an Gymnasien mit 24,5 Schülerinnen und Schülern pro Klasse am höchsten. An Gymnasien sank die durchschnittliche Anzahl von Schülerinnen und Schülern pro Klasse im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 leicht, während die Klassenstärke an Wirtschaftsschulen und an Grundschulen um 1,7 bzw. 0,4 Schülerinnen und Schüler je Klasse zunahm. 

Die durchschnittlichen Klassenstärken in Nürnberg unterschieden sich im Schuljahr 2023/24 kaum von den Durchschnittswerten für ganz Bayern. Allerdings lagen die Klassenstärken an den Nürnberger Wirtschafts- und Berufsoberschulen um 1,9 bzw. 2,9 Schülerinnen und Schüler pro Klasse über dem bayerischen Durchschnitt. Die Abendrealschule in Nürnberg besuchten dagegen 1,9 Schülerinnen und Schüler je Klasse weniger als es durchschnittlich an anderen Abendrealschulen im Freistaat der Fall war.

3.3 Entwicklung der Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen

Im Schuljahr 2023/24 besuchten insgesamt 48 741 Schülerinnen und Schüler eine allgemeinbildende Schule in Nürnberg.88 Vom Schuljahr 2016/17 bis 2021/22 blieb die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler relativ stabil und ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 492, was einem Zuwachs von 1,0 % entspricht. 

Die Anzahl der Grundschülerinnen und Grundschüler im Stadtgebiet wächst seit dem Schuljahr 2022/23 kontinuierlich. Zuletzt lag sie bei 18 192, was einer Erhöhung um 2,8 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht (vgl. A 2.2).

An den weiterführenden Schulen entwickelte sich die Anzahl der Schülerinnen und Schüler je nach Schulart unterschiedlich. Während die Gesamtzahl an Gymnasien bis zum Vorjahr zugenommen hatte, sank sie zum Schuljahr 2023/24 wieder leicht auf 12 423. Die Zahl der Mittelschülerinnen und -schüler blieb mit 8 569 nahezu konstant. An den Realschulen in Nürnberg nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler seit Jahren zu; im Schuljahr 2023/24 lag sie bei 6 829.

In den Nürnberger Förderschulen wurden im Schuljahr 2023/24 2 728 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, 29 mehr als im Vorjahr. Die Schülerzahl an den Förderschulen im Stadtgebiet unterlag leichten Schwankungen, blieb jedoch im Wesentlichen stabil. 

  • 88 Die Gesamtschülerzahl bezieht sich auf die in der Abbildung benannten Schularten Grundschule, Gymnasium, Mittelschule, Realschule und Förderschule.

3.4 Schülerzahlen an beruflichen Schulen

In Nürnberg zählen die Fach- und Berufsoberschulen (FOS, BOS) sowie die Wirtschaftsschulen zu den beruflichen Schularten, die primär zu einem allgemeinbildenden Schulabschluss führen. In den letzten Jahren blieb die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler an diesen beruflichen Schulen weitgehend konstant. Im Schuljahr 2023/24 wurden dort insgesamt 4 368 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl um 25 Personen und damit 0,6 % leicht gesunken.

3 103 Schülerinnen und Schüler besuchten im Schuljahr 2023/24 eine der Fachoberschulen in Nürnberg. Nachdem die Schülerzahl im Jahr 2019/20 zurückgegangen war, stieg sie in den darauffolgenden Jahren kontinuierlich an und verzeichnete auch im Schuljahr 2023/24 im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Zuwachs um 18 Personen und damit 0,6 %.

Wie in Bayern insgesamt, ist auch bei den Nürnberger Berufsoberschulen ein kontinuierlicher Rückgang der Schülerzahlen zu beobachten. Im Schuljahr 2023/24 besuchten 393 Schülerinnen und Schüler eine BOS. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 92, also fast ein Fünftel (19 %) weniger. Schullaufbahnentscheidungen wirken sich an den BOS statistisch betrachtet stärker auf die Gesamtschülerzahl aus als bei anderen Schularten, da diese Schulen nur zwei Jahrgangstufen umfassen und bereits nach einem Jahr mit der Fachhochschulreife wieder verlassen werden können.89

Im Schuljahr 2023/24 verzeichneten die Wirtschaftsschulen in Nürnberg 872 Schülerinnen und Schüler. Bis zum Schuljahr 2019/20 war die Schülerzahl an diesen Schulen rückläufig. Zum Schuljahr 2020/21 wurde der Eintritt in die Wirtschaftsschule ab Jahrgangsstufe 6 regelhaft eingeführt. Daraufhin nahm die Schülerzahl im Schuljahr 2022/23 deutlich um 100 Schülerinnen und Schüler zu, was einem Zuwachs von 13,8 % entspricht. Ab dem Schuljahr 2024/25 ist auch der Eintritt ab der Jahrgangsstufe 5 möglich, sodass die Schülerzahlen zukünftig voraussichtlich weiter steigen werden.

3.5 Allgemeinbildende Schulen in freier Trägerschaft

Im Schuljahr 2023/24 gab es in Nürnberg 33 allgemeinbildende Schulen in freier Trägerschaft, die sich durch unterschiedliche pädagogische Ausrichtungen und inhaltliche Schwerpunkte auszeichnen. Diese Schulen umfassten 17 staatlich genehmigte Schulen, 15 staatlich anerkannte Schulen90 und eine ausländische Schule. Sie deckten insgesamt zehn verschiedene Schularten ab und liegen vornehmlich im Innenstadtgürtel und den umliegenden nordöstlichen, östlichen und südöstlichen Stadtteilen (Abb. D 3.5). 

Im Schuljahr 2023/24 wurden an diesen Schulen insgesamt 7 262 Schülerinnen und Schüler aus dem Stadtgebiet und Umgebung unterrichtet, was 13,2 % der gesamten Schülerschaft an allgemeinbildenden Schulen in Nürnberg entspricht. Die meisten von ihnen, nämlich 1 904 Kinder und Jugendliche, besuchten die Wilhelm-Löhe-Schule in Himpfelshof. Diese kooperative Gesamtschule unter evangelischer Trägerschaft umfasst eine Grund-, Mittel- und Realschule, ein Gymnasium und eine Fachoberschule. Mit 29 Schülerinnen und Schülern war die Adventistische Grundschule Mose-Schule im Stadtteil Herrnhütte die kleinste der allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft.

Möglichkeiten zur privaten Beschulung gab es im Schuljahr 2023/24 an sieben Grundschulen und fünf Realschulen sowie an jeweils vier Förderschulen, Gymnasien und Fachoberschulen. Darüber hinaus gab es die Private Wirtschaftsschule der Sabel Schulen und das Private Abendgymnasium Nürnberg.91

6 der 15 freien Schulträger betrieben mehrere Schularten. Die Maria-Ward-Schulen im Stadtteil Wöhrd, die sich in katholischer Trägerschaft befinden, umfassen eine Grundschule, eine Realschule sowie ein Gymnasium und wurden von insgesamt 1 176 Schülerinnen besucht. Auch die reformpädagogisch ausgerichtete Montessori-Schule im Stadtteil St. Jobst verfügt über Grund-, Mittel- und Fachoberschule, an denen im Schuljahr 2023/24 insgesamt 610 Kinder und Jugendliche unterrichtet wurden. Je eine Real-, Wirtschafts-, und Fachoberschule im Stadtteil Tafelhof und ein Gymnasium im Stadtteil Galgenhof stehen in Trägerschaft der gemeinnützigen Stiftung Sabel Schulen und verzeichneten insgesamt 656 Schülerinnen und Schüler.

In Nürnberg gibt es verschiedene Bildungseinrichtungen, die über die klassischen Schularten hinausgehen. Dazu gehört die Rudolf-Steiner-Schule im Stadtteil St. Jobst, eine Freie Waldorfschule, die im Schuljahr 2023/24 von 915 Schülerinnen und Schülern besucht wurde. Diese Schule bietet Unterricht für die Klassenstufen 1 bis 13 und deckt damit die Primarstufe und die Sekundarstufe ab. Im Stadtteil Langwasser befinden sich die Privaten Volksschulen der Republik Griechenland, die eine Grundschulstufe, die Teilhauptschule I und II und das Griechische Lyzeum in ausländischer Trägerschaft umfassen. 413 Kinder und Jugendliche gingen im Schuljahr 2023/24 dort zur Schule.

Des Weiteren existieren 4 Förderschulen in freier Trägerschaft, die im Schuljahr 2023/24 insgesamt 650 Schülerinnen und Schüler betreuten. Das Private Förderzentrum Jakob-Muth-Schule im Stadtteil Schweinau ist auf den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung ausgerichtet und zählte im Schuljahr 2023/24 266 Lernende. Das Private Förderzentrum Karl-König-Schule im Stadtteil Zerzabelshof ist auf denselben Förderschwerpunkt ausgelegt und verzeichnete 108 Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus gibt es das Private Förderzentrum – Förderschwerpunkt Sehen des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte im Stadtteil Langwasser-Südost, an dem 162 Schülerinnen und Schüler unterrichtet wurden, sowie das Private Förderzentrum Martin-Luther-Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung in Schafhof, an dem im selben Schuljahr 114 Kinder und Jugendliche zur Schule gingen.

  • 90 An staatlich anerkannten Schulen gelten für die Aufnahme, das Vorrücken und beim Schulwechsel sowie bei der Durchführung von Prüfungen die gleichen Bestimmungen wie an den öffentlichen Schulen. Zeugnisse der staatlich anerkannten Schulen verleihen daher die gleichen Berechtigungen wie die der öffentlichen Schulen. An staatlich genehmigten Schulen verleihen Zeugnisse nicht dieselben Berechtigungen wie die der öffentlichen Schulen. Diese können nur durch eine zusätzliche staatliche Prüfung erreicht werden. Die Schülerinnen und Schüler legen dazu die Abschlussprüfungen an staatlichen Schulen ab (vgl. Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (2017): Der beste Bildungsweg für mein Kind Informationen zum Übertritt von der Grundschule an weiterführende Schulen, S. 39, unter https://www.km.bayern.de/epaper/der-beste-bildungsweg/files/assets/basic-html/page-39.html, letzter Zugriff: 13.11.25).
  • 91 Schulen in freier Trägerschaft in Nürnberg: Grundschulen: Jenaplan-Schule Nürnberg, Maria-Ward-Schule, Montessori-Schule, Mose-Schule, Private Volksschule der Republik Griechenland, Wilhelm-Löhe-Schule. Mittelschulen: Montessori-Mittelschule, Private Volksschule der Republik Griechenland I und Teilhauptschule I und II der Privaten Volksschule der Republik Griechenland, Mittelschule Wilhelm-Löhe-Schule. Realschulen: Adolf-Reichwein-Schule, Maria-Ward-Realschule, Sabel-Realschule Nürnberg I und II, Wilhelm-Löhe-Realschule. Gymnasien: Gymnasium der Sabel Schulen, Jenaplan-Gymnasium, Maria-Ward-Schule, Wilhelm-Löhe-Schule. Fachoberschulen: Private Fachoberschule des Mesale e.V., Montessori-Fachoberschule, Private SABEL Fachoberschule, Wilhelm-Löhe-Fachoberschule.

3.6 Zusammensetzung der Schülerschaft

Im Schuljahr 2023/24 besuchten 9 258 Jungen und 8 934 Mädchen eine Grundschule. Der Anteil männlicher Schüler lag bei 50,9 %, das Verhältnis zwischen Schülerinnen und Schülern war demnach nahezu ausgeglichen. Das traf auch auf Realschulen zu. An den Gymnasien waren hingegen mit einem Schüleranteil von 47,4 % weniger Jungen als Mädchen vertreten. Dieser Anteil lag im Schuljahr 2013/14 bei 46,6 % und hat sich im Verlauf der letzten 10 Jahre nur leicht erhöht. Die Nürnberger Förderschulen wiesen mit 63,0 % den höchsten Anteil an männlichen Schülern auf (Abb. D 3.6).

Im Schuljahr 2023/24 hatte ein großer Teil der Grundschulkinder (61,8 %) einen Migrationshintergrund. Drei Jahre zuvor lag dieser Anteil bei 58,8 %. Unterschiede in der Bildungsbeteiligung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund zeigen sich vor allem bei einem Vergleich zwischen Mittelschulen und Gymnasien. Während Nürnberger Mittelschulen im Schuljahr 2023/24 zu mehr als drei Vierteln (77,0 %) von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund besucht wurden, lag dieser Anteil an Gymnasien bei weniger als der Hälfte, nämlich bei 38,5 %.92  

Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit ausländischer Staatsangehörigkeit ist in den vergangenen Jahren bei allen Schularten angestiegen (zur Entwicklung der Klassen zur schulischen Integration und Sprachförderung an allgemeinbildenden Schulen vgl. D 7.1). Im Schuljahr 2023/24 hatte ein Viertel der Schülerinnen und Schüler an Grundschulen eine ausländische Staatsangehörigkeit, drei Jahre zuvor war es etwa ein Fünftel. An weiterführenden Schulen variierten die Anteile stark: An Mittelschulen machten Schülerinnen und Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit 43,2 % der Schülerschaft aus, während sie an Gymnasien nur 12,3 % stellten. Die hohen Anteile an Grund- und Mittelschulen sind mitunter durch den Ausbau der Deutsch- bzw. Brückenklassen / Orientierungsklassen zu erklären. An den Wirtschaftsschulen hatte ein Drittel der Schülerschaft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Durch die vergleichsweise geringe Gesamtschülerzahl an Wirtschaftsschulen sind ausländische Schülerinnen und Schüler in Integrations-Vorklassen93 und Brückenklassen hier anteilig stärker vertreten.

