1. Einleitung

Im folgenden Kapitel werden die wichtigsten kommunalen Rahmenbedingungen dargestellt, die die Bildungslandschaft in Nürnberg prägen und beeinflussen. Im Fokus stehen dabei die Bevölkerungsentwicklung, der Arbeitsmarkt und die soziale Lage. Aus diesen Daten lassen sich zentrale Trends ableiten, die für die Ausgestaltung einzelner Bildungsbereiche maßgeblich sind. 

So zeigt sich beispielsweise, dass die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund stärker altert als andere Bevölkerungsgruppen und dass die Stadtgesellschaft insgesamt immer vielfältiger wird. Statistiken zur Demographie und zum Arbeitsmarkt geben Aufschluss über den Fachkräftebedarf und darüber, wie gut Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in das hiesige Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die Analyse von Transferleistungsdaten zeigt, wie sich prekäre Lebenslagen entwickeln, die den Bildungsweg erschweren können. Aktuelle Ereignisse und Krisen, wie die Corona-Pandemie oder die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine, hinterlassen ebenfalls ihre Spuren und beeinflussen die Rahmenbedingungen. 

Abschließend erfolgt ein Resümee, in dem die Chancen und Herausforderungen beleuchtet werden, die sich für die einzelnen Bildungsbereiche ergeben.
 

A 2. Demographie

2.1 Altersstruktur, Geschlecht und Zuwanderung

Das linke obere Viertel der Abbildung zeigt die Gesamtbevölkerung der Stadt Nürnberg nach Altersjahren und Geschlecht. Rechts oben werden Deutsche ohne Migrationshintergrund, links unten Deutsche mit Migrationshintergrund und rechts unten Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit abgebildet.

Es zeigt sich, dass ein sehr großer Anteil der Bevölkerung das Renteneintrittsalter bereits erreicht hat oder unmittelbar davor steht. Das trifft insbesondere auf die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund zu. Dagegen sind sowohl Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und in noch stärkerem Maße Deutsche mit Migrationshintergrund im Durchschnitt wesentlich jünger als die Nürnberger Stadtbevölkerung ohne Migrationshintergrund.

Mittlerweile besitzt mehr als die Hälfte (51,6 %) der insgesamt 546 397 Nürnbergerinnen und Nürnberger eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit oder sie sind Deutsche mit Migrationshintergrund. In der Altergruppe der über 60-Jährigen haben dagegen rund zwei Drittel (65,4 %) keinen Migrationshintergrund. Unter den 15- bis 65-Jährigen – also in der für den Arbeitsmarkt besonders wichtigen Bevölkerungsgruppe – liegt dieser Anteil bei 46,9 %. Bei den unter 18-Jährigen hat hingegen weniger als ein Drittel (31,0 %) keinen Migrationshintergrund.

Insgesamt liegt der Altersdurchschnitt der Nürnberger Bevölkerung im Jahr 2024 bei 43,4 Jahren. Damit sind die Menschen in Nürnberg durchschnittlich 1,5 Jahre jünger als die Menschen in Deutschland insgesamt.1

  • 1 Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2025; Fortschreibung des Bevölkerungsbestandes auf Basis des Zensus 2022.

2.2 Entwicklung der Bevölkerung unter 25 Jahren

Besonders für Einrichtungen der frühkindlichen Bildung und der schulischen Bildung ist es wichtig, die Entwicklung der jüngeren Bevölkerung nach Altersjahren genauer zu betrachten. Denn diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf die Anforderungen an die jeweilige Bildungsinfrastruktur aus.

Seitdem die Zahl der Kinder unter drei Jahren 2018 mit 15 836 ihren Höchststand erreicht hatte, ist ein rückläufiger Trend zu beobachten. Zwischen 2018 und 2024 ging die Anzahl der Kinder in dieser Altersgruppe um 14,3 % zurück. Auch auf Bundesebene lässt sich eine ähnliche Entwicklung feststellen, allerdings ist der Rückgang dort mit 11,1 % etwas moderater.2

Im betrachteten Zeitraum verzeichneten die Altersgruppen der 3- bis unter 6-Jährigen, der 6- bis unter 10-Jährigen und der 10- bis unter 15-Jährigen ein stetiges Wachstum. Besonders in den letzten drei Jahren zeigte sich in den beiden schulrelevanten Altersgruppen ein Anstieg, der zu rund einem Drittel auf Fluchtbewegungen aus der Ukraine zurückzuführen ist. Auch bei Kindern in den höheren Altersgruppen ist ein ähnlicher Zuwachs zu beobachten.

