Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung bildet eine wichtige Basis für gelingende Bildungsbiographien und gesellschaftliche Teilhabe. In Nürnberg steht dieser grundsteinlegende Bildungsbereich dabei weiterhin im Zeichen eines dynamischen Entwicklungsprozesses mit dem Ziel, den bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsplätzen mit hoher pädagogischer Qualität zu verbinden und dabei die zunehmende Vielfalt der kulturellen und sozialen Hintergründe der Kinder einzubeziehen.
Mit der Leitlinie 4 „Bildung im Lebenslauf fördern, früh beginnen“ im „Orientierungsrahmen für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg“28 stellt das Sozialreferat die frühzeitige Förderung von Gestaltungs- und Handlungskompetenzen in der frühkindlichen Bildung als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und als Ausgangspunkt für eine gelingende lebenslange Bildungsbiographie heraus.29
Entgegen dem bisherigen Trend einer stetig wachsenden Nachfrage nach Kindertagesbetreuungsangeboten im Vorschulalter verweisen jüngere Entwicklungen auf Veränderungen bei der Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen insbesondere bei unter 3-Jährigen hin. Analog zum bundesweiten Trend zeigt sich eine Verschiebung bei der Inanspruchnahme von Betreuungsplätzen: Kinder treten später als bisher in Krippe oder Tagespflege ein, gleichzeitig werden häufiger als bisher auch kürzere Betreuungszeiten gebucht. Zudem ist auch Nürnberg von Geburtenrückgängen betroffen, jedoch moderater als viele andere Kommunen in Deutschland. Hinweise auf einen insgesamt rückläufigen Betreuungsbedarf im Vorschulalter liegen jedoch nicht vor.
Bundesweite Analysen wie der Kinderbetreuungsreport des Deutschen Jugendinstituts (DJI) belegen vielmehr, dass nach einem zwischenzeitlich leichten Rückgang des elterlichen Bedarfs während der Coronapandemie seither wieder ein steigender Trend zu beobachten ist.30 Trotz intensivem Ausbau des Betreuungsangebots kann der elterliche Bedarf noch immer nicht bedarfsgerecht bedient werden. Rund ein Fünftel der Eltern in Deutschland kann trotz bestehenden Betreuungswunsches für unter 3-Jährige kein passendes Angebot nutzen.31 Dieser Befund spiegelt sich auch in den repräsentativen Elternumfragen des Nürnberger Jugendamts wider. In Nürnberg ist es insbesondere die Höhe der Elternbeiträge, die einer Inanspruchnahme entgegenstehen. Familien mit Wohnsitz in Nürnberg können bei geringem Einkommen eine Übernahme oder gar einen Erlass der Beiträge durch das Jugendamt beantragen. Trotz dieser Regelung verschärft sich die Problematik aufgrund steigender Lebenshaltungs- und Betriebskosten. Dies stellt sowohl Familien als auch Träger vor zusätzliche Herausforderungen, da letztere wiederum die Elternbeiträge anheben müssen.32
Die Stadt Nürnberg verfolgt weiterhin das Ausbauziel, bis 2030 für 48 % der Kinder unter 3 Jahren und für alle Kinder von 3 Jahren bis zur Einschulung einen Betreuungsplatz bereitzustellen. Ob diese Zielmarke im U3-Bereich angesichts der veränderten Nachfrage Bestand haben kann, soll im Jahr 2026 anhand einer repräsentativen Elternbefragung überprüft und fortgeschrieben werden.33 Der Ausbau von Einrichtungen der frühkindlichen Bildung im Vorschulalter bleibt aufgrund der Krise in der Bauwirtschaft und der Zunahme sanierungs- und ersatzbedürftiger Bestandseinrichtungen herausfordernd.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualitätssicherung in der pädagogischen Arbeit, beispielsweise im Bereich der Sprachförderung. Mit dem Auslaufen der Bundesförderung für „Sprach-Kitas“ wurden in Nürnberg eigene Strukturen etabliert, darunter das Programm „Sprachliche Bildung in Kindertageseinrichtungen“ (SpiKi) sowie das „Fachteam Sprache“ für städtische Kindertageseinrichtungen, mit aktuell fünf Sprachberatungen. Der Freistaat Bayern finanziert darüber hinaus die Fortführung der Sprach-Kitas bis Ende 2025. Die Finanzierung des Fachteams Sprache liegt ausschließlich bei der Stadt Nürnberg.
Zur Deckung des steigenden Personalbedarfs setzt Nürnberg auf die Praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher (PiA, ehemals Modellversuch OptiPrax, vgl. G 3.2). Ab dem Schuljahr 2025/26 wurde das Ausbildungsangebot um den Schulversuch „Kinderpflegeausbildung mit erhöhtem Praxisanteil“ (KiPrax) erweitert, der angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern eine vergütete, praxisorientierte Ausbildung ermöglicht. Die städtische Berufsfachschule für Kinderpflege nimmt seit dem Schuljahr 2025/2026 an dem Schulversuch teil, in Kooperation mit freien Trägern. Das Jugendamt plant ab dem Schuljahr 2026/2027 mit einem eigenen Ausbildungskontingent für städtische Kindertageseinrichtungen in die Ausbildung einzusteigen.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Inklusion von Kindern mit Behinderungen in Einrichtungen der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Mit dem Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) von 2021 wurde das Ziel verankert, Leistungen für Kinder mit und ohne Behinderungen unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zusammenzuführen („ große inklusive Lösung “). Der Reformprozess auf Bundesebene ist noch nicht abgeschlossen. Die Stadt Nürnberg geht hier bereits voran: Seit 2023 unterstützen zwei Verfahrenslotsinnen Familien mit Kindern mit Behinderung bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche.34 Gemeinsam mit dem Bezirk Mittelfranken beteiligt sich Nürnberg auch als Modellkommune am Reformprozess. Unabhängig davon werden seit 2024 bisher integrativ arbeitende städtische Kindertageseinrichtungen zu inklusiven Kindertageseinrichtungen mit eigenen Inklusionsfachkräften weiterentwickelt, um den seit Jahren steigenden inklusiven Betreuungsbedarf besser gerecht werden zu können. Zusätzlich unterstützt der beim Jugendamt der Stadt Nürnberg angesiedelte Fachdienst Inklusion dabei, inklusive Bedingungen in Nürnberger Regeleinrichtungen zu schaffen und Kinder mit besonderen Bedürfnissen in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung zu begleiten.
Seit 2023 prägt das KiTa-Qualitätsgesetz35 die bundesweiten Rahmenbedingungen. Es löste das Gute-KiTa-Gesetz ab und stellt bis 2026 jährlich rund zwei Milliarden Euro für Qualitätsverbesserungen und Teilhabe bereit. Neben der Sprachförderung stehen Personalschlüssel und der Ausbau bedarfsgerechter Angebote im Mittelpunkt, welche nach dem Ende der Bundesförderung von den Ländern eigenständig organisiert werden. Die Herausforderungen bei der qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung werden derzeit in der politischen und fachlichen Diskussion von der angespannten Finanzlage der Träger überlagert. Eine dauerhafte Unterfinanzierung führt dazu, dass für die Träger trotz der deutlichen Erhöhung von Elternbeiträgen die Finanzierungslücke zwischen gestiegenen Kosten und Einnahmen aus gesetzlicher Förderung (Land und Kommune) und freiwilligen kommunalen Finanzierungsanteilen größer wird. Die Lage der kommunalen Haushalte erlaubt zumeist, so auch in Nürnberg, keine einseitige Aufstockung der freiwilligen Leistungen, die Erhöhung der Elternbeiträge stößt demgegenüber an die Grenze des sozial Verträglichen. Nach Einschätzung von Trägern und Kommunen ist auch die vom Freistaat Bayern eingeleitete Reform der staatlichen Finanzierung nicht ausreichend, die Lücke wesentlich zu schließen. Damit könnte die angespannte Finanzlage die qualitative und quantitative Entwicklung der frühkindlichen Bildung begrenzen.
Besonders herausfordernd bleibt bundesweit im Bereich der frühkindlichen Bildung der Fachkräftemangel: Offene Stellen übersteigen vielerorts die Zahl der arbeitssuchend gemeldeten Fachkräfte deutlich und die Fachkraftquote sinkt spürbar. Studien weisen auf Qualitätsrisiken hin, wenn der Personalmangel die Wahrnehmung zentraler Aufgaben – wie Planung, Dokumentation, Teamarbeit und Elternkommunikation – einschränkt. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Debatte um bundeseinheitliche Standards für Personalschlüssel an Gewicht.36 Für Nürnberg zeigt sich jedoch ein etwas anderes Bild: Hier stellt weniger ein Mangel an offenen Stellen – die Stadt startete das Kitajahr ohne Vakanzen, während die Lage bei freien Trägern variiert – die größte Belastung dar, sondern vor allem eine erhöhte Krankheitsquote, die den Personaleinsatz und die pädagogische Kontinuität erschwert. Zugleich verstärkt die Aufnahme neuzugewanderter und geflüchteter Kinder, insbesondere aus der Ukraine, die Heterogenität der Gruppen. Dies unterstreicht die Rolle der Kindertageseinrichtungen als Orte der Sprachförderung, Teilhabe und Stabilität und verdeutlicht die Notwendigkeit, das Betreuungssystem entsprechend zu stärken.
- 28 Referat für Jugend, Familie und Soziales, Orientierungsrahmen für die Jugend-, Familien-, Senior*innen-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg, www.nuernberg.de/internet/sozialreferat/orientierungsrahmen.html, letzter Zugriff: 14.11.2025.
- 29 Das Positionspapier des Jugendamts „Gute Perspektiven für Kinder, Jugendliche und Familien in Nürnberg“ von September 2025 präzisiert die Herausforderungen an gute frühe Bildung: Verlässlichkeit, Bezahlbarkeit, Bildung von Anfang an, Ganztag mit Qualität, Innovative Konzepte und Sprache als Schlüssel (vgl. Stadt Nürnberg, Beilage 1.1 des Jugendhilfeausschusses vom 25.9.2025, Positionspapier: Gute Perspektiven für Kinder, Jugendliche und Familien in Nürnberg).
- 30 Vgl. Kayed, Theresia/Wieschke, Johannes/Kuger, Susanne (2025): FBBE: Elterlicher Bedarf und Ungleichheiten im Zugang. DJI-Kinderbetreuungsreport 2025, S. 23, www.dji.de/fileadmin/user_upload/KiBS/Publikationen2025/Kinderbetreuungsreport_2025_Studie1_Bedarfe_U3U6.pdf, letzter Zugriff: 14.11.2025.
- 31 Vgl. Kayed, Theresia/Wieschke, Johannes/Kuger, Susanne (2025): FBBE: Elterlicher Bedarf und Ungleichheiten im Zugang. DJI-Kinderbetreuungsreport 2025, S. 23, www.dji.de/fileadmin/user_upload/KiBS/Publikationen2025/Kinderbetreuungsreport_2025_Studie1_Bedarfe_U3U6.pdf, letzter Zugriff: 14.11.2025.
- 32 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2025): Fortschreibung der Jugendhilfeplanung zum Ausbau der Angebote der Kindertagesbetreuung im Vorschulalter in Nürnberg. Entscheidungsvorlage im Jugendhilfeausschuss, 10.4.2025, S. 4f.
- 33 Ebd., S. 3f.
- 34 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2025): Bericht der Verfahrenslotsen und des Fachdienstes Inklusion des Jugendamts Nürnberg. Vorlage im Jugendhilfeausschuss, 10.7.2025, S. 1ff.
- 35 Zweites Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung (KiTa-Qualitätsgesetz).
- 36 Strehmel, Petra/Viernickel, Susanne (2022): Bundesweite Standards zur Betreuungsrelation in der Kindertagesbetreuung. Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin, www.fruehe-chancen.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/AG_Fr%C3%BChe_Bildung_Bericht/Expertise_Betreuungsrelation_Strehmel___Viernickel_2023_BF.pdf, letzter Zugriff: 17.11.2025.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 2.1 zeigt ein zweigeteiltes Säulendiagramm zur Entwicklung der Anzahl von Kindern unter sechs Jahren in Nürnberg in den Jahren 2018, 2020, 2022 und 2024. Die Darstellung unterscheidet zwei Altersgruppen: Auf der linken Seite befinden sich die Balken für Kinder unter drei Jahren, auf der rechten Seite die Balken für Kinder von drei bis unter sechs Jahren.
Für jedes Jahr ist ein senkrechter Balken abgebildet. Der untere Bereich jedes Balkens zeigt die Anzahl der Kinder ohne Migrationshintergrund, der obere Bereich stellt die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund dar.