Seit dem Schuljahr 2024/25 gibt es an Mittelschulen, Realschulen, Wirtschaftsschulen und Gymnasien schulartunabhängige Deutschklassen für die Jahrgangsstufen 5 und 6. Dieses neue Modell der schulischen Erstintegration, das in der Bayerischen Schulordnung (BaySchO) verankert wurde, ersetzt die bisherigen Deutschklassen an den Mittelschulen und die Brückenklassen, die seit 2022 zur Integration von ukrainischen Schülerinnen und Schüler eingerichtet worden waren.

  • 92 Zur gesamtstädtischen Migrationsquote von Kindern im Schulalter vgl. D 2.1.
  • 93 Mit Beginn des Schuljahres 2021/2022 wurde die Einrichtung von „Integrations-Vorklassen“ an staatlichen, kommunalen und privaten Wirtschaftsschulen (IVK-WS) ermöglicht (vgl. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2021): Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus über die Integrations-Vorklassen an Wirtschaftsschulen in Bayern (IVK-WS) vom 13. Juli 2021 (BayMBl. Nr. 576), unter https://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVV_2236_5_1_K_12296/true; letzter Zugriff: 17.10.2025.)

3.7 Gastschulanträge sowie Bildungseinpendler/-innen und Bildungsauspendler/-innen

Im Schuljahr 2024/25 pendelten insgesamt 1 027 Schülerinnen und Schüler nach Nürnberg, um dort eine öffentliche Schule zu besuchen. Dagegen verließen 1 922 Schülerinnen und Schüler täglich die Stadt für den Besuch einer öffentlichen Schule außerhalb Nürnbergs (Abb. D 3.7). Die Bilanz der ein- und auspendelnden Schülerinnen und Schülern dieser Schularten zeigt, dass 895 mehr junge Menschen aus- als einpendelten.

Bei den öffentlichen Gymnasien war die Mobilität am höchsten: In dieser Schulart gab es im Schuljahr 2023/24 1 458 Jugendliche, die außerhalb Nürnbergs zur Schule gingen, und 632 Schülerinnen und Schüler, die von außerhalb nach Nürnberg kamen. Im Vergleich zum Schuljahr 2021/22 nahm die Zahl der einpendelnden Schülerinnen und Schüler um 161 ab, während die Zahl der auspendelnden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten um 124 zunahm. Die meisten der auspendelnden Schülerinnen und Schüler besuchten Gymnasien im Landkreis Fürth (23,2 %), im Nürnberger Land (20,5 %) und in Erlangen (16,9 %). Ein gutes Drittel derjenigen, die nicht in Nürnberg wohnten, aber an einem hiesigen Gymnasium zur Schule gingen, kam aus dem Nürnberger Land (34,3 %), 19,6 % waren im Landkreis Erlangen-Höchstadt und 15,5 % in der Stadt Fürth ansässig.

Die Realschulen in Nürnberg zogen im Schuljahr 2023/24 297 Schülerinnen und Schüler von außerhalb an, wobei 32,7 % aus dem Landkreis Fürth und 26,6 % aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt kamen. Von den 464 in Nürnberg ansässigen Schülerinnen und Schülern, die eine Realschule außerhalb der Stadt besuchten, entschieden sich 40,5 % für eine Schule im Nürnberger Land und 23,3 % für eine Schule in Schwabach. 

Mit ihrem spezialisierten Bildungsangebote verfügen die Abendrealschule und das Kolleg (Hermann-Kesten-Kolleg) über ein weites Einzugsgebiet. Im Schuljahr 2024/25 umfasste das Einzugsgebiet der Abendrealschule 13, das Einzugsgebiet des Kollegs 14 umliegende und weiter entfernte Landkreise und kreisfreie Städte. Beide Schulen verzeichneten ausschließlich einpendelnde Schülerinnen und Schüler, im Schuljahr 2024/25 waren es 32 an der Abendrealschule und 66 am Kolleg. 

Im Schuljahr 2024/25 wurden innerhalb des Nürnberger Stadtgebietes für Grundschulen 914 und für Mittelschulen 87 Gastschulanträge genehmigt. 52 Nürnberger Schülerinnen und Schüler, die eine Grundschule außerhalb der Stadtgrenze besuchen wollten, erhielten positive Bescheide. In Bezug auf Mittelschulen gab es 23 Genehmigungen. Ebenfalls positiv beschieden wurden die Anträge von 93 beziehungsweise 19 Schülerinnen und Schülern, die außerhalb Nürnbergs wohnten und eine Grund- oder Mittelschule in der Stadt besuchen wollten.

3.8 Lehrkräfte

Im Schuljahr 2023/24 waren an Nürnbergs allgemeinbildenden Schulen und beruflichen Schulen, die primär zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen, 4 209 Lehrerinnen und Lehrer tätig (Tab. D 3.8). Im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 sank die Zahl der Lehrkräfte um 33. Die meisten Lehrkräfte fanden sich an Gymnasien, wo mit 1 102 Personen etwas mehr als ein Viertel (26,2 %) beschäftigt war, gefolgt von den 1 053 Lehrkräften an Grundschulen, die ein weiteres Viertel (25,0 %) stellten. 

Etwa 31,0 % der im Schuljahr 2023/24 in Nürnberg beschäftigten Lehrkräfte waren männlich. Besonders auffällig ist der geringe Anteil männlicher Lehrkräfte an Grundschulen, der bei 7,6 % lag und sich über die letzten Jahre nicht verändert hat. Dagegen herrschte an Gymnasien und Wirtschaftsschulen mit einem Anteil von 45,6 % bzw. 47,1 % männlichen Lehrkräften ein nahezu ausgeglichenes Geschlechterverhältnis.

Ein Blick auf die Altersstruktur des eingesetzten Lehrpersonals zeigt, dass 19,3 % der Lehrerinnen und Lehrer im Schuljahr 2023/24 zwischen 55 und 64 Jahre alt waren (Tab. D 3.8). Wenn diese Lehrkräfte mit Eintritt der Regelaltersgrenze in Ruhestand gehen, könnte – über alle Schularten hinweg betrachtet – nahezu jede fünfte Lehrkraft in den nächsten zehn Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden. An Wirtschaftsschulen gehörte fast ein Drittel des Lehrerkollegiums (32,9 %) zu dieser Altersgruppe. An Realschulen und Fachoberschulen, an denen 12,4 % bzw. 14,3 % der Lehrkräfte zwischen 55 und 64 Jahre alt waren, wäre es voraussichtlich etwas mehr als jede zehnte Lehrkraft.

Im Schuljahr 2023/24 waren durchschnittlich 12,1 % der Nürnberger Lehrkräfte in Teilzeit tätig. Die Quote der in Teilzeit94  beschäftigten Lehrkräfte war mit 16,2 % an Grundschulen am höchsten und an Mittelschulen mit 7,1 % am geringsten. Lehrerinnen arbeiteten an allen Schularten – außer an Grundschulen – häufiger in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen. Besonders ausgeprägt war dieser Unterschied in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen: Während 21,3 % der Lehrerinnen in dieser Altersgruppe ihren Beruf in Teilzeit ausübten, waren es unter Lehrern lediglich 3,7 %.

  • 94 Die Zahlen zur Quote teilzeitbeschäftigter Lehrkräfte beziehen sich auf Lehrkräfte mit weniger als die Hälfte der vollen Unterrichtspflichtzeit. In den Angaben sind alle öffentlichen und nicht-öffentlichen Schulen berücksichtigt, Berechnung ohne BOS/FOS.

D 4. Schullaufbahnen

4.1 Einschulungen

Im Schuljahr 2023/24 begann für 4 564 Kinder an den Grundschulen in Nürnberg ihre schulische Laufbahn, darunter 2 255 Mädchen und 2 309 Jungen. 77,8 % der Kinder wurden im Alter von 6 Jahren und damit zum regulär vorgesehenen Zeitpunkt eingeschult (Tab. D 4.1). An privaten Grundschulen lag der Anteil regulär eingeschulter Kinder mit 84,3 % etwas höher.

An Förderschulen wurden im Schuljahr 2023/24 239 Kinder eingeschult, wobei der Anteil der Jungen bei 70,7 % lag. Im Vergleich zu Schulanfänger/-innen an Grundschulen war der Anteil an Kindern, die zum regulären Zeitpunkt eingeschult wurden, mit 53,6 % deutlich niedriger. Mit 95 der Schulanfängerinnen und Schulanfänger war über ein Drittel im Vorjahr vom Schuleintritt zurückgestellt worden.

Je nach Geschlecht der Kinder zeigen sich Unterschiede bei den Einschulungszeitpunkten. Während Jungen zu 75,7 % zum regulären Zeitpunkt eingeschult wurden, lag dieser Anteil bei Mädchen bei 80,0 %.

2 845 der im Schuljahr 2023/24 eingeschulten Kinder hatten einen Migrationshintergrund. Drei Viertel (75,6 %) dieser Kinder begannen zum regulär vorgesehenen Zeitpunkt mit der Schule. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund waren es mit 81,5 % etwas mehr. Rückstellungen kamen bei Kindern mit Migrationshintergrund etwas häufiger vor (7,6 %) als bei denjenigen ohne Migrationshintergrund (3,4 %). Unter ausländischen Schulanfänger/-innen kamen Rückstellungen häufiger vor (8,2 %) als unter deutschen Schulanfänger/-innen (5,3 %).

Seit Einführung des Einschulungskorridors im Schuljahr 2019/20 haben sich die Einschulungszeitpunkte in Nürnberg stark verändert. Deutlich mehr Eltern machten von der Möglichkeit Gebrauch, den Schulbeginn ihrer Kinder um ein Jahr zu verschieben. Der Anteil dieser Kinder lag im Schuljahr 2023/24 bei 14,6 % und hat sich damit im Vergleich zum Wert vor drei Jahren (7,7 %) fast verdoppelt, was teilweise auf die pandemiebedingten Umstände im Jahr 2020 und den Folgejahren zurückgeführt wird.95

Um mögliche Sprachförderbedarfe bereits vor der Einschulung zu erkennen, trat in Bayern am 17.12.2024 eine gesetzliche Regelung in Kraft, die verpflichtende Sprachstandserhebungen bei Kindern vorsieht, die im übernächsten Schuljahr schulpflichtig werden.96 Im Jahr 2025 wurden in den Grundschulen erstmals solche Sprachstandserhebungen (sogenannte Sprachscreenings) durchgeführt. Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf müssen ab Beginn des letzten Kindergartenjahres bis zur Einschulung mit einer Mindestbuchungszeit von über drei Stunden täglich eine Kindertageseinrichtung mit einem integrierten Vorkurs Deutsch 240 besuchen. Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind Kinder, die in einer staatlich geförderten Kindertageseinrichtung, einer Schulvorbereitenden Einrichtung oder einer Heilpädagogischen Tagesstätte betreut werden und von dort eine schriftliche Bestätigung erhalten, dass sie keinen erhöhten Förderbedarf hinsichtlich der deutschen Sprache haben. 

Im ersten Durchlauf der Sprachstandserhebungen im Frühjahr 2025 waren 2 883 Kinder in Nürnberg zum Sprachscreening in ihrer jeweiligen Sprengelgrundschule verpflichtet (weitere Informationen und Zahlen zum Vorkurs Deutsch vgl. C 6.2).97  

4.2 Übergänge vom Primarbereich zum Sekundarbereich

Mit Abschluss der 4. Jahrgangsstufe stellte sich im Schuljahr 2022/23 für 4 130 Schülerinnen und Schüler die Frage des Übergangs an eine weiterführende Schule. 1 820 Schülerinnen und Schüler beabsichtigten einen Übertritt auf ein Gymnasium, was einem Anteil von 44,1 % entsprach. 1 331 Schüler/-innen planten einen Übertritt an eine Mittelschule (32,2 %) und 903 Schüler/-innen einen Übertritt an eine Realschule (21,9 %).

Die Übergangsquoten zu den weiterführenden Schulen entwickelten sich in den letzten Jahren unterschiedlich. Vom Schuljahr 2019/20 zum darauffolgenden Schuljahr stieg die Übergangsquote an ein Gymnasium um 3,7 Prozentpunkte von 43,4 % auf 47,1 %, während die Quote der geplanten Übertritte an eine Mittelschule in diesem Zeitraum von 33,7 % auf 30,0 % und damit um denselben Wert sank. Diese Entwicklung konnte in ganz Bayern beobachtet werden und war im Wesentlichen auf abweichende Schullaufbahnempfehlungen im Zuge der Corona-Pandemie zurückzuführen.98 In den darauffolgenden Jahren näherten sich die Quoten für Gymnasien und Mittelschulen wieder den Werten aus dem Schuljahr 2019/20 an. Die Übergangsquote an Realschulen verlief in den letzten Jahren weitgehend konstant. Vom Schuljahr 2021/22 auf 2022/23 ist ein leichter Anstieg um 1,2 Prozentpunkte auf 21,9 % zu beobachten. 

In den verschiedenen Nürnberger Grundschulsprengeln variierte der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die den Übertritt an ein Gymnasium beabsichtigten, deutlich. Die niedrigste gemittelte Übergangsquote 2020/21 bis 2022/23 lag bei einem Wert von 18,0 %, die höchste Quote bei einem Wert von 76,5 %. Diese Streuung verringerte sich im Vergleich zum Schuljahr 2019/20 leicht, wo der niedrigste Wert bei 12,5 % und der höchste Wert bei 76,6 % lag. Generell weisen außenstädtisch gelegene Grundschulsprengel im Mittel höhere Übergangsquoten an ein Gymnasium auf als jene in der Innenstadt (vgl. Abb. D 4.2). Dieses Muster zeigt sich in Nürnberg auch über die Zeit hinweg als beständig und verweist auf sozialstrukturelle Einflüsse. Diese können sich auf die Erbringung und Bewertung von Leistung und den Bildungserfolg auswirken (weitere Informationen zu Sozialstruktur und Lebenslagen vgl. A 4.3 und A 4.4).

Bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund strebte etwas mehr als ein Drittel (34,9 %) den Übertritt auf ein Gymnasium an, bei Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund waren es 57,3 %. Noch deutlicher war der Unterschied bei Kindern mit ausländischer Staatsangehörigkeit, von denen nur ein Viertel (25,6 %) einen Übertritt an ein Gymnasium plante, während das bei knapp der Hälfte (49,8 %) der Schülerinnen und Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit der Fall war.

Unterschiede in der Übertrittsabsicht waren auch zwischen Mädchen und Jungen feststellbar. Im Schuljahr 2022/23 planten 45,7 % der Schülerinnen einen Übertritt an ein Gymnasium, während es bei den Schülern 42,5 % waren. Diese Differenz hat sich im Lauf der Jahre vergrößert, von 1,5 Prozentpunkten im Schuljahr 2016/17 auf 3,1 Prozentpunkte im Schuljahr 2022/23. 

4.3 Schulartwechsel

Im Schuljahr 2023/24 setzten 1 431 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I ihren Bildungsweg an einer anderen Schulart fort als im Vorjahr. Damit wechselten insgesamt 47,7 % mehr Schülerinnen und Schüler die Schulart als noch im Schuljahr 2020/21. Für 725 junge Menschen bot die neue Schulart geringere Abschlussmöglichkeiten, 416 Schülerinnen und Schüler hatten nach dem Wechsel die Chance, einen höheren Schulabschluss zu erwerben.99 Im Schuljahr 2020/21 waren diese Wanderungsbewegungen nahezu ausgeglichen. Der Bildungsbericht 2022 lieferte damals erste Hinweise darauf, dass Anpassungen der schulischen Laufbahn in den von der Pandemie geprägten Jahren von den Vorjahren abwichen, indem zum Beispiel die Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule deutlich abgenommen hatten.100

Im Schuljahr 2023/24 wechselten 571 und damit die meisten Schülerinnen und Schüler an eine Realschule. Mit 43 Zugängen verzeichneten die Förderschulen die geringste Zahl an Übertritten, die fast ausschließlich aus Mittelschulen heraus erfolgten (vgl. Abb. D 4.3).

Die häufigsten im Schuljahr 2023/24 zu verzeichnenden Wechsel fanden vom Gymnasium an eine Realschule statt. Einen solchen Schulwechsel nahmen 418 Schülerinnen und Schüler vor, 196 mehr junge Menschen als im Schuljahr 2020/21, was einer Steigerung von 88,3 % entspricht. Den umgekehrten Weg von der Realschule an ein Gymnasium traten dagegen 86 Schülerinnen und Schüler an, 16 weniger als drei Jahre zuvor.

Von den Nürnberger Mittelschulen wechselten zum Schuljahr 2023/24 370 Schülerinnen und Schüler an eine andere Schulart, wovon 145 an die Wirtschaftsschule und 143 an eine Realschule gingen.

Die Wirtschaftsschulen verzeichneten insgesamt deutlich mehr Zugänge als Abgänge, was möglicherweise auf die frühere Zugangsmöglichkeit in Jahrgangsstufe 6 zurückzuführen ist (vgl. D 3.4). Nur 26 Schülerinnen und Schüler verließen die Wirtschaftsschulen, um an eine andere Schulart zu wechseln; die meisten von ihnen setzten ihren Bildungsweg an einer Mittelschule fort. Von den insgesamt 105 jungen Menschen, die von einer Förderschule zu einer anderen Schulart wechselten, ging mit 87 Schülerinnen und Schülern der Großteil ebenfalls an eine Mittelschule.

  • 99 Als Wechselbewegungen, die mit geringeren Abschlussmöglichkeiten verbunden waren, wurden Schulartwechsel von Wirtschaftsschule, Realschule und Gymnasium an eine Mittelschule und Wechsel vom Gymnasium an eine Realschule gewertet. Als Wechselbewegungen, die mit höheren Abschlussmöglichkeiten verbunden waren, zählten Schulartwechsel von der Mittelschule an eine Realschule, Wirtschaftsschule oder ein Gymnasium und von einer Realschule oder Wirtschaftsschule an ein Gymnasium. Schulartwechsel von und an Förderschulen blieben unberücksichtigt.
  • 100 Vgl. Stadt Nürnberg, Bildungsbüro (2022): Bildung in Nürnberg 2022, Sechster Bildungsbericht der Stadt Nürnberg, S. 66.

4.4 Wiederholungen der Jahrgangsstufe

Im Schuljahr 2023/24 wiederholten in Nürnberg 2 581 Schülerinnen und Schüler eine Jahrgangsstufe, was 5,2 % aller Schülerinnen und Schüler der betrachteten Schularten entspricht. 

An den Wirtschaftsschulen fiel der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die im Schuljahr 2023/24 eine Klasse wiederholten, mit 19,5 % am höchsten aus. An Realschulen, öffentlichen Fachoberschulen und Berufsoberschulen lag dieser Anteil bei rund 10 %. Grundschulen hatten den geringsten Anteil an Klassenwiederholungen mit 2,9 %, gefolgt von Mittelschulen und Gymnasien (Tab. D 4.4).

Im Zeitverlauf hat sich der Anteil der Klassenwiederholungen an Mittelschulen von 6,0 % im Schuljahr 2020/21 auf 4,2 % im Schuljahr 2023/24 verringert. Auch an Berufs- und Fachoberschulen sind die Quoten gesunken. An Grundschulen stieg die Anzahl der Klassenwiederholungen im Schuljahr 2023/24 im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 zwar um 64; jedoch blieb der Anteil aufgrund der insgesamt gestiegenen Schülerzahl stabil. An Gymnasien erhöhte sich der Anteil der Wiederholungen im selben Zeitraum von 3,6 % auf 4,4 % und an Realschulen stieg er ebenfalls von 6,9 % auf 10,2 %.

In den Grundschulen, zu Beginn der Schullaufbahn, bestand kein nennenswerter Unterschied beim Anteil der Klassenwiederholungen zwischen Mädchen mit 3,1 % und Jungen mit 2,8 %. Ab der Sekundarstufe war der Anteil unter Schülern jedoch etwas höher als unter Schülerinnen. 

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund wiederholten in allen Schularten mit Ausnahme der Fachoberschulen häufiger die Klasse als diejenigen ohne Migrationshintergrund (zu Unterstützungsmaßnahmen vgl. D 7.1). An Grundschulen war dieser Unterschied besonders ausgeprägt: 4,0 % der Kinder mit Migrationshintergrund wiederholten eine Klasse im Vergleich zu 1,3 % derjenigen ohne Migrationshintergrund. An Gymnasien lagen die Wiederholungsquoten bei 5,4 % der Schülerinnen und Schüler mit und 3,7 % bei denjenigen ohne Migrationshintergrund. Für Real- und Mittelschulen entsprach der Anteil weitgehend dem Durchschnitt.

Hinsichtlich der Staatsangehörigkeit zeigten sich insbesondere an Grundschulen und Wirtschaftsschulen Unterschiede. Während an Grundschulen 1,8 % der Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit eine Klasse wiederholten, lag dieser Anteil bei Kindern mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 6,2 %. An den Wirtschaftsschulen lag der Anteil der jungen Menschen, die eine Klasse wiederholten, unter nichtdeutschen Staatsangehörigen mit 29,4 % doppelt so hoch wie unter den Schülerinnen und Schülern mit deutscher Staatsangehörigkeit, wo er 14,4 % betrug.

D 5. Schulabschlüsse

5.1 Schulabschlüsse aller Schularten

Im Schuljahr 2022/23 verließen in Nürnberg insgesamt 5 744 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen und die beruflichen Schulen, die zu einem allgemeinbildenden Schulabschluss führen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 4,7 % im Vergleich zum Schuljahr 2021/22.

Im Schuljahr 2022/23 erlangten 5 335 Personen an einer Nürnberger Schule einen Abschluss (Abb. D 5.1). Etwas mehr als ein Drittel davon entfiel auf einen mittleren Abschluss (1 963 Personen). Davon legten 992 Schülerinnen und Schüler ihre Abschlussprüfungen an einer Realschule und 571 an einer Mittelschule ab. Im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 zeigen sich hier nur geringfügige Veränderungen (Mittelschulen: +37; Realschulen: -19). Mittlere Abschlüsse wurden im Schuljahr 2022/23 auch an Wirtschaftsschulen (200) und Gymnasien (189) erworben. Gegenüber dem Schuljahr 2021/22 stieg diese Anzahl um 80 bzw. 41 Abschlüsse an. An Förderschulen wurden nur vereinzelt (10) mittlere Schulabschlüsse erreicht.

Die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife erlangten im Schuljahr 2022/23 1 519 Absolventinnen und Absolventen, darunter 1 201 junge Menschen an Gymnasien, 246 an Fachoberschulen und 72 an Berufsoberschulen. Die Anzahl derjenigen Personen, die die Fachhochschulreife an Fachoberschulen (526) und Berufsoberschulen (123) erwarben, nahm im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 insgesamt leicht ab (-28).

768 Nürnberger Schülerinnen und Schüler legten im Schuljahr 2022/23 erfolgreich Prüfungen für den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule ab, größtenteils waren dies junge Menschen aus den Mittelschulen (676). Die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen erhöhte sich in den letzten zwei Jahren insgesamt um 185 Personen. Den erfolgreichen Mittelschulabschluss erreichten 436 Schülerinnen und Schüler.101

Im Schuljahr 2022/23 verließen 409 junge Menschen die Schule nach erfüllter Vollzeitschulpflicht ohne einen Abschluss. Sie kamen überwiegend von Mittel- und Förderschulen. Zwei Jahre zuvor waren es 27 Schülerinnen und Schüler weniger. Unter den Abgängerinnen und Abgängern ohne Abschluss befanden sich anteilsmäßig mehr junge Männer (57,1 %) als Frauen (42,9 %). 66,3 % der jungen Menschen hatten einen Migrationshintergrund, 46,5 % eine ausländische Staatsangehörigkeit. Detaillierte Angaben zu den Abgängerinnen und Abgängern von Förderschulen enthält Abschnitt D 5.3. Eine ausführliche Erläuterung der Anschlussmaßnahmen erfolgt in Kapitel E.

  • 101 Das Staatliche Schulamt in der Stadt Nürnberg führt seit dem Schuljahr 2022/23 eigene Erhebungen durch. Da zum Teil andere Personengruppen berücksichtigt werden, zeigt die Erhebung abweichende Zahlen und Quoten. Eine Betrachtung in Zeitreihe und ein weitergehender Vergleich mit den amtlichen Schuldaten ist noch nicht in ausreichendem Maße möglich, wird zukünftig aber angestrebt. 

5.2 Schulabschlüsse an allgemeinbildenden Schulen

Das Schuljahr 2022/23 verzeichnete 1 777 Abgängerinnen und Abgänger bzw. Absolventinnen und Absolventen von Mittelschulen und damit 154 mehr als im Schuljahr 2020/21 (+9,5 %). Einen deutlichen Sprung nach oben gab es bei den Zahlen zum qualifizierenden Mittelschulabschluss, der mit 676 Absolventinnen und Absolventen und einem Anteil von 38,0 % der häufigste Abschluss war. Zwei Jahre zuvor waren es 170 junge Menschen weniger (Schuljahr 2020/21: 31,2 %). Am zweithäufigsten wurde an den Mittelschulen im Schuljahr 2022/23 der mittlere Schulabschluss erworben (32,1 %). Den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule erlangten 18,1 % (Schuljahr 2020/21: 23,5 %). 11,8 % der Abgängerinnen und Abgänger verließen die Mittelschule nach erfüllter Vollzeitschulpflicht ohne einen Abschluss (Abb. D 5.2). Die Zahl sank im Vergleich zu vor zwei Jahren leicht um 0,6 Prozentpunkte.102

1 080 Abgängerinnen und Abgänger bzw. Absolventinnen und Absolventen verließen im Schuljahr 2022/23 die Realschulen. 91,9 % von diesen erlangten den Mittleren Schulabschluss, wobei sich der Anteil im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 leicht verringert hat (96,8 %). Erhöht hat sich dafür der Anteil derjenigen, die den erfolgreichen Mittelschulabschluss erwarben. 2,5 % derjenigen, die von einer Realschule abgingen, hatten keinen Abschluss erlangt (Schuljahr 2020/21: 0,8 %).

An den Wirtschaftsschulen legten 71,4 % der Abgängerinnen und Abgänger den Mittleren Schulabschluss ab. Rund ein Fünftel erlangte den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule (20,4%), 7,5 % den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule. Mit einem Anteil von 0,7 % gab es im Schuljahr 2022/23 verhältnismäßig wenige, die eine Wirtschaftsschule ohne Abschluss verließen. 

An den Gymnasien schlossen 84,9 % der Abgängerinnen und Abgänger ihre Schulzeit mit dem Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife ab (Schuljahr 2020/21: 91,1 %). 13,4 % erwarben den Mittleren Schulabschluss. Im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 (7,8 %) hat sich dieser Anteil deutlich erhöht (vgl. auch D 5.1).

  • 102 Das Staatliche Schulamt in der Stadt Nürnberg führt seit dem Schuljahr 2022/23 eigene Erhebungen durch. Da zum Teil andere Personengruppen berücksichtigt werden, zeigt die Erhebung abweichende Zahlen und Quoten. Eine Betrachtung in Zeitreihe und ein weitergehender Vergleich mit den amtlichen Schuldaten ist noch nicht in ausreichendem Maße möglich, wird zukünftig aber angestrebt. 

5.3 Schulabschlüsse an Förderschulen

Im Schuljahr 2022/23 verließen 225 junge Menschen die Nürnberger Förderschulen als Abgängerinnen und Abgänger oder Absolventinnen und Absolventen. Den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule erlangten dabei 10,2 %, etwas weniger einen qualifizierenden Abschluss der Mittelschule (9,8 %). Einen mittleren Schulabschluss absolvierten 4,4 % (vgl. Abb. D 5.3). Im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 wurden der mittlere Schulabschluss (6,6 %) und der qualifizierende Abschluss der Mittelschule (16,0 %) seltener erworben. Der Anteil derjenigen, die den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule erlangten, lag vor zwei Jahren dagegen etwas niedriger (7,8 %).