  • 2 Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2025; Fortschreibung des Bevölkerungsbestandes auf Basis des Zensus. Grundlage der Berichtsjahre 2011 bis 2021 ist der Zensus von 2011. Grundlage der Berichtsjahre ab 2022 ist der Zensus 2022.

2.3 Geburten, Sterbefälle und Wanderungen

Zwischen 2011 und 2024 wurden in Nürnberg mehr Sterbefälle als Geburten verzeichnet. Besonders zwischen 2018 und 2022 nahm der Abstand zwischen beiden Größen stetig zu, ging danach aber wieder leicht zurück auf zuletzt 1 071 im Jahr 2024. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung also jedes Jahr deutlich abnehmen.

Von 2020 bis 2024 sank die Zahl der Geburten von 5 248 auf 4 739, was einem Rückgang von 9,7 % entspricht. Auch auf Bundesebene zeigt sich ein ähnlicher, mit einem Minus von 12,4 % allerdings etwas stärkerer Trend. Die Anzahl der Geburten hängt sowohl von der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter als auch von der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau ab. Die Geburtenrate, also die durchschnittliche Zahl von Kindern, die eine Frau bekommt, fiel im Jahr 2024 bundesweit auf 1,35.3 Im Durchschnitt bekommen Frauen demnach zunehmend weniger Kinder.4

Nach einem Rückgang der Zuwanderung während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 hat der Zuzug aus dem Inland wieder zugenommen und übersteigt inzwischen auch die Fortzüge ins Inland. Seit 2022 ziehen nach langer Zeit erstmals wieder mehr Menschen aus anderen Kommunen nach Nürnberg als umgekehrt.

Besonders die Jahre 2015 und 2022 waren durch eine erhöhte Fluchtzuwanderung aus dem Ausland gekennzeichnet. Während der Corona-Pandemie gab es insgesamt deutlich weniger Wanderungsbewegungen in beide Richtungen.

2.4 Bevölkerung mit Behinderung

Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Menschen mit Schwerbehindertenausweis an der Nürnberger Stadtbevölkerung 11,7 %. Diese Quote variiert jedoch stark je nach Altersgruppe.

Bei den Neugeborenen bis 6-Jährigen lag der Anteil bei nur 0,8 %. In den Altersgruppen zwischen 6 und 25 Jahren, die sich in den Institutionen der primären bis tertiären formalen Bildung befinden, blieb der Anteil konstant bei 2,3 %. Ab diesem Alter stieg der Anteil an und erreichte bei den über 75-Jährigen einen Wert von 39,3 %.

Bemerkenswert ist der Rückgang der Anteile innerhalb der meisten Altersgruppen über 45 Jahren in den letzten Jahren. So sank beispielsweise der Anteil Schwerbehinderter unter den 60- bis unter 65-Jährigen von 23,4 % im Jahr 2018 auf 20,8 % im Jahr 2024.

Der Anteil der Menschen mit Schwerbehindertenausweis an der Stadtbevölkerung in Nürnberg liegt mit 11,7 % im Jahr 2024 über dem Durchschnitt für Bayern und den Bund. Die absolute Zahl der Schwerbehinderten sank um 1,9 % von 65 018 im Jahr 2018 auf 63 775 im Jahr 2024, obwohl die Gesamtbevölkerung im selben Zeitraum um 2,0 % wuchs. Die Ursachen für diese widersprüchlich erscheinende Entwicklung sind unklar. Zieht man aber auch die Zahl derjenigen Menschen mit Behinderung hinzu, die einen Grad der Behinderung von weniger als 50 % attestiert bekommen haben und daher keinen Schwerbehindertenausweis besitzen, zeigt sich ein anderes Bild: In dieser Gruppe ist die Bevölkerung ab einem Alter von 45 seit 2018 angewachsen.