Zusammenfassung und Verlauf:
In der Altersgruppe der unter Dreijährigen werden folgende Zahlen dargestellt:
- 2018: 5449 Kinder ohne Migrationshintergrund und 10387 mit Migrationshintergrund
- 2020: 5080 ohne und 9933 mit Migrationshintergrund
- 2022: 4906 ohne und 10068 mit Migrationshintergrund
- 2024: 4001 ohne und 9573 mit Migrationshintergrund
In der Altersgruppe der 3- bis unter 6-Jährigen bezeigt sich:
- 2018: 4897 Kinder ohne Migrationshintergrund und 9384 mit Migrationshintergrund
- 2020: 4754 ohne und 9818 mit Migrationshintergrund
- 2022: 4684 ohne und 10272 mit Migrationshintergrund
2024: 4488 ohne und 10479 mit Migrationshintergrund
Wertetabelle:
| Migrationshintergrund | 2018 | 2020 | 2022 | 2024 | 2018 | 2020 | 2022 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ohne Migrationshintergrund | 5449 | 5080 | 4906 | 4001 | 4897 | 4754 | 4684 | 4488 |
| Mit Migrationshintergrund | 10387 | 9933 | 10068 | 9573 | 9384 | 9818 | 10272 | 10479 |
| Insgesamt | 15836 | 15013 | 14974 | 13574 | 14281 | 14572 | 14956 | 14967 |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 2.1: Kinder unter sechs Jahren in Nürnberg nach Migrationshintergrund, 2018 bis 2024</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister.
Die Kategorie Kinder mit Migrationshintergrund umfasst sowohl Kinder mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit als auch Kinder mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft.
Die Zahl der Kinder unter 6 Jahren ist im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. Zum Stichtag 31.12.2024 lebten insgesamt 28 541 Kinder in dieser Altersgruppe in Nürnberg. Im Vergleich zum Jahr 2018 (30 117 Kinder) ist dies ein Rückgang um 5,2 % (vgl. A 2.2).
Zwischen 2018 und 2024 stieg die Anzahl der Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren um 4,8 % (+686 Kinder), während die Anzahl der unter 3-Jährigen im selben Zeitraum um 14,3 % (-2 262 Kinder) zurückging (vgl. Abb. C 2.1). Insbesondere zwischen den Jahren 2022 und 2024 ist die Zahl der unter 3-Jährigen deutlich gesunken. Ursache hierfür ist ein statistischer Sondereffekt: Der starke Geburtenjahrgang 2021 (5 452 Geburten) entwuchs aus dieser Altersgruppe, während die Folgejahrgänge 2022 (5 031) und 2023 (4 626) deutlich kleiner ausfielen. In der Gesamtsumme wirkte sich dies bei den unter 3-Jährigen insgesamt als Rückgang aus. Ein genereller Trend lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Geburtenzahl 2024 (4 739) deutet bereits wieder auf eine leichte Stabilisierung hin.
Ein detaillierter Blick auf die Zusammensetzung zeigt, dass der Anteil der unter 6-Jährigen mit Migrationshintergrund seit 2018 kontinuierlich von 65,6 % im Jahr 2018 auf 70,3 % im Jahr 2024 gestiegen ist (vgl. Abb. C 2.1). Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Kinder ohne Migrationshintergrund von 34,4 % auf 29,7 %.

Abbildungsbeschreibung:
Das Liniendiagramm C 2.2 zeigt den Anteil von Kindern in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II in den Jahren 2014 bis 2024. Auf der X-Achse sind die Jahre von 2014 bis 2024 abgebildet, die Y-Achse zeigt den prozentualen Anteil von Kindern in Bedarfsgemeinschaften und reicht von 0 bis 25 Prozent in 5 Prozent Schritten.
Zusammenfassung und Verlauf:
Es sind zwei Linien dargestellt: Eine Linie zeigt den Anteil der Kinder in Bedarfsgemeinschaften im Alter unter 3 Jahren, die andere Linie den Anteil der Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren. Im Jahr 2014 lag der Anteil bei den unter 3-Jährigen bei 20,5 Prozent und sank kontinuierlich bis 2021 auf 14,7 Prozent, bevor er wieder leicht anstieg auf 15,9 Prozent im Jahr 2024. Bei den 3- bis unter 6-Jährigen war der Anteil im Jahr 2014 mit 22,0 Prozent am höchsten. Auch hier kam es zu einem Rückgang, der Anteil der Kinder in Bedarfsgemeinschaften lag 2021 bei 16,2 Prozent . Danach stieg der Anteil auf 17,3 Prozent in den Jahren 2022 und 2023, bevor er 2024 auf 16,9 Prozent zurückging. Insgesamt zeigt das Diagramm für beide Altersgruppen über den dargestellten Zeitraum einen rückläufigen Trend mit leichter Erholung zum Ende.
Wertetabelle:
| Altersgruppe | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Unter 3 Jahren | 20,5% | 19,8% | 18,1% | 17,3% | 15,5% | 15,1% | 15,0% | 14,7% | 15,2% | 15,2% | 15,9% |
| 3 bis unter 6 Jahren | 22,0% | 21,4% | 21,0% | 19,3% | 17,6% | 16,1% | 16,3% | 16,2% | 17,3% | 17,3% | 16,9% |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 2.2: Anteil von Kindern in SGB II - Bedarfsgemeinschaften an allen Kindern der entsprechenden Altersgruppe in Nürnberg, 2014 bis 2024</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister; Statistik der Bundesagentur für Arbeit; eigene Darstellung.
Im Jahr 2024 lebten in Nürnberg insgesamt 4 684 Kinder unter 6 Jahren in Bedarfsgemeinschaften mit SGB II-Bezug. Dies entspricht einem Anteil von 16,4 % aller Kinder dieser Altersgruppe. Bei Kindern unter 3 Jahren lag dieser Anteil bei 15,9 % (2 155 Kinder) und bei Kindern zwischen 3 und unter 6 Jahren bei 16,9 % (2 529 Kinder). Bis zum Jahr 2021 nahm dieser Anteil in beiden Altersgruppen tendenziell ab (Abb. C 2.2). Zwischen 2022 und 2024 stieg die Zahl der unter 3-Jährigen mit SGB II-Bezug jedoch wieder geringfügig von 15,2 % auf 15,9 %.
Im Jahr 2024 wurden für insgesamt 7 986 Kinder in Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege (bis zur Einschulung) die Betreuungskosten übernommen. Die Zahl hat sich im Vergleich zu 2021 geringfügig erhöht (+37 Kinder). 46,9 % der Kinder kam aus Familien, die Jobcenter-Leistungen bezogen und 2,8 % aus Familien im Asylbewerberleistungsbezug. Über ein Drittel kam aus Familien, die Kinderzuschlag und/oder Wohngeld (37,6 %) erhielten. Insgesamt kam es zu Verschiebungen bei der Zusammensetzung der beziehenden Familien nach den empfangenen Sozialleistungen. Der Anteil der Familien, die Kinderzuschlag und/oder Wohngeld erhielten, nahm hier zu (2021: 29,7 %).37 Die Wohngeldreform im Jahr 2023, in deren Folge mehr Familien Anspruch auf Wohngeld und somit auch die Übernahme von Kinderbetreuungskosten erhielten, könnte zur Erklärung beitragen. Eine fundierte Analyse ist jedoch aufgrund weiterer Einflussfaktoren nicht abschließend möglich.
Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) nahmen im Jahr 2024 4 218 Kinder unter 6 Jahren in Anspruch, von denen etwa drei Viertel (77,1%) im Alter zwischen 3 bis unter 6 Jahren waren. Zwischen 2019 und 2022 ging die Anzahl der unter 6-Jährigen, die BuT-Leistungen erhielten, pandemiebedingt zunächst um 26,2 % zurück. Seit 2022 ist wieder ein Anstieg zu erkennen (2022 bis 2024: +19,2 %), wobei das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht wurde.38
Im Dezember 2024 besaßen 6 017 Kinder unter 6 Jahren einen Nürnberg-Pass, von denen fast zwei Drittel (64,1%) 3 bis unter 6 Jahre alt waren. Die Zahl der unter 6-jährigen Kinder mit einem Nürnberg-Pass nahm zwischen 2019 und 2024 um 17,5 % zu.39
- 37 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Familien - Jugendamt.
- 38 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt.
- 39 Ebd.
Bundesweit besuchen immer mehr Kinder im Vorschulalter eine Kindertageseinrichtung. Dazu gehören gemäß dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) Kinderkrippen, Kindergärten, Häuser für Kinder und Netze für Kinder. Gesetzlich gleichgestellt ist die Betreuung durch eine qualifizierte Tagespflegeperson im Rahmen der Kindertagespflege.
Zum 31.12.2024 besuchten in Nürnberg insgesamt 19 398 Kinder bis zur Einschulung eine Kindertageseinrichtung. Darunter waren 4 308 Kinder unter 3 Jahren, die in Krippen oder altersgemischten Einrichtungen (Häuser für Kinder oder Netze für Kinder) betreut wurden. In Einrichtungen der Regelförderung (Kindergärten, Häuser für Kinder sowie Netze für Kinder) wurden 15 090 Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt betreut. Zwischen 2021 und 2024 ging die Zahl der Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen um 202 zurück, was einem Rückgang von 4,5 % entspricht. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der betreuten Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt um 147 zu (+1,0 %).40
Die Entwicklung der Betreuungszahlen bei den unter 3-Jährigen lässt sich vor allem durch einen kohortenspezifischen Rückgang der Geburten erklären (vgl. C 2.1), ergänzt durch eine leicht rückläufige Nachfrage nach frühkindlicher Bildung und Betreuung. Analog zum bundesweiten Trend zeigt sich auch in Nürnberg eine Entwicklung hin zu geringeren Verweildauern: Kinder treten später als in den Vorjahren in die Krippe oder Tagespflege ein. Ein weiterer Einflussfaktor sind die gestiegenen Betreuungskosten (bei gleichzeitig gestiegenen Lebenshaltungskosten), die – trotz anteiliger bzw. kompletter Übernahme der Gebühren durch das Jugendamt – insbesondere bei Familien mit geringem Einkommen dazu führen, dass Betreuungsangebote später in Anspruch genommen werden.41
714 Kinder wurden zum 31.12.2024 in der Tagespflege betreut, darunter 536 Kinder unter 3 Jahren und 178 Kinder ab 3 Jahren bis zur Einschulung. Zwischen 2021 und 2024 ist die Zahl der in Kindertagespflege betreuten Kinder gestiegen, bei den unter 3-Jährigen um 6,1 % und bei den Kindern ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt um 23,6 %.42
- 40 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
- 41 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2025): Fortschreibung der Jugendhilfeplanung zum Ausbau der Angebote der Kindertagesbetreuung im Vorschulalter in Nürnberg, Beilage 4.2 des Jugendhilfeausschusses, 10.4.2025, S. 2.
- 42 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 3.2 zeigt ein horizontales Balkendiagramm zur Anzahl der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder in Nürnberg, aufgeschlüsselt nach Trägerschaft und Art der Einrichtung in den Jahren 2021 und 2024. Für jede Trägerschaft werden drei Einrichtungsarten unterschieden: Krippe, Kindergarten und altersgemischte Einrichtungen.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Jahr 2021 betreuten öffentliche Träger 92 Kinder in Krippen, 1666 Kinder in Kindergärten und 1681 Kinder in altersgemischten Einrichtungen. Gemeinnützige Träger ohne kirchliche Anbindung betreuten im selben Jahr 423 Kinder in Krippen, 594 Kinder in Kindergärten und 1641 Kinder in altersgemischten Einrichtungen. Kirchliche Träger stellten mit Abstand die meisten Plätze bereit: Sie betreuten 296 Kinder in Krippen, 4513 in Kindergärten und 3.485 in altersgemischten Einrichtungen. Sonstige Träger schließlich betreuten 785 Kinder in Krippen, 780 Kinder in Kindergärten und 3384 Kinder in altersgemischten Einrichtungen.
Im Jahr 2024 ergibt sich ein ähnliches Bild mit leichten Verschiebungen: Öffentliche Träger betreuten 46 Kinder in Krippen, 1712 Kinder in Kindergärten und 1843 Kinder in altersgemischten Einrichtungen. Bei den gemeinnützigen Trägern ohne Kirchen lag die Zahl der betreuten Kinder in Krippen bei 406, in Kindergärten bei 671 und in altersgemischten Einrichtungen bei 2072. Kirchliche Träger verzeichneten 260 betreute Kinder in Krippen, 4275 in Kindergärten und 3448 in altersgemischten Einrichtungen. Bei den sonstigen Trägern wurden 677 Kinder in Krippen, 734 in Kindergärten und 3468 in altersgemischten Einrichtungen betreut.
Wertetabelle:
| Jahr | Träger | Krippe | Kindergarten | Altersgemischte Einrichtung |
|---|---|---|---|---|
2024 | Sonstiger Träger | 677 | 734 | 3468 |
| Kirchlicher Träger | 260 | 4275 | 3448 | |
| Gemeinnütziger Träger (ohne Kirchen) | 406 | 671 | 2072 | |
| Öffentlicher Träger | 46 | 1712 | 1843 | |
2021 | Sonstiger Träger | 785 | 780 | 3384 |
| Kirchlicher Träger | 296 | 4513 | 3485 | |
| Gemeinnütziger Träger (ohne Kirchen) | 423 | 594 | 1641 | |
| Öffentlicher Träger | 92 | 1666 | 1681 |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 3.2: Kinder in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg nach Trägerschaft und Art der Einrichtung, 2021 und 2024</figcaption>
Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt; KiBiG.web.
