1. Einleitung

Non-formales Lernen begleitet uns von der frühen Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter und findet in unterschiedlichen Kontexten statt. Es kann eng mit dem formalen Bildungssystem verknüpft sein, wie etwa wenn Grundschulkinder den „Kulturrucksack“ (vgl. H 11.3) packen und das Kindertheater besuchen. Aber es geschieht ebenso individuell, beispielsweise bei einem Familienausflug ins Museum, bei einem Stadtrundgang oder durch den Zugewinn an Selbstvertrauen durch eine Tätigkeit als Jugendleiterin im Verein. 

Die Vielfalt dieser Lernformen stellt die datengestützte Betrachtung im Bildungsbericht vor gewisse Herausforderungen, wenn es beispielsweise darum geht, Jubiläen wie „50 Jahre Nürnberger Kulturläden“ oder 25 Jahre "Klassik Open-Air“ und „Stadtverführungen“ empirisch zu erfassen. Diese Veranstaltungen, die seit dem Stadtjubiläum im Jahr 2000 nachhaltig etabliert sind, ziehen ein breites Publikum an.

Konkreter wird es bei den Zahlen: Im Mittelfristigen Finanzplan, der die Investitionen in Nürnberg für die Jahre 2025 bis 2028 auflistet, ist die Bautätigkeit im Kulturbereich in Euro ausgewiesen (vgl. Abb. B-3). Zu den großen Positionen, gefördert durch Bund und Freistaat, zählen hier der Ergänzungsbau für das Staatstheater und die teilweise Ertüchtigung der Kongresshalle für eine kulturelle Nutzung. Hohe Investitionen, auch vom Bund, fließen in die Entwicklung des Lern- und Begegnungsortes Zeppelintribüne und des dazugehörigen Zeppelinfelds sowie die Entwicklung des Bahnhofs Märzfeld im Stadtteil Langwasser. 

Auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände schreitet der Aus- und Umbau des Dokumentationszentrum voran. Teile wie das Studienforum und das inklusiv betriebene Café Arthur wurden im Jahr 2025 eröffnet, das gesamte Dokumentationszentrum wird nach einer etwa fünfeinhalbjährigen Schließzeit im Jahr 2026 wieder zugänglich sein. Das Zentrum wird zusammen mit anderen großen Einrichtungen wie dem Germanischen Nationalmuseum oder dem Zukunftsmuseum des Deutschen Museums die herausgehobene Stellung Nürnbergs als überörtlicher Museumsstandort weiter stärken. 

Nach umfangreichen Umbauarbeiten öffnete auch das Künstlerhaus im KunstKulturQuartier im Jahr 2025 wieder. Hier können sich unterschiedliche kulturelle Bereiche in zentral gelegenen, weitgehend barrierefrei gestalteten Räumen und unter einem organisatorischen Dach neu erfinden und ein vielfältiges Publikum erreichen. Das Angebot reicht von Film und Musik über Theater (auch in Kooperation mit der Tafelhalle) bis hin zu Kunstausstellungen, Festivals und Werkstätten.  

Mit Blick auf die Zukunft stellt sich im Jahr 2025 die Frage nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die non-formale Bildung in Nürnberg: Ist das Publikum in die Kultur- und Veranstaltungsorte zurückgekehrt? Haben sich neue digitale Angebote im Kulturbereich etabliert? Politische Bildung und Aktivitäten in digitalen Räumen sind zunehmend präsent und bieten wichtige Lernmöglichkeiten, werden im Bildungsbericht aber noch nicht ausreichend erfasst. 

Die vorliegende Analyse des non-formalen Lernens in Nürnberg orientiert sich am menschlichen Lebenslauf, beginnend mit der Kindheit und Jugend. Das Spektrum der Kultursparten wurde um Bildende Kunst erweitert. Neben den bisherigen Themen wie Politische Bildung und Sport werden nun auch Gesundheitsbildung, Natur, Umwelt und Technik sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung behandelt. 

H 2. Kinder- und Jugendarbeit

In Nürnberg engagieren sich sowohl das Jugendamt als kommunaler Träger wie auch zahlreiche freie Träger und Initiativen in der Kinder- und Jugendarbeit. Diese bieten jungen Menschen wichtige Orte und Anlässe für non-formales und informelles Lernen. Gemäß dem Kinder- und Jugendhilfegesetz hat die Kinder- und Jugendarbeit den Auftrag, zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen beizutragen.351

  • 351 Vgl. SGB VIII, insb. § 11. Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören demnach die außerschulische Jugendbildung, die Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit, die arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit, die internationale Jugendarbeit, die Kinder- und Jugenderholung sowie die Jugendberatung.

2.1 Offene Kinder- und Jugendarbeit

Die Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg bietet ein vielfältiges, offenes und niedrigschwelliges Angebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Dazu gehören offene Treffs mit Spiel-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten, aufsuchende Streetwork-Angebote, regelmäßige Gruppenaktivitäten und Kurse sowie Projekte und Veranstaltungen. Ergänzt wird das Spektrum durch Beratung und Einzelfallhilfe, Ausflüge und Ferienprogramme. Zudem werden Partizipation und Selbstverwaltung gefördert. Eine enge Kooperation mit Schulen, Kindertageseinrichtungen, Vereinen und weiteren Partnern sichert die Vernetzung im Sozialraum.

Das Jugendamt unterhält im gesamten Stadtgebiet 18 städtische Kinder- und Jugendhäuser und 9 Jugendtreffs als Einrichtungen der Straßensozialarbeit. Weitere Einrichtungen sind das Jugendbüro Team Altstadt (zukünftig Kinder- und Jugendhaus Altstadt Herrenschießhaus352 ), 3 Streetworkprojekte, 3 Angebote der mobilen Jugendarbeit, das sind 2 Spielemobile und die Mobile Jugendarbeit, das Stadtteilhaus FiSch und den Aktivspielplatz Fuchsbau.353

Zwischen 2014 und 2019 nahm die Zahl der Teilnahmen an Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kontinuierlich zu und erreichte 2019 insgesamt 459 960. Infolge der Corona-Pandemie gingen die Teilnahmezahlen deutlich zurück. Im Jahr 2024 erreichten sie mit 425 369 Nutzungen nahezu wieder das Vor-Corona-Niveau (Abb. H 2.1). Der Anteil von Teilnehmerinnen lag 2024 bei 34,3 %, während 65,0 % männlich und 0,7 % divers waren. Etwa drei Viertel (74 %) der erreichten jungen Menschen hatte einen Migrationshintergrund.354

In den städtischen Kinder- und Jugendhäusern wurden 2024 insgesamt 312 906 Teilnahmen verzeichnet, im Schnitt fanden in den Einrichtungen an 272 Tagen Nutzungen statt. Die 18 kommunalen Kinder- und Jugendhäuser sowie je 2 des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt (KJR) und der Evangelischen Jugend bieten ein gemeinsames Grundangebot mit individuellen Schwerpunkten. Vor Ort haben sich standortspezifische Profile entwickelt, die sich an den Bedürfnissen der jungen Menschen orientieren.355

Die 2022 eingerichtete Koordinierungsstelle Sport und Jugendhilfe (KOS) verbindet sportorientierte Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit Angeboten der Sportvereine. Sie steuert bereits bestehende Angebotsformate wie StreetsoccerCup und Mitternachtssport und entwickelt konzeptionell neue Angebotsformen, etwa im Bereich Inklusion. Im Jahr 2024 wurden in den Angeboten der KOS insgesamt 2 566 Teilnahmen verzeichnet.

Neben der Offenen Kinder- und Jugendarbeit koordiniert das Jugendamt weitere Bildungs- und Freizeitangebote, darunter das städtische Ferienprogramm für Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren. In Kooperation mit zahlreichen Einrichtungen und Verbänden werden in den Pfingst- und Sommerferien vielfältige, meist kostenpflichtige Angebote gemacht. Im Jahr 2024 nahmen 4 763 Kinder daran teil, davon nutzten 11,7 % der Kinder den Nürnberg-Pass. Ergänzend bietet die Stadt eine flexible Ferienbetreuung für Schulkinder bis zur 6. Klasse an. Zwischen 2017 und 2024 erhöhte sich die Zahl der Teilnehmenden – abgesehen von den Pandemiejahren – von 1 426 auf 3 575, was einem Zuwachs von 150,7 % entspricht. 8,5 % nutzten hierbei den Nürnberg-Pass.356

  • 352 Nach über zehn Jahren wurde ein neuer Standort für ein Kinder- und Jugendhaus in der Nürnberger Innen- und Altstadt gefunden. Zurzeit wird das Herrenschießhaus für Kinder und Jugendliche modernisiert. Die Fertigstellung ist aktuell für Ende 2026 vorgesehen. Vgl. Beilage 5.1 des Jugendhilfeausschusses vom 10.4.2025: Entwicklungsplanung der Jugendhäuser, S. 6.
  • 353 Darüber hinaus gibt es in Nürnberg 14 pädagogisch betreute Spielplätze mit unterschiedlichen Trägermodellen. An sieben Standorten erfolgt die pädagogische Betreuung in Kooperation eines freien Trägers mit städtischem Personal, weitere sieben werden von Trägern mit eigenem Personal betrieben. Um Nürnbergs Spielflächen (Spielplätze, Spielhöfe, Aktionsflächen und Aktivspielplätze) übersichtlich darzustellen, wurde eine digitale Spielplatz-Karte mit Suchfunktion entwickelt.
  • 354 Eingerechnet sind hierbei auch die Aktivspielplätze. Bei der Angabe des Migrationshintergrundes handelt es sich um geschätzte Werte des Jugendamtes. In die Schätzungen fließen Angaben darüber ein, ob ein Elternteil im Ausland geboren wurde und ob in der Familie der Kinder/Jugendlichen auch eine nichtdeutsche Sprache gesprochen wird.
  • 355 Quelle: Beilage 5.1 des Jugendhilfeausschusses vom 10.4.2025: Entwicklungsplanung der Jugendhäuser, S. 2ff.
  • 356 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

2.2 Jugendbildung

Ein zentraler Bestandteil des Angebots des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt ist die Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, die etwa 50 Kilometer westlich von Nürnberg liegt. Dieses Tagungs- und Seminarhaus konzentriert sich auf politische und kulturelle Bildung sowie die Förderung von Schlüsselkompetenzen. Zwischen 2014 und 2019 blieb die Anzahl der jährlich Teilnehmenden stabil, wobei sie leicht um den Wert von 6 300 schwankte. Im Jahr 2020 führte die Corona-Pandemie zu einem Rückgang der Teilnahmen um über 70 %. Seitdem ist ein kontinuierlicher Wiederanstieg zu verzeichnen, sodass 2024 mit 6 490 Teilnahmen das Niveau vor der Pandemie wieder erreicht wurde. Im Jahr 2024 kamen 95,6 % der Teilnehmenden aus Bayern, darunter 22,5 % aus Nürnberg, 54,9 % aus dem übrigen Mittelfranken und 18,2 % aus anderen Regierungsbezirken. Junge Menschen aus den Bereichen Schule, Ausbildung und Studium machten 39,1 % aus, aus Jugendverbänden kamen 36,5 %.357

Ab 2020 wurden Gruppenleitergrundausbildungen (Juleica) online durchgeführt, woraus neue digitale Formate wie „Kooperative Gruppenspiele im digitalen Raum“ und „Spiele auf Distanz“ entstanden. Grundsätzlich verfolgt die Bildungsstätte das Ziel, persönliche Begegnung und Austausch vor Ort zu ermöglichen. Einige Online-Kurzformate wie „How to Freizeiten und Zeltlager“ oder „Update Recht“ haben sich jedoch dauerhaft etabliert.

Die Akademie des Caritas-Pirckheimer-Hauses (CPH) in Nürnberg hat ihre Jugendbildungsangebote in den letzten Jahren erweitert und bietet in ihrem Programm ein- und mehrtägige Seminare zu politischen Themen mit Nürnberg-Bezug an. Die Nachfrage nach Projekten und Angeboten in den Bereichen Zivilcourage, Konfliktarbeit mit Schülerinnen und Schülern, historisch-politische Bildung, Integration, Menschenrechte und Klimawandel ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ergänzt wird das Angebot durch vollständig inklusiv organisierte Formate wie „Wie geht Demokratie?“, das im Jahr 2024 5 948 Teilnehmertage verzeichnete.358

Als Arbeitsfeld außerschulischer Jugendbildung umfasst die internationale Jugendarbeit verschiedene Austauschformate und internationale Lernangebote für Gruppen oder Einzelpersonen. Eine Fachstelle Internationale Jugendarbeit beim Jugendamt, gefördert durch die Stiftung Jugendaustausch Bayern, vernetzt Träger der Internationalen Jugendarbeit in Nürnberg und Bayern. Ein besonderer Fokus liegt auf der Einbeziehung bildungsbenachteiligter Jugendlicher und der Akquise von Fördermitteln für internationale Jugendbegegnungen.

In Nürnberg haben sich Träger aus der städtischen und verbandlichen Jugendarbeit sowie Vereine im Netzwerk joiN zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, mehr Mobilitätsangebote mit internationalen Partnern und mit neuen Zielgruppen zu schaffen. Im Jahr 2025 wurden zuletzt insgesamt zwölf internationale Begegnungsprojekte für junge Menschen (2 594 Teilnahmetage) und für Fachkräfte (305 Teilnahmetage) veranstaltet. Neben binationalen Jugendbegegnungen mit vier Partnerstädten Nürnbergs gab es weitere internationale Begegnungsprogramme, unter anderem das multinationale Jugendcamp „Youth united in peace“ mit Teilnehmenden aus 13 Partnerstädten und ein Jugendforum anlässlich der Verleihung des Nürnberger Menschenrechtspreises.359

  • 357 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Burg Hoheneck.
  • 358 Quelle: Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus.
  • 359 Das Jugendcamp und das Jugendforum wurden vom Kreisjugendring, dem Jugendamt und dem Sachbereich Internationale Beziehungen im Bürgermeisteramt gemeinsam organisiert. Im Jahr 2025 fand zudem eine Begegnung zwischen deutschen und US-amerikanischen Jugendlichen aus Atlanta statt. Darüber hinaus wurden zwei internationale Fachkräftefortbildungen mit drei Partnerstädten durchgeführt. Quelle: Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt, Sachbereich Internationale Beziehungen.

2.3 Jugendverbandsarbeit und Kreisjugendring Nürnberg-Stadt

Die Jugendverbände und Jugendgemeinschaften in Nürnberg bieten das ganze Jahr über ein breites Bildungs- und Freizeitangebot. Insgesamt sind 64 Vereinigungen und Gemeinschaften im Kreisjugendring Nürnberg-Stadt (KJR) organisiert. Der KJR hat die Aufgabe, die Interessen seiner Mitglieder und insbesondere die Anliegen der Kinder und Jugendlichen in Nürnberg gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit zu vertreten. Der KJR mit seiner Geschäftsstelle ist Träger von sechs Einrichtungen, die eine Vielzahl an pädagogischen Angeboten für Kinder und Jugendliche im Programm haben und in der Projektarbeit aktiv sind. So erreichten beispielsweise die „Jugend Information Nürnberg“ im Jahr 2024 627 Anfragen.360 Der KJR betreibt weiterhin die Jugendkultureinrichtung „LUISE“, die seit dem 1.1.2025 mit einer neuen Konzeption mit den beiden Schwerpunkten Stadtteilarbeit und Jugendkulturarbeit arbeitet. Weitere Einrichtungen des KJR sind das „JugendKinderKulturhaus Quibble“ sowie die Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck (H 2.2). Einen wichtigen Beitrag zur außerschulischen Jugendbildung leistet außerdem DoKuPäd (H 13.3). Die Stadt Nürnberg unterstützte den KJR im Jahr 2024 mit Zuschüssen in Höhe von rund 2,14 Millionen Euro.361

In der Jugendverbandsarbeit werden Teilnahmen und Mitgliedsstrukturen nicht zentral erfasst, weshalb datengestützte Aussagen lediglich für einzelne Angebote möglich sind. Es gibt jedoch Informationen zur Sozialstruktur von Personen, die im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit an Ausbildungsangeboten der Jugendverbände teilnahmen und dabei die Jugendleiter/-innen-Card (Juleica) erwarben. Im Jahr 2024 besaßen insgesamt 551 Personen eine gültige Juleica, von denen 61,3 % jünger als 26 Jahre waren. Die größte Gruppe bildeten die 16- bis 22-Jährigen mit einem Anteil von 43,7 %. Während 2020 noch 762 Personen eine gültige Karte besaßen, sank die Zahl im Jahr 2021 auf 434. Seitdem ist ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen, aber das Niveau vor der Corona-Pandemie wurde bislang nicht wieder erreicht.

  • 360 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Jahresbericht 2024, S. 7.
  • 361 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt.
Non-formale Bildung

H 3. Familienbildung

Eltern- und Familienbildung ist nach § 16 SGB VIII eine präventive Leistung zur Förderung der Erziehung in der Familie. In Nürnberg gibt es zahlreiche Angebote von verschiedenen Trägern. Insgesamt neun Familienbildungsstellen362 bieten im Stadtgebiet Informationen, Beratungen, Kurse und Familienaktionen an. Sie sind Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII und arbeiten eng mit dem Stab Familienbildung im Jugendamt zusammen.

Die Träger der Familienbildung in Nürnberg unterscheiden sich deutlich, was ihre Organisationsstruktur, die Spezialisierung auf Familienbildung und das Angebotsprofil angeht, aber auch hinsichtlich ihrer Ressourcenausstattung und der Finanzierungsform (einschließlich der Höhe des städtischen Zuschusses). Zeitlich befristete Projekte gewinnen an Bedeutung und ermöglichen innovative Ansätze, sind jedoch mit einem hohen Aufwand und geringer Planungssicherheit verbunden. Der frühere Wiedereinstieg junger Mütter in den Beruf führte dazu, dass die Nachfrage nach festen Gruppen sank. Die Einrichtungen reagierten darauf mit flexibleren Formaten und einer stärkeren Ausrichtung auf spezifische Zielgruppen.363

Seit 2015 wurden familienbildende Angebote für neu zugewanderte Familien, insbesondere aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, afrikanischen Ländern, dem Balkan und seit 2022 aus der Ukraine, erheblich ausgebaut. Ziel war es, zugewanderte Eltern bei der Erziehung zu unterstützen, sie über das Bildungssystem und die familienbezogene Infrastruktur zu informieren und ihnen den Zugang zu Regelangeboten zu erleichtern. Ein Beispiel war das „Café Willkommen“, das von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte als Reaktion auf die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine ins Leben gerufen wurde. 2024 stand es Geflüchteten aller Nationalitäten offen und unterstützte sie beim Deutschspracherwerb und der sozialen Vernetzung.364

Sieben der Familienbildungsstellen sind zugleich Familienstützpunkte, die vom Freistaat Bayern bezuschusst werden. Diese wohnortnahen Anlaufstellen für Familien bearbeiteten im Jahr 2024 insgesamt 14 638 Anfragen. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem 14 716 Anfragen eingegangen waren, blieb das Anfrageaufkommen somit stabil. Wie bereits in den Jahren 2022 und 2023 betrafen auch 2024 die meisten Anfragen (3 670) den Themenkomplex „Angebote/Einrichtungen“ (Abb. H-3), was die wichtige Vermittlungs- und Lotsenfunktion der Familienstützpunkte unterstreicht. Eine deutliche Zunahme gegenüber 2023 von etwa 20 % war im Bereich „Problem- und Konfliktbewältigung“ zu verzeichnen, dem 1 948 Anfragen zuzuordnen waren. Diese Entwicklung korrespondiert mit Berichten aus den Familienstützpunkten über vermehrte Paarkonflikte und Trennungen. Als mögliche Ursache werden die anhaltenden gesellschaftlichen Unsicherheiten genannt, die die Belastung von Familien erhöhen und die Ressourcen zur Bewältigung innerfamiliärer Konflikte verringern.365

Die Kontaktaufnahme (Abb. H-3) erfolgte 2024 ähnlich wie in den beiden Vorjahren: Rund die Hälfte der Kontakte war persönlich, ein Viertel telefonisch und ein weiteres Viertel per E-Mail. Die während der Corona-Pandemie etablierten Möglichkeiten der telefonischen und digitalen Kontaktaufnahme werden weiterhin rege genutzt. Dennoch bleibt der persönliche Kontakt die bevorzugte Form der Kommunikation, was auf den hohen Stellenwert hinweist, den direkte Beratung und Begegnung in der Arbeit der Familienstützpunkte einnimmt.