2.5 Behinderungsarten junger Menschen

Abb. A 2.5 verdeutlicht die Entwicklung der Schwerbehinderungen bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis unter 25 Jahren, aufgeschlüsselt nach Art der Behinderung. Besonders auffällig ist der Anstieg im Bereich „Gehirn/Psyche“ von 881 Betroffenen im Jahr 2018 auf 1 313 im Jahr 2024. Das entspricht einem Zuwachs von 49,0 % innerhalb von 6 Jahren. Zwar liegt es nahe, diese Entwicklung mit der Corona-Pandemie in Verbindung zu bringen; dieser Ansatz allein kann den Trend allerdings nicht ausreichend erklären, da er bereits vor 2020 zu beobachten war. 

Im Jahr 2024 entfielen 56,2 % der erfassten Fälle einer anerkannten Schwerbehinderung bei jungen Menschen zwischen 6 bis unter 25 Jahren auf den Bereich „Gehirn/Psyche“, gefolgt von „Innere Organe“ mit 14,0 %. Beeinträchtigungen der Sinnesorgane machten 8,3 % aus, während 3,6 % der Fälle dem Bereich „Bewegungsapparat" zugeordnet wurden.5

Vergleicht man diese Zahlen für die 6- bis unter 25-Jährigen mit dem Durchschnitt über alle Altersgruppen hinweg, zeigen sich altersspezifische Unterschiede: Der Bereich „Gehirn/Psyche“ ist bei den Jüngeren mit 56,2 % deutlich höher ausgeprägt als über alle Altersgruppen hinweg, wo er nur 29,7 % ausmacht. Dagegen liegen die Anteile der Bereiche „Innere Organe“ (21,8 %) und „Bewegungsapparat“ (16,7 %) an allen Behinderungsarten in der Gesamtbevölkerung deutlich höher als bei den 6- bis unter 25-Jährigen. Der Anteil einer Behinderung im Bereich „Sinnesorgane“ ist bei den jungen Menschen mit 8,3 % nahezu identisch mit dem Durchschnittswert von 8,8 % für alle Altersgruppen.

  • 5 Für eine Analyse entsprechender Zahlen für die Altersgruppe der unter 6-Jährigen siehe: Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro (2024): Bildungsberichterstattung der Stadt Nürnberg. Inklusion in der frühkindlichen Bildung in Nürnberg, S. 6ff.

2.6 Entwicklung der nichtdeutschen Bevölkerung

Bei der Entwicklung der Nürnberger Bevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Nationalitäten. Die Zahl der Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft nahm von 2010 bis 2024 um 17,0 % ab. Dieser Rückgang fällt damit deutlich stärker aus als bei Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, deren Anzahl im selben Zeitraum um 4,0 % geringer wurde. Mögliche Gründe hierfür können eine Rückkehr in die Türkei oder sonstige Abwanderung, aber auch Einbürgerungen sein. Eingebürgerte Personen sind gegebenenfalls nach wie vor auch weiterhin in Nürnberg wohnhaft. Im Jahr 2024 zogen 503 Menschen mit türkischem Pass aus dem Ausland nach Nürnberg und 609 aus Nürnberg ins Ausland. Weitere 356 wechselten die Staatsangehörigkeit.6

Bei anderen Nationalitäten sind dagegen starke Zuwächse zu verzeichnen. Die Zahl der in Nürnberg lebenden rumänischen wie auch der bulgarischen Bürgerinnen und Bürger hat sich infolge der letzten EU-Osterweiterungsrunde jeweils mehr als vervierfacht. Allerdings zeigt sich bei beiden Herkunftsländern seit 2022 ein Ende des Anstiegs. Die Bevölkerungsentwicklung der Nürnbergerinnen und Nürnberger aus den übrigen EU-Ländern ist bereits seit Längerem von Stagnation oder gar Rückgang geprägt.  