Die Daten geben den Durchschnitt des jeweiligen Betriebsjahres an.
82 % der Kindertageseinrichtungen in Nürnberg befinden sich in freier Trägerschaft (Kirchengemeinden und kirchliche Trägerverbünde, Wohlfahrtsverbände, Elterninitiativen oder private Personen). Etwa jede fünfte Kindertageseinrichtung (18 %) wird von der Stadt Nürnberg getragen. Hinzu kommen 216 aktive Tagespflegepersonen sowie 13 Großtagespflegestellen.43
Im Jahr 2024 wurden die meisten Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut, die sich in kirchlicher Trägerschaft befinden (40,7 % bzw. 7 983 Kinder, davon 4 275 Kinder in Kindergärten), gefolgt von Einrichtungen sonstiger Träger (24,9 % bzw. 4 879 Kinder, davon 3 468 Kinder in altersgemischten Einrichtungen) (vgl. Abb. C 3.2). In den städtischen Einrichtungen wurden 18,4 % der Kinder (3 601) und in Einrichtungen gemeinnütziger Träger ohne kirchliche Zugehörigkeit 16,1 % (3 149 Kinder) betreut.
Die Anzahl der betreuten Kinder stieg zwischen 2021 bis 2024 bei den Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft um 4,7 %. Bei den gemeinnützigen Trägern war ein Anstieg der betreuten Kinder um 18,5 % zu verzeichnen, wobei insbesondere der Bereich der altersgemischten Einrichtungen stark erweitert wurde. Bei den kirchlichen Trägern ging die Anzahl der betreuten Kinder im betrachteten Zeitraum um 3,8 % und bei den sonstigen Trägern um 1,4 % zurück.
Betrachtet man den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindergärten nach Trägerschaft, zeigt sich, dass dieser in städtischen Einrichtungen am höchsten ist: Zum Stichtag 1.3.2024 machten Kinder mit Migrationshintergrund dort mit 77,0 % (2021: 72,5 %) über drei Viertel aller betreuten Kinder aus. Am niedrigsten war ihr Anteil mit 44,5 % (2021: 41,6 %) in den Einrichtungen der „sonstigen“, meist privaten Träger.44
- 43 Betriebsjahr 2024/25; Quelle: Stadt Nürnberg (2025): Fortschreibung der Jugendhilfeplanung zum Ausbau der Angebote der Kindertagesbetreuung im Vorschulalter in Nürnberg, Beilage 4.2 zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses, 10.4.2025, S. 2.
- 44 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendhilfestatistik.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 3.3 zeigt ein gestapeltes Säulendiagramm zur Anzahl an Kindern mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg in den Jahren 2015 bis 2024. Die x-Achse listet die Jahre auf, die y-Achse zeigt die jeweilige Anzahl der Kinder in Schritten von 100 und reicht von 0 bis 900. Jede Säule ist in zwei Abschnitte unterteilt: im unteren Säulensegment sind Kinder im Alter unter 3 Jahren dargestellt und im oberen Säulensegment Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt.
Über den Säulen ist jeweils ein Kasten abgebildet, in dem der Anteil der Kinder mit (drohenden) Behinderungen an allen betreuten Kindern in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg in dem jeweiligen Jahr steht.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Jahr 2024 besuchten 52 Kinder mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen im Alter von unter 3 Jahren eine Kindertageseinrichtung in Nürnberg. In der Altersstufe von 3 Jahren bis zum Schuleintritt wurden 798 Kinder mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen betreut.
Die Anzahl der betreuten unter 3-jährigen Kinder mit (drohenden) Behinderungen lag im Jahr 2023 bei 50, im Jahr 2022 bei 63 und im Jahr 2021 bei 53 Kindern. In den Jahren 2017 bis 2020 lagen die Werte knapp unter 50 Kindern. 2015 und 2016 war ihre Zahl mit 35 bzw. 36 Kindern noch etwas geringer.
Die Anzahl der betreuten über 3-jährigen Kinder mit (drohender) Behinderung steigerte sich seit 2015 kontinuierlich. 2015 lag die Anzahl in dieser Altersstufe bei 277 Kinder mit (drohender) Behinderung, 2016 waren es 329 Kinder, 2017 waren es 340 Kinder, 2018 waren es 400 Kinder, 2019 waren es 467 Kinder, 2020 waren es 514 Kinder, 2021 waren es 522 Kinder, 2022 waren es 585 Kinder und 2023 705 Kinder mit (drohenden) Behinderungen.
Der jährlich abgetragene Anteil an Kindern mit (drohenden) Behinderungen an allen betreuten Kindern von 0 Jahren bis zum Schuleintritt lag 2024 bei 4,4 %. Der Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen. 2015 hatten 1,8 % der betreuten Kinder (drohende) Behinderungen, 2016 waren es 2,0 %, 2017 stieg der Wert weiter auf 2,1 %, 2018 auf 2,4 %, 2019 auf 2,7 %. Er stagnierte zwischen 2020 bis 2021 bei 3,0 %, danach nahm er weiter zu auf 3,3 % im Jahr 2022 und 3,9 % im Jahr 2023.
Wertetabelle:
| Altersgruppe der Kinder | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| unter 3 Jahre | 35 | 36 | 46 | 45 | 48 | 49 | 53 | 63 | 50 | 52 |
| 3 Jahre bis Schuleintritt (Regelförderung) | 277 | 329 | 340 | 400 | 467 | 514 | 522 | 585 | 705 | 798 |
<figcaption>Daten zu Abbildung C 3.3: Kinder mit (drohender) Behinderung in Kindertageseinrichtungen und Anteil an allen betreuten Kindern, 2015 bis 2024</figcaption>
| Anzahl bzw. Anteil Kinder | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Anzahl an Kindern mit (drohender) Behinderung in Kitas (gesamt) | 312 | 365 | 386 | 445 | 515 | 563 | 575 | 648 | 755 | 850 |
| Anteil Kinder mit (drohender) Behinderung an allen betreuten Kindern in Kitas | 1,8% | 2,0% | 2,1% | 2,4% | 2,7% | 3,0% | 3,0% | 3,3% | 3,9% | 4,4% |
<figcaption>Daten zu Abbildung C 3.3 - Zusatz: Anteil Kinder mit (drohender) Behinderung an allen betreuten Kindern in Nürnberg, 2015 bis 2024</figcaption>
Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
Im Kasten ist der Anteil der Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung an allen betreuten Kindern dargestellt; Stand: Dezember des jeweiligen Jahres.
Laut Statistik des Zentrums Bayern Familie und Soziales lebten zum 31.12.2024 in Nürnberg 280 Kinder, bei denen eine Behinderung nach dem SGB IX festgestellt wurde. Davon waren 65 Kinder im Alter bis unter 3 Jahren und 215 Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren. Die Zahl der Kinder mit Behinderung im Alter von unter 6 Jahren verringerte sich zwischen 2023 und 2024 insgesamt um 19 Kinder, was einem Rückgang um 6,4 % entspricht. Ihre Anzahl war in den Jahren 2021 und 2022 gesunken und im Jahr 2023 sprunghaft angestiegen (+15,0 %). Dieser Anstieg wird teilweise darauf zurückgeführt, dass die Verfahren zur amtlichen Feststellung einer Behinderung nach den Einschränkungen während der Corona-Pandemie wieder uneingeschränkt stattfinden konnten.45
Abbildung C 3.3 zeigt die Entwicklung von Kindern mit (drohender) Behinderung in Kindertageseinrichtungen. Im Jahr 2024 besuchten 850 Kinder, die aufgrund einer (drohenden) Behinderung einen Anspruch auf Eingliederungshilfe nach SGB VIII oder SGB IX46 hatten, eine Kindertageseinrichtung in Nürnberg. Von diesen waren 52 Kinder unter 3 Jahre alt und 798 Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt. Die Anzahl dieser Kinder stieg in den letzten 10 Jahren kontinuierlich an: Im Vergleich zum Jahr 2015 zeigt sich eine Erhöhung um 172,4 % (+538 Kinder).
Insgesamt lag bei 4,4 % der in Nürnberg betreuten Kinder im Jahr 2024 eine (drohende) Behinderung vor. Dieser Anteil hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Gründe dafür sind zum Beispiel die Zunahme von diagnostizierten seelischen Störungen bei jungen Menschen (vgl. I C 2.1), die häufigere Wahrnehmung und Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung sowie die stärkere Berücksichtigung des Inklusionsgebots der UN-Behindertenrechtskonvention, wodurch mehr Kinder mit Förderbedarf in frühkindliche Bildungseinrichtungen integriert werden.
Analog zur Zunahme der Kinder mit einer (drohenden) Behinderung nahm die Zahl der integrativ arbeitenden Kindertageseinrichtungen in Nürnberg zu. Im Jahr 2024 wurden 86 Kindertageseinrichtungen als Integrative Einrichtungen geführt. Die Anzahl der Einrichtungen mit Einzelintegration lag bei 146. Der Anteil der in diesem Sinne integrativ arbeitenden Kindertageseinrichtungen an allen Kindertageseinrichtungen in Nürnberg stieg von 33,0 % im Jahr 2015 (129 Einrichtungen) auf 58,9 % (232 Einrichtungen) im Jahr 2024.47
In Kindertageseinrichtungen können für Kinder mit (drohender) Behinderung unterstützend Mobile Sonderpädagogische Hilfen (MSH) hinzugezogen werden. Diese werden von Lehrkräften der Förderschulen geleistet. Im Schuljahr 2023/24 wurden in Nürnberg durch die MSH 1 977 Kinder im vorschulischen Bereich betreut (1 227 Jungen und 750 Mädchen). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der durch MSH betreuten Kinder um 36,5 % angestiegen (+529 Kinder)48 .49
Der beim Jugendamt der Stadt Nürnberg angesiedelte Fachdienst Inklusion ist ein Angebot für Kinder und ihre Familien sowie Kindertageseinrichtungen, um inklusive Bedingungen in Nürnberger Regeleinrichtungen zu schaffen. Der Fachdienst unterstützt Kinder mit besonderen Bedürfnissen in der sozial-emotionalen Entwicklung in den Einrichtungen, insbesondere in den Fällen, in denen sie (noch) keinen Anspruch auf Eingliederungshilfe haben. Im Jahr 2024 wurden durch den Fachdienst Inklusion 87 Kinder und ihre Familien in insgesamt 80 Einrichtungen begleitet. Von den Kindern waren 10 im Alter bis unter 3 Jahren (Krippenalter) und 61 im Alter von 3 bis unter 6 Jahren (Kindergartenalter). Der Fachdienst Inklusion führte Teamberatungen in 17 Einrichtungen durch, vorwiegend zum Umgang mit herausforderndem Verhalten, wobei die Prozesse durchschnittlich 6 Monate dauerten.50
- 45 Quelle: Zentrum Bayern Familie und Soziales.
- 46 Der jeweilige Träger der Leistungen zur Eingliederungshilfe ist abhängig von der Art der zugrundeliegenden Behinderung. Die Eingliederungshilfe aufgrund einer (drohenden) seelischen Behinderung ist in § 35a SGB VIII geregelt und Leistungen werden durch den Träger der öffentlichen Jugendhilfe erbracht. Liegt eine körperliche, geistige oder Sinnesbehinderung zugrunde, sind Leistungen zur Eingliederungshilfe über § 112 SGB IX geregelt. Träger der Eingliederungshilfe sind in diesem Fall die Bezirke.
- 47 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
- 48 Zu beachten ist, dass diese Fallzahlen auch Kinder umfassen, die nicht in Nürnberg wohnen, da einzelne Förderschulen Zuständigkeiten haben, die über die Stadtgrenzen Nürnbergs hinausgehen.
- 49 Quelle: Regierung von Mittelfranken.
- 50 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

Abbildungsbeschreibung:
Abbildung C 3.4 zeigt ein Säulendiagramm zur Anzahl an betreuten Kindern in Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) in Nürnberg in den Jahren 2017 bis 2023. Die x-Achse listet die Jahre auf, die y-Achse zeigt die jeweilige Anzahl der Kinder in Schritten von 50 und reicht von 0 bis 350. Zu jedem Jahr werden zwei verschieden farbige Säulen abgetragen; die erste Säule stellt die Anzahl der betreuten Kinder in SVE dar, die zweite Säule stellt die Anzahl der Kinder, die im Anschluss daran am Nachmittag eine Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) besuchen.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Jahr 2023 besuchten 309 Kinder eine SVE in Nürnberg; 124 davon besuchten nachmittags eine angeschlossene HPT. In den Vorjahren lag die Zahl der Kinder in SVE mit 306 Kindern im Jahr 2022, 315 Kindern im Jahr 2021 und 306 Kindern im Jahr 2020 auf ähnlichem Niveau. Etwas höher lag die Anzahl der Kinder in SVE in den Jahren davor: 2019 besuchten 331 Kinder eine SVE, im Jahr 2018 330 Kinder und im Jahr 2017 321 Kinder.