Wie schon im Bildungsbericht 2022 festgestellt, reagierten die Einrichtungen der Familienbildung während der Corona-Pandemie flexibel und passten ihre Angebote schnell an. Digitale Formate erschlossen neue Zielgruppen und wurden teilweise beibehalten, wie der virtuelle Elternaustausch „Wir für Familie-Online“ (Kinderschutzbund Nürnberg) und „Let’s Talk“ (Treffpunkt e.V.).366

  • 362 AWO Kreisverband Nürnberg e.V. – Elternbildungsprogramme,  BRK Kreisverband Nürnberg Stadt – Familienbildung, Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Nürnberg e.V., Evangelische Familien-Bildungsstätte Nürnberg, forum erwachsenenbildung – evangelisches bildungswerk nürnberg e.V., Stadtteilhaus Fisch, Treffpunkt e.V. – Familienbildung, Zentrum Kobergerstraße e.V. – Beratungsstelle für Schwangere, Zoff + Harmonie – Familienbildung der Katholischen Stadtkirche.
  • 363 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2024): I. Bericht der AG Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII für die Jahre 2022 und 2023. Vorlage im Jugendhilfeausschuss, 25.4.2024.
  • 364 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt (2024): I. Bericht der AG Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII für die Jahre 2022 und 2023. Vorlage im Jugendhilfeausschuss, 25.4.2024.
  • 365 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
  • 366 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

H 4. Erwachsenenbildung

Erwachsenenbildung umfasst eine Vielzahl von Lernmöglichkeiten außerhalb des formalen Bildungssystems. Dazu gehören zum Beispiel der Besuch von Vorträgen, Stadtführungen oder die Teilnahme an Eltern-Kind-Gruppen. Der vorliegende Abschnitt konzentriert sich auf etablierte Nürnberger Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die ein umfangreiches Bildungsangebot bereitstellen. Insbesondere die städtische Volkshochschule Bildungszentrum (BZ) und konfessionell geprägte Häuser wie das eckstein oder das Caritas-Pirckheimer-Haus sind hier zu nennen.

4.1 Bildungszentrum

Das städtische Bildungszentrum (BZ) ist eine anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung in Bayern und gehört organisatorisch zum Bildungscampus Nürnberg. Als zweitgrößte Volkshochschule in Bayern bietet es ein breites Spektrum an Kursen und Veranstaltung an. Zwei zentrale Lernorte stehen zur Verfügung: das Seminargebäude am Gewerbemuseumsplatz sowie der südpunkt in der Südstadt, der in Kooperation mit der Stadtbibliothek und dem Amt für Kultur und Freizeit betrieben wird. Organisatorisch zählt das Nicolaus-Copernicus-Planetarium (H 14.2) zum Bildungszentrum, das den Bereich der MINT-Angebote (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit seinen Vorführungen und Vortragsangeboten abdeckt.

Die Corona-Pandemie hatte erhebliche Auswirkungen auf den Kursbetrieb des Bildungszentrums. Die Teilnahmezahl sank von 73 823 im Jahr 2019 auf 35 657 im Jahr 2020, was einem Rückgang von 51,7 % entspricht. Im Jahr 2021 erreichte die Teilnahmezahl mit 24 117 einen Tiefpunkt. Danach erholte sich die Nachfrage wieder und stabilisierte sich mit 42 389 Teilnahmen im Jahr 2023 und 41 980 Teilnahmen im Jahr darauf. Die Teilnahmezahlen in den Fachteams variierten in der Zeit nach der Pandemie (Abb. H 4.1a).

Bei insgesamt 28 411 Anmeldungen zu Kursen und Veranstaltungen im Jahr 2024 wurde das Geschlecht der Teilnehmenden im Rahmen der schriftlichen Anmeldung erfasst. Demnach entfielen 68,6 % auf Frauen, 30,8 % auf Männer und 0,6 % auf Personen mit der Angabe „divers“.367 Diese Verteilung zeigt, dass Frauen die Angebote des Bildungszentrums weiterhin deutlich stärker nutzen.

Im Jahr 2024 verzeichneten die Kurse und Veranstaltungen des Bildungszentrums 15 366 Teilnahmen, bei denen das Alter der Teilnehmenden erfasst wurde (Abb. H 4.1b). Ein Blick auf die Teilnahmequoten im Vergleich zu 2019 zeigt, dass die Teilnehmerschaft zunehmend älter wird. Der Anteil der über 55-Jährigen stieg um 17,6 Prozentpunkte auf 50,1 %, während der Anteil der jüngeren Teilnehmenden im Alter von 16 bis 35 Jahren im gleichen Zeitraum um 15,4 Prozentpunkte auf 17,4 % sank.

  • 367 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg.

4.2 Konfessionell geprägte Erwachsenenbildung

Die konfessionelle Erwachsenenbildung368 in Nürnberg wird über die staatlich geförderten Landesarbeitsgemeinschaften getragen. Dabei fungieren die katholische Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) und die Evangelische Stadtakademie im Haus eckstein als Anbieter der zentral durchgeführten Veranstaltungen. Zusätzlich findet eine Mehrzahl an Veranstaltungen in den Kirchengemeinden selbst statt, die als Mitgliedseinrichtungen des „forum erwachsenenbildung – evangelisches bildungswerk nürnberg e.V.“ (feb) beziehungsweise der „Katholischen Erwachsenenbildung – Stadtbildungswerk Nürnberg“ (KEB) von den beiden Bildungswerken unterstützt und begleitet werden. Zwischen 2019 und 2020 gingen die Teilnahmezahlen infolge der Corona-Pandemie bei allen vier Bildungseinrichtungen zunächst erheblich zurück.

Das CPH konnte im Jahr 2024 seine Teilnahmezahlen im Vergleich zum Jahr 2020 (4 229 Teilnahmen) deutlich auf 11 192 Teilnahmen steigern. Die Evangelische Stadtakademie zählte im selben Jahr 3 680 Teilnahmen, wobei der Anstieg der Teilnahmezahlen nach dem pandemiebedingten Rückgang (2020: 3 547 Teilnahmen) aufgrund umfangreicher, bis Mai 2024 andauernder Renovierungsarbeiten vergleichsweise moderat ausfiel.

Das forum erwachsenenbildung (feb) erfasste im Jahr 2024 35 314 Teilnahmen und konnte damit seine Teilnahmezahlen gegenüber 2020 (10 444 Teilnahmen) fast verdreifachen. Auch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) verzeichnete mit 14 950 Teilnahmen im Jahr 2024 einen Anstieg gegenüber dem Jahr 2020 (8 160 Teilnahmen).

Das CPH fokussiert sein Bildungsangebot auf die gesamte Erzdiözese Bamberg und ist darüber hinaus in der gemeindlichen Erwachsenen- wie auch Jugendbildung aktiv (H 2.2). Die Evangelische Stadtakademie hingegen konzentriert sich vorrangig auf die Stadtgesellschaft Nürnbergs. Die Aufgaben der gemeindlichen Bildungsarbeit und der Jugendbildung innerhalb der evangelischen Kirche werden vom forum erwachsenenbildung (feb) sowie von der Evangelischen Jugend Nürnberg (EJN) wahrgenommen.

Das CHP zeichnet sich durch eine ausgeprägte Zielgruppenorientierung aus, die sich in speziellen, häufig durch Drittmittel geförderten Projekten widerspiegelt. Dazu gehören Programme, die sich an Menschen mit Behinderung richten, wie beispielsweise „Wie geht Demokratie – Inklusive Demokratiebildung für Jugendliche und junge Erwachsene mit Lernschwierigkeiten“, das politische Bildung in leichter Sprache vermittelt. Weitere Projekte sind „Bibel in Leichter Sprache“ sowie „Kultouren für alle – für mehr Inklusion in Nürnberg“ (H 4.3).

Weitere Angaben zu inklusiven Angeboten in der konfessionellen Erwachsenenbildung finden sich in KapitelI.

In Nürnberg gibt es zudem Bildungsinitiativen anderer Religionsgemeinschaften. So informiert beispielsweise der Verein Begegnungsstube Medina e.V. regelmäßig Jugend- und Erwachsenengruppen über den Islam.369 Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg, die im Sommer 2025 eine Kindertageseinrichtung eröffnet hat, ist in der religiösen, kulturellen und historischen Bildungsarbeit aktiv und wirkt bei interkulturellen Projekten zur Förderung von Toleranz und gegenseitigem Verständnis mit.370 Das vom evangelischen Dekanat Nürnberg getragene „Begegnungszentrum Brücke – Köprü“ engagiert sich in der Bildungsarbeit im interreligiösen Dialog und führt unter anderem Bildungsangebote für Schulklassen und Lehrkräfte durch.371

  • 368 Von den Bildungsangeboten der kirchlichen und konfessionellen Bildungsträger lassen sich datenbasiert diejenigen abbilden, die im Rahmen des Bayerischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung (EbFöG) finanziert werden. Damit ist das umfangreiche kirchliche Bildungsangebot, das von Vorträgen und Ausstellungen über Führungen bis hin zu Konzertveranstaltungen mit inhaltlichen Einführungen reicht, jedoch nur in Ausschnitten erfasst.
  • 369 Quelle: Begegnungsstube Medina e.V., www.medina-online.de, letzter Zugriff: 30.10.2025.
  • 370 Quelle: Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg, www.ikg-nuernberg.de, letzter Zugriff: 30.10.2025.
  • 371 Quelle: Evang.-Luth. Dekanat Nürnberg, BRÜCKE-KÖPRÜ, www.bruecke-nuernberg.de, letzter Zugriff: 30.10.2025.

4.3 Inklusion in der Erwachsenenbildung

Fachgruppe „barrierefrei Lernen“ am Bildungszentrum Nürnberg

Als erste Volkhochschule in Deutschland begann das Bildungszentrum Nürnberg 1974 mit dem inklusiven Programm „barrierefrei Lernen“. Dieses Programm, das kontinuierlich weiterentwickelt wird, richtet sich an Menschen mit und ohne Behinderungen und umfasst pro Halbjahr mehr als 100 Kurse. Zuletzt wurde mithilfe des “Verfügungsfonds Aktionsplan UN-BRK“ die technische Ausstattung erneuert.372

Die Kurse sind speziell auf die individuellen Bedürfnisse und Lebenslagen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgestimmt und berücksichtigen unterschiedliche Beeinträchtigungen. Sie beinhalten nicht nur inhaltliche, sondern auch organisatorische Besonderheiten wie „Team-Teaching“ mit einer zusätzlichen Kursassistenz oder Kooperationen mit Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Besondere Projekte wie das Theater Dreamteam (H 10.2) oder eintägige Studienfahrten ergänzen das Programm.

In den Jahren 2018 und 2019 lagen die Teilnahmezahlen um den Wert 2 350 (Abb. H 4.3). Die Corona-Pandemie führte 2020  zu einem drastischen Rückgang um mehr als drei Viertel (-77,0 %) auf 560 Teilnahmen, da das Programm ab dem Frühjahr nicht mehr angeboten werden konnte. 2021 erholten sich die Teilnahmezahlen und stiegen bis 2023 auf 1 951 Teilnahmen an, ehe sie im Folgejahr um 3,7 % leicht zurückgingen.

Die Fachgruppe „barrierefrei Lernen“ verfolgt das Ziel, mit dem Kursprogramm auch Menschen ohne Behinderungen anzusprechen: Im Jahr 2019 erfolgte mehr als jede fünfte Kursteilnahme (22,2 %) durch eine Person ohne Behinderung. Während der Corona-Pandemie stieg der Anteil von Teilnehmenden ohne Behinderung merklich an und lag im Jahr 2021 bei über einem Drittel (33,9%). Im Jahr 2022 zeigt sich mit einem Anteil von 23,0 % wieder ein ähnlicher Wert wie vor der Pandemie, zuletzt lag er im Jahr 2024 bei 28,4 %.

Seit 2015 liegt der Fokus verstärkt auf der Realisierung von Einzelinklusion in allen Angeboten des Bildungszentrums. Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung zu fördern, Mitarbeitende zu sensibilisieren und Rahmenbedingungen für inklusives Lernen zu schaffen. Vor der Pandemie waren im Jahr 2019 insgesamt 55 Teilnahmen mit Unterstützungsbedarf im breiten Angebot des Bildungszentrums zu verzeichnen. Aufgrund der alternden Gesellschaft ist der Unterstützungsbedarf – insbesondere in den letzten zwei Jahren – deutlich gestiegen. Der Nachholbedarf im Jahr 2023 führte zu einem Anstieg auf 143 Teilnahmen, 2024 waren es 78 Teilnahmen. Nach der Corona-Pandemie gelang es zunehmend besser, Beschäftigte von Werkstätten für Menschen mit Behinderung für gemeinsame Kurse zu gewinnen.

Projekt „Kultouren für alle“ an der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus

Seit Ende 2019 ist das inklusive Projekt „Kultouren für alle – für mehr Inklusion in Nürnberg“ an der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) angesiedelt. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabe- und Beteiligungsmöglichkeiten im Bereich kultureller Bildung zu ermöglichen. Zwischen 2019 und 2022 entwickelten die Teilnehmenden zweier Ausbildungskurse inklusive Führungskonzepte und Bildungsmaterialien zu selbst gewählten Themen und Orten. Zur Ausbildung gehörten inklusive Schulungsmethoden, Stimmbildung und Methodenvielfalt, aber auch Besuche in Museen oder Kirchen und diverse Freizeitaktivitäten.

Teams aus Menschen mit und ohne Behinderungen – sogenannte Kultour-Tandems – gestalten und leiten 9 Themenführungen zu besonderen Orten in Nürnberg. Zwischen 2022 und 2024 fanden 110 Veranstaltungen mit insgesamt 1 460 Teilnahmen statt. Im Rahmen des Projekts wurde auch der erste inklusive Stadtführer Nürnbergs mit dem Titel „Nürnberg für alle“ entwickelt. Dieser enthält in leicht verständlicher Sprache insgesamt zwölf Führungen zu wichtigen Sehenswürdigkeiten.373

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern umgesetzt, darunter der Behindertenrat der Stadt Nürnberg, das Bildungszentrum Nürnberg, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das Germanische Nationalmuseum Nürnberg, die Goldbachwerkstatt, das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg, das Memorium Nürnberger Prozesse, die Energie- und Umweltstation der Stadt Nürnberg, St. Klara und die Weißenburger Werkstätten der Lebenshilfe Altmühlfranken.

  • 372 Stadt Nürnberg (2024): Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Nürnberg, Vorlage zum Sozialausschuss vom 5.12.2024.
  • 373 Quelle: Katholische Akademie – Caritas-Pirckheimer-Haus.

H 5. Bildung im höheren Erwachsenenalter

Für Menschen ab etwa 66 Jahren, die in die nachberufliche Phase eintreten, rückt das Angebot non-formaler Bildung immer mehr in den Fokus. Diese sehr heterogene Bevölkerungsgruppe umfasst sowohl aktive Ruheständlerinnen und Ruheständler als auch Hochaltrige über 85 Jahre. Am 31. Dezember 2024 lebten insgesamt 546 397 Menschen mit Hauptwohnung in Nürnberg, von denen jeder Fünfte 65 Jahre und älter war. Dieser Anteil hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist seit 2016 hingegen leicht von 5,8 % auf 6,8 % gestiegen.374

Die Angebote non-formaler Bildung in Nürnberg sind darauf ausgerichtet, den Bildungsinteressen von Menschen im höheren Erwachsenenalter gerecht zu werden. Oft kombinieren sie Bildung mit Freizeitaktivitäten und ermutigen dazu, eigene Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben. Diese Teilhabe ermöglicht es älteren Menschen, neue Rollen in nachberuflichen oder nachfamiliären Lebensphasen zu finden, sei es durch ehrenamtliches Engagement oder persönliche Weiterentwicklung.

Wichtige Akteure in der Bildung für Menschen im höheren Erwachsenenalter in Nürnberg sind das Seniorenamt der Stadt Nürnberg, die Seniorennetzwerke, das Bildungszentrum (BZ) mit eigenen Angeboten sowie der dort angeschlossene Verein Alten-Akademie Nürnberg e.V., der Computer Club Nürnberg 50 plus e.V. (CCN 50 plus), Wohlfahrtsverbände wie die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e.V. (AWO), die Stadtmission und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) wie auch Kirchengemeinden. Darüber hinaus nehmen Seniorinnen und Senioren an regulären Angeboten kultureller Bildung teil, etwa in Theatern, Museen, Bibliotheken oder Kulturläden.

  • 374 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth.

5.1 Seniorenamt

Die meisten älteren Menschen wünschen sich, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung oder im vertrauten Wohnumfeld zu bleiben. Um diesem Wunsch Rechnung zu tragen, sind wohnortnahe Angebote erforderlich, die auf unterschiedliche Lebenssituationen eingehen – sei es durch Information, Beratung, alltagsnahe Hilfen oder soziale und Bildungsangebote. In Nürnberg arbeiten dazu in 20 Seniorennetzwerken, koordiniert durch das städtische Seniorenamt, verschiedene Träger, Einrichtungen, Initiativen und Ehrenamtliche zusammen. Ergänzend bieten Seniorenclubs und Begegnungsstätten weitere Möglichkeiten zur Teilhabe und Bildung.

Neben der Verantwortung für die Seniorennetzwerke betreibt das Seniorenamt in der Südstadt den Treff Bleiweiß mit einem umfangreichen Kursangebot, das auf altersspezifische Lernbedürfnisse abgestimmt ist und Bildungs- und Freizeitangebote verknüpft. Im Jahr 2024 fanden im Treff Bleiweiß insgesamt 55 Kurse mit 616 Teilnahmen statt, wobei die meisten Teilnahmen wie bereits in den Vorjahren in den Bereichen „Geist und Körper“ (34,5 %) sowie „Aktiv in Bewegung“ (29,1 %) zu verzeichnen waren (Abb. H 5.1).

Wie der Treff Bleiweiß befindet sich auch der in der Innenstadt gelegene Treff Heilig-Geist in städtischer Trägerschaft. Der Treff Heilig-Geist ist mit seiner Cafeteria ein Begegnungsort mit Bildungs- und Teilhabeangeboten für ältere Menschen und wendet sich auch an Menschen mit einer Demenzerkrankung und deren pflegende Angehörige.

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie schnell insbesondere ältere Menschen von der digitalen Teilhabe ausgeschlossen werden können. Um dem entgegenzuwirken, wurde von 2021 bis 2024 das Projekt „Wege in die digitale Welt für Ältere“ umgesetzt. In Zusammenarbeit mit den Seniorennetzwerken wurden niedrigschwellige Strukturen geschaffen, die älteren Menschen den Zugang zu digitalen Medien erleichtern. Das Programm wurde zum 1. Januar 2025 in eine dauerhafte Struktur überführt. Bis Ende 2024 wurden 218 Seniorinnen und Senioren vom Seniorenamt in 1:1-Tandems mit ehrenamtlichen Digitallotsinnen und -lotsen zusammengebracht, die Grundlagen im Umgang mit Smartphone und Tablet vermitteln. Zusätzlich unterstützen sie in Digital-Sprechstunden und -Cafés/-Treffs. Mittlerweile wird der überwiegende Teil der digital weniger affinen Seniorinnen und Senioren direkt in den 20 Seniorennetzwerken an digital affine Ehrenamtliche vermittelt, wodurch dort Tandems gebildet werden. Mit Stand Ende Juni 2025 existierte ein Angebot von 23 Digital-Sprechstunden in 17 Seniorennetzwerken und einem Sozialen Treffpunkt sowie von 17 Digital-Cafés/-Treffs in 13 Seniorennetzwerken und zwei Sozialen Treffpunkten. 64 Ehrenamtliche im Alter von 20 bis 84 Jahren engagieren sich aktiv; die Teilnehmenden sind zwischen 66 und 92 Jahre alt.375

  • 375 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Senioren und Generationenfragen – Seniorenamt.