Drei Viertel der Abgänger/-innen von Förderschulen (170 Abgänger/-innen) beendeten nach erfüllter Vollzeitschulpflicht die Schule ohne einen Schulabschluss. 48,4 % erlangten dabei einen Abschluss der Schule zur Lernförderung/des Sonderpädagogischen Förderzentrums (Klassen mit Förderschwerpunkt Lernen) und 23,1 % einen individuellen Abschluss (insbes. im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung).103 4,0 % der Schülerinnen verließen die Förderschule ohne jeglichen Abschluss. Ein Übergang in den ersten Arbeitsmarkt ist für all diese Schülerinnen und Schüler und damit für den Großteil der Abgänger/-innen von Förderschulen mit Zugangshürden verbunden. Die Anzahl der Abgängerinnen und Abgänger ohne verwertbaren Abschluss von Förderschulen ist in den vergangen Jahren weitgehend gleich geblieben. Für Anschlussmöglichkeiten siehe E 5.3.

Unter den 170 jungen Menschen, die eine Förderschule ohne Schulabschluss, mit einem individuellem Abschluss oder einem Abschluss der Schule zur Lernförderung/ Sonderpädagogischen Förderzentrums verließen, waren etwa gleich viele weibliche und männliche Personen (48,8 zu 51,2 %). Auch das Verhältnis zwischen Abgängerinnen und Abängern mit und ohne Migrationshintergrund war nahezu ausgeglichen (49,4 zu 50,6 %). Bei den individuellen Abschlüssen und Abschlüssen eines Bildungsgangs zu Lernförderung waren Schülerinnen und Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit häufiger vertreten (61,5 % und 71,6 %).

  • 103 Abhängig vom Lehrplan, der ihrem Unterricht zugrunde liegt, können Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterschiedliche Schulabschlüsse erwerben. Schüler/-innen mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung werden in der Regel nach einem eigenen Lehrplan unterrichtet und erhalten mit Abschluss der Schule einen sogenannten individuellen Abschluss. Schüler/-innen im Förderschwerpunkt Lernen können einen erfolgreichen Abschluss im Bildungsgang Lernen oder einen erfolgreichen Abschluss der Mittelschule erwerben oder sie erhalten, sofern an keiner Prüfung am Ende der Jahrgangsstufe 9 teilgenommen wurde, einen individuellen Abschluss (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (2025): Abschlüsse für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, https://www.isb.bayern.de/schularten/foerderschulen/leistungserhebungen/abschluesse/, letzter Zugriff: 27.10.2025).

5.4 Zweiter Bildungsweg und Nachholen von Schulabschlüssen

In Nürnberg gibt es zahlreiche Wege, nach erfüllter Schulpflicht einen Schulabschluss nachzuholen. Zu den Schulen des zweiten Bildungswegs zählen dabei die städtische Abendrealschule, das städtische Hermann-Kesten-Kolleg sowie das Abendgymnasium in freier Trägerschaft. Dem Abendgymnasium ist das Online-Gymn@sium Bayern angeschlossen. Dieses digitale Angebot richtet sich an Personen mit Beeinträchtigungen (auch über die Stadtgrenzen hinaus) und bereitet auf die allgemeine Hochschulreife über den zweiten Bildungsweg vor. 

Am Abendgymnasium reduzierte sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler auch zum Schuljahr 2023/24 weiter (229 Personen) (Abb. D 5.4). In abgeschwächter Form trifft dies auch auf die Abendrealschule zu, an denen 109 Personen beschult wurden. Die Zahlen am Hermann-Kesten-Kolleg schwankten in den letzten vier Schuljahren und nahmen im Vergleich zum Vorjahr leicht ab auf 194 Personen.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund entwickelte sich an der Abendrealschule in den letzten fünf Jahren etwa auf gleichbleibendem Niveau und lag im Schuljahr 2023/24 bei 53,2 %. Mit 28,8 % bzw. 29,4 % gab es einen deutlich geringen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migration⁠shintergrund als an der Abendrealschule. Die Anteile haben sich nach einem auffälligen Rückgang im Jahr 2021/22 wieder leicht erhöht.

Neben dem Besuch und dem Ablegen der Prüfungen an den Schulen des ersten und zweiten Bildungswegs können Schulabschlüsse auch extern abgelegt werden. In der Statistik werden diese Prüflinge bei der prüfenden Schule als Nichtschülerinnen und Nichtschüler verzeichnet. Als Vorbereitung auf die Prüfungen bieten verschiedene Bildungsanbieter Kurse an. Auch an der städtischen Volkshochschule Bildungszentrum gibt es entsprechende Angebote, die im Schuljahr 2024/25 von 149 Teilnehmerinnen und Teilnehmern genutzt wurden. Etwa die Hälfte davon war männlich, 45 % war minderjährig, zwei Drittel hatten die deutsche Staatsangehörigkeit und 28 % verfügten über einen Nürnberg-Pass. Im Schuljahr zuvor gab es 159 Kursteilnehmende, von denen 110 an den Prüfungen teilnahmen. 30 erreichten die mittlere Reife, 17 bestanden den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule und 42 Personen erreichten den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule. Aus dem M-Online Kurs haben 13 Teilnehmende und damit alle die Prüfung für den mittleren Mittelschulabschluss bestanden.

D 6. Ganztägige Bildung und Betreuung

6.1 Primarstufe

Im Schuljahr 2024/25 standen insgesamt 12 950 Plätze in Kindertageseinrichtungen sowie in schulischen Ganztagsangeboten (Mittagsbetreuung sowie offene und gebundene Ganztagsschulen) für 72 % der Grundschulkinder in Nürnberg zur Verfügung.104

In Kindertageseinrichtungen waren rund 9 650 rechtsanspruchskonforme Plätze für Grundschulkinder verfügbar. Diese Einrichtungen umfassen Horte, Häuser für Kinder sowie Kombieinrichtungen. Dies ergab eine Versorgungsquote von 54 %. Die Anzahl der Hortplätze wurde kontinuierlich erweitert, weshalb die Versorgungsquote trotz steigender Kinderzahlen stabil blieb.105

An den meisten Grundschulen in Nürnberg wird eine Mittagsbetreuung angeboten.106 Hierbei handelt es sich um ein Betreuungsangebot mit sozial- und freizeitpädagogischer Zielsetzung, das im Anschluss an den Vormittagsunterricht in den Schulen organisiert wird. Beim Angebotsspektrum wird zwischen der regulären (bis 14 Uhr), der verlängerten (bis 16 Uhr) und der verlängerten Mittagsbetreuung mit erhöhter Förderung unterschieden. Im Schuljahr 2024/25 standen insgesamt 202 Gruppen zur Verfügung, die Betreuung für 2 858 Kinder boten. Dadurch wurden 15 % aller Grundschulkinder betreut.107

An 6 der öffentlichen Grundschulen waren 34 gebundene Ganztagsklassen eingerichtet. Davon entfielen 22 Klassen auf 3 Grundschulen mit Kombieinrichtungen (Integrierte oder Kooperative Ganztagsbildung). An 2 öffentlichen Grundschulen und an 3 Grundschulen in freier Trägerschaft wurden offene Ganztagsgruppen angeboten.108 Bei den Ganztagsangeboten an Grundschulen in öffentlicher und freier Trägerschaft gab es einen geringen Anstieg. Die gebundenen Ganztagsklassen nahmen von 27 im Schuljahr 2019/20 auf 34 Klassen im Schuljahr 2024/25 zu. Bei den offenen Ganztagsgruppen schwankten die Zahlen, sie lagen im Schuljahr 2019/20 bei 34 und im Schuljahr 2024/25 bei 36. 

Der „Nürnberger Weg“ sieht eine Kombination von quantitativem und qualitativem Ausbau bei der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung vor. Er wurde bereits im Jahr 2017 beschlossen, was sich auch in Hinblick auf den ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise geltenden Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung von Kindern im Grundschulalter als zukunftsweisend erwiesen hat.109 Dabei wird auf eine enge Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe gesetzt – dies sowohl pädagogisch als auch räumlich vor Ort. Bestehende Organisationsformen der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung werden kontinuierlich weiterentwickelt. Dies gilt für die Integrierte Ganztagsbildung und die Kooperative Ganztagsbildung (Kombieinrichtungen). Bei der Integrierten Ganztagsbildung und der Kooperativen Ganztagsbildung fiel die Finanzierung durch den Freistaat nach dem Schuljahr 2023/24 weg. An drei Standorten werden nun die Mehraufwendungen (insbesondere für Hort-Personal) durch die Stadt Nürnberg getragen.

Die Integrierte Ganztagsbildung wird an der Michael-Ende-Schule angeboten. Ein gebundenes Ganztagsangebot ist dort personell, räumlich und zeitlich eng mit dem Hort verknüpft. Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) und das Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) evaluierten das Modell. Im Frühjahr 2024 kündigte der Freistaat die gemeinsame Finanzierung der Integrierten Ganztagsbildung durch Freistaat Bayern und Stadt Nürnberg in der bisherigen Form. Die Integrierte Ganztagsbildung wird durch die Stadt Nürnberg weiter finanziert und schrittweise in die formale Form der „Kooperativen Ganztagsbildung“ überführt. Durch konzeptionelle Veränderungen können bis zu 400 Plätze erhalten und Kosten reduziert werden.

Die Kooperative Ganztagsbildung (KoGa) wurde im Laufe des Schuljahrs 2024/25 an 5 öffentlichen Grundschulen mit insgesamt 1 195 Plätzen angeboten. Das Modell zeichnet sich durch die Wahlmöglichkeit zwischen den Betreuungsformen „Hort-Klassik“, „Mittagshort“ und „Gebundene Ganztagsschule“ aus. Das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) und das Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) evaluierten das Modell und bestätigten den Erfolg sowie die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten Ressourcenausstattung. An den Standorten Gretel-Bergmann-Schule und Grundschule Altenfurt, an denen zunächst eine Modellfinanzierung mit pauschalisierter Förderung bestand, wird das Angebot der „Kooperativen Ganztagsbildung“ nach der Beendigung der Förderung durch den Freistaat von der Stadt Nürnberg weiter finanziert. An der Grundschule Forchheimer Straße, der Grundschule Reutersbrunnenschule und am Schulcampus Werderau wird die „Kooperative Ganztagsbildung“ ohne Modellförderung angeboten. 

  • 104 Quelle: Gemeinsame Sitzung des Jugendhilfe- und Schulausschusses am 5.6.2025.
  • 105 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, 2025.
  • 106 Der Freistaat Bayern hat festgelegt, dass auch die Mittagsbetreuung grundsätzlich den Rechtsanspruch erfüllt, Voraussetzung ist jedoch, dass die unter Schulaufsicht stehenden Angebote der ganztägigen Bildung und Betreuung (Mittagsbetreuung, offener und gebundener Ganztag) um ein verbindliches Angebot der Ferienbetreuung ergänzt werden.
  • 107 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport.
  • 108 Quelle: Staatliches Schulamt, https://nbg.schulamt.info/b3/uebersicht-zum-betreuungsangebot, letzter Zugriff: 21.10.2025.
  • 109 Der Rechtsanspruch gilt auch für Kinder in der Primarstufe an Förderschulen und in Deutschklassen.

6.2 Sekundarstufe

Im Schuljahr 2024/25 wurden an den öffentlichen Schulen in Nürnberg insgesamt 188 gebundene Ganztagsklassen sowie 135 offene Ganztagsgruppen angeboten. Auf die einzelnen Schularten mit Sekundarstufe verteilt zeigt sich folgendes Bild: An Mittelschulen bestanden im Schuljahr 2024/25 83 gebundene Ganztagsklassen und 24 offene Ganztagsgruppen. An den Realschulen gab es 29 gebundene Ganztagsklassen und 21 offene Ganztagsgruppen, an der Wirtschaftsschule eine gebundene Ganztagsklasse und 2 offene Ganztagsgruppen sowie an den Gymnasien 18 gebundene Ganztagsklassen und 42 offene Ganztagsgruppen. An den Förderzentren existierten 14 gebundene Ganztagsklassen und 24 offene Ganztagsgruppen.110 Diese umfassten die Primar- und die Sekundarstufe.

Mit Ausnahme der Mittelschule ist an allen Schularten ein leichter Rückgang bei den gebundenen Ganztagsklassen zu beobachten. An den Mittelschulen nahm diese Unterrichtsform zu, ähnlich wie die offenen Ganztagsgruppen. Bei den anderen Schularten blieben die Angebote des offenen Ganztags im Allgemeinen im Verlauf der letzten Jahre stabil.

Im Jahr 2024 gab es in Nürnberg für Schülerinnen und Schüler über 10 Jahren 2 Schülertreffs in kommunaler Trägerschaft an Mittelschulen mit 50 Plätzen sowie 2 Schülertreffs in freier Trägerschaft mit 50 Plätzen. Schülertreffs arbeiten nach einem im Jugendamt mit den Schulbehörden entwickelten Konzept. Es handelt sich zwar nicht um ein schulisches Ganztagsangebot, jedoch können in den Schülertreffs an den Nachmittagen im Anschluss an den Unterricht Beratungs- und Freizeitmöglichkeiten genutzt werden.111

  • 110 Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport.
  • 111 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

D 7. Förderung und Unterstützung

7.1 Sprachförderung und Integration

Im Schuljahr 2024/25 wurden in Nürnberg insgesamt 40 Deutschklassen angeboten, davon 13 an Grundschulen und 27 an Mittelschulen. Bei einer dieser Klassen an einer Mittelschule handelte es sich um eine besondere Alphabetisierungsklasse. Besucht wurden die Deutschklassen von 250 Grundschulkindern und 444 Mittelschülerinnen und Mittelschülern aus 62 Nationen (Stand März 2025). Bis zum Schuljahr 2017/18 stieg die Klassenzahl an, um danach abzusinken. Zuletzt ist eine leicht steigende Tendenz bei den Deutschklassen an den Mittelschulen zu erkennen, welche auf die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine zurückzuführen ist. Zum Schuljahr 2024/25 wurden an den weiterführenden Schulen 6 schulartunabhängige Deutschklassen in Jahrgangsstufe 5 und 6 eingerichtet: je 1 Klasse an einer Wirtschaftsschule und einer Realschule und 4 an Gymnasien.