Ein abrupter Anstieg lässt sich bei ukrainischen Staatsangehörigen nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs im Jahr 2022 sowie bei irakischen und syrischen Personen im Jahr 2015 feststellen. Ebenfalls stark, aber relativ kontinuierlich hat die Zahl der Menschen aus Indien zugenommen: 2024 lebten etwa siebenmal so viele Inder/-innen in Nürnberg als noch im Jahr 2010.7

A 3. Beschäftigung und Arbeitsmarkt

3.1 Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung

Im Betrachtungszeitraum von 2015 bis 2024 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnort in Nürnberg um 31 939 Personen (+15,7 %) an. Trotz der zunehmenden Alterung der Bevölkerung wächst die Zahl der Erwerbspersonen also weiter. Bundesweit fiel dieser Zuwachs mit 12,2 % etwas geringer aus.8

Der Zuwachs bei den Beschäftigten korreliert stark mit dem Qualifikationsniveau. Die Zahl der Beschäftigten mit Hochschulabschluss wuchs zwischen 2015 und 2024 um 54,5 %, die Zahl derjenigen mit Berufsausbildung dagegen lediglich um 4,4 %. (Im Jahr 2024 gab es sogar 2.418 weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Berufsausbildung als noch im Jahr 2022.) Über den gesamten Betrachtungszeitraum von 2015 bis 2024 liegt die Zunahme bei Beschäftigten ohne eine anerkannte Berufsausbildung bei 26,3 %. Da außerhalb Deutschlands die duale Ausbildung eine Ausnahme ist, sind viele Ausbildungen, die Zugewanderte aus dem Ausland mitbringen, hier nicht anerkannt und fallen damit in diese Gruppe. Wie groß der entsprechende Anteil an allen Personen ohne Berufsausbildung ist, kann jedoch nicht ermittelt werden. 

Die Beschäftigtenzahlen in Nürnberg nahmen nicht nur in absoluten Zahlen zu. Auch die Beschäftigungsquote stieg von 57,2 % im Jahr 2015 auf 64,3 % im Jahr 2024.9

Bundesweit gilt: Der Zuwachs der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist vor allem darauf zurückzuführen, dass zunehmend mehr Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen.10 Allerdings sind Frauen in der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung unterrepräsentiert und deutlich stärker in Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung vertreten als Männer.11

Von Februar 2022 bis Januar 2025 nahmen 2 062 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Nürnberg auf. Von den insgesamt 3 167 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainern im Januar 2025 arbeiten 1 424 (59,4 %) als Fachkräfte oder auf Spezialisten-Niveau.12

  • 8 Statistisches Bundesamt Destatis: Erwerbstätigkeit, Eckzahlen zum Arbeitsmarkt, Deutschland: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/eckwerttabelle.html; eigene Berechnung; zuletzt aufgerufen am 26.9.2025
  • 9 Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Arbeitsmarkt in Zahlen, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) am Wohnort (WO) nach Berufsabschluss, Nürnberg; eigene Berechnung.
  • 10 Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2022, Nürnberg, Juli 2024, S. 5ff.
  • 11 Ebd. S. 11.
  • 12 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Bayern

3.2 Entwicklung der Arbeitslosen- und der Unterbeschäftigungsquote

Betrachtet man den Zeitraum von 2010 bis 2019, fällt ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosenquote, der Unterbeschäftigungsquote insgesamt und speziell bei den unter 25-Jährigen auf. Einzige Ausnahme bildeten die Jahre 2016 und 2017, in denen die Unterbeschäftigung bei den Jüngen vorübergehend anstieg, was mit der damaligen Fluchtzuwanderung zusammenhängen könnte.

Seit der Corona-Pandemie ist der Trend nicht mehr so eindeutig erkennbar. Nach leichten Verbesserungen in den Jahren 2021 und 2022 stiegen die Quoten zuletzt wieder, was möglicherweise auf die schwache wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen ist. Die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine ist ein weiterer Erklärungsansatz. 

Zwischen 2010 und 2022 verringerte sich der Abstand zwischen der Arbeitslosenquote und der Unterbeschäftigungsquote von 5 auf 2,1 Prozentpunkte. Zuletzt wuchs dieser Abstand jedoch auf 2,5 Prozentpunkte an, was darauf hindeutet, dass wieder mehr Menschen in Eingliederungs- und Trainingsmaßnahmen der Agentur für Arbeit sind (vgl. Kap. G 2.1).

3.3 Offene Arbeitsstellen nach Wirtschaftszweigen

Im Zeitraum von 2013 bis 2024 zeigt sich ein insgesamt steigender Trend bei den gemeldeten offenen Arbeitsstellen, allerdings mit einigen Schwankungen: Nach einer Phase starken Wachstums bis 2016 stagnierte die Gesamtzahl, und die Corona-Pandemie führte im Jahr 2020 zu einem markanten Rückgang um 18,9 % im Vergleich zum Vorjahr. In den Jahren 2022 und 2023 wurden neue Höchststände erreicht. 2024 gab es jedoch wieder einen deutlichen Rückgang um 19,5 % im Vergleich zu 2023, sodass zuletzt 6 132 offene Stellen verzeichnet wurden.