5.2 Weitere Bildungsangebote für Menschen im höheren Alter

Die Alten-Akademie Nürnberg e.V. bietet in enger Zusammenarbeit mit städtischen Partnern, vor allem mit dem Bildungszentrum (BZ), ein breites Kursprogramm an. Die Kurse werden von erfahrenen, in der nachberuflichen Lebensphase befindlichen ehrenamtlichen Dozentinnen und Dozenten durchgeführt. Nach einem deutlichen Rückgang während der Corona-Pandemie stiegen die Teilnahmezahlen bis zum Studienjahr 2022/23 wieder bis auf 6 125 Teilnahmen an (Abb. H 5.2). Im Studienjahr 2024/25 verzeichnete die Alten-Akademie einen weiteren Anstieg auf 11 179 Teilnahmen, wobei die meisten Kurse in den Bereichen „Bewegung“ (206 Kurstage) und „Sprachen“ (220 Kurstage) stattfanden. Für die Nutzung der Angebote ist der Besitz eines Akademiepasses und die Bezahlung einer Studiengebühr notwendig. Im Studienjahr 2024/25 wurden 915 Akademiepässe ausgestellt.

Der Computer Club Nürnberg 50 plus e.V. (CCN 50 plus) hat sich zum Ziel gesetzt, ältere Menschen mit digitalen Medien vertraut zu machen. Der Verein zählt mehr als 1 400 Mitglieder, von denen rund 70 % Frauen sind. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei 72 Jahren. Nach pandemiebedingten Einschränkungen konnte der reguläre Veranstaltungsbetrieb im Jahr 2022 wieder aufgenommen werden. In diesem Jahr wurden 187 Kurse sowie 7 Präsenzvorträge und 17 Online-Vorträge angeboten, an denen insgesamt 1 824 Personen teilnahmen. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Teilnehmenden auf 2 244, während sie im Jahr 2024 auf 1 813 zurückging. Neben den regulären Grundkursen waren vor allem Kurse für Smartphone-Anwendungen sehr gefragt und es gibt ein wachsendes Interesse an Kursen und Vorträgen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI).376

  • 376 Quelle: Computer Club Nürnberg 50 plus e.V.

H 6. Soziokulturelle und spartenübergreifende Zentren

6.1 Kulturläden

Nach den erheblichen Rückgängen bei den Angeboten und Besuchszahlen während der Corona-Pandemie konnten die Kulturläden seit dem Jahr 2022 wieder einen Aufwärtstrend verzeichnen. Im Jahr 2024 kamen insgesamt 380 020 Besucherinnen und Besucher (Abb. H 6.1a), wobei das Niveau vor der Corona-Pandemie noch nicht wieder erreicht ist. Die zivilgesellschaftlichen Strukturen (Vereine, Initiativen) in den Kulturläden sind heute dagegen wieder voll etabliert. Der Stadtrat beschloss im November 2023, die ursprünglich als Projekt gestartete mobile Kulturplattform „KommVorZone“ dauerhaft als zwölften Kulturladen zu etablieren. Dieses Angebot erreichte im Jahr 2024 etwa 1 500 Menschen.

Seit 2022 arbeiten die Kulturläden gemeinsam an jährlichen Schwerpunktthemen zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SGDs) der Vereinten Nationen. Im Jahr 2022 vermittelte die Veranstaltungsreihe „11xGRÜN“ ökologische Nachhaltigkeit in Kulturformaten, Exkursionen und Workshops. Im darauffolgenden Jahr lag der Schwerpunkt mit der Reihe 11xFAIR auf den sozialen Zielen der SDGs. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Grundgesetzes und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen stand im Jahr 2024 „11xFAIR – Von der Würde des Menschen“ im Mittelpunkt.377 Im Jahr 2025 sensibilisiert die Reihe „12xDA“ in verschiedenen Kulturformaten für ein demokratisches Miteinander.

Der mobile Kulturladen „KommVorZone“ reagiert auf die veränderten Anforderungen in einer wachsenden Stadt: Mit Bühnen und Veranstaltungselementen auf Lastenrädern wird in Stadtteilen mit wenig kultureller Infrastruktur aufsuchende Kulturarbeit betrieben.378 Hierfür werden gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort Bedarfe ermittelt und in Kulturangebote übersetzt.

Im Jahr 1975 eröffnete der Kulturladen Rothenburger Straße als erster seiner Art, 50 Jahre später sind 12 Kulturläden über Nürnberg verteilt. Das Jubiläumsfestival der Kulturläden im Mai 2025 feierte diesen Geburtstag mit diversen Formaten.379

Im Rahmen der Entwicklung des neuen Stadtteils „Tiefes Feld“ im Westen Nürnbergs ist das Amt für Kultur und Freizeit an den Planungen für ein Bürgerzentrum beteiligt, dort könnte perspektivisch ein weiterer Kulturladen entstehen.

  • 377 2022: 130 Termine mit insgesamt 5.500 Besuchenden, 2023: 330 Termine mit 15.000 Besuchenden, 2024: 460 Termine mit 18.500 Besuchenden (Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit, Mai 2025; Zahlen gerundet.)
  • 378 Überwiegend in Teilen der Südstadt wie beispielsweise Annapark, Melanchthonplatz, Helmut-Herold-Platz, Dianastraße.
  • 379 Weitere Informationen zum Jubiläum der Kulturläden finden sich auf der Website www.nuernberg.de/internet/kuf_kultur/50_jahre_kulturlaeden.html; letzter Zugriff: 28.10.2025.

6.2 Kulturladenumfrage

An der achten Umfrage unter den Besucherinnen und Besuchern der Nürnberger Kulturläden°, die vom 23. März 2023 bis 26. Mai 2023 stattfand, beteiligten sich insgesamt 2 900 Menschen.380 Dabei gaben 34 % der Befragten an, einen Mi​grations​hin​ter​grund oder eine ausländische Staatsbürgerschaft zu haben, 66 % waren eigenen Angaben zufolge deutsche Staatsangehörige. Im Vergleich zur Umfrage aus dem Jahr 2016 ist der Anteil der Menschen mit Mi​grations​hin​ter​grund oder ausländischer Staatsbürgerschaft, die einen der Kulturläden besuchten, um rund 8 Prozentpunkte gestiegen (Abb. H 6.2). Fast die Hälfte, nämlich 49 % der Befragten hat einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss. Ein Viertel der Befragten verfügt über einen Berufsschul- oder Berufsfachschulabschluss und weitere 16 % haben einen Fachschulabschluss. Noch in Ausbildung befinden sich 5 % der Befragten und 6 % von ihnen haben keinen Abschluss. 65 % aller Befragten waren weiblich und 35 % männlich. Der Umfrage zufolge sind in den Kulturläden alle Altersgruppen vertreten, wobei die Gruppe der 54- bis 74-Jährigen den größten Anteil stellt.

Die Sozialstruktur des Publikums entspricht weitgehend der Sozialstruktur des Stadtteils, in dem der betreffende Kulturladen beheimatet ist: In der Villa Leon beträgt der Anteil der Befragten mit Mi​grations​hin​ter​grund etwa 61 %, in Röthenbach rund 54 %, im Loni-Übler-Haus und im südpunkt knapp 40 %. Im Unterschied hierzu liegt der entsprechende Anteil beispielsweise in Vischers Kulturladen bei rund 21 % oder im Kulturladen Zeltnerschloss bei 22 %.

46 % der Befragten gaben an, in einer Entfernung von unter drei Kilometern vom jeweiligen Kulturladen entfernt zu wohnen, was auf eine starke lokale Verankerung schließen lässt. Gleichzeitig wohnen 54 % der Befragten eigenen Angaben zufolge über drei Kilometer entfernt oder kamen von außerhalb Nürnbergs, was auf ein großes Einzugsgebiet der Kulturläden hindeutet.

Die Qualität der Angebote wird von rund 40 % der Befragten als ausgezeichnet und von 53 % als gut bewertet. Die Villa Leon erzielt mit knapp 50 % der Bewertungen als ausgezeichnet das beste Ergebnis, gefolgt vom Loni-Übler Haus mit 48 % und dem Kulturladen Röthenbach mit 45 %. Insgesamt bewerten 93 % der Befragten das Angebot der Nürnberger Kulturläden als ausgezeichnet oder gut; schon die letzte Umfrage im Jahr 2016 hatte mit 94 % eine nahezu identische Einschätzung ergeben.

Besonders das KUF im südpunkt und das Kulturbüro Muggenhof erreichen mithilfe einer Teilfinanzierung durch den Verfügungsfonds Inklusion viele Menschen mit Behinderung. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie Integral e.V. und der Lebenshilfe Nürnberg bieten sie inklusiver Kultur in Form von Ausstellungen, Theaterproduktionen oder auch Tanzveranstaltungen eine Plattform, bei Bedarf unterstützt durch Assistenzen, Gebärdensprachdolmetschen oder Induktionsanlagen.

  • 380 Die erste Umfrage fand im Jahr 1996 statt. Pandemiebedingt kam es zu einem größeren zeitlichen Abstand zur letzten Umfrage (2016). Die Teilnahme war freiwillig und wurde mit Papierfragebögen in den einzelnen Kulturläden durchgeführt. Es gab einen Fragebogen in deutscher Sprache und zusätzlich ein Handout der Fragen in einfacher Sprache. Die Mitarbeitenden der Kulturläden boten zusätzlich Hilfestellung, wenn von den Befragten gewünscht.

6.3 KunstKulturQuartier (KuKuQ)

Das KunstKulturQuartier beherbergt unter seinem Dach mehrere Kultureinrichtungen: Dazu zählen die Tafelhalle (H 11.2), das Filmhaus Nürnberg (H 7), das Künstlerhaus, die Katharinenruine, die Kunsthalle Nürnberg, die Kunstvilla und das Kunsthaus (H 10.2). Diese vielseitige Institution versteht sich als ein lebendiger Ort der kulturellen Teilhabe, der Kunst, Bildung, Inklusion und Nachhaltigkeit miteinander verbindet und Menschen aus allen Altersgruppen und gesellschaftlichen Hintergründen anspricht. Die einzelnen Häuser gestalten ihre Angebote eigenständig und individuell.

Die mehrjährige Umbauphase des Künstlerhauses führte zu stark eingeschränkten Nutzungs- und Besuchszahlen (Abb. H 6.3a). Zwischen 2022 und 2024 fanden jedoch – trotz pandemiebedingter Einschränkungen und der Baustelle im dritten Bauabschnitt – regelmäßig Veranstaltungen statt und das Programm konnte dank verschiedener Ausweichorte innerhalb Nürnbergs aufrechterhalten werden. Andere Häuser des Quartiers, wie die Tafelhalle und das St. Katharina Open Air, konnten sich von den pandemiebedingten Einschränkungen der Jahre 2020 bis 2022 wieder deutlich erholen und verzeichneten seit 2022 steigende Besuchszahlen.

Während der Sanierungsarbeiten entstand im Glasbau des Künstlerhauses der temporäre Dritte Ort „Kiosk:93“, der als sozialer und kultureller Treffpunkt für unterschiedliche Zielgruppen gestaltet wurde.381

Mit der Wiedereröffnung des Künstlerhauses im Sommer 2024 und der Eröffnung des neuen „Werkhauses“ wurde das räumliche und inhaltliche Angebot des Quartiers erweitert. Ergänzt durch mehrere Ateliers, die kostenfrei an lokale Künstlerinnen und Künstler vergeben werden, soll das „Werkhaus“ perspektivisch zu einem zentralen Ort für künstlerische Produktion und kreative Bildungsangebote werden.

Im Zuge der umfassenden Sanierung des denkmalgeschützten Künstlerhauses wurden zahlreiche energetische Verbesserungen umgesetzt und das Gebäude zudem barrierefreier gestaltet. Parallel dazu setzt das Quartier auf eine gezielte Reduktion von Printprodukten zugunsten digitaler Formate. Dabei wird besonderer Wert darauf gelegt, alle Altersgruppen und Nutzungsgewohnheiten mitzudenken. Neu eingeführt wurden unter anderem digitale Newsletter, kostenfreie digitale Ausstellungsbegleitungen sowie Audioguides, die über das eigene Smartphone genutzt werden können. 

Die Kultur Information spielt eine zentrale Rolle in der digitalen Kulturvermittlung. Sie ermöglicht den Online-Kartenverkauf für zahlreiche Veranstaltungen und fungiert als Plattform für den Nürnberger Veranstaltungskalender382 . Zudem bietet sie redaktionell aufbereitete Informationen zu Kulturthemen der Stadt und ist damit eine wichtige Möglichkeit des Zugangs zu Kulturangeboten für Interessierte aus der Region. 

In den letzten Jahren hat das KunstKulturQuartier sein Vermittlungsangebot für Kinder und Jugendliche im Rahmen von Ausstellungen, Filmreihen und Festivals erheblich erweitert. Die Zahl der Angebote stieg von 188 im Jahr 2021 auf 568 im Jahr 2024 (Abb. H 6.3b). Durch ein abwechslungsreiches Programm aus Vorträgen, Gesprächen, Führungen und partizipativen Formaten werden kulturelle Inhalte auf vielfältige Weise an das junge Publikum herangetragen. Diese Angebote sind gezielt darauf ausgerichtet, Menschen mit unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und sozialen Hintergründen anzusprechen. 

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit des KunstKulturQuartiers liegt auf der inklusiven kulturellen Bildung. Ziel ist es, allen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen, unabhängig von ihrer Herkunft oder möglichen Beeinträchtigungen. Ein Leuchtturmprojekt ist das Festival „Everybody“, das seit Herbst 2021 in der Tafelhalle und im Künstlerhaus stattfindet (H 11.2). Darüber hinaus setzen die Einrichtungen des KunstKulturQuartiers verstärkt auf barrierearme Informationsangebote: Auf den Webseiten aller Häuser werden Inhalte in Leichter Sprache bereitgestellt und in den Kunstausstellungen gibt es regelmäßig inklusive Führungen für sehbehinderte und blinde Menschen. 

  • 381 Quelle: KunstKulturQuartier.
  • 382 Der Veranstaltungskalender wird von der ArGe Kultur im Großraum betrieben.

6.4 Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur

Das „Haus für Gegenwartskultur“ wird seit zehn Jahren im ehemaligen Kasernengebäude des Z-Baus in der Frankenstraße mit vielfältigen Formaten und Themenbereichen betrieben: musikalische Veranstaltungen, Performance, Theater, Literatur, Film, Ausstellungen, Märkte sowie Spiel- und Sportveranstaltungen. Im Haus finden außerdem zahlreiche Ateliers, Künstlergruppen, handwerkliche Einrichtungen sowie das Urban Lab, einen Platz. Der reguläre Veranstaltungs- und Kulturbetrieb im Z-Bau hat sich seit der Pandemie wieder normalisiert, im Jahr 2024 kamen rund 119 000 Gäste zu insgesamt 656 Veranstaltungen, dies entspricht einer Steigerung von 45% gegenüber dem Jahr 2022 (Abb. H 6.4).

Daneben konnten in den vergangenen Jahren einzelne Schwerpunkte in den Bereichen Soziokultur und Kulturelle Bildung gesetzt werden: Mit dem „Hasenbuck Fest“ am Südtiroler Platz fand in den Jahren 2023 und 2024 ein kostenfreies Open Air statt, das im eher ruhigen Quartier für kulturelle Impulse und Begegnung sorgen konnte. Das Programm gestaltete sich dabei aus dem Stadtteil heraus und wurde mit einzelnen gebuchten Beiträgen ergänzt. Nach dem Wegfall der Fördermittel aus dem Programm „Demokratie leben!“ im Jahr 2025, kann das Angebot nicht fortgesetzt werden. 

Das Thema Awareness spielte im Z-Bau in den letzten Jahren eine zentrale Rolle. Mit einem Awareness-Konzept, eigenem Personal dafür und unterschiedlichen Maßnahmen, soll Übergriffen entgegengewirkt und ein Klima geschaffen werden, in dem sich alle Anwesenden möglichst wohl und sicher fühlen.

Aktuell setzen sich die Mitarbeitenden und Aktiven im Z-Bau intensiv mit der Entstehung des neuen Stadtteils Lichtenreuth in der unmittelbaren Nachbarschaft, damit einhergehenden Veränderungen und Möglichkeiten der aktiven Mitgestaltung, auseinander.383

Die Veranstaltungsräume des Z-Baus sind barrierefrei für Menschen mit Rollstuhl, die Webseite hat einen eigenen Reiter zur Barrierefreiheit. Gäste mit Behinderung sind regelmäßig im Haus, Daten werden dazu nicht erhoben.

  • 383 Quelle: GkF – Gesellschaft für kulturelle Freiräume mbH.
Non-formale Bildung

H 7. Film und Kino

In Nürnberg gibt es rund 50 Kinosäle, die auf 11 Spielstätten verteilt sind. Während der Pandemiejahre 2020 und 2021 erlebten die Kinos einen drastischen Rückgang der Besuchszahlen, die von 1 528 450 im Jahr 2019 auf knapp unter 500 000 im Jahr 2020 und damit auf etwa ein Drittel sanken. Seither ist die Anzahl von Kinobesuchen zwar wieder gestiegen und im Jahr 2024 waren 1 113 969 Kinobesuche zu verzeichnen. Dennoch wurde das Niveau vor der Corona-Pandemie aber nicht wieder erreicht.384

Filmhaus Nürnberg

Das Filmhaus Nürnberg betrachtet Film als Kulturgut und künstlerisches Ausdrucksmittel, nicht als bloße Ware. Es bietet ein umfassendes Bildungsprogramm, das die lebendige Vermittlung internationaler Filmkultur fördert und zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Genre Film anregt. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich in den kuratierten Filmreihen wider, die nationale wie internationale Premieren in Originalsprache mit deutschen Untertiteln zeigen. Dadurch wird das Kennenlernen unterschiedlicher Sprach- und Film-Kulturen ermöglicht. Zu den Filmfestivals, die im Filmhaus stattfinden und Teil des Bildungsauftrags sind, gehören das Nuremberg International Human Rights Filmfestival (NIHRFF), die Kinderfilmtage Little Big Films, das Filmfestival Türkei Deutschland, das Heimatfilmfestival, das Sommernachtfilmfestival, die Frauenfilmtage, die Lateinamerikafilmtage, die Griechischen Filmtage sowie das Energiewende-Filmfestival. 

Nach dem Rückgang der Kinobesuche während der Corona-Pandemie sind die Besuchszahlen im Filmhaus in den Jahren 2022 bis 2024 kontinuierlich von 24 332 auf 39 062 gestiegen. Im Mai 2021 wurde der digitale Kinosaal „kino3“ eingeführt, der seit Januar 2025 unter dem neuen Namen „kino2“ in Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam bespielt wird.385

Schulkinoveranstaltungen (Abb. H 7), die mit unterschiedlichen kommunalen, regionalen und nationalen Kooperationspartnern durchgeführt werden, sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit des Filmhauses. Sie stoßen bei Lehrkräften und ihren Klassen aus allen Schularten, die gezielt zur Teilnahme eingeladen werden, auf viel Resonanz. Mit 1.324 Schülerinnen und Schülern war beispielsweise das Schulfilmprojekt des Internationalen Nürnberger Filmfestivals der Menschenrechte (NIHRFF) „Open Eyes“ im Jahr 2024 sehr gut besucht. In den Jahren 2022 bis 2024 wurden die Programme nicht nur vor Ort im Filmhaus, sondern auch per Stream angeboten, was eine überregionale Nutzung ermöglichte. 

Für Kinder und Jugendliche gibt es darüber hinaus auch ein breites außerschulisches Angebot. Das Kinderkino ist für Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren gedacht und kann im Rahmen von Sondervorstellungen auch in Einrichtungen genutzt werden. Das partizipative Filmfestival „Little Big Films – Kinderfilmtage Nürnberg“, das von Kindern für Kinder geplant und durchgeführt wird, richtet sich an Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen oder eingeschränktem Zugang zu kulturellen Angeboten. Seit 2023 ist der Eintritt zu allen Filmveranstaltungen frei. Im Jahr 2022 wurden spezielle Kinderkinoprogramme für ukrainische Geflüchtete angeboten, die dank der Unterstützung der Filmverleiher kostenfrei waren.386

Das Filmhaus ist barrierefrei zugänglich und bietet eine barrierefreie Toilette sowie jeweils 2 Rollstuhlplätze in beiden Kinos. Durch das MobileConnect System kann Hörverstärkung bereitgestellt werden und es stehen Audiodeskriptionen für blinde oder sehbeeinträchtigte Menschen sowie Untertitel für gehörlose Personen zur Verfügung. Viele Filme werden in der Originalsprache mit Untertiteln gezeigt, was den Zugang zu Kinovorstellungen für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung sowie für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen ebenfalls erleichtert. Die Webseite des Filmhauses ist auch in Leichter Sprache verfügbar.