Zudem gibt es an Grundschulen und Mittelschulen DeutschPLUS - Angebote. Insgesamt wurden in 84 Deutschförderklassen (DeutschPLUS - Differenzierung) 960 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Zusätzlich wurden 219 Deutschförderstunden (DeutschPLUS - Kurse) an den Grundschulen und 331 an den Mittelschulen gegeben. Zudem gab es im Schuljahr 2024/25 insgesamt 100 Kurse im Rahmen von Vorkurs Deutsch 240 für 1 370 Vorschulkinder. Dabei handelt es sich um ein Angebot im Umfang von 240 Fördereinheiten, die von Kindertageseinrichtungen in Kooperation mit Grundschulen bereitgestellt werden. Mehr Informationen zum Vorkurs Deutsch 240 finden sich in Kapitel C 6.2.

Mit der Johann-Pachelbel-Realschule und der Geschwister-Scholl-Realschule bieten 2 Nürnberger Realschulen Maßnahmen im Rahmen des Programms SPRINT (Sprachförderung intensiv) zur Unterstützung von Jugendlichen mit geringen Sprachkenntnissen an.105

Das Programm zur Integration von gymnasialen Seiteneinsteigern aus dem Ausland InGym (Integration Gymnasium) wird an 5 Standorten in Bayern durchgeführt. In Nürnberg ist es am Martin-Behaim-Gymnasium angesiedelt. In mehreren Kursen (5. bis 7. Jahrgangsstufe und 8. mit 9. Jahrgangsstufe) werden pro Jahr insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, bevor sie am Regelunterricht ihres wohnortnahen Gymnasiums teilnehmen.112

An der Staatlichen Fachoberschule Lothar-von-Faber-Schule wurde die Integrations-Vorklasse (IVKL) auch im Schuljahr 2024/25 angeboten, um Schülerinnen und Schüler auf die reguläre Vorklasse oder den Eintritt in die 11. Klasse vorzubereiten. Seit dem Schuljahr 2022/23 gab es pro Jahrgang 2 Klassen mit insgesamt etwa 40 Schülerinnen und Schülern, wohingegen zuvor nur eine Klasse bestand. Der erfolgreiche Besuch der Integrations-Vorklasse eröffnet seit dem Schuljahr 2024/25 einen direkten Zugang zur Fachoberschule. In den Vorjahren mussten diese Schülerinnen und Schüler als externe Bewerberinnen und Bewerber zunächst die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss absolvieren. Schätzungsweise 80 % der Absolventinnen und Absolventen setzen ihre schulische Laufbahn anschließend in der Vorklasse oder in der 11. Klasse an der Lothar-von-Faber-Schule oder an einer anderen Fachoberschule fort. Ein zunehmend größerer Anteil entscheidet sich jedoch für eine berufliche Ausbildung. Seit März 2022 wurden vermehrt Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine unterrichtet, was zu einem höheren Gesamtanteil an Personen mit Fluchterfahrung führte.113

Als Vorbereitung auf den regulären Unterricht bietet die städtische Abendrealschule mit der Internationalen Klasse seit dem Schuljahr 2015/16 ein Angebot für Zugewanderte mit geringen Deutschkenntnissen an.114

Das Hermann-Kesten-Kolleg (HKK) bietet einen Besonderen Vorkurs (BVK) für Personen ab 17 Jahren an, die bereits Kenntnisse in Deutsch besitzen und sich auf das allgemeine Abitur in Bayern vorbereiten möchten. Der Unterricht findet in Gruppen von maximal 15 Teilnehmenden statt und umfasst vor allem deutschen Sprachunterricht sowie verstärkt Englisch und Mathematik, ergänzt durch weitere Fächer. Wer den BVK erfolgreich abschließt, kann anschließend in die Eingangsklasse des HKK wechseln. Im Schuljahr 2024/25 besuchten 9 Personen den BVK.115

Unterstützung für Eltern mit Migrationshintergrund wird durch das städtische Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) angeboten. Die ehrenamtlichen Elternlotsinnen und Elternlotsen des etablierten Projekts NEST – Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe beraten und helfen bei Fragen rund um schulische Belange und unterstützen die Elternarbeit der Schulen. Im Schuljahr 2024/25 engagierten sich 50 Ehrenamtliche mit 38 verschiedenen Herkunftssprachen und eigener Migrationsgeschichte an 31 Partnerschulen und anderen Schulen in Nürnberg. In diesem Zeitraum wurden über 170 direkte Anfragen an das Elternbüro gestellt. Weitere Anfragen, die meist von Lehrkräften, Eltern oder auch den Sozialpädagoginnen und -pädagogen an den Schulen ausgingen, wurden über die Schulen vermittelt. Daraus ergaben sich etwa 2 300 Einsätze, darunter über 850 Eltern-Lehrkräfte-Gespräche, 500 Einzelgespräche mit Eltern und etwa 300 Begleitungen bei Elternabenden, Elternsprechabenden und Lernentwicklungsgesprächen. Auch gehören die Beteiligung an weiteren Schulaktivitäten wie Schulanmeldungen und Schulamtstermine zu den Einsatzgebieten, wie auch die Durchführung von Elterncafés oder der NEST-Sprechstunden. Bei Beratungsanfragen geht es häufig um das bayerische Schulsystem, Möglichkeiten der Unterstützung und Betreuung, Konfliktsituationen mit Lehrkräften oder weiterführende Beratung. Qualifiziert werden die Ehrenamtlichen durch Fortbildungen und Workshops, regelmäßige Besprechungen und Supervision.

  • 112 Quelle: Martin-Behaim-Gymnasium.
  • 113 Quelle: Lothar-von-Faber-Schule.
  • 114 Quelle: Abendrealschule der Stadt Nürnberg.
  • 115 Quelle: Hermann-Kesten-Kolleg.

7.2 Förderschule und Schule für Kranke

Im Schuljahr 2023/24 wurden an den Förderschulen in Nürnberg und der Schule für Kranke Nürnberg-Fürth insgesamt 2 726 Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 unterrichtet. Die Schülerzahl hat sich im Vergleich zum Schuljahr 2021/22 um 126 Schülerinnen und Schüler (+4,8 %) erhöht.

Schülerinnen und Schüler an Förderschulen haben einen offiziell festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf in einem oder mehreren der 7 Förderschwerpunkte Lernen, Sehen, Hören, Sprache, körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung sowie emotionale und soziale Entwicklung. Bei den meisten Schülerinnen und Schüler an den betrachteten Schulen bestand Förderbedarf im Schwerpunkt „Lernen“ (1 202 Personen bzw. 44,1 %), 16,5 % benötigten Unterstützung im Bereich „geistige Entwicklung“ und bei 9,9 % lag der Förderbedarf im Bereich „emotionale und soziale Entwicklung“. 

Im Schuljahr 2023/24 lag der Anteil der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen – bezogen auf alle Kinder und Jugendlichen in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 in Nürnberg – bei 6,3 %. Diese sogenannte Förderschulbesuchsquote ist seit vielen Jahren weitgehend stabil. Einige Förderschulen haben Einzugsbereiche, die deutlich über die Stadtgrenzen Nürnbergs hinausgehen, weshalb dort Schülerinnen und Schüler, die nicht in Nürnberg wohnen, stärker vertreten sind. Werden diese Förderschwerpunkte in der Berechnung außer Acht gelassen, ergibt sich für das Schuljahr 2024/25 eine Förderschulbesuchsquote von 5,2 %.116 Über die erreichten Schulabschlüsse an Förderschulen informiert Abschnitt D 5.3.

  • 116 Für die Berechnung wurden Förderschulen mit den Förderschwerpunkten „Sehen“, „Hören“ und die Schule für Kranke ausgeschlossen.

7.3 Inklusive Schulbildung

Mit der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung in der Regel gemeinsam unterrichtet werden sollen. Im schulischen Bereich wird von „sonderpädagogischem Förderbedarf“ gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche Unterstützung in ihrer personalen, sozialen oder schulischen Entwicklung benötigen, unabhängig davon, ob eine amtlich festgestellte Behin⁠derung vorliegt.117

Im Schuljahr 2023/24 gab es an Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien in Nürnberg 592 Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 1 bis 9, denen eine sonderpädagogische Förderung (z.B. durch Mobile Sonderpädagogische Dienste) erteilt wurde. 60,8 % dieser Kinder und Jugendlichen waren männlich. Etwa ein Drittel (31,1 %) von ihnen besaß eine ausländische Staatsangehörigkeit und 68,0 % hatten einen Migrationshintergrund.118

Im Vergleich zum Vorjahr gab es 107 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung mehr, vor allem an Grund- und Mittelschulen nahmen die Zahlen zu (Grundschulen: +51; Mittelschulen: +46). An den Realschulen und Gymnasien entwickelte sich die Zahl mit jeweils 27 Schülerinnen und Schülern in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 wie in den Vorjahren weiter auf einem gleichbleibend niedrigeren Niveau (vgl. Abb. D 7.3). Der Anteil sonderpädagogisch geförderter Schülerinnen und Schüler – bezogen auf die Gesamtschülerzahl in den Jahrgangsstufen 1 bis 9 – lag im Schuljahr 2023/24 bei 1,5 % und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (1,2 %) erhöht. 

Die erteilten sonderpädagogischen Förderungen an Grund- und Mittelschulen erstreckten sich der Schulstatistik zufolge über alle 7 Förderschwerpunkte. Bei dem Großteil der im Schuljahr 2023/24 geförderten Schülerinnen und Schüler wurde ein sonderpädagogischer Förderbedarf im Schwerpunkt „Lernen“ festgestellt (Grundschulen: 50,1 %, Mittelschulen: 48,9 %). An den Realschulen und Gymnasien bezog sich die sonderpädagogische Förderung zumeist auf Förderbedarfe in den Schwerpunkten „Hören“, „körperliche und motorische Entwicklung“ und „Sehen“, wobei die jeweiligen Fallzahlen gering sind.

Die zeitintensiven Prozesse zur Aktivierung des Beratungssystems, zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs und zur Organisation entsprechender Maßnahmen lassen vermuten, dass die tatsächliche Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf höher ist als die über die Schulstatistik erfassten Zahlen. Bei einer Erhebung zum Schuljahr 2024/25 an allen Grund- und Mittelschulen in Nürnberg wurde bei 691 Grundschulkindern ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt, in weiteren 389 Fällen wurde ein solcher Bedarf vermutet. An Mittelschulen gab es 241 Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf und 116 weitere Schülerinnen und Schüler, bei denen Förderbedarf vermutet wurde.119

Um den Schulbesuch von Kindern und Jugendlichen mit (drohender seelischer) Behinderung zu unterstützen, können an Regelschulen auf Basis der Eingliederungshilfe nach SGB IX oder SGB VIII Schulbegleiterinnen und -begleitereingesetzt werden (vgl. I D 4). Insgesamt 201 Schülerinnen und Schüler an Regelschulen, die nach §35a SGB VIII von seelischer Behinderung betroffen oder von einer solchen Behinderung bedroht waren, erhielten im Jahr 2024 eine Schulbegleitung. Die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um 53 bewilligte Schulbegleitungen (Stand: 31.12.2024).120 Zahlen zu Schulbegleitungen, die als Form der Eingliederungshilfe nach § 112 SGB IX in Zuständigkeit des Bezirk Mittelfranken geleistet werden, liegen für Nürnberg aktuell nicht vor.

Im Schuljahr 2024/25 wurden an den Grundschulen in Nürnberg insgesamt 102 Schülerinnen und Schülern mit Unterstützung durch eine Schulbegleitung beschult.121   122 An den Mittelschulen im Stadtgebiet hatten 31 Schülerinnen und Schüler eine Schulbegleitung. Auch bei Kindern und Jugendlichen im Autismus-Spektrum kann, abhängig vom jeweiligen Unterstützungsbedarf, der Einsatz einer Schulbegleitung in Frage kommen. An den Grundschulen in Nürnberg war im Schuljahr 2024/25 bei 55 Kindern eine Form der Autismus-Spektrum-Störung fachärztlich diagnostiziert.123 69,1 % der betreffenden Kinder wurden durch eine Schulbegleitung bei der Teilnahme am Unterricht unterstützt. An den Mittelschulen wurden 23 Schülerinnen und Schüler mit diagnostizierter Autismus⁠-⁠Spektrum⁠-⁠Störung beschult, von denen etwas über die Hälfte eine Schulbegleitung hatten (Stand: 1.6.2025).

  • 117 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2020): Ringbuch „Inklusion zum Nachschlagen“ Ringbuch Inklusion, S.16f., URL: https://www.km.bayern.de/download/4-24-01/Ringbuch%20Teil%20B.pdf, letzter Zugriff: 23.06.25
  • 118 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik, Schulstatistik.
  • 119 Quelle: Staatliches Schulamt der Stadt Nürnberg, Inklusionsabfrage
  • 120 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt
  • 121 Die Zahlen zu Schulbegleitungen an Grund- und Mittelschulen beziehen sich auf die Unterstützung auf Basis von Eingliederungshilfeleistungen nach SGB IX und nach SGB VIII.
  • 122 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg, Inklusionsabfrage.
  • 123 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.