Für den Verlauf der Anzahl an Kindern, die im Anschluss eine HPT besuchten, zeigt sich von 2017 bis 2021 eine Abnahme. Im Jahr 2017 wurden 175 Kinder am Nachmittag in einer HPT weiter betreut; 2018 waren es 167, in den Jahren 2019 und 2020 jeweils 138. Im Jahr 2021 fiel der Wert auf 71 Kinder. Danach war wieder ein Anstieg zu verzeichnen. 2022 waren es bereits wieder 114 Kinder, die nach der SVE eine HPT besuchten.
Wertetabelle:
| Anzahl Kinder | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kinder in SVE | 321 | 330 | 331 | 306 | 315 | 306 | 309 |
| Mit Besuch einer angeschlossenen HPT | 175 | 167 | 138 | 138 | 71 | 114 | 124 |
<figcaption>Daten zu Abbildung C 3.4: Anzahl an betreuten Kindern in Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) in Nürnberg, 2017 bis 2023</figcaption>
Bayerisches Landesamt für Statistik.
Kinder, bei denen zum Beispiel aufgrund einer vorliegenden Behinderung ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt und begutachtet wurde, können gegebenenfalls in den letzten 3 Jahren vor Schuleintritt Schulvorbereitende Einrichtungen (SVE) besuchen. Die SVE sind an 10 Förderschulen in Nürnberg angegliedert und stellen ein ergänzendes Angebot dar. Im Schuljahr 2023/24 wurden 309 Kinder in SVE in Nürnberg betreut (Abb. C 3.4). 107 Kinder wurden vom Schulbesuch zurückgestellt.51
Unter den in SVE betreuten Kindern waren 202 Jungen und 107 Mädchen. Die Geschlechterverteilung war in den vergangenen Jahren weitgehend konstant. Mit 63,1 % hatte die Mehrheit der Kinder in SVE einen Migrationshintergrund. 40,2 % der Kinder wurden im Hinblick auf den bestehenden sonderpädagogischen Förderbedarf dem Bereich „Lernen“ zugeordnet, weitere 28,8 % dem Bereich „Geistige Entwicklung“ und jeweils 9,8 % dem Bereich „Sprache“ und „Hören“. Im Verlauf der letzten Jahre blieb die Anzahl der Kinder in SVE in etwa auf gleichem Niveau.52
Die Betreuung in SVE findet ausschließlich am Vormittag statt. Nachmittags können die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in regulären Kindertageseinrichtungen oder in einer Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) weiter betreut werden. 124 Kinder, die im Schuljahr 2023/24 am Vormittag eine SVE besuchten, gingen nachmittags in eine HPT. Dies entsprach 40,1 % der Kinder in SVE. Im Jahr 2017 lag dieser Anteil bei 54,5 %. Die vorliegenden Daten lassen keine Aussage darüber zu, wie viele der Kinder in SVE am Nachmittag (wieder) eine Regeleinrichtung besuchen.
Im Schuljahr 2024/25 waren 38 Lehrkräfte in ihrer Arbeitszeit überwiegend an SVE in Nürnberg tätig. Zum Großteil handelte es sich hierbei um Heilpädagogische Unterrichtshilfen (in der Regel staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher) und heilpädagogische Förderlehrkräfte.53 Die Zahl der Lehrkräfte blieb über die letzten Jahre nahezu gleich.
- 51 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik.
- 52 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik.
- 53 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Regierung für Mittelfranken.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 3.5 zeigt ein gruppiertes Säulendiagramm zur Entwicklung der Besuchsquoten von Kindern in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg in den Jahren 2019 bis 2024, aufgeschlüsselt nach Altersjahren von null bis sechs Jahren.
Die X-Achse zeigt die Altersjahre der Kinder von „0 Jahre“ bis „6 Jahre“. Zu jedem Altersjahr ist eine Gruppe aus sechs nebeneinanderstehenden Balken dargestellt, jeweils für die Jahre 2019 bis 2024. Die Y-Achse ist mit Prozentwerten von 0 % bis 100 % beschriftet in 20-Prozent-Schritten und zeigt die jeweilige Besuchsquote.
Zusammenfassung und Verlauf:
Für Kinder im Alter von unter 1 Jahr lag die Besuchsquote niedrig bei 1,8 % im Jahr 2019 und 2,0 % im Jahr 2024.
Bei den einjährigen Kindern stieg die Quote insgesamt von 29,5 % im Jahr 2019 auf 32,0 % im Jahr 2024.
Bei den Zweijährigen erhöhte sich der Wert zwischen 2019 und 2024 insgesamt von 46,2 % auf 48,0 %.
Die Dreijährigen zeigten im gleichen Zeitraum eine leicht rückläufige Entwicklung: von 80,5 % auf 79,7 %.
Bei den Vierjährigen sank die Besuchsquote deutlicher – von 91,3 % im Jahr 2019 auf 88,1 % im Jahr 2024.
Bei den Fünfjährigen blieb die Quote konstant hoch, sank zwischen 2019 und 2024 jedoch leicht von 93,4 % auf 92,0 %.
Die Sechsjährigen hingegen verzeichneten einen merklichen Anstieg der Besuchsquote von 46,3 % im Jahr 2019 auf 54,6 % im Jahr 2024.
Wertetabelle:
| Alter | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 Jahre | 1,8 | 1,5 | 1,4 | 1,6 | 1,6 | 2,0 |
| 1 Jahr | 29,5 | 30,5 | 31,1 | 32,4 | 31,2 | 32,0 |
| 2 Jahre | 46,2 | 47,9 | 46,9 | 49,9 | 48,8 | 48,0 |
| 3 Jahre | 80,5 | 79,5 | 78,8 | 80,1 | 79,7 | 79,7 |
| 4 Jahre | 91,3 | 90,5 | 91,3 | 89,8 | 89,1 | 88,1 |
| 5 Jahre | 93,4 | 93,6 | 93,7 | 93,6 | 91,6 | 92,0 |
| 6 Jahre | 46,3 | 48,7 | 52,9 | 54,3 | 54,6 | 54,6 |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 3.5: Besuchsquoten der Kinder in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg nach Alter, 2019 bis 2024 (in Prozent)</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendhilfestatistik, Einwohnermelderegister.
Ohne Kindertagespflege; ohne Schulkinder. Stand: 1.3. des jeweiligen Jahres.
Die Besuchsquote in Abb. C 3.5 gibt an, wie hoch der Anteil der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder an der Gesamtzahl der Kinder in Nürnberg ist. Die Quote steigt mit dem Alter stetig an, entwickelt sich jedoch im Zeitverlauf nach Altersjahrgängen unterschiedlich. Zum Stichtag am 1.3.2024 besuchten in Nürnberg 28,7 % der unter 3-Jährigen eine Kindertageseinrichtung. Dies entspricht einer Steigerung von 0,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt sind die Besuchsquoten in den jüngeren Altersjahrgängen zwischen 2019 bis 2024 leicht angestiegen. Bei den Einjährigen stieg die Besuchsquote in den vergangenen 5 Jahren um 2,5 Prozentpunkte auf 32,0 %.
Am 1.3.2024 lag die Besuchsquote der 3- bis unter 6-jährigen Kinder bei 86,6 %. Dabei besuchten 79,7 % der 3-Jährigen, 88,1 % der 4-Jährigen und 92,0 % der 5-Jährigen eine Kindertageseinrichtung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gesamtquote leicht rückläufig, eine Entwicklung, die sich auch über die vergangenen 5 Jahre beobachten lässt. So sank beispielsweise die Besuchsquote der 4-Jährigen in Nürnberg zwischen 2019 und 2024 um 3,2 Prozentpunkte.
Anders stellt sich die Entwicklung bei den 6-Jährigen dar: 54,6 % dieser Altersgruppe besuchten im Jahr 2024 eine Kindertageseinrichtung. Das entspricht einem Anstieg von 8,3 Prozentpunkten seit 2019. Diese Zunahme ist vor allem auf die Einführung des Einschulungskorridors im Jahr 2019 zurückzuführen. Seitdem entscheiden sich mehr Eltern für einen späteren Schuleintritt, wodurch mehr 6-Jährige länger in Kindertageseinrichtungen verbleiben (Abb. D 4.1).
Die Betreuungsquote beschreibt das Verhältnis der in Kindertageseinrichtungen oder in der Kindertagespflege betreuten Kinder zur Gesamtzahl aller Kinder derselben Altersgruppe in Nürnberg. Im Jahr 2024 wurden demnach 35,7 % aller Kinder unter 3 Jahren in Nürnberg in einer Kindertageseinrichtung oder der Kindertagespflege betreut – das entspricht gut einem Drittel dieser Altersgruppe.34

Abbildungsbeschreibung:
Abbildung C 3.6 zeigt ein horizontales Balkendiagramm zur Entwicklung der Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen differenziert nach Altersgruppen. Dargestellt werden Daten der Schuleingangsuntersuchung in Nürnberg für die Schuljahre 2018/19, 2019/20, 2023/24 und 2024/25. Die X-Achse beinhaltet den Anteil der Kinder in Prozent auf einer Skala von 0 bis 100 in 10-Prozent-Schritten. Die Balken sind unterteilt in vier Segmente der Besuchsdauer einer Kindertageseinrichtungen: Unter 2 Jahren, 2 Jahre, 3 Jahre sowie 4 und mehr Jahre
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Schuljahr 2018/19 lag der Anteil der Kinder, die unter 2 Jahren eine Kindertageseinrichtung besucht haben, bei 6,0 Prozent. 2019/20 steig der Wert auf 7,0% und 2023/24 lag er bei 9,1 %. 2024/25 sank er leicht auf 8,9%.
Der Anteil der Kinder, die 2 Jahre lang eine Kindertageseinrichtung besuchten, lag 2018/19 bei 7m7% und sank im folgenden Schuljahr auf 7,0%. 2023/24 stieg der Wert auf 8,1% und 2024/25 auf 9,0 %.
Im Schuljahr 2018/19 besuchten mit 48,5% knapp die Hälfte der in der Schuleingangsuntersuchung begutachteten Kinder 3 Jahre lang eine Kindertageseinrichtung. 2019/20 sank der entsprechende Wert auf 47,6 % und 2023/24 auf 46,7 %. 2024/25 war ein Anstieg auf 49,1% zu verzeichnen.
Der Anteil der Kinder, die 4 Jahre oder länger eine Kindertageseinrichtung besuchten, lag 2018/19 bei 37,8%, und 2019/20 bei 38,4 %. Im Jahr 2023/24 sank der Wert auf 36,2% und 2024/25 auf 33,0%.
Wertetabelle:
| Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung | 2018/19 | 2019/20 | 2023/24 | 2024/25 |
|---|---|---|---|---|
| Unter 2 Jahre | 6,0 | 7,0 | 9,1 | 8,9 |
| 2 Jahre | 7,7 | 7,0 | 8,1 | 9,0 |
| 3 Jahre | 48,5 | 47,6 | 46,7 | 49,1 |
| 4 und mehr Jahre | 37,8 | 38,4 | 36,2 | 33,0 |
| Insgesamt | 100,0 | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 3.6: Daten der Schuleingangsuntersuchungen: Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung, 2018/19, 2019/20, 2023/24 und 2024/25 (in Prozent)</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg; eigene Berechnungen.
Die Auswertungen beziehen sich ausschließlich auf Kinder, bei denen eine Angabe zur Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung gemacht wurde, die ihren Hauptwohnsitz in Nürnberg haben und bei denen tatsächlich eine Erstuntersuchung stattfand (2018/19: n=4450; 2019/20: n=4341; 2023/24: n=4570; 2024/25: n=4814).
Die Auswertung der Schuleingangsuntersuchung (SEU) zeigt für das Schuljahr 2024/25, dass 82,1 % der Kinder vor der Einschulung 3 Jahre oder länger eine Kindertageseinrichtung besucht haben. Demgegenüber lag der Anteil der Kinder, die weniger als 2 Jahre eine Einrichtung besucht haben, bei 8,9 % (Abb. C 3.6)
Die Verweildauer in Kindertageseinrichtungen hat in den vergangenen Jahren insgesamt leicht abgenommen: So lag der Anteil der Kinder mit einem mindestens 3-jährigen Kindergartenbesuch bei der SEU 2018/1954 um 4,2 Prozentpunkte höher als bei der SEU 2024/25. Damals besuchten lediglich 6,0 % weniger als 2 Jahre eine Einrichtung (-2,9 Prozentpunkte gegenüber der SEU 2024/25). Diese Entwicklung unterscheidet sich deutlich von früheren Daten der Schuleingangsuntersuchungen zwischen 2012/13 und 2018/19, wo ein klarer Trend zu immer längeren Besuchsdauern einer Kindertageseinrichtung zu verzeichnen war.55
Kinder mit Migrationshintergrund besuchten vor der Einschulung häufiger über einen kürzeren Zeitraum hinweg eine Kindertageseinrichtung als Kinder ohne Migrationshintergrund. Unter den Kindern, die vor ihrer Einschulung weniger als 3 Jahre eine Kindertageseinrichtung besuchten, lag der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund mit 26,5 % deutlich über dem Durchschnittswert aller Kinder.56 Eine längere Verweildauer von über 3 Jahren war bei ihnen seltener (73,4 % gegenüber 82,4 % insgesamt)57 , was darauf hindeutet, dass Kinder mit Migrationshintergrund insgesamt später in Kindertageseinrichtungen eintreten. Weitere Informationen zur Schuleingangsuntersuchung enthält Abschnitt D 2.2.