  • 384 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Statistisches Jahrbuch.
  • 385 Die Nutzung des digitalen Kinosaals ist seit Ende der Pandemie rückläufig, von 2.176 Personen im Jahr 2022 auf 743 Personen im Jahr 2024. Quelle: Filmhaus Nürnberg.
  • 386 Quelle: Filmhaus Nürnberg.

H 8. Bibliotheken und Archive

8.1 Stadtbibliothek Nürnberg

Zur Stadtbibliothek Nürnberg gehören neben der „Stadtbibliothek Zentrum“ sechs dezentrale Bibliotheken, vier Schulbibliotheken sowie zwei Fahrbibliotheken. Ihr vielfältiges Angebot reicht von klassischen Printmedien bis hin zu audiovisuellen und digitalen Medien.

Bedingt durch die Corona-Pandemie gingen die Besuchszahlen der Stadtbibliothek Nürnberg im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 49,4 % zurück. In den Folgejahren nahm die Anzahl der Besuche wieder deutlich zu und erreichte zuletzt fast wieder das Niveau vor der Pandemie. Im Jahr 2024 zählte die Stadtbibliothek mit insgesamt 796 120 Besuchen eine mehr als doppelt so hohe Besuchszahl als noch im Jahr 2021 (+ 142,1 %). Im gleichen Zeitraum stieg die Gesamtzahl der Entleihungen um 33,4 % von 1 374 647 auf 1 833 734 Medien.

Die Nachfrage nach virtuellen Medien, die zeit- und ortsunabhängig genutzt werden können, nimmt weiterhin zu. Während physische Medien während der Pandemie seltener entliehen wurden, nahm die sogenannte Onleihe elektronisch lesbarer Medien seit 2020 um 25,6 % zu. Im Jahr 2024 entfielen 15,9 % aller Entleihungen auf die Onleihe. Besonders bemerkenswert ist die vermehrte Nutzung von Kinder- und Jugendbüchern, deren Anteil an allen Entleihungen von 41,9 % im Jahr 2020 auf 59,1 % im Jahr 2024 stieg.387

Die Altersstruktur der aktiven Nutzerinnen und Nutzer der Stadtbibliothek zeigt ebenfalls die wachsende Bedeutung von Kindern und Jugendlichen als Zielgruppe: Mit 35,0 % bilden die 6- bis unter 12-Jährigen die größte Nutzergruppe (Abb. H 8.1b). Die Bibliothek legt großen Wert auf Kooperationen mit Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie auf wohnortnahe Angebote, die Kindern einen einfachen Zugang ermöglichen. Dieser Ansatz spiegelt sich in der Verteilung der Altersgruppen wider. Die Stadtbibliothek unterstützt die Leseförderung durch verschiedene Angebote, von der schulischen Nutzung der Bestände über das Vormittagsangebot des Bücherbusses bis hin zu buchbaren Programmen wie Klassenführungen oder der „Bibliothek im Koffer“.

Insbesondere die Stadtbibliothek Zentrum hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Lern- und Erfahrungsort entwickelt. Dazu tragen unter anderem die im Jahr 2021 eröffnete Musikbibliothek „Klingende Etage“ und die regelmäßig stattfindenden „Themenwelten“ bei, die Ausstellungen mit interaktiven Elementen und Aktionen bieten. Seit 2022 gibt es die „Open Library“, die eine erweiterte Nutzung der Stadtbibliothek Langwasser mit längeren Öffnungszeiten am Abend und samstags ohne Bibliothekspersonal ermöglicht. Seit dem Start im September 2022 wurden dort bis Juli 2025 9 574 zusätzliche Besuche verzeichnet. Aufgrund der positiven Resonanz wurde dieses Angebot im September 2025 auch in der Stadtbibliothek Südstadt eingeführt.388

Die Stadtbibliothek Nürnberg fördert Inklusion durch diverse Maßnahmen. In einem eigenen Bereich der Zentralbibliothek stehen rund 180 Medien für Erwachsene in Einfacher und Leichter Sprache389 zur Verfügung, ergänzt durch Titel in der Jungen Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Das breite Angebot an Print- und anderen Medien umfasst Bücher in mehreren Sprachen, beispielsweise Polnisch, Spanisch, Türkisch und Ukrainisch. Inklusive Angebote, wie Lesungen mit Gebärdensprachdolmetschern und barrierefreie Zugänge, erleichtern die Teilhabe. Die Musikbibliothek „Klingende Etage“ bietet inklusive Workshops mit barrierefreien Instrumenten wie dem MotionComposer, dessen Anschaffung im Jahr 2023 Teil des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention war. Die Zentralbibliothek sowie die Standorte Langwasser, St. Leonhard und Südstadt (im südpunkt) sind barrierefrei. Seit 2024 erleichtert eine Rampe den Zugang zur Stadtbibliothek Gostenhof. Die Website der Stadtbibliothek bietet Informationen in Leichter Sprache und mehreren Fremdsprachen, und Erinnerungen an die Rückgabe entliehener Medien wie auch Mahnbriefe sind in Einfacher Sprache verfasst.390

  • 387 Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik.
  • 388 Quelle: Stadtbibliothek Nürnberg.
  • 389 Eine Recherche im Bibliothekskatalog ergab laut erweiterter Suche 805 Medien in Leichter oder Einfacher Sprache (Stand: 7.8.2025).
  • 390 Quelle: Stadtbibliothek Nürnberg.

8.2 Archive in Nürnberg

Die fachgerechte Verwahrung und Erschließung historischer Dokumente zählt zu den zentralen Aufgaben von Archiven.391 Doch mittlerweile öffnen sich Archive auch als Lernorte für neue Zielgruppen und treten mit Veranstaltungen, Publikationen und Vortragsreihen verstärkt an die Öffentlichkeit. Dazu gehört auch die pädagogische Arbeit mit Schulklassen und die Gestaltung von Ausstellungen.

In Nürnberg gibt es sieben Archive: Neben dem Stadtarchiv Nürnberg, dem Staatsarchiv Nürnberg und dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehören auch das Deutsche Kunstarchiv, das Historische Archiv des Germanischen Nationalmuseums, die Dokumentationsstelle im DB Museum und das Archiv im Museum für Kommunikation als Museumsarchive dazu.

Das Stadtarchiv veranstaltet Führungen, Ausstellungen und Vortragsreihen und beteiligt sich an Veranstaltungen wie der „Langen Nacht der Wissenschaften“. Während der Corona-Pandemie wurden Online-Vorträge erfolgreich etabliert, die auch weiterhin angeboten werden. Zudem gibt es hybride Formate wie beispielsweise ein digitales Zeitzeugengespräch zur Ausstellung „Neuanfänge – Heimatvertriebene in Bayern“, das digital für Schulklassen verfügbar war. Virtuelle Ausstellungen, die innovative Formen historischer Vermittlung ermöglichen, ergänzen das Angebot. Seit Juli 2020 ist das Stadtarchiv auch auf Social-Media-Plattformen aktiv und verzeichnet auf Instagram derzeit rund 12 100 Follower392 .393

Das Stadtarchiv bietet ein breites Spektrum an archivpädagogischen Angeboten für Schulen, Hochschulen und die Erwachsenenbildung. Bereits Grundschulklassen lernen den Umgang mit historischen Quellen, etwa durch die „Wissenswerkstatt Urkunden“. Für Schülerinnen und Schüler an Realschulen, Gymnasien, Fachoberschulen und Beruflichen Oberschulen stehen Archivführungen und Einführungen in die Quellenrecherche zur Verfügung. In Kooperation mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) (H 9.2) werden ergänzende Programme wie „Als Geschichtsforschende im Stadtarchiv“ angeboten. Universitäten und Fachhochschulen nutzen das Archiv für themenspezifische Führungen, etwa zur Geschichtsdidaktik oder zur lokalen Zeitgeschichte. Nach dem hohen Zuspruch an Archivführungen im Jahr 2018 ging die Anzahl der Führungen insbesondere während der Pandemie deutlich zurück, nähert sich aber wieder dem Vor-Corona-Niveau an (Abb. H 8.2). Im Jahr 2024 nahmen 400 Personen an 23 Führungen teil.394

Die virtuellen Ausstellungen des Stadtarchivs bieten einen barrierefreien Zugang für alle Interessierten. So wurde die in den physischen Räumlichkeiten nicht barrierefreie Dauerausstellung „Ein Haus erzählt von Leben und Tod – Museum für Ortsgeschichte und Bestattungskultur im Totengräberhaus Wöhrd“ auch als Online-Ausstellung konzipiert, um sie für alle zugänglich zu machen. Seit Juni 2025 wird auf den Bildschirmen in den VAG-Bussen der Stadt Nürnberg das historische Format „Stadtgeschichte to go“ in Leichter Sprache gezeigt.395 Als zukünftige inklusive Maßnahmen plant das Stadtarchiv behindertengerechte Sitzmöbel und Lesehilfen für den Benutzersaal.396

Das Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB) führte im Jahr 2024 elf Archivführungen mit 152 Teilnehmenden durch.397 Während der Corona-Pandemie etablierte das LAELKB Online-Lesekurse für Kirchenbücher, die weiterhin angeboten werden.398

Das Staatsarchiv Nürnberg musste im Jahr 2020 wegen der Sanierung und Erweiterung der Archivgebäude aus seinem bisherigen Domizil ausziehen, seine Bestände lagern seitdem in verschiedenen Außenstellen. Daher konnten seit 2020 keine Führungen oder Ausstellungen in Nürnberg angeboten werden. Seit November 2023 gibt es das Veranstaltungsprogramm „DREI um DREI. Das Staatsarchiv Nürnberg zeigt Überraschendes und Kostbares“ im Lorenzer Pfarrhof, das bis März 2025 bereits 166 Besuche verzeichnete.399

  • 391 Vgl. Gemeinsame Bekanntmachung der Bayerischen Staatsministerien des Innern und für Unterricht Kultus, Wissenschaft und Kunst vom 22. Januar 1992, https://www.gda.bayern.de/fachinformationen/more/kommunale-archivpflege, letzter Zugriff: 2.5.2025.
  • 392 Stand: September 2025.
  • 393 Quelle: Stadtarchiv Nürnberg.
  • 394 Quelle: Ebd.
  • 395 Quelle: Stadtarchiv Nürnberg.
  • 396 Vgl. Stadt Nürnberg (2024): Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Nürnberg, Vorlage zum Sozialausschuss vom 5.12.2024.
  • 397 Quelle: Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.
  • 398 Quelle: Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Jahresbericht 2024.
  • 399 Quelle: Staatsarchiv Nürnberg.

H 9. Museen und kulturelle Vermittlung im öffentlichen Raum

Museen haben es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur zu sammeln, zu bewahren und zu forschen, sondern auch Wissen zu vermitteln und auszustellen. Sie sind Bildungsstätten, aber auch Orte des Entdeckens, Erkundens und Erlebens. Museumspädagogische Angebote schaffen methodisch-didaktisch fundierte Zugänge zu kulturellen Inhalten, die dem Publikum ein tieferes Verständnis ermöglichen. In Nürnberg übernimmt das 1968 gegründete Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum (KPZ) (H 9.2) diese Vermittlungsaufgabe für zahlreiche Museen.

9.1 Museen in Nürnberg

Die Museumslandschaft Nürnbergs ist durch eine Vielzahl von kommunalen, staatlichen und privaten Trägern sowie Stiftungen geprägt und zeichnet sich durch ein breites thematisches Spektrum aus. Im Jahr 2019 verzeichneten die 30 vom Berliner Institut für Museumsforschung (IfM) erfassten Museen in Nürnberg insgesamt etwa 1,84 Millionen Besuche. Während der Corona-Pandemie sank die Besuchszahl zwischen 2019 und 2021 um 76,2 %. Danach stiegen die Besuchszahlen wieder: Im Jahr 2022 wurden etwa 1,38 Millionen Besuche gezählt, im darauffolgenden Jahr bereits rund 1,77 Millionen.400

Die städtischen Museen in Nürnberg erlebten zwischen 2019 und 2020 einen deutlichen Rückgang der Besuche von 798 394 auf 230 660, was einem Minus von 71,1 % entspricht. Auch im folgenden Jahr sanken die Zahlen um weitere 24,2 %, bedingt durch die pandemiebedingten Einschränkungen sowie die seit Herbst 2020 laufenden umfangreichen Umbaumaßnahmen im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände. Ab 2022 stiegen die Besuchszahlen in den städtischen Museen wieder deutlich an. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 672 694 Besucherinnen und Besucher registriert. Trotz der Schließung des Museums Industriekultur aufgrund von Sanierungsarbeiten blieben die Besuchszahlen im Vergleich zum Vorjahr somit stabil. Besonders das Memorium Nürnberger Prozesse (H 13.5) konnte einen anhaltenden Anstieg der Besuchszahlen verzeichnen. Im Jahr 2024 besuchten 158 290 Personen diese Einrichtung, die damit mit nahezu einem Viertel (23,5%) zur Gesamtzahl der Besuche in den städtischen Museen Nürnbergs beitrug.

Das DB-Museum, das Museum für Kommunikation sowie das Deutsche Museum – Zukunftsmuseum, das 2021 neu eröffnet wurde, konzentrieren sich auf die Wechselwirkung zwischen Technik und Gesellschaft (H 14.2). Nach der Pandemie konnten diese drei Museen deutliche Zuwächse bei den Besuchszahlen verzeichnen (Abb. H 9.1).

Das Germanische Nationalmuseum (GNM) in Nürnberg ist das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschsprachigen Raums und beherbergt rund 1,3 Millionen Objekte von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Als Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte verbindet es wissenschaftliche Forschung mit Wissenstransfer.401 Seit 2021 steigen die Besuchszahlen im GNM wieder, auch bedingt durch Sonderausstellungen wie „Mikrowelten Zinnfiguren“ (2024) und „Hello Nature. Wie wollen wir zusammenleben?“ (2024/25), die durch digitale Formate unterstützt wurden. Die Bildungsarbeit im GNM wird durch das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (H 9.2) übernommen. Differenzierte Angaben zur Sozialstruktur der Besucherinnen und Besucher des GNM liefert die Leibniz Besuchendenstrukturanalyse.402

Zwischen Oktober 2022 und Januar 2024 nahmen 739 Personen an der Hauptbefragung vor Ort und 114 Personen im Rahmen einer Online-Nachbefragung teil.

Das Durchschnittsalter der Besucher/-innen lag bei 43 Jahren, wobei die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen mit 22,7 % den größten Anteil stellte. Im Durchschnitt besuchten etwas mehr Männer (51,0 %) als Frauen (47,3%) das Museum, 0, 4% der befragten Personen gaben „intersexuell/divers“ als Geschlecht an. Unter den Befragten gaben mehr als drei Viertel Abitur oder (Fach-)Hochschulreife (78,1 %) als höchsten Schulabschluss an. 14,0 % verfügten im Messzeitraum über einen Realschulabschluss oder die mittlere Reife, 4,4% hatten einen Haupt- oder Volksschulabschluss. 3,5 % der befragten Personen gaben an, einen anderen oder keinen Abschluss zu haben. 58 % der Befragten gaben an, in Deutschland geboren zu sein und etwa ein Drittel (32 %) gab an, im näheren Umkreis von 20 km zu wohnen.

Die Museen der Stadt Nürnberg haben vielfältige Maßnahmen ergriffen, um ihr Angebot für alle Menschen zugänglich und nutzbar zu machen. So werden beispielsweise Rundgänge in Leichter Sprache und Führungen mit Tastmöglichkeiten für blinde Besucherinnen und Besucher angeboten. Im Spielzeugmuseum sorgen unter anderem ein ebenerdiger Zugang, automatische Türöffnung und ein Bodenleitsystem für Barrierefreiheit im Erdgeschoss, die weiteren Stockwerke folgen. Im Jahr 2023 erhielt das Ausstellungsgebäude „Cube 600“ des Memorium Nürnberger Prozesse eine mobile Rampe, um Rollstuhlfahrenden den Zugang zu erleichtern (H 13.5). Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das derzeit umfassend umgebaut wird, bietet bereits seit vielen Jahren spezielle Themenführungen für Gehörlose sowie für blinde und seheingeschränkte Menschen an.403 Im Mai 2025 eröffnete das "Café Arthur im Dokuzentrum“, das ein inklusives Konzept umsetzt und von der noris gastro gGmbH betrieben wird. Im Team dieses Gastronomiebetriebs finden mittelfristig bis zu 10 Menschen mit einer Einschränkung Teilhabe am Arbeitsleben.404

Das Germanische Nationalmuseum bietet Touren in vereinfachter Sprache sowie spezifische Touren für rollstuhlfahrende, höreingeschränkte und seheingeschränkte Menschen an. Tastmodelle können ausgeliehen werden und Führungen für Menschen mit Einschränkungen werden zum vergünstigten Tarif angeboten.405

  • 400 Quelle: Institut für Museumsforschung.
  • 401 Quelle: Germanisches Nationalmuseum.
  • 402 An der Hauptbefragung am GNM nahmen zwischen Oktober 2022 und Januar 2024 739 Personen vor Ort und 114 Personen online in der Nachbefragung teil. Bericht: Thoma, Gun-Brit/Kampschulte, Lorenz/Gramser, Siëlle (2024): Besucher*innenstrukturanalyse 2022/2023 des Leibniz-Kompetenzzentrums „Bildung im Museum“. Gesamtbericht Germanisches Nationalmuseum, Kiel, München, Mainz, https://leibniz-bim.de/forschung/forschung_leibniz-bsa, letzter Zugriff: 12.8.25.
  • 403 Vgl. Stadt Nürnberg (2024): Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in Nürnberg, Vorlage zum Sozialausschuss vom 5.12.2024.
  • 404 Quelle: Museen der Stadt Nürnberg.
  • 405 Quelle: Germanisches Nationalmuseum, www.gnm.de/fuerjungundalt/inklusiv, letzter Zugriff: 15.10.2025.

9.2 Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum

Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) bietet ein umfassendes museumspädagogisches Programm, das einen methodisch-didaktischen Zugang zu den Sammlungen des Germanischen Nationalmuseums und der städtischen Museen ermöglicht. Als Dienstleister für Museen und Ausstellungshäuser richtet es sich an unterschiedliche Zielgruppen, von Kindergärten und Schulen bis hin zu Erwachsenen und Seniorinnen und Senioren. Zahlreiche Kooperationen mit Bildungseinrichtungen und kulturellen Partnern ergänzen das Vermittlungsangebot.

Nach den Corona-Jahren stiegen die Teilnahmezahlen in der Abteilung Schulen und Jugendliche des KPZ zwischen 2022 und 2023 um 81,4%, insbesondere durch hohe Buchungszahlen von Schulklassen. Im Jahr 2024 koordinierte die Abteilung insgesamt 1 233 Veranstaltungen für 23 157 Teilnehmende (Abb. H 9.2). Im Vergleich zum Vorjahr gab es einen Rückgang von 5,5 %, bedingt durch die Schließung des Museums Industriekultur und den Beginn der Generalsanierung im Germanischen Nationalmuseum im Februar 2024.406

Wie in den Vorjahren wurden auch 2024 die meisten Veranstaltungen des KPZ von Grundschulklassen gebucht, auch im Rahmen des Museumscurriculums für Grundschulen. Der KulturRucksack (H 11.3) und das neu gestartete Museumscurriculum für Mittelschulen führte zu einem deutlichen Anstieg der Buchungen durch Mittelschulklassen. Im Jahr 2024 betreute das KPZ 314 Mittelschulklassen im GNM und in den Museen und Einrichtungen der Stadt Nürnberg. Während Buchungen von Förderzentren und Realschulen stabil blieben, gingen die Buchungen von Berufsschulen leicht zurück. Bei Gymnasien gab es hingegen einen deutlichen Rückgang von über 20 %; auch stammte nur rund ein Drittel der 196 besuchenden Gymnasialklassen im Jahr 2024 aus dem Raum Nürnberg/Fürth.407

In der Abteilung Erwachsene und Familien führte das KPZ im Jahr 2024 insgesamt 1 868 Veranstaltungen mit 25 785 Teilnehmenden durch. Nachdem die Besuchszahlen zwischen 2022 und 2023 um 51,2 % gestiegen waren, gingen sie im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 15,0 % zurück, was unter anderem auf die Schließung des Museums Industriekultur zurückzuführen ist. Darüber hinaus wurde die Zahl öffentlicher Führungen um 20 % auf 1 601 Termine reduziert, um Kosten zu sparen.408

Das KPZ engagiert sich seit vielen Jahren für eine inklusionsorientierte Museumspädagogik mit dem Ziel, die Barrierefreiheit personaler wie auch digitaler Kulturangebote in den Nürnberger Museen und im Germanischen Nationalmuseum kontinuierlich zu verbessern. Darüber hinaus berät das KPZ in Fragen der barrierefreien Museums- und Ausstellungsgestaltung.409

In fast allen Museen bietet das KPZ öffentliche und buchbare inklusive Vermittlungsangebote für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsarten und für alle Altersgruppen an. Lediglich im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und im Memorium Nürnberger Prozesse werden diese Angebote von anderen Kooperationspartnern betreut.410

Die besonderen Angebote des KPZ für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung werden von freiberuflichen Museumspädagogen und -pädagoginnen geleitet. Die Anzahl der Personen, die von diesen Angeboten Gebrauch machten, stieg von 70 im Jahr 2017 auf 352 im Jahr 2024 und hat sich damit mehr als verfünffacht. Im Jahr 2024 nahmen 212 Personen im Germanischen Nationalmuseum, 41 im Spielzeugmuseum, 25 im Museum Tucherschloss, 31 im Museum Industriekultur (als Online-Angebot) und 15 in den mittelalterlichen Lochgefängnissen an einer solchen Veranstaltungen teil.411

  • 406 Arbeitsbericht KPZ, 2024, S. 9.
  • 407 Arbeitsbericht KPZ 2024, S. 10.
  • 408 Arbeitsbericht KPZ 2024, S. 11.
  • 409 Arbeitsbericht KPZ 2024, S. 35
  • 410 Ebd.
  • 411 Arbeitsberichte KPZ 2017, 2023 und 2024.