Insgesamt hat die Zahl der offenen Stellen von 2013 bis 2024 um 90,3 % zugenommen. Besonders bemerkenswert ist die Zunahme im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, wo die Zahl der offenen Stellen um 465,7 % gestiegen ist. Selbst im Verarbeitenden Gewerbe, das in den letzten 10 Jahren einen Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 4 480 Personen (-10,1 %) verzeichnete, stieg die Zahl der offenen Stellen dennoch um 168,6 %.13

Im Bereich der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne Arbeitsnehmerüberlassung) gab es von 2023 bis 2024 mit 45,5 % den stärksten Rückgang offener Stellen. Allerdings hatte dieser Bereich von 2021 bis 2023 eine mehr als doppelte Zunahme erlebt, die zu den vorübergehenden Rekordwerten beitrug.

  • 13 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Bayern.

3.4 Beschäftigte mit Schwerbehinderung in Nürnberg nach Wirtschaftszweigen, 2012 bis 2023

Die Anzahl der Beschäftigten mit Schwerbehinderung hat sich von 2012 bis zum Jahr 2020 stetig erhöht, jedoch mit einigen Schwankungen. Bis 2020 war ein kontinuierliches Wachstum zu beobachten, gefolgt von einer Phase der Stagnation. Zwischen 2012 bis 2023 stieg die Anzahl von 12 688 auf 15 075 Personen an, was einem Wachstum von 18,8 % entspricht.

Diese Entwicklung fällt in den verschiedenen Branchen jedoch recht unterschiedlich aus. Besonders bemerkenswert sind die Zuwächse in den Bereichen „Verkehr und Lagerei“ mit einem Anstieg von 77,6 % und „Information und Kommunikation“, wo die Zahlen um 65,6 % zunahmen. Dagegen verzeichnete der öffentliche Sektor zuletzt einen Rückgang bei den Beschäftigten mit Behinderung, mit einem Minus von 9,2 % seit 2012. Besonders zwischen 2022 und 2023 sank die Zahl der dort beschäftigten Schwerbehinderten von 4 119 auf 3 677, was einem Rückgang von 10,7 % entspricht.

Allerdings war der öffentliche Sektor („Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung, ext. Organisationen“) bisher die einzige Branche, die die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 5 % Behindertenanteil in der Belegschaft übertraf. Im Jahr 2023 hatten private Arbeitgeber in Nürnberg 4,6 % der Pflichtarbeitsplätze mit Menschen mit Behinderungen besetzt, während es bei öffentlichen Arbeitgebern 10,6 % waren.14 Die Stadt Nürnberg selbst erreichte im Jahr 2023 eine Schwerbehindertenquote von 9,8 %.15

  • 14 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren SGB IX), Nürnberg 2025.
  • 15 Stadt Nürnberg, Referat für Finanzen: Personalbericht der Stadt Nürnberg. Basisdaten und Fakten zum Berichtsjahr 2023, S. 1.

3.5 Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf

Zwischen 2013 und 2019 erlebte der Arbeitsmarkt eine durchweg positive Entwicklung (Abb. A 3.5). In dieser Zeit verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen um fast ein Drittel (-29,5%). Besonders bemerkenswert war der Rückgang bei Langzeitarbeitslosen, deren Zahl um mehr als die Hälfte abnahm (-55,2%), sowie bei Frauen, die ebenfalls stark von diesem Trend profitierten (-35,5%).

Nach dem durch die Corona-Pandemie verursachten „Knick“ nach oben und einer anschließenden Erholung stiegen die Arbeitslosenzahlen seit 2022 jedoch wieder an. Im Jahr 2024 überschritten sie erstmals die Zahlen von 2013. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen wuchs von 2019 bis 2024 um 42,2 %. Besonders betroffen von diesem Anstieg waren Langzeitarbeitslose (+75,3 %) und Frauen (+50,0 %), aber auch Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft (+70,9 %) und Personen ab 55 Jahren (+69,3 %).