- 54 Aufgrund von Unterschieden im Plausibilisierungsgrad und der damit verbundenen Datenaufbereitung unterscheiden sich die hier abgebildeten Werte der SEU 2018/19 bei der Kindergartenbesuchsdauer geringfügig von denen, die im Bildungsbericht 2022 dargestellt wurden.
- 55 Vgl. Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro (2019): Bildung in Nürnberg 2019. Fünfter Bildungsbericht der Stadt Nürnberg.
- 56 In die Auswertung einbezogen sind nur Kinder, bei denen auch Angaben zur Muttersprache der Eltern vorliegen.
- 57 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg; eigene Berechnungen.
Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres.
Zum 31.12.2024 standen in Nürnberg für Kinder unter 3 Jahren 5 934 Betreuungsplätze zur Verfügung, davon 4 833 Plätze in Kinderkrippen oder altersgemischten Einrichtungen (Häuser für Kinder und Netze für Kinder) sowie 140 Plätze in der Großtagespflege und 961 Plätze bei Tagespflegepersonen.
Seit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für unter 3-Jährige im Jahr 2013 wurde das Betreuungsangebot kontinuierlich ausgebaut – in den letzten 10 Jahren stiegen die Platzzahlen für Kinder im Krippenalter um 1 220 (Abb. C 4.1). Setzt man die Summe der für Nürnberg genehmigten 5 934 Betreuungsplätze ins Verhältnis zu den rund 13 400 Kindern im Alter von unter 3 Jahren58 (Stand 31.12.2024), betrug die Versorgungsquote für die Betreuung von unter 3-Jährigen 44 %. Nach mehreren Jahren kontinuierlich steigender Nachfrage deutet vieles darauf hin, dass inzwischen ein gewisses Maß an Sättigung erreicht ist. Dies schließt nicht aus, dass in einzelnen Stadtteilen weiterhin eine Nachfrage besteht, die das vorhandene Platzangebot übersteigt, sodass Eltern nicht immer zum gewünschten Zeitpunkt am bevorzugten Standort ein geeignetes Betreuungsangebot finden können.59
Für Kinder ab 3 Jahren bis zur Einschulung besteht bereits seit 1997 ein gesetzlicher Anspruch auf Betreuung. Für Kinder im Kindergartenalter gab es zum 31.12.2024 in den Kindergärten, Häusern für Kinder und Netzen für Kinder insgesamt 16 124 Betreuungsplätze, die rechnerisch etwa 93 % der rund 17 300 Kinder im Kindergartenalter60 (3 bis 6,5 Jahre; Stand 31.12.2024) abdecken. In den vergangenen 10 Jahren kamen 1 656 Plätze für Kinder im Kindergartenalter hinzu (Abb. C 4.1).
Im Betriebsjahr 2024/25 gab es in Nürnberg 394 Kindertageseinrichtungen mit Krippen- und Kindergartenplätzen. Davon wurden 68 Kindertageseinrichtungen als Kinderkrippen, 144 als Kindergärten und 174 als Häuser für Kinder und 8 als Netze für Kinder betrieben. Der Ausbau der Betreuungseinrichtungen in der Stadt umfasste seit 2019 32 Einrichtungen, der überwiegende Teil davon waren Häuser für Kinder (18 Einrichtungen). Die derzeitigen Standorte der Kindertageseinrichtungen zeigt Abbildung C 4.2. Ergänzt wird das Betreuungsangebot in Nürnberg durch 216 aktive Tagespflegepersonen sowie 13 Großtagespflegestellen, die zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten für Familien bieten.61
Sachdaten: Referat für Jugend, Familie und Soziales; Kartenerstellung durch das Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth.
Karte wurde graphisch bearbeitet; Mini-Kita wurde der Kategorie Kinderkrippe zugeordnet.
- 58 Bevölkerung mit Hauptwohnung in Nürnberg zum Stichtag 31.12.2024 ohne Schutzsuchende in Unterkünften mit 50 und mehr Personen.
- 59 Stadt Nürnberg, Beilage 4.2 des Jugendhilfeausschusses vom 10.4.2025, Fortschreibung der Jugendhilfeplanung zum Ausbau der Angebote der Kindertagesbetreuung im Vorschulalter in Nürnberg, S. 4.
- 60 Bevölkerung mit Hauptwohnung in Nürnberg zum Stichtag 31.12.2024 ohne Schutzsuchende in Unterkünften mit 50 und mehr Personen.
- 61 Ebd., S. 2.
In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden der Anstellungsschlüssel und die Qualifikation des Personals als wesentliche Indikatoren für die Bestimmung der Qualität der Bildung und Betreuung in einer Kindertageseinrichtung angeführt. Zur Bestimmung des Anstellungsschlüssels werden unterschiedliche Kriterien verwendet. Die Kinder- und Jugendhilfestatistik legt ausschließlich die Arbeits- und Buchungszeiten zugrunde. Das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) hingegen gewichtet bei der Berechnung Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder mit Behinderung beziehungsweise Kinder, die von Behinderung bedroht sind, stärker als andere Kinder. Mit der geänderten Verordnung zur Ausführung des BayKiGiG (AVBayKiBiG), die zum 1.5.2021 in Kraft trat, wird anstatt des bisherigen empfohlenen Anstellungsschlüssels von 1:10,0 jährlich der bayernweit durchschnittliche Anstellungsschlüssel des abgelaufenen Bewilligungsjahres als Empfehlung bekanntgegeben.
Der bayernweite durchschnittliche Anstellungsschlüssel lag, bezogen auf alle nach dem BayKiBiG geförderten Betreuungseinrichtungen, im Jahr 2024 bei 1:9,06. In Kinderkrippen betrug der Wert 1:8,36, in Kindergärten 1:9,29 und in Häusern für Kinder 1:9,09.62
Der trägerübergreifende durchschnittliche Anstellungsschlüssel in Nürnberger Einrichtungen lag im Jahr 2024 bei 1:9,1, in Kinderkrippen bei 1:8,8, in Kindergärten bei 1:9,7 und in Häusern für Kinder bei 1:9,3.63
- 62 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (2025): Bekanntmachung der bayernweit durchschnittlichen Anstellungsschlüssel für das Jahr 2024.
- 63 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 5.2 zeigt ein gruppiertes horizontales Balkendiagramm zur Entwicklung der Anzahl des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen (ohne Horte) in Nürnberg von 2019 bis 2024.
Dargestellt wird jeweils die Anzahl der Personen, die in Nürnberger Kindertageseinrichtungen arbeiten. Dabei wird nach verschiedenen Berufsgruppen unterschieden, wobei manche Berufsgruppen in einer Kategorie zusammengefasst werden. Die Y-Achse führt die folgenden Kategorien an Berufsgruppen von oben nach unten auf: 1. Gruppe Erzieher*in, 2. Gruppe Kinderpfleger*in, 3. Gruppe Sozialpädagog*in und Sozialarbeiter*in und Erziehungswissenschaftler*in und Kindheitspädagog*in, 4. Gruppe Heilpädagog*in, 5. Gruppe Heilerzieher*in und Heilerziehungspfleger*in, 6. Gruppe Sonstige soziale und medizinische Abschlüsse und Fachlehrer*in, 7. Gruppe Sonstiger Hochschulabschluss, 8. Gruppe Praktikant*in im Anerkennungsjahr, 9. Gruppe Noch in praxisintegrierter Berufsausbildung (PiA). Auf der x-Achse wird die Anzahl der Personen abgetragen. Die x-Achse ist von 0 bis 2500 skaliert und in 500er-Schritten unterteilt. Anhand verschieden farbiger Balken werden die Jahresangaben in den Berufsgruppen unterschieden.
Zusammenfassung und Verlauf:
Für die Berufsgruppe der Erzieher*innen zeigt sich über die Jahre von 2019 bis 2024 eine Zunahme an Personen in Nürnberg. 2019 waren in Nürnberger Kindertageseinrichtungen 1.846 Erzieher*innen beschäftigt. Im Jahr 2024 waren es mit 2.124 deutlich mehr Personen.
Die Anzahl der in Nürnberger Kitas beschäftigten Kinderpfleger*innen lag 2019 bei einem Wert von 1.332. Die Zahl stieg bis 2022 auf 1.468 Personen an und nahm daraufhin wieder ab. 2024 lag die Anzahl an Kinderpfleger*innen bei 1.454.
Die zusammengefasste Berufsgruppe aus Sozialpädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Erziehungswissenschaftler*innen und Kindheitspädagog*innen umfasste im Jahr 2019 313 Personen. Die Zahl stieg bis 2022 auf einen Wert von 342 Personen und verringerte sich bis 2024 wieder auf eine Zahl von 300 Personen.
Die Anzahl von in Nürnberger Kitas beschäftigten Heilpädagog*innen lag 2019 bei 90 Personen und entwickelte sich auf ähnlichem Niveau weiter bis zum Jahr 2022. Danach nahm die Zahl zu und lag 2024 bei 141 Personen.
Die zusammengefasste Berufsgruppe der Heilerzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen umfasste im Jahr 2019 39 Personen. Bis 2021 blieb die Anzahl auf diesem Niveau. 2022 erhöhte sich die Anzahl der Heilerzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen in Nürnberger Kitas insgesamt auf 48 Personen und blieb auch im Folgejahr auf diesem Wert. 2024 stieg die Zahl leicht auf 52 Personen.
In der zusammengefassten Berufsgruppe der sonstigen sozialen und medizinischen Abschlüsse und Fachlehrer*innen befanden sich im Jahr 2019 50 Personen. Bis 2023 entwickelte sich die Anzahl des Personals in diesem Bereich auf diesem Niveau weiter und stieg zum Jahr 2024 stark an auf 107 Personen.
Die Berufsgruppe der Personen mit sonstigen Hochschulabschlüssen machte im Jahr 2019 129 Personen aus. Über die Folgejahre schwankte die Anzahl. 2024 lag sie bei 158 Personen.
Im Jahr 2019 waren 95 Praktikant*innen im Anerkennungsjahr in Nürnberger Kitas beschäftigt. Die Zahl fiel im Folgejahr 2020 auf 82 Personen und 2021 auf 74 Personen ab. 2022 und 2023 blieb die Anzahl auf diesem Niveau. Zum Jahr 2024 waren mit 94 Personen wieder mehr Praktikant*innen im Anerkennungsjahr in Nürnberger Kitas beschäftigt.
Für die Berufsgruppe der Personen, die noch in praxisintegrierter Ausbildung (kurz: PiA) sind, liegen nur Werte für das Jahr 2023 und 2024 vor. Im Jahr 2023 waren 84 Personen in PiA in der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik für Nürnberg verzeichnet. Der Wert hat sich im Jahr 2024 auf 109 Personen erhöht.
Wertetabelle:
| Berufsgruppe | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Erzieher/-in | 1846 | 1943 | 2013 | 2001 | 2027 | 2124 |
| Kinderpfleger/-in | 1332 | 1356 | 1410 | 1468 | 1462 | 1454 |
| Sozialpädagoge/-in,Sozialarbeiter/-in, Erziehungswissenschaftler/-in, Kindheitspädagogen/-in | 248 | 258 | 257 | 306 | 313 | 325 |
| Heilpädagoge/-in | 63 | 60 | 70 | 71 | 90 | 91 |
| Heilerzieher/-in, Heilerziehungspfleger/-in | 22 | 23 | 27 | 33 | 39 | 40 |
| Sonstige soziale und medizinische Abschlüsse und Fachlehrer-/in | 53 | 43 | 41 | 44 | 50 | 49 |
| Sonstiger Hochschulabschluss | 129 | 122 | 152 | 155 | 136 | 158 |
| Praktikant/-in im Anerkennungsjahr | 95 | 82 | 74 | 76 | 74 | 94 |
| Noch in praxisintegrierter Berufsausbildung (PiA) | - | - | - | - | 84 | 109 |
<figcaption>Daten zu Abbildung C 5.2: Pädagogisches Personal in Kindertageseinrichtungen (ohne Horte) in Nürnberg, 2019 bis 2024</figcaption>
Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Ohne Personal ohne abgeschlossene Berufsausbildung, in Verwaltungsberufen oder mit sonstigen Abschlüssen.
Im Jahr 2024 betrug die Gesamtzahl des pädagogischen Personals in Nürnberger Kindertageseinrichtungen (ohne Horte) 4 539 Personen64 . Dies waren 227 Personen mehr als im Vorjahr (+5,3 %). Die Gesamtzahl des Personals hat sich in den letzten 5 Jahren stetig erhöht (Jahr 2019: 3 894 Personen).