H 10. Bildende Kunst

Nürnberg verfügt über ein vielfältiges Angebot von Kunstausstellungen, das sowohl von kommunalen Einrichtungen und Museen wie auch von Vereinen, Verbänden, Stiftungen und einzelnen Künstlerinnen und Künstlern gestaltet wird. Großveranstaltungen wie die Blaue Nacht tragen Kunst gezielt in den öffentlichen Raum und machen sie für das Publikum erlebbar. Im Folgenden wird das Angebot und die Vermittlungsarbeit einiger Einrichtungen näher beleuchtet.

10.1 Neues Museum Nürnberg

Das Neue Museum Nürnberg gehört zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und ist eine Einrichtung des Freistaats Bayern. Auf einer Fläche von über 3.000 m² zeigt es Kunst und Design von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart. Eine Besonderheit ist die Kooperation mit Die Neue Sammlung – The Design Museum in München, in deren Rahmen Design und Kunst im Dialog miteinander präsentiert werden. Seit 2022 steigen die Publikumszahlen kontinuierlich; im Jahr 2024 konnten 86 153 Besuchende gezählt werden (Abb. H 10.1).

Das Neue Museum Nürnberg verfügt über eine eigene Vermittlungsabteilung, die ein vielfältiges und inklusives Programm für alle Altersgruppen bereitstellt. Dazu gehören Führungen und Workshops zur Sammlung und zu den Sonderausstellungen, in denen auch das Thema Design aufgegriffen wird. Kooperationen mit Schulen, wie der Kulturrucksack (H 11.3) und das Grundschul-Curriculum, sowie offene, digitale Vermittlungsformate ermöglichen einen kostenfreien und flexiblen Zugang zu den Kunstwerken. Im Jahr 2024 nahmen insgesamt 13 193 Personen an einem Angebot oder einer Veranstaltung des Neuen Museums teil.

Um die Einrichtung für alle zugänglich zu machen, arbeitet das Neue Museum Nürnberg regelmäßig mit verschiedenen Vereinen und Institutionen wie dem Rummelsberger Stift oder dem Straßenkreuzer e.V. zusammen. Kostenfreie Angebote ermöglichen den Besuch des Hauses für alle und Führungen in Einfacher Sprache oder Gebärdensprache erweitern den Zugang für ein breites Publikum. Alle Ausstellungsebenen wie auch die Vermittlungsräume des Gebäudes sind barrierefrei zugänglich. Schülerinnen und Schüler sowie alle unter 18 Jahren haben freien Eintritt, sonntags kostet der Eintritt in die Sammlung nur einen Euro.

10.2 Bildende Kunst im KunstKulturQuartier

Seit 2014 betreut die Kunstvilla als städtisches Museum eine eigene Sammlung, die sich auf Kunst in und aus Nürnberg konzentriert. Zusätzlich präsentiert sie jährlich etwa drei groß angelegte Wechselausstellungen, wie beispielweise im Jahr 2022 „Grauzonen. Nürnberger Künstler:innen im Nationalsozialismus“, die die Kunstvilla zugleich als Forschungseinrichtung auswies. 2024 feierte die Kunstvilla ihr zehnjähriges Jubiläum mit der Ausstellung „auf den Weg gebracht“, wobei sie auf rund 40 selbst konzipierte und organisierte Ausstellungen zurückblicken konnte. Im Jubiläumsjahr zählte die Kunstvilla insgesamt 8 757 Besucherinnen und Besucher (Abb. H 6.3a).

Die Kunstvilla ist ein integraler Bestandteil des Museumscurriculums und des KulturRucksacks (H 11.3), die vom Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) initiiert wurden. Der museumspädagogische Raum wird vielseitig genutzt, so etwa für das Schulprogramm, für Ferienprogramme, Workshops und Vorträge sowie Diskussionsrunden. Die offene KinderKunstWerkstatt, die an ausgewählten Tagen in der Kunstvilla Kinder ab 5 Jahren zum praktischen Arbeiten anleitet, hat sich ebenfalls fest etabliert.

In der Kunsthalle Nürnberg sind jährlich durchschnittlich vier Ausstellungen zu sehen, die sowohl Einzelpositionen wie auch thematische Gruppenausstellungen internationaler Künstlerinnen und Künstler umfassen. Im Jahr 2024 erreichte die Kunsthallte mit 15 606 Besucherinnen und Besuchern einen neuen Höchststand beim Publikumszuspruch (Abb. H 6.3a). Ein fester Bestandteil des kulturellen Angebots ist das Veranstaltungsprogramm, das kontinuierlich ausgebaut wird und auf die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen abgestimmt ist.

Zahlreiche Angebote der Kunsthalle werden in Zusammenarbeit mit dem KPZ konzipiert und durchgeführt. Das KPZ entwickelt auch für alle Ausstellungen ein besonderes Angebot für Schulklassen aller Schularten, meist ab der 6. Klasse, sowie verschiedene Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche. 

Das Kunsthaus Nürnberg hat sich seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2018 bundesweit als Ort für zeitgenössische Fotografie im Bereich der bildenden Kunst etabliert. Mit seinen Ausstellungen, die bildungspolitische Aspekte in der Mediennutzung thematisieren, richtet es sich bewusst auch an ein junges Publikum. Die Begleitveranstaltungen werden in Zusammenarbeit mit dem KPZ oder eigenverantwortlich entwickelt. Im Jahr 2024 besuchten insgesamt 21 885 Personen die Ausstellungen und Angebote des Kunsthauses (Abb. H 6.3a).

Der Förderverein „Die Kunstvilligen“ pflegt enge Kontakte zu Organisationen wie dem Straßenkreuzer e.V., der Lebenshilfe e.V. und der noris inklusion gGmbH, was sich ebenfalls in regelmäßigen Besuchen widerspiegelt. Das umfangreiche Begleitprogramm der Kunstvilla wechselt mit jeder Sonderausstellung und ist auch in Einfacher Sprache über die Kunstvilla-Website verfügbar. Die Kunstvilla ist barrierefrei zugänglich. Bei allen Ausstellungen in der Kunsthalle können gehörlose und hörgeschädigte sowie sehbehinderte Besucherinnen und Besucher an speziellen Führungen teilnehmen. Besonders beliebt sind die Kursangebote für Seniorinnen und Senioren, die intensive Kunstvermittlung und Austauschmöglichkeiten bieten.

10.3 KinderKunstRaum

Seit 2016 ist der KinderKunstRaum in den Räumen der Kulturwerkstatt Auf AEG beheimatet. Im Fokus der Angebote steht die Auseinandersetzung mit bildender Kunst, häufig kombiniert mit spartenübergreifenden Angeboten wie Medien, darstellender Kunst und interkulturellem Lernen. Um Teilhabe für alle Kinder zu gewährleisten, richten sich die kunst- und kulturpädagogische Projekte des KinderKunstRaums vor allem an Schulen und andere Einrichtungen.

Abbildung H 10.3 zeigt, dass nach dem Ende der pandemiebedingten Einschränkungen immer mehr Schulklassen und Gruppen das Angebot des KinderKunstRaums in Anspruch genommen haben. Im Jahr 2024 musste das Programm allerdings etwas reduziert werden; insgesamt nahmen in diesem Jahr rund 1 400 Kinder weniger teil als noch im Jahr 2022, in dem 5 246 die Angebote wahrnahmen. Das ebenfalls zum Amt für Kultur und Freizeit zugehörige Sternenhaus verzeichnete in den Jahren 2022, 2023 und 2024 jeweils rund 10 000 Einzelbesuche und durchschnittlich 8 000 Besucherinnen und Besucher im Rahmen des Kita- und Schulprogramms, was den Besuchszahlen der Vor-Pandemie-Jahre entspricht. 

Im Rahmen des Formats „Kreativklasse“, das aus 6 aufeinander abgestimmten Projektvormittagen in der hauseigenen Werkstatt besteht, arbeitet der KinderKunstRaum mit Förderschulen wie beispielsweise der Paul-Ritter-Schule, einem Zentrum für Hörgeschädigte, zusammen. Im Jahr 2023 wurden Kreativworkshops entwickelt, die ohne oder mit wenig Sprache auskommen, um Kindern und Jugendlichen gleichberechtigten Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten zu ermöglichen. Diese Initiative wird durch Mittel aus dem Verfügungsfonds Aktionsplan UN-BRK unterstützt. Darüber hinaus nutzt eine Gruppe aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie seit Jahren regelmäßig die Kreativangebote.

H 11. Darstellende Künste

11.1 Staatstheater

Nach einem plötzlichen und massiven Rückgang der Besuchszahlen des Staatstheaters um 92,3 % von der Spielzeit 2018/19 auf 2020/21, gelang es 2023/24, wieder an das Niveau vor der Pandemie anzuschließen. Letzteres gilt gleichermaßen für Opernhaus, Schauspielhaus und Kammerspiele. Zu den sonstigen Spielstätten gehören unter anderem externe Aufführungsorte wie die Meistersingerhalle oder kleinere Räume innerhalb der Gebäude des Staatstheaters, wie zum Beispiel die sogenannte dritte Etage, in der neben Konzerten und Theateraufführungen auch Lesungen und Diskussionsrunden veranstaltet werden. Dass bei diesen sonstigen Veranstaltungsorten die pandemiebedingten Einbußen vergleichsweise gering ausfielen, lag auch daran, dass neu eingeführte Online-Veranstaltungen das Angebot ergänzten. 

Die Theaterpädagogik des Staatstheaters (H 11.1) stellt eine breite Palette an Möglichkeiten bereit, bei denen sich interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlichster Zielgruppen selbst auf der Bühne ausprobieren können. Dabei wird auch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen eingegangen. Ein Beispiel hierfür ist der ukrainische Jugendclub, der in der Inszenierung „Geht so“ den Krieg und den russischen Angriff gegen die Ukraine im Jahr 2022 thematisierte. Ein weiteres, inklusives Theaterprojekt beschäftigte sich unter dem Titel „Schöner Wohnen“ mit der Selbstbestimmung junger Menschen und dem Auszug von zuhause. Allein in der Spielzeit 2022/23 brachte die Theaterpädagogik rund 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf die Bühnen des Staatstheaters.412

  • 412 Quelle: Staatstheater Nürnberg.

11.2 Freie Theater

Nürnberg ist bekannt für seine freie Theaterszene, insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendtheater, der unter anderem durch die Theater Mummpitz, Pfütze und Salz+Pfeffer repräsentiert ist. Eine Analyse der Besuchszahlen von fünf der freien Theater in Nürnberg (Abb. H 11.2) zeigt die drastischen Auswirkungen der Corona-Pandemie: Bereits in der Spielzeit 2019/20 ist eine leicht sinkende Tendenz zu erkennen, anschließend fielen die Besuchszahlen von der Spielzeit 2018/19 auf 2020/21 rapide von 83 102 auf 10 775, was einem Rückgang um 87,0 % entspricht. In den Jahren danach erholen sich die Zahlen schrittweise auf zuletzt 71 007, erreichen jedoch noch nicht wieder das Niveau von 2018/19. Die Anteile des Gostner Hoftheaters wie auch der Theater Salz + Pfeffer und Pfütze an der Gesamtbesuchszahl blieben weitgehend stabil, während das Theater Mummpitz einen Anstieg auf zuletzt 23,0 % verzeichnen konnte und das Burgtheater einen Rückgang auf 12,8 % hinnehmen musste.

Bauliche Barrierefreiheit stellt für die freien Theater aufgrund alter Gebäude und hoher Investitionskosten häufig eine große Herausforderung dar. Insbesondere bei der möglichst inklusiven Aufbereitung der Vorstellungen sind jedoch positive Entwicklungen zu verzeichnen. Das Theater Pfütze bietet Aufführungen in Deutscher Gebärdensprache an und im Theater Mummpitz sind Aufführungen mit Gebärdensprachdolmetschung und auf Anfrage Tastführungen für sehbehinderte Gäste verfügbar. Im Jahr 2024 fand in der Tafelhalle zum zweiten Mal das EveryBody-Festival statt, das Tanz und Performance von und für Menschen mit und ohne Behinderung in den Mittelpunkt stellt.413

Von Grund auf inklusiv gedacht ist das Theater Dreamteam, das aus einer Kooperation des gleichnamigen Fördervereins mit dem Bildungszentrum, der noris inklusion gGmbH und dem Gostner Hoftheater entstanden ist. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam an Theaterstücken, die sie anschließend auf die Bühne bringen. In der Spielzeit 2023/24 zog das Stück „Die göttlichen Sieben” an 14 Abenden insgesamt 1 634 Personen an.414

Die Tafelhalle dient als Veranstaltungs- und Produktionshaus für die freie Tanz- und Theaterszene und arbeitet unter anderem mit dem Nürnberger Burgtheater und dem Theater Mummpitz zusammen, beispielsweise im Rahmen des KulturRucksacks (H 11.3) und des Kindertheaterfestivals Panoptikum.415

11.3 KulturRucksack

Seit dem Schuljahr 2009/10 steht mit dem KulturRucksack ein Programm spartenübergreifender kultureller Bildung für Grundschülerinnen und Grundschüler in Nürnberg zur Verfügung. Dritte Klassen haben innerhalb eines Schuljahres die Gelegenheit, vier verschiedene Kulturveranstaltungen zu besuchen, die von Theater, Ausstellungen und Museen bis hin zu Tanztheater und klassischen Konzerten reichen. Ergänzende Workshops ermöglichen es den Kindern, die Kulturbesuche vor- und nachzubereiten und das Erlebte kreativ zu verarbeiten. Im Projektjahr 2024/25 beteiligen sich neben dem Theater Mummpitz auch die Tafelhalle, das Staatstheater, das Neue Museum, der Turm der Sinne, das Germanische Nationalmuseum und die Kunstvilla im KunstKulturQuartier, in Zusammenarbeit mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ).416

Abbildung H 11.3 illustriert die wachsende Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die seit 2009 von dem Programm profitierten. Nach den Anfangsjahren vervielfachte sich die Teilnahmezahl bis zu einem Niveau von rund 1 500, das über mehrere Jahre gehalten wurde. In den Jahren 2021/22 und 2022/23 ist ein weiterer Anstieg auf zuletzt 1 650 Teilnehmende zu erkennen. Die Nachfrage der Schulen übersteigt jedoch die derzeit verfügbaren finanziellen Mittel, sodass die Teilnahmezahlen momentan nicht weiter erhöht werden können.417

Die Entwicklung der teilnehmenden Schulen ist ebenfalls positiv. Ihre Zahl stieg von fünf im Schuljahr 2009/10 auf 18 im Schuljahr 2015/16. Nachdem 2020/21 eine Schule ausgeschieden war, kamen in den zwei darauffolgenden Schuljahren zwei neue Schulen hinzu. Die Corona-Pandemie wirkte sich in diesem Programm kaum negativ aus, da die Teilnahmen in den entsprechenden Jahren durch digitalisierte Formate oder Angebote in kleinen Gruppen stabil gehalten werden konnten. 

H 12. Musikalische Bildung

12.1 Städtische Musikschule und das kommunale Programm MUBIKIN

Abbildung H 12.1 dokumentiert die Entwicklung der Schülerzahlen an der städtischen Musikschule. Von 2011 bis 2016 stieg die Gesamtzahl der Musikschülerinnen und Musikschüler von 2710 auf 4968 (+83,3 %). Anschließend blieb die Zahl stabil bei etwa 4500, bevor in den Jahren 2020 und 2021 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen ist. Nach einem Rückgang bis 2023 zeigte die Entwicklung mit zuletzt 4113 Schülerinnen und Schülern wieder nach oben. Es wird deutlich, dass die Schwankungen vor allem auf die Zahl der Kinder im Programm MUBIKIN (hellblaue Linie) zurückzuführen ist.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler außerhalb des Programms MUBIKIN (oberhalb der hellblauen Linie), sank zwischen den Jahren 2011 und 2020 von 2 232 auf 1 699. Seitdem ist jedoch ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen und im Jahr 2024 wurden 1 959 Schülerinnen und Schüler gezählt. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete das Programm Klassenmusizieren, bei dem die Musikschule mit öffentlichen Schulen kooperiert und ein breites Angebot mit Bläser- und Blockflöten- sowie Chorklassen schafft.418 Die Zahl der Erwachsenen, die Angebote der Musikschule nutzen, wuchs in diesem Zeitraum von 292 auf 381, was einem Zuwachs von 30,5 % entspricht.419

Im Programm MUBIKIN – Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg arbeiten Musikschullehrkräfte im Tandem mit Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräften, um Kindern am Übergang von der Kita in die Grundschule vor Ort musikalische Bildung zu vermitteln. Nach einer Wachstumsphase bis 2016 stagnierte die Teilnahmezahl bis zur Novelle des MUBIKIN-Programms. Die hohen Zahlen in den Jahren 2020 und 2021 sind auf qualitative Umstrukturierungen im Programm zurückzuführen, aufgrund derer in diesen Jahren mehr Kinder erreicht werden konnten. Nach diesen Umstrukturierungen ging die Zahl 2022 und 2023 zurück, bevor es 2024 zu einem leichten Anstieg auf zuletzt 2 154 kam.

12.2 Klassische Orchester

Im Rahmen des Programms „Symphoniker im Klassenzimmer“ besuchen professionelle Musikerinnen und Musiker des Orchesters Schulklassen und Kindergärten, um Kindern ihre Arbeit näherzubringen und mit ihnen zu musizieren. Als besondere Attraktion gehört dazu auch der Besuch einer Orchesterprobe.420Abbildung H 12.2 zeigt einen deutlichen Rückgang bei der Zahl der erreichten Kinder in den Jahren 2020 bis 2022, gefolgt von einer vollständigen Erholung der Zahlen ab dem Jahr 2023. Der Anstieg im Jahr 2018 ist auf eine einzelne Konzertprobe zurückzuführen, an der mehrere Klassen einer Schule teilgenommen hatten.421

Ein ähnliches Muster ist bei den Schul- und Familienkonzerten zu beobachten. Im Jahr 2024 fanden erstmals seit 2019 wieder acht Schul- und vier Familienkonzerte statt. 

Zudem gibt es sogenannte Mittendrin-Konzerte, die an zwei ausgewählten Schulen pro Saison stattfinden. Dabei erleben die Kinder an ihrer Schule ein Konzert, bei dem sie zwischen den Musikerinnen und Musikern sitzen und so mit ihnen in einen direkten Austausch treten können. 

Eine Konzertreihe der Nürnberger Symphoniker richtet sich speziell an Menschen mit Demenz sowie an deren Angehörige. Diese Veranstaltungen findet in der barrierefreien Kleinen Meistersingerhalle statt. Der Zugang zu den orchestereigenen Spielorten Serenadenhof und Musiksaal ist, zum Teil durch Personal unterstützt, barrierefrei zugänglich.