Bei Personen mit Schwerbehinderung fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 2019 mit 15,6 % vergleichsweise moderat aus. Dies liegt unter anderem an ihrer stärkeren arbeitsrechtlichen Absicherung.16

  • 16 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2024): Blickpunkt Arbeitsmarkt. Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen 2023, S. 5.

A 4. Lebenslagen

4.1 Entwicklung der Mindestsicherungsquote

Die Mindestsicherungsquote liefert einen umfassenden Überblick über den Bezug verschiedener staatlicher Leistungen, die das Existenzminimum sichern sollen. 

In Nürnberg zeigte sich nach der hohen Fluchtzuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 eine positive Entwicklung dieser Quote. Sie sank von 12,0 % im Jahr 2015 auf 9,3 % im Jahr 2019 (Abb. A 4.1). Während dieses Zeitraums ging auch der Anteil der Empfängerinnen und Empfänger von Asylbewerberleistungen von 1,5 % auf 0,6 % zurück. Zudem verringerte sich der Anteil der regelleistungsberechtigten Personen in SGB II-Bedarfsgemeinschaften von 8,7 % auf 7,0 %. Die Fluchtzuwanderung der Jahre 2015 und 2016 hatte somit keinen nachhaltig negativen Effekt auf den Transferleistungsbezug in Nürnberg. 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie spiegelten sich in einem minimalen Anstieg im Jahr 2020 wider. Dies war vor allem auf zahlreiche staatliche Maßnahmen wie Kurzarbeit und die Ausweitung des Wohngelds zurückzuführen.

Im Jahr 2022 stieg die SGB II-Quote um 0,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Hauptursache hierfür war die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine. Im Unterschied zu Geflüchteten aus anderen Herkunftsstaaten wurden Geflüchtete aus der Ukraine ab dem 1. Juni 2022 Geflüchteten aus anderen Herkunftsländern gleichgestellt, deren Asylantrag bereits bewilligt wurde. Das ermöglicht ihnen einen Wechsel des Rechtskreises und berechtigt sie, statt Asylbewerberleistungen die (höheren) SGB II-Leistungen zu erhalten.

In den Jahren 2023 und 2024 setzte sich der leichte Anstieg der SGB II-Quote und damit auch der Mindestsicherungsquote fort. Angesichts der weiterhin vergleichsweise hohen Anzahl unbesetzter Stellen (vgl. Kap. A 3.3) kann diese Entwicklung neben der angespannten Wirtschaftslage auch auf ein Missverhältnis zwischen den nachgefragten und den angebotenen Qualifikationen hinweisen.

4.2 Soziale Lage und Familientypen

Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass der Anteil der Familien, die SGB-II-Leistungen beziehen, mit der Anzahl der Kinder im Haushalt steigt. Noch bedeutsamer ist jedoch, ob es sich um den Haushalt einer Paarfamilie oder um einen Alleinerziehenden-Haushalt handelt. Der Anteil der Alleinerziehenden mit einem Kind, die SGB II-Leistungen erhalten, war im Jahr 2024 mit 30,0 % fast genauso hoch wie bei Paarfamilien mit vier Kindern (33,1 %). Dieser deutliche Unterschied in der sozialen Lage zwischen Alleinerziehenden und Paarfamilien ist nicht nur lokal, sondern auch bundesweit zu beobachten. Insbesondere Frauen sind davon betroffen, da sie deutlich häufiger als Männer alleinerziehend sind.17

Die Unterschiede bei den Anteilen sind enorm: Während Paarfamilien mit einem Kind im Jahr 2024 nur zu 7,4 % SGB II-Leistungen bezogen, lag dieser Anteil bei Alleinerziehenden mit vier und mehr Kindern bei 82,4 %.

Von 2014 bis 2022 war insgesamt ein Rückgang der SGB II-Quote in allen Haushaltsarten zu verzeichnen. Doch spätestens seit 2022, für manche Haushaltsarten sogar schon seit 2020, zeigt sich bei Alleinerziehenden-Haushalten wieder eine steigende Quote.18

  • 17 Bundesagentur für Arbeit (2024): Blickpunkt Arbeitsmarkt 2024: Die Arbeitsmarktsituation von Frauen und Männern 2023, S. 22f.
  • 18 Zum Einfluss der Novellierung von Kinderzuschlag und Wohngeld vgl. Stadt Nürnberg (2022): Bildung in Nürnberg 2022. Sechster Bildungsbericht der Stadt Nürnberg, S. 28.