In den Einrichtungen waren 2 124 Erzieherinnen und Erzieher sowie 1 454 Kinderpflegerinnen und -pfleger beschäftigt (Abb. C 5.2). Mit 46,8 % bzw. 32,0 % stellten diese beiden Berufsgruppen die größten Anteile innerhalb des pädagogischen Personals. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Erzieherinnen und Erzieher im Jahr 2024 um 97 Fachkräfte erhöht. Die Anzahl der Kinderpflegerinnen und -pfleger ist seit 2023 leicht rückläufig (-8 Personen).
Fachkräfte mit Hochschulabschlüssen im Bereich Sozial- und Heilpädagogik, Soziale Arbeit, Erziehungswissenschaft und Kindheitspädagogik machten im Jahr 2024 insgesamt 6,6 % des pädagogischen Personals aus (300 Personen). Ihr Anteil lag 2021 noch bei 8,0 %. Der Anteil des Personals mit sonstigen Hochschulabschlüssen schwankte in den letzten Jahren und lag 2024 bei 3,5 %. Insgesamt hatten 13,2 % des Personals in Kindertageseinrichtungen einen Hochschulabschluss (2019: 13,7 %).
Beim Personal aus dem Bereich der Heilpädagogik und der Heilerziehungspflege ist von 2019 bis 2024 jeweils eine Zunahme zu verzeichnen. Die Anzahl der Heilpädagoginnen und Heilpädagogen stieg in den Kindertageseinrichtungen in Nürnberg um 51 Personen (+56,7 %), die Anzahl der Heilerziehungspflegerinnen und -pfleger nahm um 13 Personen zu (+33,3 %).
Zum Schuljahr 2021/22 wurde der Modellversuch „Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen (OptiPrax)“65 (vgl. G 3.2) unter der Bezeichnung Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) verstetigt. Im Jahr 2023 waren 84, im Jahr 2024 109 Personen im Rahmen von PiA in Nürnberger Kindestageseinrichtungen tätig, was einem Anstieg um 29,8 % entspricht.
- 64 Nicht einberechnet wurde Personal ohne abgeschlossene Berufsausbildung, in Verwaltungsberufen oder mit sonstigen Abschlüssen in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg.
- 65 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung legt das Fundament für gelingende Bildungsbiographien und soziale Integration. Vor dem Hintergrund wachsender Anforderungen an die Qualität der Kindertagesbetreuung sowie eines anhaltenden Fachkräftemangels investiert die Stadt Nürnberg seit mehreren Jahren gezielt in die qualitative Weiterentwicklung dieses zentralen Bildungsbereichs.
Für Maßnahmen zur qualitativen Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg standen zwischen 2022 und 2025 jährlich 2,5 bis 2,9 Millionen Euro zur Verfügung. Im Einzelnen beliefen sich die Mittel auf 2,561 Millionen Euro im Jahr 2022, 2,578 Millionen Euro im Jahr 2023, 2,678 Millionen Euro im Jahr 2024 und 2,917 Millionen Euro im Jahr 2025. Die bereitgestellten Finanzmittel dienten dabei vorrangig der Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften sowie der Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen in der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung.66
Die Weiterentwicklung umfasst eine Vielzahl an Maßnahmen, die auf die Sicherung und Verbesserung der Betreuungsqualität in Kindertageseinrichtungen abzielen. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt hier in der Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften, um dem steigenden Bedarf an pädagogischem Personal Rechnung zu tragen und die Qualität der Bildungsarbeit nachhaltig zu sichern. Ergänzend wird die Förderung von Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern (C 6.1) fortgeführt, die eine wichtige Rolle in der Stärkung der Erziehungspartnerschaft zwischen Einrichtungen und Familien einnehmen.67
Darüber hinaus werden „Familienzentren“ und „Orte für Familien“ (C 6.1) als niedrigschwellige und wohnortnahe Unterstützungsangebote kontinuierlich ausgebaut. Geförderte Projekte wie „Schultüte“ (C 6.1), die den Übergang in die frühkindliche Bildung begleiten, sowie die Verstetigung des Programms „Kita-Einstieg“ tragen zur Verbesserung der Teilhabechancen insbesondere für Familien mit besonderen Unterstützungsbedarfen bei. Ergänzt wird das Angebot durch praxisnahe Programme wie die „Entdeckergruppen“, die die kindliche Neugier und Bildungsprozesse im Alltag fördern, sowie durch die kontinuierliche Förderung interkultureller Arbeit in Kindertageseinrichtungen.
Die qualitative Weiterentwicklung in den Kindertageseinrichtungen bezieht auch die Sprachbildung mit ein. Seit 2020 arbeitet das im Jugendamt der Stadt Nürnberg angesiedelte Fachteam Sprache daran, Sprachförderung in den städtischen Einrichtungen alltagsintegriert zu gestalten. Mit dem Programm Heidelberger Interaktionstraining (HIT) wurden Sprachberaterinnen und Sprachberater qualifiziert, um Fachkräfte vor Ort zu begleiten und zu unterstützen. Der Beratungsprozess dauert meist 2 bis 3 Jahre und richtet sich nach den individuellen Bedarfen der Einrichtungen. Bisher wurden 29 von 30 priorisierten Kitas68 begleitet. Die Konzeption wird laufend weiterentwickelt und ist öffentlich einsehbar.69 Gleichzeitig wird im Sinne aller Kitas in Nürnberg das Programm SPiKi (Programm für Sprachliche Bildung in Kindertageseinrichtungen) weiterentwickelt.70
Ergänzend unterstützt die Pädagogische Qualitätsbegleitung (PQB) – seit 2019 in bayerischen Kindertageseinrichtungen und seit 2023 auch in der Kindertagespflege (PQB-T) – die Fachkräfte durch trägerunabhängige, prozessorientierte Begleitung bei der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Praxis. Ziel ist die Stärkung der Interaktionsqualität zwischen Fachkraft und Kind sowie die Förderung professioneller Reflexionsprozesse. Auch die Stadt Nürnberg und freie Träger beteiligen sich an diesem Unterstützungssystem mit der kostenlosen und vertraulichen Pädagogischen Qualitätsbegleitung. Drei Mitarbeitende des Jugendamts der Stadt Nürnberg bieten PQB für Kitas der Stadt sowie für Kitas freier Träger im Stadtgebiet an. Damit trägt PQB in Nürnberg wesentlich zur nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität in den Kindertageseinrichtungen bei.71 Das Kooperationsprojekt Teamcoaching „Frühstart – Vielfalt bewusst leben!“72 unterstützt pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen durch praxisnahe Begleitung und Reflexion zu den Themen Vielfalt und Partizipation. Im Mittelpunkt stehen der wertschätzende Umgang mit Unterschiedlichkeit, die Zusammenarbeit mit Eltern sowie die Weiterentwicklung der Teamkultur. Durch die Kombination aus Fortbildung und Praxisberatung werden methodische, fachliche und persönliche Kompetenzen gestärkt und die pädagogische Qualität nachhaltig gefördert.
Mit diesen Investitionen verfolgt die Stadt Nürnberg das Ziel, eine gleichbleibend hohe pädagogische Qualität zu sichern, die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fördern und die Übergangsphase in die Grundschule für Kinder und Familien bestmöglich zu gestalten.
- 66 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2023): Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg – Fortschreibung 2024/2025, Beilage 4.1 des Jugendhilfeausschusses vom 5.10.2023.
- 67 Ebd.
- 68 Für die Auswahl der Kindertageseinrichtungen war insbesondere der Anteil an Kindern aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte in den Einrichtungen zentral (vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2024): Konzeption Fachteam Sprache für städtischen Kindertageseinrichtungen, S. 11, www.nuernberg.de/imperia/md/jugendamt/dokumente/projekte/jb1_fachteam_sprache_konzeption.pdf, letzter Zugriff: 17.11.2025.
- 69 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2025): Sprachliche Bildung in Kindertageseinrichtungen, Beilage 4.1 des Jugendhilfeausschusses vom 10.7.2025, S. 2.
- 70 Ebd., S. 4f.
- 71 Siehe www.nuernberg.de/internet/kinderbetreuung/qualitaetsbegleitung.html, letzter Zugriff: 3.11.2025.
- 72 Siehe www.nuernberg.de/internet/kinderbetreuung/fruehstart.html, letzter Zugriff 3.11.2025.
Der Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule stellt für Kinder und ihre Familien einen wichtigen Entwicklungsschritt dar. Diese Phase ist geprägt von einer neuen Lernumgebung, sich verändernden sozialen Beziehungen sowie wachsenden Anforderungen an Selbstständigkeit und Lernbereitschaft. Ein gut gestalteter Übergang legt einen wichtigen Grundstein für den weiteren Bildungserfolg und unterstützt Kinder dabei, ihre Potenziale von Beginn an bestmöglich zu entfalten.
Die Nürnberger Toolbox zum Übergang unterstützt pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte bei der Planung und Umsetzung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule. Sie wurde im Rahmen des gesetzlichen Kooperationsauftrags (Art. 15 BayKiBiG, Art. 7 BayEUG) vom Nürnberger Steuerungskreis – bestehend aus Schulamt, Jugendamt, Schulverwaltung, Bildungsbüro sowie Vertretungen freier Träger – entwickelt. Die Toolbox bündelt praxisorientierte Arbeitshilfen und Impulse in 8 Modulen. Diese reichen von Anleitungen zur Jahresplanung der Kooperation bis zu praxiserprobten Hinweisen für besondere Situationen, in denen persönliche Begegnungen erschwert sind (z. B. bei Krankheit oder der Corona-Pandemie). Ebenso enthalten sind methodische Empfehlungen für die Durchführung von Eltern-Kind-Nachmittagen, die aus dem früheren Konzept „Gemeinsam leicht starten“ hervorgegangen sind. Mit dem modularen Aufbau bietet die Toolbox eine Orientierung für die organisatorische und inhaltliche Gestaltung des Übergangsprozesses. Sie ergänzt bestehende pädagogische Konzepte und unterstützt dabei, den Übergang zu gestalten. Ein weiteres Angebot des Steuerungskreises ist der „Online Treff Übergang“, ein kollegiales Austauschforum und Workshop-Angebot für pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte zur Thematik des Übergangs und zu den Inhalten der Nürnberger Toolbox zum Übergang.73
Das Projekt „Schultüte – Informationen zum Schulstart“ richtet sich an Eltern mit Migrationshintergrund und/oder Fluchterfahrung und deren Vorschulkinder. Ziel ist die gezielte Vorbereitung auf den Übergang in die Grundschule. Die Veranstaltung findet in Kindertageseinrichtungen statt und vermittelt den Familien grundlegende Informationen zur Einschulung, zu den Erwartungen der Schule sowie zu Betreuungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden das bayerische Schulsystem und die organisatorischen Schritte der Schulanmeldung erläutert. Mit diesem Angebot werden Eltern und Kinder auf den Schuleintritt vorbereitet, um einen erfolgreichen Start in die Grundschule zu ermöglichen.74 2024 fand das Angebot in 6 Nürnberger Kindertageseinrichtungen statt. Insgesamt wurden 48 Familien aus 25 verschiedenen Herkunftsländern erreicht. Die Kursleitungen konnten in 4 verschiedene Sprachen übersetzen.75
Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter betreuen Familien in wichtigen Phasen der frühen Bildung und stärken sie darin, die Bildungsprozesse ihrer Kinder aktiv und informiert mitzugestalten. Sie sind pädagogische Fachkräfte aus Familienbildungs- und Kindertageseinrichtungen, die speziell geschult wurden, um Eltern bei Bildungs- und Erziehungsfragen zur Seite zu stehen. Ihr Einsatz stärkt die Erziehungskompetenz und erleichtert den Zugang zum Bildungssystem. Gleichzeitig unterstützt dieses Angebot die nachhaltige Verankerung integrierter Familienarbeit in Kindertageseinrichtungen, „Orten für Familien“ und „Familienzentren“. In freier Trägerschaft werden derzeit 27 Einrichtungen gefördert. Das Konzept wird in gleicher Anzahl auch in städtischen Einrichtungen umgesetzt.76
„Mama und Papa starten durch! Einführung in den Nürnberger Familienalltag“ ist ein Integrationsangebot für Eltern mit Migrations- oder Fluchthintergrund, das ihnen Orientierung im deutschen Bildungssystem vermittelt. Neben dem Erwerb von Sprach- und Alltagskompetenzen lernen die Teilnehmenden die Strukturen der Kindertagesbetreuung kennen und erhalten Informationen zum Übergang in die Grundschule.77
„Orte für Familien“ und Familienzentren bieten niedrigschwellige Unterstützung und Beratung für Eltern und Kinder. Sie stärken familiäre Alltagsstrukturen, begleiten frühe Bildungsprozesse und schaffen verlässliche Anlaufstellen für Fragen rund um Erziehung, Entwicklung und Bildung. Darüber hinaus fördern sie Austausch, Vernetzung und Teilhabe im jeweiligen Stadtteil. Zwischen 2019 und 2021 wurden 9 neue „Orte für Familien“ eingerichtet; im Jahr 2023 kamen 2 weitere Standorte in freier Trägerschaft hinzu. Mit Stand 2025 stehen damit insgesamt 35 „Orte für Familien“ im Stadtgebiet zur Verfügung, von denen 21 von freien Trägern betrieben werden. Parallel dazu bestehen aktuell 13 Familienzentren, 7 davon in freigemeinnütziger oder sonstiger Trägerschaft. 2 weitere Einrichtungen sind in Planung: am Aufseßplatz sowie im Stadtteil Lichtenreuth, wo die Eröffnung für das Jahr 2026 vorgesehen ist. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Familienzentren auf 15.78
- 73 Siehe Nürnberger Toolbox zum Übergang von der Kita in die Schule – Kinderbetreuung in Nürnberg, letzter Zugriff: 2.10.2025.