Auch die Staatsphilharmonie am Staatstheater (H 11.1) hat zahlreiche musikpädagogische Formate für junge Menschen im Angebot. Dazu zählen die sogenannten Tonangeberinnen und Tonangeber wie auch Orchesterpatinnen und Orchesterpaten, die Schulen und Kindergärten klassische Musik spielerisch näherbringen, sowie Kinder- und Jugendkonzerte und die Reihe „Kinder im Gluck“ für Vorschulkinder.422 Im Jahr 2022 wurde das Jugendorchester Junge Staatsphilharmonie neu gegründet, das rund 60 jungen Menschen zwischen 14 und 19 Jahren eine musikalische Heimat bietet.423

H 13. Politik, Demokratie und Menschenrechte

13.1 Kinderversammlungen

Die Kinderversammlungen finden in Nürnberg regelmäßig vor den sogenannten Bürgerversammlungen statt. Diese Veranstaltungen werden alle zwei Jahre in einzelnen Bürgerversammlungsgebieten durchgeführt, die jeweils mehrere Stadtteile umfassen. In der Regel gibt es jährlich neun Kinderversammlungen in ganz Nürnberg, bei denen Kinder eingeladen sind, eigene Ideen und Forderungen in Form von Anträgen einzubringen. Beworben werden die Versammlungen über die Grundschulen der Stadtteile, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Kindertageseinrichtungen.

Nach Jahren konstanter Teilnahmezahlen gab es von 2020 auf 2021 einen Rückgang um mehr als zwei Drittel (68,9 %). In diesen beiden Jahren fanden die Kinderversammlungen ausschließlich digital statt, jedoch wurde der Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen mithilfe einer stadtweiten Fragebogenaktion und einer daraus entwickelten Wanderausstellung aufrechterhalten. Erfreulicherweise konnte diese Phase erfolgreich überwunden werden und im Jahr 2024 nahmen 584 Kinder und 226 Eltern an den Versammlungen teil – so viele wie nie zuvor.

Seit 2015 haben Kinder 706 Anträge eingebracht, von denen etwas mehr als ein Drittel (38,5 %) positiv beschieden wurden.424 Beispiele für erfolgreiche Anträge sind die Neugestaltung einer Schulwand und Maßnahmen, die Fahrradfahrer vor einer Kindertagesstätte auf die Kinder aufmerksam machen und so zur Vermeidung von Unfällen beitragen. Beide Vorhaben wurde mit kreativen Workshops in den Bildungseinrichtungen gemeinsam mit den Kindern umgesetzt.

  • 424 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.

13.2 Jugendpartizipationsprogramm laut!

Das Jugend-Partizipationsprojekt laut! wurde 2011 als gemeinsames Vorhaben vom Kreisjugendring, vom Jugendamt der Stadt Nürnberg und vom Medienzentrum Parabol ins Leben gerufen und 2012 mit kommunalen Mitteln verstetigt.425 Seitdem werden kontinuierlich neue Formate zur Beteiligung von Jugendlichen entwickelt und erprobt. 

Die Teilnahmen an allen Veranstaltungen von laut!, bei denen Jugendliche direkt und nicht nur digital erreicht werden, stiegen mit leichten Schwankungen von 1 303 im Jahr 2015 auf 2 529 im Jahr 2024. Die Corona-Pandemie hinterließ kaum Spuren in den Nutzungszahlen, da das Projekt schnell auf digitale und Hybrid-Formate umgestellt wurde, die aber nach der Pandemie alle wieder in die Präsenzform zurückgeführt wurden.  

Ein wesentlicher Bestandteil des Partizipationsprogramms ist das jährliche „laut! Forum live“, bei dem Jugendliche die Gelegenheit haben, ihre Anliegen direkt mit der Stadtspitze zu besprechen. Die Teilnahmen schwankten in den letzten Jahren zwischen 57 und 300. Im Jahr 2024 musste die Veranstaltung aus personellen Gründen ins Folgejahr verschoben werden. Das weitere Format „laut! vor Ort“ fokussiert sich stärker auf die Lebenswelt von Jugendlichen und findet häufig in Jugendhäusern statt. Hier stiegen die Nutzungszahlen über die Jahre deutlich von 52 im Jahr 2015 auf 481 in 2024. Ziel der Maßnahmen ist es, die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sind, und so eine breite und niedrigschwellige Partizipation zu ermöglichen.

Ein besonders zugängliches Format im Rahmen von laut! ist das grüne Sofa, das im öffentlichen Raum, in Jugendeinrichtungen oder bei Events aufgestellt wird. Es bietet Jugendlichen die Möglichkeit, spontan ihre Fragen, Meinungen oder Ideen zu äußern. Über diese Aktivitäten wird im Youtube-Kanal von laut! berichtet.

Zusätzlich zu einem Barcamp-Format bietet laut! in Kooperation mit DoKuPäd (H 13.3) Workshops zu politischer Bildung an, bei denen unter anderem Gaming thematisiert wird. Im Jahr 2024 neu eingeführt wurden die Rathausworkshops “Lernort Rathaus”, bei denen insgesamt sechs Mittelschulklassen mit 112 Schülerinnen und Schülern eine Führung durchs Rathaus und mithilfe digitaler Medien und im Dialog mit einem jungen Stadtratsmitglied eine Einführung in die Kommunalpolitik erhielten. 

Auch im digitalen Raum erreicht laut! ein breites Publikum. Das grüne Sofa erzielte auf Plattformen wie Youtube und TikTok 2 097 351 Aufrufe. Die Website von laut! wurde 26 816 mal besucht. 

Bei der Wahl der Veranstaltungsorte wird auf Barrierefreiheit geachtet. Im Jahr 2024 kooperierte laut! mit der inklusiven Jugendgruppe Mühlenbande e.V., wobei die Jugendlichen unter anderem darauf vorbereitet wurden, aktiv an einem „laut! Forum live“ teilzunehmen.

  • 425 Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Nürnberg (2021): Partizipation Jugendlicher in der Großstadt. Das Nürnberger Modell laut! stellt sich vor, 4. Auflage, S. 3.

13.3 DoKuPäd

Abbildung H 13.3 zeigt die Entwicklung der Teilnahmezahlen von DoKuPäd („Pädagogik rund um das Dokumentationszentrum“), einer Einrichtung der politischen Bildung beim Kreisjugendring Nürnberg-Stadt. Im Zeitraum von 2015 bis 2019 schwankten die Gesamtbesuchszahlen zwischen 5 215 und rund 6 364. Von 2019 auf 2020 gingen die Zahlen jedoch um mehr als zwei Drittel (68,7 %) zurück. Ab 2022 erreicht DoKuPäd jedoch wieder Besuchszahlen, die an diejenigen vor dem Einbruch heranreichen.

Die Entwicklung von Online-Workshops zu den Themen Rechtsextremismus und Verschwörungserzählungen trug mit 990 Teilnahmen im Jahr 2021 zu einer Stabilisierung des Veranstaltungsbetriebs bei. Nach dem Wegfall der Infektionsschutzmaßnahmen verloren digitale Angebote jedoch an Bedeutung und werden kaum noch nachgefragt.426

Die klassische Betreuung der Ausstellung im Dokumentationszentrum hat mit der Zeit an Relevanz verloren, auch weil die Dauerausstellung nicht mehr verfügbar ist und seit 2021 nur eine vergleichsweise kleine Interimsausstellung zur Verfügung steht. Auch die Anzahl der Studientage ist rückläufig, während die Teilnahmezahlen bei Workshops und Rundgängen im Freien zunehmen. Die Rundgänge befassen sich mit der Straße der Kinderrechte, der Straße der Menschenrechte und dem Reichsparteitagsgelände. Die Workshops decken ein breites Spektrum an Themen ab, darunter Fake News und Gruppendruck. Sie sind im Gegensatz zu den Studientagen nicht an die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum gebunden. 

  • 426 Vgl.: www.bildungsblog.nuernberg.de/2024/11/26/politische-bildung-in-nuernberg-im-fokus-dokupaed-und-laut, letzter Zugriff: 28.7.2025.

13.4 Angebote des Menschenrechtsbüros

Das Menschenrechtsbüro bietet eine breite Palette an Formaten zur Menschenrechtsbildung an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten und verschiedene inhaltliche Schwerpunkte haben. Ein Großteil dieser Angebote entfällt auf die historisch-politischen Seminare im Memorium Nürnberger Prozesse (in Abbildung H 13.5 ebenfalls aufgeführt). Diese Seminare umfassen Themen wie die strafrechtliche Aufarbeitung der Naziverbrechen und spezielle Programme für Polizei und Bundeswehr. Ein kleinerer Teil der historisch-politischen Bildung findet neben der Interimsausstellung im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände statt.

In Abbildung H 13.4 werden die inhaltlichen Schwerpunkte der Seminare näher aufgeschlüsselt. Zusätzlich zum allgemeinen Menschenrechtsseminar mit Exkursion zur Straße der Menschenrechte wird ein entsprechendes Seminar speziell für Nachwuchskräfte der Stadtverwaltung angeboten, das für die Beschäftigten verpflichtend ist. Im Jahr 2024 nahmen 190 städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter daran teil. Zu den weiteren spezifischen Zielgruppen zählen Pflegepersonal, das mit dem Seminar „Menschenwürde in der Altenpflege“ angesprochen wird, sowie Geflüchtete, an die sich der Workshop „Freiheit und Würde, Werte für alle“ richtet, und auch Jugendliche, die sich in „17 Ziele für eine bessere Welt!“ mit Umwelt- und Klimaschutz auseinandersetzen. Obwohl das letztgenannte Seminar seit der Corona-Pandemie auch digital angeboten wird, wird diese Option inzwischen nicht mehr genutzt.

Besonders groß war das Interesse zuletzt an den Themen Rechtsextremismus und Antisemitismus. Im Jahr 2024 nahmen 231 Personen am Seminar zum NSU-Komplex teil. In Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Menschenrechtszentrum wurde ein Seminar zum Thema Antisemitismus neu entwickelt.

Im Antidiskriminierungsworkshop beschäftigten sich 168 Teilnehmende mit der Frage, woran sich Diskriminierung erkennen und wie sich Zivilcourage im Umgang damit entwickeln lässt. 

13.5 Memorium Nürnberger Prozesse

Das Memorium Nürnberger Prozesse informiert am historischen Ort über das Gerichtsverfahren vor dem Internationalen Militärgerichtshof, in dem sich führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verantworten mussten. Auch die von 1946 bis 1949 durchgeführten Nachfolgeprozesse werden im Rahmen der Dauerausstellung thematisiert. Die Nürnberger Prozesse gelten nicht nur als ein bedeutender Schritt in der juristischen Aufarbeitung der Naziverbrechen, sondern auch als Geburtsstunde des modernen Völkerstrafrechts.

Aus welchen Herkunftsländern die Besucherinnen und Besucher des Memoriums kamen, zeigt Abbildung H 13.5. Sowohl zu Beginn als auch am Ende des Betrachtungszeitraums stammte knapp ein Viertel des Publikums aus Deutschland (2017: 23,2 %, 2024: 23,5 %). Während der Pandemie-Jahre 2020 und 2021 ging die Anzahl internationaler Gäste stark zurück, sodass 2020 mehr als die Hälfte (51,5 %) der Besucherinnen und Besucher Deutsche waren. Nach der Pandemie stiegen die Besuchszahlen insgesamt deutlich an, im Jahr 2024 wurden 151 347 Gäste gezählt.

Während der Corona-Pandemie wurde ein Konzept für einen Außenrundgang entwickelt, der bis heute in Form einer öffentliche Führung427 angeboten wird. Auch das in dieser Zeit entwickelte digitale Unterrichtsmaterial428 ist weiterhin gefragt.

Das Memorium hat zahlreiche Maßnahmen429 umgesetzt, um das Angebot barrierearm zu gestalten. Dazu gehören spezielle Führungen für blinde und sehbehinderte Menschen, Angebote in leicht verständlicher Sprache und ein Videoguide in Gebärdensprache, aber auch barrierefreie Sitzmöbel und eine induktive Höranlage.430

H 14. Natur, Umwelt, Technik

Bildungsangebote in den Bereichen Natur, Umwelt und Technik wurden lange Zeit häufig unter dem Begriff der MINT-Fächer zusammengefasst, der für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht. In den letzten Jahren sind jedoch Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend in den Vordergrund gerückt. Angebote werden daher verstärkt unter dem Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) subsummiert und diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Bildungslandschaft wider.431

  • 431 Vgl. auch Nachhaltigkeitsmonitoring der Stadt Nürnberg (seit Ende des Jahres 2024): www.nuernberg.de/internet/nachhaltigkeitsmonitoring/ziel_04.html, letzter Zugriff: 13.8.2025.

14.1 Lernorte und Grundinformationen

In den letzten Jahren haben sich die Orte, an denen Natur, Umwelt und Technik im Fokus stehen, weiterentwickelt. Neue Themen, Einrichtungen und Akteure haben die Angebotslandschaft erweitert. Abbildung H 14.1 verdeutlicht diese Vielfalt: Museen mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung integrieren häufiger Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in ihre Ausstellungen. Die Energie- und Umweltstation konzentriert sich nicht nur auf ihr eigenes Bildungsangebot, sondern legt auch großen Wert auf die Vernetzung von Akteuren und die Förderung von Kooperationen. Zusätzlich hat sich ein breites Netzwerk formiert, das sich an spezifische Zielgruppen wie pädagogisches Personal oder Eltern richtet (H 14.2 und H 14.3).

Die Energie- und Umweltstation Nürnberg wird vom Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) in Kooperation mit dem Umweltreferat der Stadt Nürnberg getragen. Sie sieht sich nicht nur als Anbieterin für Schulen und Horte, sondern engagiert sich auch stark in der Netzwerkarbeit. An den von ihr angebotenen Austauschformaten nahmen im Jahr 2024 insgesamt 209 Personen teil.432

Auch an Schulen wird Bildung für nachhaltige Entwicklung immer häufiger in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen umgesetzt. Beispiele dafür sind die Einführung des FREI DAY433 , die Zertifizierung zur Umweltschule434 , aber auch Kooperationen mit Vereinen.435  
Vereine und Verbände stellen ein vielfältiges Bildungsprogramm für alle Altersgruppen bereit, das häufig in Zusammenarbeit mit Institutionen der formalen oder non-formalen Bildung angeboten wird.

  • 432 Quelle: Stadt Nürnberg, Energie- und Umweltstation Nürnberg.
  • 433 Das Konzept wird begleitet vom Verein „Schule im Aufbruch“, weiterführende Informationen: www.frei-day.org, letzter Zugriff: 14.8.2025.
  • 434 Die Zertifizierung zur „Umweltschule in Europa/Internationale Nachhaltigkeitsschule“ erfolgt durch den bayerischen LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz: www.lbv.de/umweltbildung/fuer-schulen/umweltschule-in-europa/auszeichnungen, letzter Zugriff: 14.8.2025.
  • 435 Zum Beispiel Bluepingu e.V. mit dem Programm „SDGs go to school“: www.bluepingu.de/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung, letzter Zugriff 12.8.2025.

14.2 Vermittlungsangebote und Akteure

Das  „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, das vom Amt für Kultur und Freizeit betrieben wird, ermöglicht an über 100 pädagogisch betreuten Stationen das spielerische Entdecken von Naturgesetzen und gesellschaftlichen Prozessen. Im Jahr 2024 verzeichnete es 72 905 Besucherinnen und Besucher und übertraf damit das Vor-Pandemie-Niveau von 72 293 im Jahr 2019. Bei etwa der Hälfte (50,5 %) handelte es sich um Einzelbesuche, die Anzahl der Gruppen ist seit 2019 um 261 auf insgesamt 1 707 im Jahr 2024 gestiegen. Das Erfahrungsfeld zieht vor allem Kinder im Alter zwischen 3 und 10 Jahren an. Im Jahr 2024 stellten Kindergärten (22,1 %) und Grundschulen (24,8 %) den größten Anteil an den Besuchergruppen (Abb. H 14.2).436

Die Energie- und Umweltstation Nürnberg437 erreichte mit ihren Programmen für Schulklassen im Jahr 2024 2 824 Kinder und Jugendliche, diese bilden damit den größten Anteil am Gesamtangebot. Weitere 535 Kinder nahmen an einem Hort- oder Gruppenangebot teil. Die Angebote für Erwachsene, die Fortbildungen insbesondere für Lehrkräfte, Hausführungen und Vorträge umfassen, wurden im Jahr 2024 von 700 Personen wahrgenommen. Zu den offenen Nachmittagen kamen 643 Besucherinnen und Besucher. Insgesamt nutzten 5 543 Personen Angebote der Energie- und Umweltstation.438

Das Kindermuseum Nürnberg, das seit 2012 ebenfalls als Umweltstation zertifiziert ist, stellt Angebote für Familien insbesondere an Wochenenden und während der Schulferien sowie für Bildungseinrichtungen aus dem Nürnberger Raum bereit. Nach dem mit 39 614 Besuchen sehr erfolgreichen Jahr 2019 gingen die Publikumszahlen pandemiebedingt deutlich zurück. Im Jahr 2023 konnte wieder ein neuer Höchststand erreicht werden: 26 739 Kinder besuchten das Museum im offenen Betrieb und 12 292 Kinder nahmen an Gruppenveranstaltungen teil. Das mobile Angebot „Museum im Koffer“ erreichte im Jahr 2023 7 181 Schülerinnen und Schüler. Im Jahr 2024 blieb das hohe Besuchsniveau mit insgesamt 43 677 Gästen konstant.439

Seit 2014 bietet das Bionicum im Tiergarten mit einer rund 400 m² großen interaktiven Ausstellung umfangreiche Informationen zu zukunftsrelevanten Themen. Neben der Ausstellung gibt es pädagogische Programme und Workshops sowie Lehrkräftefortbildungen. Im Jahr 2023 verzeichnete das Bionicum insgesamt 89 612 und damit etwas mehr Ausstellungsbesuche als noch im Jahr 2019, sowie 3 102 Teilnahmen an Führungen. Nach einem halbjährigen Umbau ist das Bionicum seit April 2025 wieder geöffnet.440 Auch der Tiergarten selbst bietet umweltpädagogische Veranstaltungen an.441

Im Planetarium werden zahlreiche altersspezifische und thematische Vorstellungen angeboten, die Einblicke in die Astronomie geben. Im Jahr 2024 wurden 72 732 Besucherinnen und Besucher bei 646 Veranstaltungen gezählt, 16 224 dieser Besuche (22,3 %) erfolgten mit Schule oder Kita. Damit näherten sich die Besuchszahlen wieder an das Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019 an, in dem 16 404 Besuche aus Kindertageseinrichtungen und Schule zu verzeichnen waren.442

Mit naturwissenschaftlichen Phänomenen können sich Besucherinnen und Besucher auch im interaktiven Museum „turmdersinne“ auseinandersetzen. Im Jahr 2023 hat sich der Betrieb nach den Pandemiejahren mit 8 554 Besuchen wieder normalisiert. Zwar sank die Publikumsanzahl im Jahr 2024 auf 6 173; dieser Rückgang ist allerdings auf eine zweimonatige Schließung der Einrichtung zurückzuführen.443

Die Nürnberger Museen mit technischer Ausrichtung verbinden Geschichte mit Zukunftsfragen. Das gilt beispielsweise für das DB Museum, dessen Dauer- und Sonderausstellungen im Jahr 2024 mit 182 062 Besucherinnen und Besuchern deutlich mehr Menschen anzogen als noch im Jahr 2022.444

Das Deutsche Museum Nürnberg – Das Zukunftsmuseum konnte seit seiner Eröffnung im September 2021 kontinuierlich steigende Besuchszahlen verzeichnen. Während im Jahr 2022 unter pandemiebedingten Einschränkungen rund 113 500 Personen in das Museum kamen, waren es im Jahr 2023 bereits rund 118 000 und im Jahr 2024 knapp unter 122 000. Die Anzahl der durchgeführten Bildungsprogramme wuchs ebenfalls erheblich. Sie stieg von anfänglich 722 Angeboten im Jahr 2022 über 1 203 im Jahr 2023 bis auf 1 504 im Jahr 2024. In diesen drei Jahren haben insgesamt mehr als 60 000 Personen an den Bildungsprogrammen teilgenommen.445

Das Naturhistorische Museum verzeichnete im Jahr 2023 mit 14 868 Besuchen einen Rekord, im Jahr 2019 waren es 11 688 und während der Pandemie im Jahr 2021 nur 3 866 Besuche. Auch das städtische Museum für Industriekultur konnte im Jahr 2023 mit 38 064 Besuchen im Vergleich zum Jahr 2021 mit 11 370 Besuchen wieder gestiegene Publikumszahlen aufweisen.446 Das Museum ist derzeit aufgrund von umfassenden Sanierungsarbeiten geschlossen, die voraussichtlich bis Herbst 2027 andauern werden.