7.4 Formen inklusiver Schulbildung

An Schulen mit dem staatlichen Schulprofil Inklusion (Art. 30b BayEUG) setzt sich das Lehrerkollegium mit Zustimmung des Elternbeirats und mithilfe von Lehrkräften der Förderschulen verstärkt für Inklusion ein. In Nürnberg verfügten im Schuljahr 2024/25 5 Grundschulen und 2 Mittelschulen sowie die Geschwister-Scholl-Realschule über dieses Profil.124   125 Zu den Förderschulen mit diesem Profil gehörten die Merianschule, die Jakob-Muth-Schule, das Private Förderzentrum mit Förderschwerpunkt Sehen der Blindenanstalt Nürnberg e.V. und die Alfred-Welker-Berufsschule als Staatliche Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung mit dem Förderschwerpunkt Lernen.126

Eine sonderpädagogische Förderung von Schülerinnen und Schülern an den Regelschulen kann durch Mobile Sonderpädagogische Dienste (MSD) erfolgen. Im Schuljahr 2023/24 leisteten die Nürnberger Förderschulen pro Woche 741 MSD-Stunden127 . Sie verteilen die zugewiesenen MSD-Stunden anhand fester Modelle auf Regelschulen und auf Förderungen einzelner Schülerinnen und Schüler. 31,1 % der zur Verfügung stehenden Stunden in Mittelfranken entfielen auf Förderschulen in Nürnberg. Die Zahl der MSD-Stunden blieb im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 gleich.128

Im Schuljahr 2023/24 bildeten 4 Förderschulen Kooperationsklassen mit 5 Grundschulen sowie 2 Mittelschulen.129 In Summe waren es 2 kooperierende Schulen weniger als im Schuljahr 2021/22. Insgesamt bestanden 13 Klassen, die zusammengefasst 52 Stunden des wöchentlichen Kontingents an MSD-Stunden erhielten.130  

An 3 Grundschulen wie auch an jeweils einer Mittel- und Realschule bildeten Schülerinnen und Schüler mit Kindern und Jugendlichen einer Förderschule (im Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“) sogenannte Partnerklassen, in denen sie größtenteils gemeinsam unterrichtet wurden. Wie schon 3 Jahre zuvor, gab es auch im Schuljahr 2023/24 insgesamt 15 Klassen. Dazu zählten auch die intensiv-kooperierenden Klassen Nürnberg (IKON) am Förderzentrum Jakob-Muth-Schule und der Henry-Dunant-Schule, die wissenschaftlich begleitet werden.131

Für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf im Bereich „emotionale und soziale Entwicklung“ bestanden im Schuljahr 2023/24 an 3 Grundschulen und 2 Mittelschulen Alternative schulische Angebote (AsA).132 Im Schuljahr 2021/22 waren es 4 Schulen mehr. Ein Alternatives schulisches Angebot in Deutschklassen gab es an einer Grundschule und an jeweils 2 Mittelschulen und Beruflichen Schulen.

In den Stütz- und Förderklassen am Sonderpädagogischen Förderzentrum der Paul-Moor-Schule wurden 60 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im emotional-sozialen Bereich in 7 Klassen unterrichtet. Die Klassen- und Schülerzahl ist im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 gleichgeblieben. Das Angebot wird von Schule und Jugendhilfe gemeinsam umgesetzt.133  

Wie bereits 2 Jahre zuvor, wurden auch im Schuljahr 2023/24 32 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ an Grund- oder Mittelschulen im Rahmen einer Einzelintegration mit Unterstützung des MSD unterrichtet.134  

Zur Unterstützung bei Fragen zur Inklusion gibt es für Grund- und Mittelschulen die Beauftragte für inklusive Unterrichts- und Schulentwicklung (BiUSe) am Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg. Neben den Schulen mit dem Schulprofil Inklusion, die fortlaufend begleitet werden, haben sich im Schuljahr 2024/25 5 weitere Schulen an die BiUSe gewandt.135   136

Mittels des Verfügungsfonds zur Umsetzung der UN-BRK werden in Nürnberg auch Maßnahmen im Bildungsbereich gefördert. Ein Beispiel ist die "Werkstatt Lernen", die vom Referat für Schule und Sport in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung umgesetzt wurde. Daran nahmen mehrere Nürnberger Schulen unterschiedlicher Schularten teil, um individuelle Lernwege und Strukturen im Sinne der Inklusion zu starten oder zu vertiefen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IPSN wurden durch die "Werkstatt Lernen" zu Prozessbegleiterinnen und -begleitern ausgebildet, sodass deren Expertise auch nach der Kooperation weiteren Schulen zur Verfügung steht.137
 

  • 124 Grundschulen mit Schulprofil Inklusion im Schuljahr 2024/25: Bismarckschule, Friedrich-Hegel-Schule, Michael-Ende-Schule, Wahlerschule, Gretel-Bergmann-Schule; Mittelschulen mit Schulprofil Inklusion im Schuljahr 2024/25: Bismarckschule und die Mittelschule St. Leonhard. (Quellen: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg, Schulen mit dem Profil "Inklusion" in der Stadt Nürnberg, https://nbg.schulamt.info/schulen-mit-dem-profil-inklusion/ , Letzter Zugriff: 8.8.25; Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, https://www.km.bayern.de/schueler/schulsuche.html, letzter Zugriff: 27.03.2025.)
  • 125 Kommunale Schulen erhalten keine Förderung durch den Freistaat, wenn sie sich für das Schulprofil Inklusion bewerben.
  • 126 Ebd. 
  • 127 Die Angabe zu den Stunden der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (MSD) beziehen sich auf Unterrichtszeiteinheiten von 45 Minuten.
  • 128 Quelle: Regierung von Mittelfranken.
  • 129 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport.
  • 130 Quelle: Regierung von Mittelfranken.
  • 131 Quellen: Regierung von Mittelfranken; Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport.
  • 132 Quelle: Regierung von Mittelfranken.
  • 133 Ebd.
  • 134 Ebd.
  • 135 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
  • 136 Für die weiteren Schularten stehen auch Ansprechpersonen bei den Schulaufsichten zum Thema Inklusion zur Verfügung.
  • 137 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Schule und Sport

7.5 Unterrichtsangebote zur Förderung

Neben Angeboten zur Deutschförderung (D 7.1) gibt es in Nürnberg zahlreiche weitere Unterrichts- und Förderangebote, um Schülerinnen und Schüler zu begleiten und auf dem Weg zu einem Schulabschluss zu unterstützen. An den Mittelschulen sind hierfür besondere Klassen eingerichtet. Darüber hinaus tragen verschiedene Projekte und ergänzende Angebote dazu bei, Heranwachsende auch an anderen Schularten gezielt zu fördern.

Die Mittlere-Reife-Klassen (M-Klassen) an den Mittelschulen führen nach 10 Jahrgangsstufen zu einem mittleren Schulabschluss. Im Schuljahr 2024/25 gab es an 16 Nürnberger Mittelschulen in staatlicher und freier Trägerschaft 73 M-Klassen, die die Jahrgangsstufen 7 bis 10 umfassen. Insgesamt wurden 1 539 Schülerinnen und Schüler unterrichtet (Stand März 2025).138

Durch den Besuch von Vorbereitungsklassen (vormals 9+2-Klassen) können Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen nach der 9. Jahrgangsstufe die Mittlere Reife nach 2 Jahren ablegen. Im Schuljahr 2024/25 gab es an 7 Nürnberger Mittelschulen 13 Vorbereitungsklassen mit insgesamt 256 Schülerinnen und Schülern.

Die Praxisklasse (P-Klasse) an Mittelschulen richtet sich an Jugendliche der Jahrgangsstufe 8 und darunter, die vor dem letzten Jahr ihres neunjährigen Schulbesuchs stehen und keine guten Aussichten haben, in der Regelklasse den Mittelschulabschluss zu erlangen. Der Unterricht zeichnet sich durch eine spezifische Förderung mit hohen berufsbezogenen Praxisanteilen aus und bereitet auf eine theorieentlastete Abschlussprüfung vor. Im Schuljahr 2024/25 gab es an 2 Mittelschulen 2 Praxisklassen mit 29 Schülerinnen und Schülern.

Darüber hinaus erfolgte eine schülerbezogene Förderung in den 5 städtischen Gymnasien, 4 Realschulen, dem Hermann-Kesten-Kolleg sowie der Abendrealschule im Schuljahr 2024/25 im Rahmen des seit 2008 bestehenden Projekts Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien (MSRG). Die Stadt Nürnberg stellte hierfür 176 Lehrerwochenstunden bereit, die – abhängig von der Größe der Schule – verteilt wurden. Zusätzlich wurden 20 Lehrerwochenstunden für die Umsetzung der städtischen Zukunftsstrategie Schule Vision 2040 finanziert. Beide Ressourcenpakete zielen darauf ab, allen Schülerinnen und Schülern – unabhängig von sozialer Herkunft, Sprachhintergrund oder Bildungsweg – faire und vergleichbare Lern- und Entwicklungschancen zu bieten. Die in der Pandemiesituation eingeführte Zusatzförderung MSRG innovativ! wurde ab dem Schuljahr 2024/25 vollständig in die Strategie Schule Vision 2040 integriert. Damit stehen die erprobten und bewährten Ansätze nun dauerhaft zur Verfügung, um Chancengleichheit im Bildungssystem zu sichern und ungleiche Ausgangsbedingungen gezielt auszugleichen.139 Informationen zu „Mehr Schulerfolg an beruflichen Schulen (MSBS)“ finden sich unter E 4.1.

Für Höher- und Hochbegabte existieren am Dürer-Gymnasium bereits seit 20 Jahren spezielle Modellklassen und die Berger-Klassen, in denen begabte, leistungsbereite Schülerinnen und Schüler mit schwierigen Startbedingungen durch ein gebundenes Ganztagsangebot unterstützt werden.140 Auch findet im Rahmen der von Bund und Ländern getragenen Initiative „Leistung macht Schule“ eine besondere Förderung von Unterrichts- und Schulentwicklung statt, um leistungsstarken und potentiell besonders leistungsfähigen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. In Nürnberg nehmen 5 Grundschulen, 5 Gymnasien und eine Wirtschaftsschule teil.141 Die Michael-Ende-Grundschule verfügt zudem über das Schulprofil „Hochbegabung“.

  • 138 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg; Stadt Nürnberg.
  • 139 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Allgemeinbildende Schulen.
  • 140 Quelle: Dürer-Gymnasium Nürnberg.
  • 141 Quelle: Initiative “Leistung macht Schule”, https://www.leistung-macht-schule.de/index.html, letzter Zugriff: 17.10.2025.

7.6 Schülerbezogene Unterstützung und Beratungsangebote

Die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) war im Jahr 2024 mit 97 Fachkräften an 83 Schulen vertreten. Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren gab es keine Veränderungen bei der Anzahl der Fachkräfte und auch die Verteilung auf die verschiedenen Schularten blieb im Wesentlichen gleich.

Das Beratungs- und Unterstützungsangebot der JaS wird von der Zielgruppe weiterhin intensiv genutzt. Im Jahr 2024 erbrachte JaS in 5.521 Fällen einzelfallbezogene Hilfen an allgemeinbildenden Schulen, in Berufsschulen waren es 1.159 Fälle. Die Gesamtfallzahlen sind im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurückgegangen, wobei die einzelnen Beratungsfälle zunehmend komplexer geworden sind. Im Jahr 2024 entfielen rund 70 % der Jahresarbeitszeit auf individuelle Leistungen und einzelfallbezogene Hilfen – ein weiterhin hoher Wert. Die Beratungsschwerpunkte lagen vor allem auf psychischen Belastungen, verbaler und physischer Gewalt, familiären Konflikten, Schulschwierigkeiten, Problemen beim Aufbau und Erhalt sozialer Beziehungen sowie Rückzugsverhalten.142

Aufgrund der Erfahrungen während der Corona-Pandemie hat die JaS seit 2023 ihre digitalen Beratungsmöglichkeiten schrittweise erweitert. Ergänzend zu den direkten persönlichen Beratungsgesprächen wurde ein sicheres Online-System eingeführt, das Beratung per E-Mail, Chat und Video ermöglicht. Bis Ende 2024 war dieses System bereits in 2 von 4 JaS-Regionen in Nürnberg im Einsatz. Für die Jahre 2025 und 2026 ist geplant, das System auf alle Mitarbeitenden auszuweiten und den Ausbau vollständig abzuschließen.

Von städtischer Seite wird durch das Institut für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) ein schulpsychologisches Angebot vorgehalten, das sowohl zentral als auch zum Teil dezentral mit Personal vor Ort in den kommunalen Schulen umgesetzt wird. Im Schuljahr 2023/24 wurden insgesamt 1 095 Schülerinnen und Schüler beraten. Mit einem Anteil von 49 % kam der größte Teil der Schülerinnen und Schüler von beruflichen Schulen, gefolgt von 21 % aus Realschulen und 28 % aus Gymnasien. Das Angebot wird insbesondere bei klinisch relevanten Störungen (wie Ängste, Depression, ADHS, Traumafolgen), belastenden Lebensumständen, Lese-Rechtschreib-Störung oder Schulleistungsproblemen in Anspruch genommen. Darüber hinaus umfasst das Leistungsspektrum des IPSN auch die Unterstützung bei akuten Kriseninterventionen und die Qualifizierung der schulischen Kriseninterventionsteams.143

Im Schuljahr 2024/25 gab es insgesamt 32 Beratungslehrkräfte, was etwa 7 Vollzeitstellen entspricht. Diese Lehrkräfte verfügen über eine Zusatzqualifikation in Schulberatung. Zu den Aufgabenfeldern der Schulberatung neu hinzugekommen ist die Durchführung der Sprachstanderhebungen bei Kindern im Vor-Vorschuljahr.144

Speziell an den Grund- und Mittelschulen bestehende Beratungsbedarfe werden von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen des Staatlichen Schulamts in der Stadt Nürnberg aufgegriffen. Im Schuljahr 2024/25 wurden hierfür 12 Fachkräfte eingesetzt, was etwa 7,5 Vollzeitstellen entspricht. Dabei handelt es sich um Lehrkräfte mit einer Zusatzqualifikation in Psychologie.145

Mit dem Schuljahr 2018/19 führte das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus im Rahmen des Programms „Schule öffnet sich“ das Angebot einer Schulsozialpädagogik an Schulen ein. In Nürnberg arbeiten seither jeweils eine Schulsozialpädagogin am Dürer-Gymnasium und am Pirckheimer-Gymnasium. Seit dem Schuljahr 2022/23 wurde das Angebot zudem auf die Friedrich-Wilhelm-Herschel Grundschule und das Förderzentrum Merianschule Nürnberg ausgeweitet.146  

  • 142 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Familien - Jugendamt.
  • 143 Quelle: Stadt Nürnberg, Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg.
  • 144 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
  • 145 Quelle: Ebd.
  • 146 Quelle: Ebd.