- 74 Siehe Projekte zur Integration von zugewanderten Familien – Kinderbetreuung in Nürnberg, letzter Zugriff: 2.10.2025.
- 75 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
- 76 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2023): Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg – Fortschreibung 2024/25, Beilage 4.1 des Jugendhilfeausschusses vom 5.10.2023.
- 77 Siehe Projekte zur Integration von zugewanderten Familien – Kinderbetreuung in Nürnberg, letzter Zugriff: 2.10.25.
- 78 Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2023): Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg – Fortschreibung 2024/25, Beilage 4.1 des Jugendhilfeausschusses vom 5.10.2023.

Abbildungsbeschreibung:
Die Abbildung C 6.2 zeigt ein gruppiertes Säulendiagramm zur Entwicklung der Anzahl der Teilnehmenden und des der Lehrerstunden im Vorkurs „Deutsch 240“ in Nürnberg über neun Schuljahre hinweg von 2016/17 bis 2024/25. Auf der X-Achse sind die Schuljahre chronologisch dargestellt. Die Y-Achse reicht von 0 bis 3000 in 500er Schritten. Sie dient der Darstellung beider Werte – sowohl der Anzahl der teilnehmenden Kinder als auch der zur Verfügung stehenden Lehrerstunden. Zu jedem Schuljahr sind zwei Balken abgebildet: ein Balken für die Zahl der Teilnehmenden und ein Balken für die Zahl der Lehrerstunden.
Zusammenfassung und Verlauf:
Im Schuljahr 2016/17 nahmen 2561 Kinder am Vorkurs teil, begleitet von 891 Lehrerstunden. Im Jahr 2017/18 stieg die Zahl der Teilnehmenden auf 2620, während die Lehrerstunden auf 807 sanken. Im Schuljahr 2018/19 betrug die Teilnehmendenzahl 2547, bei 621 Lehrerstunden. Auch 2019/20 lag die Anzahl mit 2416 Kindern weiter auf hohem Niveau, begleitet von 624 Lehrerstunden. Im darauffolgenden Schuljahr 2020/21 sank die Zahl auf 1949 Kinder und 540 Lehrerstunden.
Ein deutlicher Rückgang erfolgte im Schuljahr 2021/22: Es nahmen 533 Kinder teil, für die 174 Lehrerstunden zur Verfügung standen. In den beiden folgenden Schuljahren zeigte sich eine leichte Erholung bei der Teilnahme – 1066 Kinder im Jahr 2022/23 und 374 im Jahr 2023/24 –, während der Umfang der Lehrerstunden weiter zurückging: auf 146 und schließlich nur noch 56. Im Schuljahr 2024/25 kam es wieder zu einem Anstieg beider Werte: 1370 Kinder wurden mit 200 Lehrerstunden gefördert.
Wertetabelle:
| Schuljahr | 2016/17 | 2017/18 | 2018/19 | 2019/20 | 2020/21 | 2021/22 | 2022/23 | 2023/24 | 2024/25 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Teilnehmende | 2561 | 2620 | 2547 | 2416 | 1949 | 533 | 1066 | 374 | 1370 |
| Lehrerstunden | 891 | 807 | 621 | 624 | 540 | 174 | 146 | 56 | 200 |
<figcaption>Informationen zu Abbildung C 6.2: Teilnehmende Kinder am Vorkurs „Vorkurs Deutsch 240“ und zur Verfügung stehende Lehrerstunden, 2016/17 bis 2024/25</figcaption>
Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
Der „Vorkurs Deutsch 240“ ist eine Maßnahme zur Förderung der Sprachentwicklung für Kindergartenkinder im Vorschulalter. Der Kurs wird in Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule durchgeführt.
Seit Dezember 2024 sind in Bayern verpflichtende Sprachstandserhebungen für alle Vorschulkinder eineinhalb Jahre vor Schulbeginn vorgeschrieben. Die Erhebung erfolgt im Kindergarten mithilfe standardisierter Beobachtungsbögen (SISMIK/SELDAK) für alle Kinder mit Deutsch als Erst- oder Zweitsprache. Bei festgestelltem Förderbedarf folgt ein Sprachscreening in der Grundschule. Wird dort ein erhöhter Sprachförderbedarf festgestellt, ist der Besuch einer Kindertageseinrichtung mit integriertem Vorkurs verpflichtend.79
Im Schuljahr 2024/25 nahmen 1 370 Kinder am Vorkurs Deutsch 240 teil (Abb. C 6.2). Nach einem Höchststand zum Schuljahr 2017/18 ging die Teilnehmendenzahl zurück, insbesondere während der Corona-Pandemie, als die Durchführung der Vorkurse von unterschiedlichen Einschränkungen betroffen war: 2020/21 auf 1 949, 2021/22 auf 533 und 2022/23 auf 1 066. 2023/24 fiel sie auf 374, seitdem ist wieder ein Anstieg erkennbar. Zu beachten ist, dass die Zahl der Teilnehmenden nicht den tatsächlichen Förderbedarf widerspiegelt, sondern lediglich jene Kinder umfasst, die am Vorkurs teilgenommen haben.
Die Anzahl der Lehrerstunden sank zwischen dem Schuljahr 2016/17 und 2020/21 von 891 auf 540 und ging in diesem Zeitraum um 39,4 % zurück. Nach einem weiteren deutlichen Rückgang während der Pandemie stieg die Anzahl der Lehrerstunden 2024/25 wieder auf 200 an.
- 79 Siehe www.nuernberg.de/internet/kinderbetreuung/deutsch240.html, letzter Zugriff: 2.4.2025.
Zusammenfassung
In den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen für die spätere Entwicklung von Kindern gelegt. Die mit ihren jeweiligen Lebenslagen verbundenen Startbedingungen der Kinder sind entscheidend für ihre Bildungsverläufe und ihre gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb legt dieses Kapitel zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Nürnberg einen besonderen Fokus auf soziale Lebenslagen, Teilhabechancen, Betreuungsangebote, Inklusion, Personalentwicklung und Sprachförderung.
Die Daten zeigen: Nürnberg hat in den vergangenen Jahren sowohl quantitativ als auch qualitativ Fortschritte in der frühkindlichen Bildungsinfrastruktur gemacht. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei der Unterstützung von Kindern aus armutsgefährdeten Familien, bei der Inklusion, bei der Fachkräftegewinnung und bei der Sicherung pädagogischer Qualität.
Die folgenden zusammenfassenden Befunde und Empfehlungen sollen dazu beitragen, zentrale Entwicklungen sichtbar zu machen, Handlungsbedarfe zu identifizieren und Impulse für die Weiterentwicklung einer chancengerechten und inklusiven Bildungslandschaft in Nürnberg zu geben.
Lebenslagen
Studien zeigen, dass die Teilhabechancen von Kindern an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung stark von ihrer familiären und sozialen Herkunft abhängen.80 Ein Teil der in Nürnberg lebenden Kinder unter 6 Jahren wächst in finanziell belasteten Haushalten auf. Im Jahr 2024 lebten rund 16,4 % dieser Altersgruppe in Bedarfsgemeinschaften mit SGB II-Bezug. Besonders betroffen hiervon waren Kinder im Kindergartenalter, bei denen diese Quote bei 16,9 % lag (C 2.2). Soziale Unterstützungsleistungen für Familien mit geringem Einkommen wie etwa die Übernahme von Betreuungskosten sind daher von großer Bedeutung. Im Jahr 2024 wurden für knapp 8 000 Kinder die Betreuungskosten bis zur Einschulung übernommen, wobei fast die Hälfte aus Familien kam, die Leistungen des Jobcenters bezogen. Familien, die den Kinderzuschlag erhalten und/oder Wohngeld beziehen, machten im Jahr 2024 mit 29,7 % einen größeren Anteil derjenigen aus, für die Betreuungskosten übernommen wurden, als noch im Jahr 2021, in dem der Anteil bei 37,6 % lag.
Auch die Nutzung des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) zeigt eine dynamische Entwicklung: Nach einem pandemiebedingten Rückgang bis 2022 stieg die Zahl der geförderten Kinder wieder. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Nürnberg-Pass, der seit 2022 ebenfalls wieder von deutlich mehr Personen genutzt wird.
Betreuungssituation in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege
Die Nachfrage nach frühkindlicher Bildung und Betreuung ist weiterhin hoch. Kindertageseinrichtungen und Tagespflege sind ein zentrales Element der Nürnberger Bildungslandschaft und von einer differenzierten Angebotsstruktur gekennzeichnet. Zum Jahresende 2024 wurden insgesamt 19 398 Kinder bis zur Einschulung in Kindertageseinrichtungen betreut, darunter 4 308 unter 3-Jährige (C 3.1).
Besonders bei Kindern unter 3 Jahren stieg der Anteil derjenigen, die in Kindertageseinrichtungen betreut werden. Dagegen war die Besuchsquote in Kindertageseinrichtungen bei den 3- bis 5-Jährigen leicht rückläufig. Erkennbar ist, dass sich auch im Jahr 2024 mehr Eltern für einen späteren Schuleintritt ihrer Kinder entschieden haben, was durch die Einführung des Einschulungskorridors im Schuljahr 2019/20 regulär ermöglicht wurde (C 3.5).
Ergänzend zur institutionellen Betreuung gewinnt die Tagespflege zunehmend an Bedeutung, insbesondere für die jüngsten Kinder. So wurden 714 Kinder in Tagespflege betreut, 536 von ihnen waren unter 3 Jahre alt. Im Zeitraum zwischen 2021 und 2024 ist die Zahl der in Kindertagespflege betreuten Kinder angestiegen, insbesondere bei den 3-Jährigen bis zum Schuleintritt (+ 23,6 %) (C 3.1).
Ende 2024 lebten 280 Kinder mit einer amtlich festgestellten Behinderung nach SGB IX in Nürnberg, davon 65 im Krippen- und 215 im Kindergartenalter. Nach einem durch die Corona-Pandemie bedingten Rückgang stieg die Anzahl 2023 zunächst wieder, ging zuletzt aber erneut zurück (-6,4 %). Die Inklusion von Kindern mit (drohender) Behinderung hat in Nürnberg währenddessen weiter an Bedeutung gewonnen. 850 Kinder mit Anspruch auf Leistungen der Eingliederungshilfe aufgrund einer (drohenden) Behinderung besuchten eine Kindertageseinrichtung – ein Anstieg um über 170 % seit 2015. Der Anteil von Kindern mit (drohender) Behinderung in Betreuungseinrichtungen lag bei 4,4 % und hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Die Ursachen sind vielschichtig. So können unter anderem eine verbesserte Diagnostik, die häufigere Erkennung von Autismus-Spektrum-Störungen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hierzu beitragen (C 3.3).
Die Angebotsstruktur der Betreuungseinrichtungen wurde entsprechend ausgebaut: 59 % der Einrichtungen arbeiteten im Jahr 2024 inklusiv (2015: 33 %). Mobile Sonderpädagogische Hilfen (MSH) begleiteten 1 977 Kinder (+36 % zum Vorjahr) und gelten als zentrales Förderinstrument. Der Fachdienst Inklusion unterstützte 87 Kinder mit besonderen sozial-emotionalen Bedürfnissen in insgesamt 80 Einrichtungen. Damit existiert ein unterstützendes Angebot, das auch Kinder berücksichtigt, die noch keinen Anspruch auf Eingliederungshilfe besitzen.
Personalstand und Berufsgruppen
Der Personalstand in den Nürnberger Kindertageseinrichtungen (ohne Horte) ist im Jahr 2024 erneut gestiegen: Insgesamt waren 4 539 pädagogische Fachkräfte tätig – das entspricht einem Zuwachs von 227 Personen gegenüber dem Vorjahr und einem Plus von 645 gegenüber dem Jahr 2019. Den größten Anteil am Personal stellten Erzieherinnen und Erzieher (46,8 %) sowie Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger (32,0 %). Während die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher weiter zunahm, verzeichnete die Gruppe der Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger einen leichten Rückgang. Diese Entwicklung könnte auf eine qualitative Veränderung innerhalb der Personalstruktur hindeuten.