  • 436 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit, Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne.
  • 437 In Trägerschaft des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) der Stadt Nürnberg.
  • 438 Quelle: Stadt Nürnberg, Institut für Pädagogik und Schulpsychologie, Energie- und Umweltstation Nürnberg.
  • 439 Quelle: Museum im Koffer Nürnberg e.V., Kindermuseum Nürnberg.
  • 440 Quelle: Bionicum Nürnberg.
  • 441 Der Tiergarten verzeichnete im Jahr 2024 1.135.510 Besucherinnen und Besucher. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik.
  • 442 Quelle: Stadt Nürnberg; Bildungscampus Nürnberg und Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik.
  • 443 Im Rahmen des KulturRucksack besuchten im Jahr 2023 209 Schüler/-innen das Museum, im Jahr 2024 waren es 286. Quelle: turmdersinne Nürnberg.
  • 444 2022 wurden 143.549 Besucher/-innen erfasst. Die Anzahl der geführten Schulgruppen ist im gleichen Zeitraum von 89 auf 124 gestiegen. Auch die digitalen Führungen haben sich etabliert, im Jahr 2024 wurden sie 68-mal durchgeführt. Quelle: DB Museum Nürnberg.
  • 445 Quelle: Deutsches Museum Nürnberg.
  • 446 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik.

14.3 Besondere Angebote und Zielgruppen

Die meisten Einrichtungen richten sich mit speziellen Angeboten vorrangig an Kinder und Jugendliche, haben zunehmend aber auch andere Gruppen wie Lehrkräfte, pädagogisches Fachpersonal oder Eltern im Blick (Abb. H 14.1).

Seit 2006 gestalten Expertinnen und Experten aus verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen das Programm der KinderUni.447 Die Kombination aus Vorlesungen, Seminaren und praktischen Workshops soll ganzheitliches Lernen fördern und die sinnliche Wahrnehmung stärken. Im Jahr 2024 nahmen 1 360 Kinder an 67 Veranstaltungen teil, 332 mehr als noch im Jahr 2019.448 Das zweiwöchige „Science Camp“, das wie die KinderUni vom Amt für Kultur und Freizeit veranstaltet wird449 , bietet Veranstaltungen zum Beispiel aus den Bereichen Ökologie, Energie, Physik und Chemie. In den Jahren 2023 und 2024 haben daran 60 beziehungsweise 63 Kinder teilgenommen.450

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken ist seit 2011 als Netzwerkpartner der Bildungsinitiative Stiftung Kinder forschen engagiert. Dieses Netzwerk dient als lokaler Ansprechpartner für Weiterbildung für pädagogische Fach- und Lehrkräfte. In Nürnberg sind 305 Kindertagesstätten und Schulen am Netzwerk beteiligt, 37 davon als zertifizierte Einrichtung.451 Jährlich finden durchschnittlich 40 Fortbildungen statt.452 Das städtische Institut für Pädagogik und Schulpsychologie bietet zudem Lehrkräftefortbildungen für den Fachbereich MINT sowie zu Aspekten nachhaltiger Entwicklung an.

Das Programm NEST (Nürnberger Elternbüro für Schulerfolg und Teilhabe) arbeitet im Rahmen des Projekts „NaZuKi“ (Nachhaltige Zukunft für unsere Kinder) seit dem Schuljahr 2022/23 mit der Energie- und Umweltstation zusammen. Ein Team aus Elternlotsinnen und Elternlotsen beschäftigt sich mit den Themen Nachhaltigkeit und Umwelt und bietet Informationen dazu im Rahmen von Elterncafés sowie bei anderen Schulveranstaltungen an. Sie begleiten außerdem Elterngruppen, die mit ihren Kindern die Energie- und Umweltstation besuchen.

Die „Lange Nacht der Wissenschaften“, ein seit 2003 alle zwei Jahre in Nürnberg, Fürth und Erlangen stattfindendes Veranstaltungsformat, bringt einem breiten Publikum Themen aus Wissenschaft, Forschung und Technik näher. Seit dem Jahr 2013 besuchten rund 30 000 Personen dieses Event, an dem im Jahr 2023 rund 300 Institutionen und über 130 Veranstaltungsorte beteiligt waren.453

  • 447 Teilnehmen können Kinder von 8 bis 12 Jahren.
  • 448 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit.
  • 449 Das Science Camp findet im Rahmen des Ferienprogramms statt und steht für Kinder von 9 bis 12 Jahren offen.
  • 450 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
  • 451 Kitas, Horte und Grundschulen können sich um die Zertifizierung als „Haus, in dem Kinder forschen“ bewerben.
  • 452 Außerdem bietet das Netzwerk Fachtage, Webinare, Informationsveranstaltungen und den jährlichen „MINT-Machtag“ (für 300 bis 500 Kinder u.a. in Kooperation mit dem Erfahrungsfeld der Sinne, dem Planetarium, dem Kindermuseum Nürnberg). Quelle: Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Netzwerkkoordination Stiftung Kinder forschen.
  • 453 Quelle: kulturidee GmbH.

14.4 Inklusion

Das Kindermuseum, das als Umweltstation fungiert, ist bestrebt, inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle zu gewährleisten. Der Anteil der Schulklassen aus Sonderpädagogischen Förderzentren, die das Kindermuseum im Klassenverband besuchen, hat nach gezielter Werbung und Schulung (BNE im Förderschulbereich) zugenommen. Im Jahr 2024 lag ein besonderer Fokus bei der Schulung der Mitarbeitenden auf Leichter Sprache. Die Ausstellungen sowie die Außenanlagen sind weitgehend barrierefrei gestaltet. Die Vielfalt der eingesetzten Methoden bietet individuelle, inklusive Zugänge und spricht unterschiedliche Sinne an. Bei Bedarf steht eine gebärdensprachkompetente Lernbegleiterin zur Verfügung.454

Das Gebäude der Energie- und Umweltstation Nürnberg ist barrierefrei, auf Anfrage wird bei den Angeboten auf Einfache Sprache geachtet.455

Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne erfasst jährlich die angemeldeten Gruppen, darunter auch Gruppen von Menschen mit Behinderung (im Jahr 2024 59 Gruppen mit Menschen mit Behinderungen sowie 42 Gruppen aus dem Bereich Förderschulen/-zentren). Angebote wie „Erfahrungen im Dunkeln“ und „Begegnungen im Stillen/Mit Händen sprechen“ bieten einen Einblick in die Lebenswelt von Menschen mit Einschränkungen beim Sehen oder Hören. Während der Saison werden der Internationale Tag der Sehbehinderten am 6. Juni und ein allgemeiner Tag der Inklusion gefeiert, bei dem verschiedene Kooperationspartner aus dem Bereich Inklusion ihre Arbeit vorstellen und Mitmachaktionen bieten. Darüber hinaus gibt es Einzelveranstaltungen wie den Workshop „Blind Malen“ mit einer blinden Künstlerin oder „Die Kunst des Geräuschemachens“ speziell auch für Menschen mit Seheinschränkung.
Für eine größtmögliche Barrierefreiheit stehen eine Rollstuhlschaukel, eine Partner/-innenschaukel mit einem Schaukelaufsatz speziell für Menschen mit Mobilitäts- und geistiger Einschränkung sowie rollstuhlgerechte Tische, eine Toilette für Menschen mit Behinderung und an bestimmten Tagen kostenlose Besuchsbegleitung zur Verfügung. Der Eintritt für Menschen mit einem B im Behindertenausweis ist frei, deren Begleitpersonen zahlen einen ermäßigten Eintrittspreis.456

Die Ausstellung im Bionicum verfügt über einen Zugang für gehbehinderte Menschen und Kinderwägen sowie eine barrierefreie Toilette. Im Jahr 2023 wurden die Medienstationen überarbeitet, sodass alle Filme jetzt auch untertitelt sind. Hands-on-Exponate sind alle auf der gleichen (Sitz-)Höhe und teilweise geneigt montiert, um störende Spiegelungen zu vermeiden.457

Das Deutsche Museum Nürnberg – Das Zukunftsmuseum verfügt über interaktive, inklusiv gestaltete Stationen zum Sehen, Hören und Tasten sowie taktile Übersichtspläne auf jeder Etage. Ausstellungstexte sind kontrastreich gestaltet, Hörstationen und Videos sind untertitelt und Interviews sind zusätzlich in Gebärdensprache übersetzt. Die Ausstellung ist weitgehend rollstuhlgerecht. In der Sonderausstellung „Essen neu denken. NewFoodSystems“ von Sommer 2025 bis Frühjahr 2026 werden Texte in Leichter Sprache bereitgestellt. Gruppenangebote des Museums sind grundsätzlich so gestaltet, dass sie allen Besuchenden offenstehen. Darüber hinaus offeriert das Museum mit dem buchbaren Programm „An die Hand genommen“ für inklusive Gruppen und Gruppen mit geringen Deutschkenntnissen einen interaktiven Einstieg in die Themen des Hauses. Das 2024 gestartete Projekt „HoloAudioTour“ bietet blinden und sehbehinderten Besuchenden ein neues Museumserlebnis: Sie werden mithilfe einer Augmented Reality Brille mit akustischen Signalen auf festgelegten Routen durchs Museum geleitet, was es ihnen ermöglicht, die Ausstellungen intensiver und autonom zu erleben.458

Alle Abteilungen im DB Museum sind barrierefrei zu erreichen. Für gehbehinderte Museumsgäste stehen zwei Rollstühle sowie aufklappbare Stühle zur Verfügung. Barrierefreie Toiletten befinden sich im Erdgeschoss. Die Führung „Tasten – Fühlen – Riechen“ richtet sich explizit an blinde und sehbehinderte Besuchende und eine Audiotour in Leichter Sprache führt Besuchende zu den Highlights der Dauerausstellung.459

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften können Mitwirkende angeben, ob ihre Veranstaltung barrierefrei erreichbar ist und ob es eine Induktionsschleife vor Ort gibt. Diese Informationen werden im Programmheft und auf der Website entsprechend ausgewiesen.

  • 454 Quelle: Museum im Koffer Nürnberg e.V., Kindermuseum Nürnberg.
  • 455 Quelle: Stadt Nürnberg, Institut für Pädagogik und Schulpsychologie, Energie- und Umweltstation Nürnberg.
  • 456 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit, Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne.
  • 457 Quelle: Bionicum Nürnberg.
  • 458 Quelle: Deutsches Museum Nürnberg.
  • 459 Quelle: DB Museum Nürnberg.
Non-formale Bildung

H 15. Sport

Freizeitsport lässt sich häufig kostenfrei im öffentlichen Raum ausüben, etwa auf ausgeschilderten Laufstrecken oder in frei zugänglichen Bewegungsparks. In Nürnberg gibt es darüber hinaus eine breite Palette an Sportangeboten, die von Vereinen und der Stadt organisiert werden. Durch verschiedene Kooperationen und Projekte werden Möglichkeiten geschaffen, um den Zugang zu sportlicher Betätigung und Bewegung zu fördern.

Im Jahr 2024 waren 129 321 Bürgerinnen und Bürger in 293 Nürnberger Vereinen sportlich aktiv. Nach einem pandemiebedingten Rückgang der Mitgliederzahlen ab dem Jahr 2020 gab es seit 2021 wieder einen Anstieg um 10,6 %, was vor allem auf den deutlich höheren Anteil an Jugendlichen in Sportvereinen zurückführen ist, der seit 2021 um fast vier Prozentpunkte auf insgesamt 26,9 % gewachsen ist. Der Organisationsgrad, also der Anteil der Vereinsmitglieder an der Gesamtbevölkerung, fiel im Jahr 2021 auf 21,5 % und lag im Jahr 2024 bei 23,8 %. 

Während der Corona-Pandemie konnten sportliche Aktivitäten an Kitas und Schulen kaum oder gar nicht stattfinden. Seit 2022 werden jedoch geförderte Programme wie „Bewegte KiTa – Wachsen mit Bewegung“460 wieder angeboten, das durch Schulung des KiTa-Personals langfristig im KiTa-Alltag verankert werden soll. Seit dem Start im Jahr 2008 konnten rund 6 500 Kinder an diesem Bewegungsprogramm teilnehmen.

Auch das „Projekt Seepferdchen“, das der SportService in Kooperation mit Nürnberger Schulen und Sportvereinen durchführt, wurde wieder aufgenommen. Im Schuljahr 2023/2024 profitierten davon 24 Klassen aus 20 verschiedenen Schulen und insgesamt 122 Kinder in 8 Ganztagsangeboten. Zwei zusätzliche Angebote richteten sich an geflüchtete Kinder und wurden von insgesamt 20 Kindern wahrgenommen. In 9 Sommerferienkursen wurden 100 Teilnehmende aus Kinder- und Jugendeinrichtungen sowie Einrichtungen für Geflüchtete im Anfängerschwimmen unterrichtet. Daneben konnten durch die Kooperation mit dem Post SV die regulären Schwimmzeiten innerhalb eines Schuljahres erhöht werden.

Das Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien die Teilnahme an Sportangeboten sowohl in Sportvereinen als auch bei kommerziellen Anbietern. Im Schuljahr 2023/24 nutzten insgesamt 3 394 Nürnberger Kinder und Jugendliche BuT-Gutscheine für ein Sportangebot, 515 mehr als im Schuljahr davor.461

Das Projekt „Mach mit – bleib fit“, das im Jahr 2024 zum elften Mal in Zusammenarbeit mit Nürnberger Sportvereinen umgesetzt wurde, bietet allen Altersgruppen einen niedrigschwelligen Zugang zu Bewegung. Qualifizierte Personen leiten kostenfreie, wöchentliche Bewegungseinheiten in sieben öffentlichen Bewegungsparks an. Insgesamt fanden im Jahr 2024 147 Trainingseinheiten mit 3 154 Teilnehmenden statt.462

Immer mehr Sportvereine gestalten ihre Angebote inklusiv, um eine Teilnahme für alle zu ermöglichen. Diese Angebote sind über die Online-Sportsuche des SportService über die Filteroption „Auch für Menschen mit Handicap geeignet“ auffindbar.463

Darüber hinaus organisiert der SportService regelmäßige Netzwerktreffen und Veranstaltungen und berät bei der Durchführung von Veranstaltungen, wie zum Beispiel im Fall der Mottospieltage „Inklusion“ bei den Nürnberger Bundesligavereinen, dem StreetsoccerCup, bei Großsportveranstaltungen oder der Eislauf-Aktion für Menschen mit Beeinträchtigung in der Arena. Der SportService kooperiert mit Special Olympics Bayern und dem Behindertenrat der Stadt Nürnberg und unterstützt und berät Vereine und Verbände bei der Umsetzung inklusiver Angebote.

Das Referat für Schule und Sport hat 2022 den Beratungswegweiser Inklusion veröffentlicht, der online Informationen zu Ansprechpartnern rund um das Thema Inklusion und Schule sowie aktuelle inklusive Angebote, auch im Sport, bereitstellt. Im Jahr 2023 wurde die Seite 2 173 Mal aufgerufen.464

Seit 2020 stellt der Stadtrat einen jährlichen Sonderzuschuss in Höhe von 20 000 Euro bereit, um Maßnahmen zur Inklusion sowie Angebote für Seniorinnen und Senioren in Sportvereinen zu fördern.465

Das Jahr 2023 wurde zum Jahr der Inklusion im Sport ausgelobt und ebenfalls im Jahr 2023 hat die Stadt Nürnberg am Host Town Programm teilgenommen. Im Jahr 2025 wurde die Stadt Nürnberg mit dem Sonderpreis für inklusive Sportinfrastruktur beim Access City Award ausgezeichnet.

  • 460 Das Programm wird maßgeblich von einer privaten Stiftung finanziert.
  • 461 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt.
  • 462 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService.
  • 463 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService.
  • 464 Quelle: Referat für Schule und Sport.
  • 465 Vgl. Stadt Nürnberg, SportService, Sport in Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018; www.nuernberg.de/imperia/md/sportservice_nbg/dokumente/berichte_protokolle/sportbericht2024.pdf; letzter Zugriff: 15.8.2025.
Non-formale Bildung

H 16. Gesundheitsbildung

Der Begriff Health Literacy wurde in Deutschland im Jahr 2018 mit der Veröffentlichung des Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dieser Begriff beschreibt die Fähigkeiten, die notwendig sind, um gesundheitsrelevante Informationen im Alltag zu verstehen und zu nutzen – ähnlich den Grundkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Aktionsplan enthält 15 Handlungsempfehlungen. Die erste richtet sich an Erziehungs- und Bildungseinrichtungen als Förderer von Gesundheitskompetenz, während eine weitere die Rolle der Kommune als Gestalterin des Wohnumfelds der Bevölkerung hervorhebt.466

Besonders durch die Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten, Schulen und Jugendhäusern können kommunale Angebote zur Gesundheitsförderung frühzeitig auch sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche erreichen. Neben dem Programm „Bewegte KiTa“467  (H 15) hat sich das Rücken- und Bewegungsturnen „RüBe“ etabliert und kann nach den pandemiebedingten Einschränkungen nun wieder regulär stattfinden. Im Jahr 2023 nahmen insgesamt 940 Kinder daran teil, davon 361 aus Grundschulen und 491 aus Kindergärten, im Jahr 2024 waren es insgesamt 769 Kinder, zusätzlich besuchten 176 Kinder Schwimmkurse.468

Das Projekt „Die Gesunde Kita – Jolinchen Kids“ wird in Kooperation mit der AOK Bayern über eine dreijährige Laufzeit durchgeführt. Im Jahr 2023 nahmen 15 Einrichtungen teil, im Jahr 2024 waren es 14. Das Programm umfasst die Bereiche Bewegung, Ernährung, seelisches Wohlbefinden, Elternpartizipation sowie die Gesundheit von Erzieherinnen und Erziehern.

Das Projekt „Grow Happy NBG – Seelisch gesund Aufwachsen im Stadtteil“ startete zu Beginn des Jahres 2023 mit einer Laufzeit von vier Jahren.469 Es zielt darauf ab, die psychische Gesundheit von Kindern und jungen Menschen durch niedrigschwellige, wohnortnahe Angebote zu stärken und das seelisch gesunde Aufwachsen in ausgewählten Stadtteilen470 zu fördern. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Vernetzung im Stadtteil und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen vor Ort.

Zwischen 2017 und 2022 lief das Projekt „Gesundheit für alle im Stadtteil“471 , das 18 035 Teilnahmen in insgesamt 199 Maßnahmen verzeichnete, von denen 19 weitergeführt werden konnten. Besonders Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie von Seniorinnen und Senioren nutzten diese Angebote.472

Die GesundheitsregionPlus organisiert Veranstaltungen mit Bildungsauftrag vor allem im Rahmen der Jahresschwerpunktthemen, die vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention initiiert werden. Im Jahr 2022 lag der Fokus auf Herzgesundheit, im Jahr 2023 auf Einsamkeit und im Jahr 2024 auf Frauengesundheit. Die Veranstaltungen dienen überwiegend der Information und der Vernetzung und werden in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern durchgeführt.473

In den Jahren 2023 und 2024 fand jeweils die „Nürnberger Woche der seelischen Gesundheit“ statt474 , die zu den Maßnahmen des Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK in Nürnberg gehört. 2023 beteiligten sich 50 Einrichtungen mit 80 Veranstaltungen und insgesamt rund 2 700 Teilnahmen, 2024 waren es 46 Einrichtungen mit 77 Veranstaltungen und rund 2 200 Teilnahmen.475

  • 466 Schaeffer, D., Hurrelmann, K., Bauer, U. und Kolpatzik, K. (Hrsg.) (2018): Nationaler Aktionsplan Gesundheitskompetenz. Die Gesundheitskompetenz in Deutschland stärken. Berlin.
  • 467 Eine Kooperation von Gesundheitsamt, Sportservice, Jugendamt, Techniker Krankenkasse, dem 1. FC Nürnberg und der Bouhon-Stiftung.
  • 468 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt, Bereich Gesundheitsförderung: Jahresbericht 2023 und Jahresbericht 2024.
  • 469 Eine Kooperation des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg und der AOK Bayern.
  • 470 Die Projektgebiete sind der Nürnberger Westen (Gostenhof, Bärenschanze, Eberhardshof, Muggenhof), der Nürnberger Süden bestehend aus den beiden Projektgebieten Galgenhof, Steinbühl und Gibitzenhof, Rabus, Sandreuth sowie das Gebiet St. Leonhard, Schweinau, Sündersbühl.
  • 471 Das Projekt „Gesundheit für alle im Stadtteil“ wurde durch die AOK Bayern gefördert.
  • 472 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt, Fachbereich Gesundheitsförderung: www.nuernberg.de/imperia/md/gesundheit_nbg/dokumente/abschlussbericht_gesundheitfueralle.pdf; letzter Zugriff: 28.10.2025.
  • 473 GesundheitsregionPlus ist ein Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zum Aufbau kommunaler Gesundheitskonferenzen. Das Programm wird seit 2015 durchgeführt und ab 2027 in Zuständigkeit des Gesundheitsamts weitergeführt/übernommen.
  • 474www.nuernberg.de/internet/gesundheit_nbg/wochederseelischengesundheit.html, letzter Zugriff: 28.10.2025.
  • 475 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt, Bereich Gesundheitsförderung.