4.3 Migrationshintergrund im Stadtgebiet

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist im Stadtgebiet sehr unterschiedlich verteilt. Quartiere mit einem Migrationsanteil von 55 % und mehr erstrecken sich entlang der Fürther Straße, die von Fürth hereinführt, durch Muggenhof, Eberhardshof und Gostenhof zum Plärrer und von dort aus über St. Leonhard / Schweinau südlich der Bahngleise in die Südstadt sowie nach Süden über Gibitzenhof nach Röthenbach. Auch der Stadtteil Langwasser im Südosten weist einen hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund auf. Stadtteile mit einem Migrationsanteil von weniger als 35 % finden sich hauptsächlich in den ländlicheren Randbereichen Nürnbergs, wie zum Beispiel in Großgründlach im Norden oder Kornburg im Süden.

4.4 Mindestsicherungsquote im Stadtgebiet

Diese Karte zeigt die Mindestsicherungsquote in den verschiedenen Nürnberger Stadtbezirken und gibt Aufschluss darüber, wie viele Menschen auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Die Quote setzt sich aus mehreren Bestandteilen wie unter anderem der SGB II-Quote und der Asylbewerberleistungsquote zusammen (vgl. dazu auch Abb. 4.1). Dunkler eingefärbte Gebiete deuten darauf hin, dass dort häufiger ökonomisch schwierige Lebenslagen vorzufinden sind. Ein Blick auf die Karte, die den Migrationsanteil zeigt (Abb. A 4.3), offenbart auffällige Ähnlichkeiten in der Verteilung beider Merkmale im Stadtgebiet.

Bildung im Spannungsfeld aktueller Rahmenbedingungen

A 5. Resümee

Nürnbergs Bevölkerung ist im Durchschnitt jünger als die der gesamten Bundesrepublik. Das liegt hauptsächlich an der vergleichsweise stärkeren Zuwanderung (Abb. A 2.1). Menschen mit Migrationshintergrund in Nürnberg sind im Schnitt rund 10 Jahre jünger als ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger ohne Migrationshintergrund.

Diese demographische Struktur bietet große Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, insbesondere in Bezug auf den Bedarf an Fach- und Arbeitskräften. Um diese Chancen zu nutzen, ist es unabdingbar, die mit der Zuwanderung einhergehenden Herausforderungen der Bildungsintegration systematisch und nachhaltig anzugehen. Sprachliche Barrieren, das Fehlen von Netzwerken und nicht anerkannte Qualifikationen aus dem Herkunftsland gehören zu den wesentlichen Faktoren, die eine erfolgreiche Integration erschweren.

Zu beachten ist, dass sich Migrationsbewegungen verändern und damit auch die spezifischen Integrationsbedarfe. Die Zuwanderung aus der Europäischen Union, insbesondere aus Osteuropa, wird bundesweiten Prognosen zufolge weiter abnehmen (Abb. A 2.6).19 Ein Erklärungsansatz hierfür ist die zwischenzeitliche Angleichung des Lohnniveaus innerhalb der EU.20 Damit rücken Drittstaaten als Herkunftsländer stärker in den Fokus. Die Zuwanderung aus dem Ausland, insbesondere aus solchen Drittstaaten, schwankt jedoch stark (Abb. A 2.3). Diese Schwankungen erfordern funktionierende Strukturen in der Bildungsintegration, um auf zukünftige Zuwanderungsszenarien vorbereitet zu sein.