7.7 Lernförderung im Bildungs- und Teilhabepaket (BuT)

Im Schuljahr 2024/25 gab es an 77 Schulstandorten schulnahe Angebote zur Lernförderung im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) für Schülerinnen und Schüler aus leistungsberechtigten Familien in Nürnberg. Die Angebote bestehen an allen Schularten. Die Koordination wird von der Fachkoordination Lernförderung (FKo) übernommen, die am Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) angesiedelt ist. 

Seit dem Schuljahr 2024/25 verfolgt das IPSN das Konzept der Partnerschulen. Zu den insgesamt 26 Partnerschulen zählen 14 Grundschulen, 4 Mittelschulen, 2 Förderzentren, 3 Realschulen beziehungsweise Gymnasien, 2 Berufsschulen und 1 Wirtschaftsschule. Etwa 260 Kinder und Jugendliche erhielten hierüber Lernförderung. Am häufigsten nachgefragt wurden die Fächer Deutsch bzw. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) (85 %) und Mathematik (55 %).

Um die Qualität der Beratung und Förderung zu gewährleisten, erhalten die 44 Lernförderkräfte des IPSN wie auch die Ansprechpersonen der IPSN-Partnerschulen gezielte Fortbildungen und Supervision. In Kooperation mit dem IPSN wurde ein Leitfaden für NEST-Elternlotsinnen und -Elternlotsen entwickelt, um Familien eine korrekte Antragstellung zu erleichtern. Ergänzend dazu entsteht derzeit ein Video-Tutorial des Instituts. 

Im Schuljahr 2023/24 wurden in Nürnberg insgesamt 1 528 Erstbestätigungen und 564 Folgebestätigungen für Lernförderung ausgestellt. Damit stieg die Zahl der abgerechneten Gutscheine im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 18 %. Gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie wurden fast doppelt so viele Schülerinnen und Schüler erreicht, zugleich haben sich die Ausgaben für die Lernförderung mehr als verdoppelt. Fast die Hälfte der Erstbestätigungen (724) wurden an Grundschulen ausgestellt, 417 an Realschulen. Andere Schularten spielten eine geringere Rolle. Besonders häufig wurden die Bestätigungen aufgrund mangelhafter oder ungenügender Leistungen oder zur Verbesserung der Sprachfähigkeit erteilt. An erster Stelle stand hierbei das Fach Deutsch, gefolgt von Mathematik. Die Bestätigungen werden in der Regel für 4 Monate Lernförderung ausgestellt, gelegentlich auch für 6 Monate. Die Gutscheine eines Schuljahres müssen jeweils bis zum 30. September des folgenden Schuljahres eingelöst werden.

Seit 2024 bietet die Stadt Nürnberg jährlich zwei Informationsveranstaltungen für Lehramtsanwärterinnen und -anwärter und ausgebildete Lehrkräfte an, bei denen die Fördermöglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepakets sowie deren praktische Umsetzung erläutert werden. Im ersten Jahr nahmen rund 80 Personen teil, im Schuljahr 2024/25 waren es insgesamt 88 angehende wie auch bereits ausgebildete Lehrkräfte.147

  • 147 Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt.

7.8 Startchancen-Programm

Mit dem Startchancen-Programm werden seit dem 1. August 2024 bundesweit ausgewählte Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler gefördert. Über einen Zeitraum von 10 Jahren (2024–2034) investieren Bund und Länder dazu 20 Milliarden Euro, mit denen insgesamt 4 000 Schulen gefördert werden. Im Fokus des bislang größten Bildungsprogramms in Deutschland steht die Stärkung der Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Deutsch und Mathematik. Das Ziel des Startchancen-Programms ist es, den Bildungserfolg stärker von der sozialen Herkunft zu entkoppeln.148 Ein Forschungsverbund begleitet das Programm wissenschaftlich und untersucht unter anderem, welche Faktoren Lern- und Entwicklungsprozesse der Schülerinnen und Schüler fördern – sowohl auf individueller wie auch auf Ebene der übergeordneten Systeme.149

In Bayern nehmen seit dem Schuljahr 2025/26 insgesamt 580 Grund- und Mittelschulen, Förderschulen, Berufsschulen und Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung am Startchancen-Programm teil. Die Auswahl erfolgte auf Basis eines Sozialindex, der die sozioökonomischen Verhältnisse in den Grundschulsprengeln in einer Zahl zusammenfasst. Dieser Index wurde mittels amtlicher Schuldaten und georeferenzierter Daten der Bundesagentur für Arbeit durch das Landesamt für Schule gebildet. Für den Index waren 5 Indikatoren ausschlaggebend: Kinderarmutsquote, Anteil der Beschäftigten über der Beitragsbemessungsgrenze, Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache, Anteil der Kinder mit Migrationserfahrung (ohne Herkunft aus deutschsprachigen Ländern), Akademikerquote.150  Für die Auswahl von Mittelschulen und weiterer Schulen war die Zusammensetzung der Schülerschaft hinsichtlich ihrer zuvor besuchten Grundschulsprengel entscheidend. Mittelschulen, die sich am selben Standort wie eine bereits geförderte Grundschule oder in der Nähe befanden, erhielten ebenfalls eine Förderung. 

Etwa 10 % der Startchancen-Schulen in Bayern liegen in Nürnberg. Unter den ausgewählten 57 Schulen waren 31 Grundschulen, 18 Mittelschulen, 6 Förderschulen, 1 Berufsschule und 1 Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung.151 Die über das Startchancen-Programm geförderten Schulen befinden sich überwiegend im engeren und weiteren innerstädtischen Bereich und den südlich gelegenen Stadtteilen (Abb. D 7.8). Insgesamt 11 Schulen befinden sich allein im Südosten in den Stadtteilen Langwasser und Altenfurt-Moorenbrunn. Erkennbar ist auch eine Häufung in den westlich gelegenen Stadtteilen St. Leonhard, Sündersbühl, Gostenhof (insgesamt 11 Schulen). Vielfach wurden im Stadtgebiet Grund- und Mittelschulen am selben Standort oder nah beieinander liegenden Standorten gefördert, sodass Schülerinnen und Schülern aus sozialräumlich benachteiligten Kontexten eine durchgängige Unterstützung über mehrere Schuljahre hinweg ermöglicht werden kann.

Die Fördermittel des Programms können von den Schulen in den nächsten 10 Jahren in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung, in Schul- und Unterrichtsentwicklung und die Stärkung multiprofessioneller Teams fließen. Dabei können die Schulen über die Verwendung der Mittel eigenständig und bedarfsgerecht entscheiden. 

Allgemeinbildende Schulen

D 8. Digitale Bildung

Seit 2017 hat sich das Schulreferat mit der IT-Strategie auf den Weg gemacht und damit die Grundlage für digitalunterstützten Unterricht in Nürnberg geschaffen. Voraussetzungen für digitale Bildung im schulischen Bereich sind eine passende Ausstattung, Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrende und medienpädagogische Angebote für Lernende. 

Ausstattung

Seit Juli 2022 sind alle Nürnberger Schulen an ein von der Nürnberger Feuerwehr bereitgestelltes Breitbandnetz mittels Glasfaseranschlüssen angeschlossen. Die Gebäude-Inhouse-Vernetzung ist im Aufbau. Bei 58 % der insgesamt 107 Standorte war die Vernetzung Ende 2024 abgeschlossen, weitere 23 % befanden sich entweder in der Umsetzungsphase oder wurden auf die Vernetzung vorbereitet. Allen Schulen stehen seit Februar 2021 gegebenenfalls ein Interims-WLAN zur Verfügung.

Digitale Klassenzimmer umfassen die Möglichkeit, den Unterricht in Schulen mit digitalen Medien zu gestalten. Dazu gehören standardmäßig Präsentationsgeräte wie interaktive Tafelsysteme, Beamer und Dokumentenkameras. Insgesamt standen 3 668 Präsentationssysteme und 2 932 Dokumentenkameras zur Verfügung (Stand Juni 2024). Zusätzlich werden Clouddienste für Videokonferenzsysteme und zur Datenablage genutzt. 

5 777 Lehrerdienstgeräte sind vorhanden, damit ist die Ausstattung der Lehrkräfte mit Dienstgeräten vollständig. Für neue Lehrkräfte kommen zusätzliche Geräte hinzu. Weiterhin gibt es 12.403 Tablets (Stand Juni 2024), die an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden können.

Im Rahmen der im Schuljahr 2024/25 gestarteten und im Juni 2025 neu ausgerichteten Initiative „Digitale Schule der Zukunft“ ist eine 1:1-Ausstattung mit digitalen Endgeräten für bayerische Schülerinnen und Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe vorgesehen. Die Initiative richtet sich an allgemeinbildende Schulen sowie an Wirtschaftsschulen. Jede Schule kann dabei selbst entscheiden, wann die Umsetzung beginnt und welche Klassen beziehungsweise Jahrgangsstufen teilnehmen. Die Geräte gelten als nicht lernmittelfreies Lernmittel und werden von den Erziehungsberechtigten beziehungsweise den volljährigen Schülerinnen und Schülern angeschafft. Für Geräte, die die Mindestanforderungen erfüllen, wird eine Zuzahlung von maximal 350 Euro gewährt. Familien, die die Anschaffungskosten nicht aufbringen können, können auf Leihgeräte der Schule zurückgreifen oder andere Fördermöglichkeiten, etwa über Fördervereine, nutzen. In Nürnberg starteten im Schuljahr 2024/25 einzelne Klassen an 4 Schulen mit dem Programm. 

Die Stadt hat 3 Telepräsenzroboter/Schulavatare beschafft, 2 weitere stehen für drei Jahre als Leihmodelle zur Verfügung. Telepräsenzroboter ermöglichen es Schülerinnen und Schülern, trotz längerer krankheitsbedingter Abwesenheiten am Unterrichtsgeschehen teilzunehmen. Dazu wird der Roboter, der mit Kamera und Mikrofon ausgestattet ist, im Klassenzimmer platziert und überträgt Video- und Audiosignale in Echtzeit auf ein Tablet, das von der erkrankten Person bedient wird.

Qualifizierungsmaßnahmen und Medienpädagogik

Maßnahmen zur Qualifizierung von Lehrkräften im Bereich digitale Bildung werden in Nürnberg nicht nur von staatlichen Stellen, wie etwa der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen oder dem Team Digital des Staatlichen Schulamts in der Stadt Nürnberg, angeboten, sondern auch vom Team Digitale Schule im Referat für Schule und Sport. Die Angebote richten sich vor allem an Lehrkräfte aller Schularten mit Einsatzort in Nürnberg. Im Schuljahr 2023/24 nahmen 686 Lehrkräfte an einer Technik-Basisschulung teil, in der der Umgang mit Hard- und Software im Klassenzimmer und mit dem Dienstgerät vermittelt wurde. Die Anzahl der Teilnehmenden lag damit deutlich höher als noch im Vorjahr, als 475 Lehrkräfte die Schulung absolvierten. Die im Schuljahr 2023/24 angebotenen medienpädagogischen Seminare wurden von 115 Teilnehmenden besucht.152

Das Medienzentrum Nürnberg-Fürth am IPSN verfügt derzeit über mehr als 60 000 Einzelmedien in über 3 000 Mediensammlungen, die kontinuierlich erweitert werden. Für alle Schularten und Fächer wird pädagogisch-didaktisch ausgearbeitetes Material für den digitalunterstützten Unterricht angeboten. Video-Tutorials wie etwa zur Technik-Basisschulung stehen ebenfalls zum Abruf bereit. Zu finden sind die Medien über das neu aufgebaute Medienportal des Medienzentrums Nürnberg-Fürth. Die Zugriffszahlen lagen im ersten Halbjahr 2025 bei über 50 000 und damit deutlich höher als in den Vorjahren. 

  • 152 Quelle: Team Digitale Schule, Referat für Schule und Sport.
Allgemeinbildende Schulen

D 9. Zusammenfassung und Empfehlungen

Zusammenfassung

Auch die formale Bildung an den allgemeinbildenden Schulen Nürnbergs war im Berichtszeitraum von besonderen Ereignissen und Entwicklungen geprägt. Zu nennen sind hier insbesondere die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die hohe Fluchtzuwanderung aus der Ukraine. Diese sind bei der Betrachtung der Befunde sowie ihrer Auswertung und Interpretation zu berücksichtigen.

Im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 stieg die Gesamtschülerzahl in Nürnberg im Schuljahr 2023/24 um 2 058 auf 54 977 Schülerinnen und Schüler. Das entspricht einem Anstieg von 3,9 %. Den höchsten Zuwachs verzeichneten die Nürnberger Grundschulen mit einem Plus von 428 Kindern. Auch an Gymnasien und Realschulen war eine Zunahme der Schülerzahl feststellbar. In der Folge wurde insbesondere an Grundschulen und Gymnasien die Anzahl der Klassen deutlich erhöht.