Auch die Zusammensetzung des Personals nach Qualifikationen zeigt Verschiebungen: Akademisch ausgebildete Fachkräfte machten im Jahr 2024 rund 13,2% des Gesamtpersonals aus – ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2021. Gleichzeitig ist ein deutlicher Anstieg bei spezialisierten Berufsgruppen wie Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie Heilerziehungspflegerinnen und -pflegern zu verzeichnen. Diese Entwicklung stärkt die inklusiven Kompetenzen in den Einrichtungen und löst den Anspruch auf Multiprofessionalität im Bereich frühkindlicher Bildung ein (C 5.2).
Ein weiterer zentraler Aspekt betrifft die Ausbildung künftiger Fachkräfte. Die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) gewinnt zunehmend an Bedeutung: Im Jahr 2024 wurden 109 Personen im Rahmen dieses Modells ausgebildet – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis leistet das Modell PiA einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung des Fachkräftebedarfs in Nürnberg.
Strategische Investitionen in Qualität und Teilhabe
Angesichts wachsender Qualitätsanforderungen und des Fachkräftemangels investiert die Stadt Nürnberg seit Jahren gezielt in die Weiterentwicklung dieses Bereichs. Zwischen 2022 und 2025 standen jährlich rund 2,5 bis 2,9 Millionen Euro für Qualitätsmaßnahmen bereit – mit einem Anstieg von 2,561 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 2,917 Millionen Euro im Jahr 2025. Diese Mittel fließen vor allem in die Gewinnung und Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte sowie in die Verbesserung struktureller Rahmenbedingungen. Dazu zählen Fortbildungen, praxisintegrierte Ausbildungsmodelle wie PiA, die Förderung von Elternbegleiterinnen und -begleitern und der Ausbau wohnortnaher Familienzentren (C 5.3).
Darüber hinaus setzt die Stadt gezielt auf Programme, die den Zugang zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung erleichtern und soziale Teilhabe stärken. Programme wie „Schultüte“ und „Kita-Einstieg“ begleiten Kinder und Familien beim Übergang in die Bildungseinrichtungen und richten sich insbesondere an benachteiligte Gruppen. Formate wie „Entdeckergruppen“ fördern alltagsnahe Bildungsprozesse, während interkulturelle Arbeit Vielfalt und sozialen Zusammenhalt unterstützt.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, pädagogische Qualität nachhaltig zu sichern, Chancengerechtigkeit zu fördern und Übergänge in die Grundschule optimal zu gestalten – mit einem umfassenden Verständnis von frühkindlicher Bildung als Ort des Lernens, der Persönlichkeitsentwicklung, der Teilhabe und der Integration.
Sprachförderung Vorkurs Deutsch 240
Der „Vorkurs Deutsch 240“ ist ein zentrales Förderinstrument zur Stärkung der Sprachkompetenz im Vorschulalter und wird gemeinsam von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen umgesetzt. Ziel ist die gezielte Unterstützung von Kindern mit erhöhtem Sprachförderbedarf – unabhängig von ihrer Erst- oder Zweitsprache.
Seit Dezember 2024 sind in Bayern verpflichtende Sprachstandserhebungen eineinhalb Jahre vor Schuleintritt vorgeschrieben. Bei festgestelltem Förderbedarf erfolgt ein ergänzendes Screening in der Grundschule. Wird dort ein erhöhter Bedarf bestätigt, ist der Besuch einer Kita mit integriertem Vorkurs verpflichtend.
Im Schuljahr 2024/25 nahmen 1 370 Kinder am Vorkurs teil – ein deutlicher Anstieg und Zeichen für die Erholung nach deutlichen, pandemiebedingten Rückgängen. Die tatsächliche Förderbedarfsquote liegt jedoch höher. Gleichzeitig ist die Ressourcenausstattung rückläufig: Die Zahl der Lehrerstunden sank seit 2016/17 um rund 40 % und liegt aktuell bei 200 Stunden – und damit deutlich unter dem ursprünglichen Niveau (C 6.2).
Empfehlungen
Die soziale Lage von Familien wirkt sich nach aktuellem Forschungsstand deutlich auf die Bildungs- und Teilhabechancen ihrer Kinder aus.81 Daher gilt es, bestehende Unterstützungsangebote für finanziell belastete Haushalte gezielt weiterzuentwickeln und noch stärker präventiv auszurichten. Eine frühzeitige und niedrigschwellige Information über Leistungen wie das Bildungs- und Teilhabepaket, den Kinderzuschlag, das Wohngeld sowie den Nürnberg-Pass ist insbesondere in Stadtteilen mit erhöhter Armutsquote wichtig. Koordinierte Beratungs- und Hilfeangebote können einen Beitrag dazu leisten, den Zugang zu bestehenden Leistungen zu erleichtern und Unterstützungsstrukturen besser miteinander zu verknüpfen. Wohnortnahe, kostenfreie Frühförderangebote können insbesondere für Kinder aus sozioökonomisch belasteten Haushalten hilfreich sein. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren könnte ebenfalls dabei helfen, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und Zugangsbarrieren zu verringern. Die durch die Bundesregierung angekündigte Ausweitung des Startchancen-Programms auf Kindertageseinrichtungen gilt es, zielgerichtet für den Ausgleich herkunftsbedingter Nachteile einzusetzen.
Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage nach frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sowie der zunehmenden Differenzierung der Bedarfe ist es ratsam, die Vielfalt der Betreuungsformen in Nürnberg zu sichern und bedarfsgerecht auszubauen. Die Tagespflege als qualitätsvolles Angebot sollte im Bestand qualitativ und quantitativ gesichert werden, um den spezifischen Bedürfnissen von Familien mit sehr jungen Kindern gerecht zu werden. Bedarfsgerechte Angebote und flexible Betreuungszeiten sind Voraussetzung für eine umfassende Versorgung von Familien.
Inklusion gewinnt bereits in der frühkindlichen Bildung an Bedeutung. Die Qualität und Kontinuität inklusiver Arbeit in Nürnberger Kindertageseinrichtungen sollte daher weiter gestärkt werden. Dazu gehört insbesondere die bedarfsgerechte Ausweitung integrativer und individueller Fördermöglichkeiten. Pädagogische Teams benötigen Unterstützung bei der Umsetzung inklusiver Konzepte und bei ihrer multiprofessionellen Arbeit. Die Mobilen Sonderpädagogischen Hilfen und andere bestehende Instrumente sollten ausgebaut werden, um dem wachsenden Unterstützungsbedarf gerecht zu werden. Darüber hinaus wird empfohlen, den Fachdienst Inklusion noch stärker in die pädagogische Praxis einzubinden, um Kinder mit sozial-emotionalen Auffälligkeiten möglichst niedrigschwellig zu fördern. Ein gezieltes Monitoring der Bedarfe, insbesondere bei der integrativen Betreuung von Kindern im Autismus-Spektrum82 , sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Förderschulen und Fachdiensten sind dabei essenziell, um die Teilhabechancen für jedes einzelne Kind in Nürnberg frühzeitig zu sichern und den systematischen Ausbau inklusiver Strukturen weiter voranzubringen.
Der bundesweite Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen und die sich verändernden Rahmenbedingungen erfordern eine konsequente Weiterentwicklung der Strategien zur Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften. Der Personalbestand in Kindertageseinrichtungen wächst und verändert sich zugleich in seiner Struktur, was eine Anpassung bestehender Maßnahmen notwendig macht. Ein besonderer Ansatzpunkt könnte dabei die Öffnung der praxisintegierten Ausbildung für weitere Qualifikationen (z.B. Kinderpflege oder Heilerziehungspflege) sein. Um die pädagogischen Kompetenzen vor Ort zu stärken und die Fachkräfte in ihrer professionellen Rolle zu unterstützen, sollten zudem die bestehenden Fort- und Weiterbildungsangebote sowie Teamberatungsangebote finanziell gestärkt werden. Die Arbeitsbedingungen sollten verbessert und Entwicklungsperspektiven innerhalb des Berufsfeldes eröffnet werden, um Fachkräfte langfristig zu binden. Dies gilt insbesondere für akademisch qualifiziertes Personal, dessen Anteil leicht rückläufig ist und dessen Gewinnung und Bindung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ergänzend erscheint der fortgesetzte Ausbau spezialisierter Berufsgruppen sinnvoll, um multiprofessionelle Teams zu ermöglichen und so für inklusive Kompetenzen in den Einrichtungen zu sorgen, die die Qualität frühkindlicher Bildung nachhaltig stärken.
Die dargestellten Entwicklungen verdeutlichen, dass Nürnberg bereits gezielte Investitionen zur Förderung von Qualität und Teilhabe im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung vorgenommen hat. Um die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen langfristig abzusichern, sollten die bestehenden Ansätze weiterentwickelt werden. Ein Schwerpunkt könnte dabei auf der kontinuierlichen Unterstützung der Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften liegen – etwa durch praxisnahe Ausbildungsmodelle und bedarfsgerechte Fortbildungsangebote. Darüber hinaus ist denkbar, niedrigschwellige Angebote wie z.B. Familienzentren sowie Programme zur Begleitung des Übergangs in die frühkindliche Bildung und in die Grundschule gezielt weiterzuentwickeln, um insbesondere benachteiligte Familien frühzeitig zu erreichen. Auch interkulturelle und inklusionsorientierte Ansätze könnten gestärkt und breiter verankert werden, um die Bildungslandschaft noch vielfältiger zu machen.
Der Vorkurs Deutsch 240 stellt nach aktuellen Ergebnissen ein bewährtes Förderangebot zur Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten im Vorschulbereich dar. Vor dem Hintergrund steigender Förderbedarfe und begrenzter Ressourcen erscheint es sinnvoll, die personellen und zeitlichen Rahmenbedingungen für seine Durchführung zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Dazu zählt auch eine Ausweitung von bestehenden Angeboten der alltagsintegrierten Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen, die in besonderem Maße zur Qualitätsentwicklung beitragen könnten. Häufig fehlen jedoch die notwendigen Mittel von Bund und Land, um diese wirksamen Instrumente dauerhaft und flächendeckend zu verankern. Ein besonderes Augenmerk sollte zudem auf Kindergruppen gelegt werden, die statistisch häufiger von Sprachauffälligkeiten betroffen sind – etwa Jungen im Vorschulalter. Ziel bleibt es, durch eine verlässliche und frühzeitige Sprachförderung ungleiche Startbedingungen zu reduzieren und die Bildungschancen aller Kinder beim Übergang in die Grundschule zu verbessern.
Die zunehmende Relevanz digitaler Technologien auch im Bereich der frühkindlichen Bildung erfordert eine gezielte Förderung der digitalen Infrastruktur in Kindertageseinrichtungen, besonders in sozial benachteiligten Stadtteilen. Damit digitale Angebote wirksam eingesetzt werden können, sollten pädagogische Fachkräfte systematisch in ihrer Medienkompetenz qualifiziert und fortgebildet werden. Ergänzend empfiehlt sich die Durchführung begleitender Pilotprojekte, um das Potenzial KI-gestützter Angebote zu erproben. Darüber hinaus gilt es, Qualitätsstandards sowie ethische Leitlinien zu entwickeln, um den Einsatz neuer Technologien im frühpädagogischen Bereich verantwortungsvoll und chancengerecht zu gestalten.
Mit dem Inkrafttreten des Dritten Gesetzes zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung zum 1. Januar 2025 werden für zwei Jahre bundesweit rund vier Milliarden Euro bereitgestellt. Die Mittel zielen auf den Ausbau der Betreuungsangebote, die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels sowie die Stärkung von Leitungskompetenzen. Auch Themen wie Sprachbildung, gesunde Ernährung und Bewegung rücken stärker in den Fokus. Für Kommunen und Träger ergibt sich die Möglichkeit, bestehende Strukturen im Sinne der bundesweiten Qualitätsziele weiterzuentwickeln. Ungelöst bleibt aber die generelle Unterfinanzierung des subsidiär aufgestellten Systems der frühkindlichen Bildung, die die Kommunen mit erheblichen Forderungen konfrontiert, Eltern erhöhte Beiträge zumutet und die Träger vor zunehmend unlösbare Finanzierungslücken stellt.
- 80 Vgl. z.B. Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024. Zentrale Befunde des Bildungsberichts, Bielefeld, S. 8.
- 81 Vgl. z.B. Drope, Tilmann/Reh, Sabine/Maaz, Kai (Hg.) (2025). Bildungsungleichheit als Gegenstand der Bildungsforschung. Perspektiven, Erträge und Aussichten. Münster; Dräger, Jascha/Schneider, Thorsten(2025): Sprach- und Mathekompetenzen hängen in Deutschland bei Schulstart stärker von sozialer Herkunft ab als in anderen Ländern. DIW Wochenbericht 14/2025. Berlin.
- 82 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2024): Bericht zum Modellprojekt Verfahrenslotsen in der Kinder- und Jugendhilfe, Beilage 3.2 des Jugendhilfeausschusses, S. 3, 18.7.2024; Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt – Bildungsbüro (2024): Inklusion in der frühkindlichen Bildung in Nürnberg, S. 12, https://www.nuernberg.de/imperia/md/bildungsbuero/dokumente/241025_bericht_inklusion_fruehkindliche_bildung_nuernberg_.pdf, letzter Zugriff: 17.11.2025.