Ein merklicher demographischer Trend ist der Rückgang bei der Anzahl der Kinder im Krippenalter (Abb. A 2.2), sowohl was absolute Zahlen als auch die zusammengefasste Geburtenziffer betrifft. Dieses Phänomen zeigt sich aktuell auch bundesweit, es bleibt aber abzuwarten, ob es sich dabei um einen dauerhaften Trend handelt.21  

Nach positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bis einschließlich 2019 wurden die negativen Effekte der Corona-Pandemie beispielsweise in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit (Abb. A 3.2 und A 3.5) oder der offenen Arbeitsstellen (Abb. A 3.3) spürbar. Zwar erholte sich der Arbeitsmarkt vor allem im Jahr 2022 erneut, zuletzt machte sich aber die schwache Konjunktur bemerkbar. Die konjunkturellen Schwankungen am Arbeitsmarkt wirken sich auf unterschiedliche Gruppen unterschiedlich stark aus (Abb. A 3.5). Langzeitarbeitslose, Frauen und Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft sind in besonderem Maße von negativen Trends betroffen.

Im Jahr 2022 erreichte die absolute Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Nürnberg ihren Höchststand und verharrte anschließend auf hohem Niveau (Abb. A 3.1). Trotz steigender Arbeitslosenzahlen sind im Jahr 2024 mehr Nürnbergerinnen und Nürnberger sozialversicherungspflichtig beschäftigt als je zuvor.

Menschen mit Schwerbehinderung sind aufgrund ihrer besseren arbeitsrechtlichen Absicherung geringeren Arbeitsmarktrisiken ausgesetzt als andere Gruppen (Abb. A 3.5), doch ihre Beschäftigtenzahlen stagnieren seit mehreren Jahren (Abb. A 3.4).

Zwar ist die Zahl der unbesetzten Stellen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, sie ist aber in den letzten zehn Jahren insgesamt gestiegen. Dies weist angesichts des parallelen Anstiegs der Arbeitslosenzahlen auf ein Missverhältnis zwischen den formalen Qualifikationen der Arbeitssuchenden und den Anforderungen auf Arbeitgeberseite hin – wie es auf Bundesebene bereits festgestellt wurde. Technologische Transformationen können diese sogenannte Missmatch-Problematik noch weiter verschärfen.22 Der Fachkräftemangel betrifft vor allem bestimmte, so genannte Engpassberufe, weshalb gezielte Qualifikationsmaßnahmen erforderlich sind, um Angebot und Nachfrage besser in Einklang zu bringen.23  

Seit 2021 stieg die SGB II-Quote, während die Asylbewerberleistungen abnahmen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Geflüchtete aus der Ukraine anders als Schutzsuchende aus anderen Herkunftsländern ab 1. Juni 2022 Anspruch auf SGB II-Leistungen haben (Abb. A 4.1).

Bestimmte Gruppen sind in besonderem Maße auf sozialstaatliche Unterstützung angewiesen, was ihre Bildungschancen beeinträchtigen kann. Besonders für Haushalte mit mehreren Kindern und Alleinerziehende ist das Risiko für SGB II-Bezug erhöht (Abb. A 4.2). Die gesellschaftliche Teilhabe dieser und anderer benachteiligter Gruppen zu unterstützen, ist daher sozial- wie bildungspolitisch geboten. Der NürnbergPass, der 2024 von fast drei Viertel (71,3 %) aller Berechtigten beantragt wurde, ist ein positives Beispiel für eine solche Unterstützung auf kommunaler Ebene.24  

Menschen in sozial schwierigen Lebenslagen leben häufig in bestimmten Stadtteilen, wie auch aus Abbildung A 4.4 hervorgeht. Da Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland überproportional von Armutsrisiken betroffen sind25 , weisen dieselben Stadtteile oft einen erhöhten Anteil von Bewohnerinnen und Bewohnern mit Migrationshintergrund auf (Abb. A 4.3). In diesen Sozialräumen besteht die Gefahr, dass sich Faktoren verfestigen und verstärken, die den Bildungserfolg negativ beeinflussen. Migration an sich ist nicht die Ursache für Bildungsbenachteiligung, sondern die damit verbundenen soziökonomischen Herausforderungen.26 Umso dringender und lohnender ist es, migrationsspezifische (insbesondere sprachliche) Herausforderungen und Ressourcen (wie beispielsweise migrantische Netzwerke) bei der Konzeption von bildungs- und integrationspolitischen Maßnahmen einzubeziehen. Auch unabhängig vom Thema Zuwanderung können sozialräumliche Ansätze Nachteile effizient ausgleichen. Das Startchancenprogramm des Bundes und der Länder (vgl. Kap. D 7.8) verfolgt einen entsprechenden Ansatz in Bezug auf Schulen.