Bei den Übertrittsquoten von den Grundschulen zu weiterführenden Schulen (vgl. D 4.2) blieben die sozialräumlichen Unterschiede beim Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe im Wesentlichen bestehen, auch wenn sich die Spreizung leicht verringert hat. In den Grundschulsprengeln, die an den Stadträndern liegen, waren vergleichsweise höhere Übertrittsquoten zu verzeichnen, während die Südstadt und die westlich davon gelegenen Stadtteile zwar einen leichten Anstieg, aber dennoch meist niedrigere Quoten aufwiesen. In Zusammenschau mit sozialräumlichen Indikatoren zur sozialen Lage (vgl. Kap. A 4.3 und A 4.4) zeigt sich, dass die bekannten sozioökonomischen Disparitäten fortbestehen. Im Rahmen des Startchancen-Programms wurden in Nürnberg insgesamt 57 Schulen anhand eines für Bayern entwickelten Sozialindex ausgewählt. Auch zahlreiche Schulen in sozial benachteiligten Quartieren in Nürnberg wurden in dieses Programm aufgenommen. Sie erhalten in den nächsten zehn Jahren Fördermittel, um bessere Rahmenbedingungen für mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Im Schuljahr 2022/23 verließen insgesamt rund 4,7 % mehr junge Menschen als Absolventinnen und Absolventen bzw. Abgängerinnen und Abgänger die allgemeinbildenden Schulen und beruflichen Schulen als im Schuljahr 2020/21. Es gab mehr Abgängerinnen und Abgänger bzw. Absolventinnen und Absolventen an Mittelschulen, wobei der Anteil derjenigen ohne einen Abschluss im Vergleich zum Schuljahr 2020/21 mit 11,8 % nahezu konstant blieb (- 0,1 Prozentpunkte). An Gymnasien gab es mehr Schülerinnen und Schüler mit Mittlerem Schulabschluss (Schuljahr 2022/23: 13,4 %, Schuljahr 2020/21: 7,8 %) und weniger mit Allgemeiner Hochschulreife (Schuljahr 2022/23: 84,9 %; Schuljahr 2020/21: 91,1 %). Auch an den Förderschulen sank der Gesamtanteil an Regelabschlüssen von 30,4 % im Schuljahr 2020/21 auf 24,4 % im Schuljahr 2022/23.

Die aktuellen Daten ermöglichen erstmals eine Rückschau auf die schulischen Entwicklungen während der Corona-Pandemie in Nürnberg. Zum Ende des Schuljahres 2020/21 war ein leichter Rückgang der Übertritte auf Mittelschulen um 3,7 Prozentpunkte auf 30,0 % zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Übertritte auf Gymnasien um 3,7 Prozentpunkte auf 47,1 %. In den Folgejahren näherten sich die Übertrittsquoten wieder den Werten aus der Zeit vor der Pandemie an (vgl. D 4.2). Im Vergleich zum Berichtsjahr 2020/21 im letzten Bildungsbericht sind vermehrt „Korrekturen“ des Bildungswegs erkennbar: So gab es zum Schuljahr 2023/24 einen deutlichen Anstieg der Schulartwechsel um 47,7 % sowie einen Anstieg der Klassenwiederholungen an Gymnasien und Realschulen in den letzten drei Jahren. Rechtliche Bestimmungen, beispielsweise zu Jahrgangsstufenwiederholungen, waren zuvor während der Corona-Pandemie gelockert worden. Zudem hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Lernförderung im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) erhalten, im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie nahezu verdoppelt.

Der „Nürnberger Weg“ bereitet schon seit 2017 die Umsetzung des ab dem Schuljahr 2026/27 schrittweise geltenden Rechtsanspruchs auf ganztägige Förderung von Kindern im Grundschulalter vor. In den letzten zwei Jahren stieg die Anzahl der Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen noch einmal deutlich um 1 000. Aufgrund der gleichzeitig gestiegenen Zahl der Grundschulkinder im Stadtgebiet liegt die Versorgungsquote im Schuljahr 2024/25 mit 72 % weiterhin auf demselben Niveau wie in den Vorjahren. Den größten Beitrag zum Ausbau der Versorgung und zur Sicherstellung des Rechtsanspruchs leisten Kindertageseinrichtungen (Horte, Häuser für Kinder sowie Kombieinrichtungen). Diese Einrichtungen bieten eine Ferienbetreuung an und sind somit rechtsanspruchskonform. Durch konzeptionelle Anpassungen und freiwillige kommunale Ressourcen konnte das Angebot bei den in Nürnberg bewährten Organisationsformen Integrierter Ganztagsbildung und Kooperativer Ganztagsbildung (Kombieinrichtungen) trotz des Wegfalls der Finanzierung durch den Freistaat erhalten bleiben.

Vorbereitende und begleitende Sprachförderangebote an Nürnberger Schulen sind nach wie vor von zentraler Bedeutung, um mögliche Nachteile im Bildungssystem aufgrund einer anderen Herkunftssprache auszugleichen. Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit wiederholen deutlich häufiger eine Klasse in der Grundschule als Schülerinnen und Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit, im Schuljahr 2023/24 lagen die jeweiligen Anteile an Klassenwiederholungen bei 6,2 % und 1,8 %. Auch planen sehr viel weniger Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit, nach der 4. Klasse auf ein Gymnasium überzutreten, als ihre deutschen Mitschülerinnen und Mitschüler. Verpflichtende Sprachstandserhebungen sollen Sprachförderbedarfe frühzeitig identifizieren und für bessere Ausgangsbedingungen sorgen.

Schülerbezogene Unterstützungs- und Beratungsangebote, wie die Jugendsozialarbeit an Schulen und schulpsychologische Betreuung, sind wichtige Anlaufstellen an Schulen. Der nach wie vor hohe Beratungs- und Unterstützungsbedarf und die angesichts verstärkter psychischer Belastungen wie auch sozialer Probleme zunehmende Komplexität der Beratungsfälle verdeutlichen, dass multiprofessionelle Teams in diesem Kontext immer wichtiger werden.

Der Bedarf an sonderpädagogischer Förderung im schulischen Kontext ist erheblich, was sich unter anderem an der steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern an Förderschulen und an dem klar erkennbaren Anstieg sonderpädagogisch geförderter Schülerinnen und Schüler an Nürnberger Grund- und Mittelschulen zeigt. Die Notwendigkeit der Umsetzung von Inklusion an Regelschulen steht damit außer Frage und erfordert weitere inklusive Angebote. Die etablierten Modelle inklusiver Bildung in Nürnberg, wie Schulprofilschulen sowie Partner- und Kooperationsklassen, werden in weitgehend unverändertem Umfang fortgeführt. Das Regelschulsystem stützt sich beispielsweise auf Schulbegleitungen, MSD-Förderstundenkontingente oder Sonderpädagogik an Schulen. Die Anzahl der Schulbegleitungen für Schülerinnen und Schüler mit (drohender) seelischer Behinderung an Regelschulen in Nürnberg stieg zuletzt deutlich auf 201 Kinder und Jugendliche an.

Die Voraussetzungen für digitalgestützten Unterricht haben sich in den letzten Jahren vor allem durch eine entsprechende Ausstattung an den Schulstandorten und die vollständige Versorgung der Lehrkräfte mit Dienstgeräten weiterhin verbessert. Maßnahmen des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) zur Qualifizierung von Lehrkräften und Medienangebote am dortigen Medienzentrum Nürnberg-Fürth erfreuen sich wachsender Beliebtheit.  
 

Empfehlungen

Altersentsprechende Kenntnisse der deutschen Sprache sind entscheidend für schulischen Erfolg und die Integration in die Gesellschaft. Bei Bedarf sollte die Sprachförderung deshalb möglichst früh einsetzen. Der Vorkurs Deutsch 240 ist dafür gut geeignet, da er bereits vor der Einschulung beginnt. Neue Befunde zeigen, dass das Lernen in regulären Schulklassen effektiver für den Deutschspracherwerb ist als separate Sprachlernklassen. Der Kontakt mit Kindern, die Deutsch als Familiensprache sprechen, fördert nicht nur den Deutschspracherwerb, sondern auch die soziale Integration. Daher wird eine frühzeitige Integration in den Regelunterricht mit begleitender Sprachförderung empfohlen. Angesichts des anhaltenden Bedarfs sind solche Angebote unverzichtbar. Sie sind zudem besonders vielversprechend, wenn sie auf die individuellen Lebenslagen und Lernvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen eingehen, wie dies etwa bei dem Modell der Alphabetisierungsklassen der Fall ist.

Die zunehmende Vielfalt in den Klassenzimmern, die durch Unterschiede in Bezug auf kulturelle und sprachliche Herkunft, Förderbedarfe, psychosoziale Belastungen und sozioökonomische Lebenslagen geprägt ist, stellt Schulen vor komplexe pädagogische und organisatorische Herausforderungen. Um diesen wirksam zu begegnen, ist eine systematische Förderung und Koordination der Zusammenarbeit von multiprofessionellen Teams innerhalb der Schulen notwendig. Lehrkräfte wie auch Fachkräfte aus der Sonderpädagogik, der Schulsozialarbeit und weiteren Bereichen müssen gezielt unterstützt werden, um gemeinsam passende Förderangebote zu entwickeln und umzusetzen. Die bereits formulierten Anforderungen an die Lehrkräftebildung bieten hierfür einen erfolgversprechenden Ansatz und sollten konsequent in die Praxis umgesetzt werden.

Der Schulerfolg und sich daran anschließende Bildungsverläufe hängen nach wie vor stark von der Lebenslage und insbesondere der sozioökonomischen Situation ab. Die sozialräumlichen Unterschiede der Nürnberger Quartiere spiegeln sich demzufolge in sehr unterschiedlichen Übertrittsquoten von der Grundschule auf weiterführende Schulen wider. Im Vergleich zum Bildungsbericht 2022 hat sich die sogenannte Spreizung verringert (vgl. D 4.2). Das in Nürnberg mit 57 Schulen vergleichsweise umfangreich implementierte Startchancen-Programm setzt hier zielgerichtet an. Die Schulen wurden anhand eines Sozialindexes für das Förderprogramm ausgewählt. Angesichts des zwar gezielten, aber dennoch finanziell begrenzten Förderansatzes im Rahmen des Startchancen-Programms könnten ähnliche Fördermaßnahmen für Schulen mit Sprengelbezug eingerichtet werden, um den sozialräumlichen Unterschieden in Nürnberg Rechnung zu tragen. Begleitende Maßnahmen wie Familien- und Elternbildung könnten dabei hilfreich sein. Erfolgreiche Programme wie „MUBIKIN – Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg“ sollten fortgeführt und ausgeweitet werden. Die geplante Überführung des Programms in städtische Trägerschaft ist dabei ein erster positiver Schritt zur Verstetigung.

Angesichts der Vielfältigkeit der Schülerschaft und ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen wie auch vor dem Hintergrund neuer pädagogischer Erkenntnisse und allgemein gestiegener gesellschaftlicher Anforderungen müssen Schule und Unterricht kontinuierlich weiterentwickelt werden. Zu den gesellschaftlichen Anforderungen gehören unter anderem Demokratie- und Medienbildung, Nachhaltigkeit, Resilienz und Anpassungen an sich verändernde Arbeitswelten, etwa durch die digitale Transformation. 
Das Startchancen-Programm stellt Mittel für Schulentwicklungsprozesse bereit. Die Umsetzung kann an bereits vorhandenen Strukturen ansetzen, indem sie bestehende Unterstützungs- und Förderangebote stärkt und insbesondere die Verzahnung schulischer und außerschulischer Bildungsangebote fördert. 
An die kommunalen Schulen in Nürnberg richtet sich der Schulentwicklungsprozess „Vision Schule 2040“. Der Prozess bietet einen strukturierten und kooperativen Rahmen, um Expertise aufzubauen, innovative pädagogische Ansätze zu erproben und erfolgreiche Konzepte schulübergreifend umzusetzen. Durch gezielte Fortbildungs- und Austauschangebote werden Schulleitungen und Lehrkräfte für neue Unterrichtsformen qualifiziert. 
Vom Startchancen-Programm sowie dem Schulentwicklungsprozess „Vision Schule 2040“ können Impulse ausgehen, von denen die gesamte Nürnberger Schullandschaft profitiert.
 

Schulen in freier Trägerschaft sind ein wichtiger Bestandteil der Nürnberger Schullandschaft. Sie bieten bewährte Ansätze der Reformpädagogik, des Ganztagsbetriebs und der Inklusion. Ein vertiefter inhaltlicher Austausch zwischen Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft könnte den Transfer von erfolgreichen Konzepten erleichtern.

Um Inklusion an allgemeinbildenden Regelschulen zu verankern, ist eine Ausrichtung auf die zunehmende Vielfalt der Schülerschaft erforderlich. Eine wertschätzende Haltung gegenüber Diversität sowie die gemeinsame Überzeugung aller Beteiligten sind für eine gelingende Inklusion ebenso wichtig wie strukturelle Maßnahmen. Die in Nürnberg etablierten Modelle der inklusiven Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollten gestärkt und ausgeweitet werden. Darüber hinaus sollten neue Lösungen entwickelt werden, um Einzelintegration zu unterstützen. Eine datenbasierte Betrachtung der Förderbedarfe an Regelschulen ist essenziell, um die tatsächliche Bedarfslage zu erfassen. Daneben gilt es, alle verfügbaren personellen, materiellen und institutionellen Ressourcen systematisch zu identifizieren. Koordinative und beratende Strukturen an Schulen sind als wichtige Ressource zu stärken, um multiprofessionelles Arbeiten zu ermöglichen und die Schülerinnen und Schüler auf ihrem individuellen Weg bestmöglich zu unterstützen, auch an Übergängen. Der Erfahrungsaustausch zwischen Nürnberger Schulen ist dabei von großer Bedeutung. Der im Rahmen des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK eingerichtete Verfügungsfonds sollte weiterhin intensiv genutzt werden, um die inklusive Beschulung an Nürnberger Schulen zu fördern.