H 17. Bürgerschaftliches Engagement

Ein großer Teil der non-formalen Bildungsangebote wird von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Wohlfahrtsverbänden, Vereinen und Kirchen bereitgestellt. Ehrenamtliche Arbeit spielt dabei eine zentrale Rolle. Um die strukturellen Rahmenbedingungen für das Ehrenamt in Nürnberg zu verbessern, gibt es die städtische Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement. Das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) ist für die konkrete Vermittlung zwischen Anbietenden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern zuständig und führt auch eigene Projekte durch.

17.1 Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und Corporate Citizenship

Die Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement und Corporate Citizenship im Referat für Jugend, Familie und Soziales fördert das Engagement sowohl von Bürgerinnen und Bürgern wie auch von Unternehmen. Zu ihren Aufgaben zählen die Koordination, Vernetzung, Information und Qualifikation ehrenamtlich Tätiger. Aber auch die Anerkennung und Würdigung ehrenamtlichen Engagements gehören dazu, beispielsweise durch Auszeichnungen und die Bayerische Ehrenamtskarte.476 Zum Ende Juli 2024 besaßen 2 020 Personen eine gültige Ehrenamtskarte Nürnberg.477 Darüber hinaus initiiert die Stabstelle auch die bedarfsgerechte Entwicklung neuer Engagement-Formate und trägt dazu bei, sie nachhaltig zu verankern. 

Seit Juni 2022 bietet das „Klara – Zentrum für Beratung und Engagement“ in zentraler Innenstadtlage kostenfreie Räumlichkeiten für Vereine und ehrenamtliche Initiativen. Es dient zudem als Anlaufstelle für Menschen, die sich zu ehrenamtlichem Engagement beraten lassen wollen.

Der seit 2013 jährlich stattfindende Corporate Volunteering-Tag „In Aktion“, der in Zusammenarbeit mit „Türen öffnen“478 durchgeführt wird, bringt Unternehmen mit gemeinnützigen Organisationen zusammen. Im Juli 2025 engagierten sich über 300 Mitarbeitende aus 20 Unternehmen während ihrer Arbeitszeit an diesem Tag für gemeinnützige Projekte.479

Die jährliche Freiwilligenmesse in Nürnberg ist eine wichtige Plattform für viele Vereine, Initiativen und gemeinwohlorientierte Organisationen, um neue Engagierte zu gewinnen. Im Jahr 2024 informierten sich rund 450 Besucherinnen und Besucher im Heilig-Geist-Saal über Möglichkeiten zu bürgerschaftlichem Engagement.

Im April 2025 fand die erste „Nürnberger Aktionswoche Schnupper-Ehrenamt“ statt. Sie bot die Möglichkeit, über 35 verschiedene Ehrenamts-Einsatzstellen unverbindlich auszuprobieren. Der „Arbeitskreis Schnupper-Ehrenamt“ des Netzwerks Engagement-Förderung hatte dieses neue Format entwickelt, um es Menschen zu erleichtern, verschiedene Ehrenämter kennenzulernen.

Die seit April 2025 laufende SocialMediaKampagne „Nürnberger EngagementBotschafter*innen“ macht das vielfältige ehrenamtliche Engagement in Nürnberg sichtbar und wirbt dafür. Die Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement arbeitet daran, den Zugang bestimmter Gruppen zu freiwilligem Engagement zu verbessern und Barrieren auf dem Weg ins Ehrenamt auszuräumen.480 Im Bereich „Integration“ unterstützen sogenannte Integrationslotsinnen und Integrationslotsen Ehrenamtliche bei der Integration zugewanderter Menschen. Die Stabstelle profitiert hierbei von Fördermitteln des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration.

Eine mobile induktive Höranlage im „Klara - Zentrum für Begegnung und Engagement" hilft, Barrieren für Menschen mit Hörschädigung abzubauen, und stärkt die Inklusion im Ehrenamt. Diese Anlage wird auch für ehrenamtsbezogene Veranstaltungen außerhalb des „Klara“ verliehen.

  • 476 Einen Antrag auf die Bayerische Ehrenamtskarte können u.a. alle Personen ab 16 Jahren stellen, die mindestens 5 Wochenstunden oder 250 Gesamtstunden pro Jahr über einen Zeitraum von zwei Jahren ehrenamtlich tätig sind.
  • 477 Quelle: Referat für Jugend, Familie und Soziales, Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement und Corporate Citizenship.
  • 478 „Türen öffnen“ wird in Trägerschaft des Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit (ISKA) gemeinnützige GmbH durchgeführt.
  • 479 Quelle: Referat für Jugend, Familie und Soziales, Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement und Corporate Citizenship.
  • 480 So hat der vierte Engagementbericht der Bundesregierung (veröffentlicht im Dezember 2024) gezeigt, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen an ehrenamtlichen Tätigkeiten weniger beteiligt sind und dass soziale Ungleichheiten wie Einkommensunterschiede, Migrationshintergrund oder unterschiedliche Bildungsabschlüsse ehrenamtliche Beteiligungsmöglichkeiten beeinflussen; vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2024): Vierter Engagementbericht. Zugangschancen zum freiwilligen Engagement. Berlin.

17.2 Zentrum Aktiver Bürger

Das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) fungiert als Freiwilligenagentur, die Beratung und Vermittlung für engagierte Bürgerinnen und Bürger und Organisationen bietet und zudem eigene Projekte koordiniert.481 Wie Abbildung H 17.2 zeigt, ist ehrenamtliches Engagement vor allem im Bildungsbereich, aber auch in der Nachbarschaftshilfe, Gesundheit, Migration, Kultur und Ökologie besonders gefragt.

Ende des Jahres 2024 zählte das ZAB insgesamt 446 Freiwillige, von denen 40 % in den Projekten „Große für Kleine“ und „Kulturfreunde“ und rund 20 % als Sprachvermittlerinnen und Sprachvermittler im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe aktiv waren. Im Jahr 2024 wurden 190 persönliche Beratungen in Anspruch genommen. Im Jahr 2019 waren es noch 415, also mehr als doppelt so viele. Hingegen wird die Online-Engagementdatenbank „Bürgernetz“ vermehrt genutzt, deren Aufrufzahlen im Vergleich zu 2023 um 55 % gestiegen sind. Auch bei den Fortbildungen ist ein Rückgang zu verzeichnen: Im Jahr 2024 nahmen 115 Personen an 15 Fortbildungen teil, 2022 waren es 148 Teilnehmende an ebenfalls insgesamt 15 Fortbildungen.482

Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach kurzzeitigen und projektorientierten Einsätzen erhöht und zu neuen Engagementformen geführt, die entweder ausschließlich oder ergänzend über digitale Kommunikationswege organisiert werden, wie die Videochat-Beratung oder Projekte zur Vermittlung digitaler Kompetenzen. Ein Beispiel ist das Projekt „Digiteers“, das die digitale Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene in Bildungskontexten fördert. Im Rahmen dieses Projekts wurden seit November 2020 506 Geräte von Freiwilligen aufgearbeitet und teilweise mehrfach genutzt an etwa 550 Personen ausgeliehen.

Der Bildungsbereich hat durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Zahlreiche Freiwillige sind in selbstorganisierten Initiativen, bei Vereinen und in Bildungseinrichtungen aktiv. Um bildungsunterstützendes Engagement zu vernetzen, wurde im Jahr 2020 das „Kompetenzzentrum Bildung und Bürgerschaftliches Engagement“ im ZAB ins Leben gerufen. Ende 2024 bestanden 78 Netzwerkkontakte, von 2022 bis April 2025 wurden 46 Fortbildungen mit insgesamt 357 Teilnehmenden sowie 45 Austausch- und Beratungsgespräche mit Initiativen und Organisationen durchgeführt. Ehrenamtliche Mentoring-Formate sind als wirksame Unterstützung bei Bildungsprozessen anerkannt. Im Projekt „Teamplay“ sind seit April 2023 durchschnittlich zwischen 25 und 30 Tandems aktiv, bei „MENTOR Leselernhelfer an Grundschulen“ sind seit 2022 durchschnittlich 70 Freiwillige engagiert.483

Seit Oktober 2021 ist das ZAB einer von elf Standorten, die sich am Programm „Inklusion und Teilhabe durch Engagement“ beteiligen. Seitdem hat es wesentlich mehr Menschen mit Beeinträchtigungen über ein Ehrenamt informiert, darunter erstmals Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen sowie Menschen, die einen Rollstuhl nutzen. Insgesamt wurden in den Jahren 2022 bis 2024 68484 Personen im Bereich „Inklusion“ beraten, von denen etwa ein Drittel über lediglich geringe Deutschkenntnisse verfügte.

Das ZAB fördert und veranstaltet Beteiligungsformate, bei der sich Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam engagieren können. Dazu gehören beispielsweise eine Wheelmap-Aktion sowie Aktionen zum inklusiven Freiwilligentag und zum Protesttag für Menschen mit Behinderung am 3. Mai.

Die Barrierefreiheit der ZAB-Angebote wurde unter anderem durch einen Flyer in Einfacher Sprache und durch die Ausstattung des „Klara – Zentrum für Beratung und Engagement“ mit einer Lego-Rampe verbessert. Die allgemeinen Informationen auf der Internetseite sind ebenfalls in Einfacher Sprache abrufbar. Für die Vermittlung wurde eine interne Liste mit barrierefreien Einsatzstellen erstellt, auf der vermerkt ist, für welche Formen von Behinderung der Ehrenamtlichen sie geeignet sind.

Zur Unterstützung für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen stehen bei Bedarf Freiwillige aus dem Übersetzungsteam zur Verfügung. Insgesamt gibt es für diese Personengruppe in Nürnberg jedoch noch zu wenige Möglichkeiten zu ehrenamtlichem Engagement.

Um Inklusion im Ehrenamt zu fördern, wurden darüber hinaus Sensibilisierungs- und Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt, wie beispielsweise der Engagementtag zu „Barrieren abbauen im Engagement“, eine Podiumsdiskussion zur Langen Nacht der Demokratie mit dem Thema „Inklusion durch Engagement“ oder der Engagementtag „Inklusion einfach machen“.

  • 481 Das ZAB ist eine Einrichtung in Trägerschaft des Institut für Soziale und Kulturelle Arbeit (ISKA) gemeinnützige GmbH.
  • 482 Quelle: Zentrum Aktiver Bürger.
  • 483 Quelle: Zentrum Aktiver Bürger.
  • 484 Die Zahl bezieht sich lediglich auf Personen, die explizit ihre Situation beschrieben haben. Da die Beeinträchtigung von Beratungssuchenden nicht abgefragt wird, ist die tatsächliche Anzahl vermutlich deutlich höher.
Non-formale Bildung

H 18. Zusammenfassung und Empfehlungen

Zusammenfassung

Das Feld der non-formalen Bildung ist in seiner Angebots- und Organisationsstruktur so vielfältig wie kein anderer Bildungsbereich. Deshalb lassen sich nur schwer einheitliche Aussagen über Trends und Bedarfe treffen. Dennoch soll im Folgenden ein zusammenfassender Blick auf die wichtigsten Entwicklungen und einige hervorstechende Besonderheiten in der non-formalen Bildungslandschaft Nürnbergs geworfen werden, um Handlungsfelder zu identifizieren und Empfehlungen für die kommunale Bildungspolitik abzuleiten.

In den Daten zur non-formalen Bildung zeichnen sich die Konsequenzen der Kontaktbeschränkungen während der Corona-Pandemie im Berichtszeitraum besonders deutlich ab. Dies liegt einerseits am freiwilligen Charakter non-formaler Bildung und andererseits an deren Angebotsstruktur. Das non-formale Lernen manifestiert sich üblicherweise in der Teilnahme an Einzelveranstaltungen. In diesen Fällen zeigen sich Rückgänge bei den Besuchszahlen von über 90 %, wie etwa beim Staatstheater (Abb. H 11.1). Betrachtet man die Entwicklung der Teilnahmezahlen seitdem, zeigt sich, dass die meisten Einrichtungen bis 2024 brauchten, um bei den Teilnahmen wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie zu erreichen. In anderen Fällen wie bei MUBIKIN (H 12.1) oder dem KulturRucksack (H 11.3) zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht in ähnlicher Weise in der Statistik. Das liegt auch daran, dass die Teilnehmenden für einen längeren Zeitraum an das Angebot gebunden sind.

Mittlerweile haben sich die Zahlen wieder normalisiert (vgl. z.B. H 2.1, H 2.2 und H 13.1). Insbesondere Einrichtungen mit älteren Zielgruppen stehen weiter vor der Herausforderung, den Besucherstand von 2019 wieder zu erreichen. Beispiele hierfür sind die konfessionelle Erwachsenenbildung (H 4.2), das Bildungszentrum (H 4.1) oder die Alten-Akademie (H 5.2).

Einige Angebote konnten ihre Nutzungszahlen auch deutlich über das Niveau von 2019 hinaus steigern. Das gilt beispielsweise für das international ausgerichtete Memorium Nürnberger Prozesse (Abb. H 13.5) oder das Jugendpartizipationsprogramm laut! (Abb. H 12.2). Letzteres profitierte davon, bereits vor der Pandemie über digitale Formate verfügt zu haben und weitere Aktivitäten schnell ins Digitale überführen zu können. 

Generell war die Corona-Pandemie im non-formalen Sektor ein starker Digitalisierungstreiber – wie in anderen Bereichen auch. Nach dem Ende der Kontaktbeschränkungen zeigen sich jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen. Das pädagogische Kerngeschäft findet inzwischen in fast allen Fällen wieder vollständig analog statt. Ausnahmen bilden aber vor allem Tools zur Kundenkommunikation, wie die Kultur Information485 oder Ergänzungsangebote wie der digitale Fundus des Staatstheaters486 .

Neue Impulse und Projekte widmen sich der Digitalisierung und basieren auf Grundgedanken der Teilhabe an einer digitalisierten Gesellschaft. Projekte wie das inzwischen verstetigte „Wege in die digitale Welt für Ältere“ (H 5.1) oder „Digi iQ - Digitale Grundbildung im Quartier“ (G 5.2) ermöglichen eine niedrigschwellige Auseinandersetzung mit modernen Kommunikationsmitteln für Menschen aus verschiedenen Zielgruppen, die mit digitalen Medien nicht vertraut sind. Das Projekt „Digiteers“ (H 17.2) bereitet gebrauchte Endgeräte auf und schafft so die materiellen Grundlagen für die digitale Teilhabe von Menschen in sozioökonomisch schwierigen Lagen. Diese Ansätze werden wesentlich durch ehrenamtliches Engagement getragen. 

Die Messbarkeit und Bewertung von inklusiven bzw. speziellen Angeboten in der non-formalen Bildung bleibt schwierig. Einerseits entspricht die Angabe zahlreicher Einrichtungen, man achte allgemein auf Barrierefreiheit und gehe individuell auf einzelne Teilnehmende mit Behinderung ein, dem Idealbild von inklusiven Angeboten non-formalen Lernens. Andererseits lässt sich über die Qualität dieser Praxis in der Breite nur schwer eine empirische Aussage treffen. Im Gegensatz dazu sind spezielle Angebote wie Tastführungen für Menschen mit Sehbehinderung keine inklusiven Angebote im eigentlichen Sinne, tragen aber gleichwohl zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Praxis non-formaler Bildung bei.

Dem Ziel, die eigenen Angebote inklusiver zu gestalten, haben sich einige Institutionen aus dem non-formalen Bereich bereits seit Langem verschrieben. Beispiele hierfür sind das Bildungszentrum mit seiner Abteilung „barrierefrei lernen“ (H 4.3), die Akademie Caritas-Pirckheimer Haus mit den „Kultouren für alle“ (H 4.3) und dem inklusiven Stadtführer sowie das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) (H 9.2). Insgesamt verdeutlicht die aktuelle Berichterstattung, dass in allen Einrichtungen der non-formalen Bildung grundsätzlich ein hohes Bewusstsein für die Bedeutung und die Herausforderungen der Inklusion in ihrem Bereich besteht. Allerdings machen sich die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten insbesondere bei baulichen Maßnahmen und größeren Investitionen wie beispielsweise Induktionsschleifen bemerkbar. Doch auch kleinere Akteure leisten oftmals Beachtliches, beispielsweise durch die Entwicklung spezieller Angebotsformate oder eine vollständig überarbeitete Website. 

In Zeiten angespannter öffentlicher Haushalte sind die Beschlüsse des Stadtrats für die Kulturvorhaben in der Kongresshalle besonders bemerkenswert. Insgesamt werden 296 Millionen Euro für den Substanzerhalt der denkmalgeschützten Kongresshalle und deren Ausbau für eine kulturelle Nutzung veranschlagt, davon entfallen 85,5 Millionen Euro auf die neue Spielstätte des Staatstheaters Nürnberg im Innenhof. Zudem wird das Zeppelin-Areal zu einem Lernort umgebaut. Auch für den nahegelegenen Bahnhof Märzfeld im Stadtteil Langwasser stehen konkrete Planungen für die Errichtung eines Erinnerungsorts im Raum (vgl. B 3.1). Weitere Bauvorhaben sind bereits abgeschlossen. Der Bau des staatlichen Zukunftsmuseums und die abgeschlossene Sanierung des Künstlerhauses sind Ergebnis bereits getätigter Investitionen. Nach den baubedingten Einschnitten im Betrieb des KuKuQ (vgl. H 6.3) ist das Areal nun ein hoch interessantes Entwicklungsfeld mit besten Voraussetzungen hinsichtlich Infrastruktur und der dort beheimateten Akteurskonstellationen.

Empfehlungen

Neben den umgebauten, neu errichteten und geplanten Einrichtungen in zentraler oder herausgehobener Lage – wie dem Zukunftsmuseum, KuKuQ oder Dokumentationszentrum – spielt ein wohnortnahes Angebot non-formaler Bildung in den Stadtteilen eine entscheidende Rolle für die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger. Die Kulturladenkette, die im Jahr 2025 ihren 50. Geburtstag feierte, ist mit ihrem breiten Angebotsspektrum hierbei ein wichtiger Faktor in Nürnberg. Mit den Kulturläden, den fest verankerten Stadtteilkoordinationen und -arbeitskreisen sowie den Seniorennetzwerken verfügt Nürnberg über sozialräumliche Strukturen, die sich hervorragend dafür eignen, neue Angebote einzubinden und in die Fläche zu tragen, wie das Seniorenamt beim Thema Digitalisierung bewiesen hat. Diese Strukturen sollten weiter gestärkt und mit Blick auf sozialraumorientierte Bildungsangebote noch intensiver genutzt werden.

Die Einrichtung sozialraumorientierter Ressourcenpools könnte insbesondere kleinen und mittleren Einrichtungen der non-formalen Bildung helfen, die Barrierefreiheit ihrer Angebote zu verbessern. So verfügt beispielsweise KUF im südpunkt über eine mobile Induktionsschleife, die ausgeliehen werden kann.487 Andere Einrichtungen können Erfahrungen beim Aufbau barrierearmer Websites teilen oder ihre Fähigkeiten im Gebärdensprachdolmetschen anbieten. Eine verstärke Koordinationsarbeit und effektives Wissensmanagement wären hier sinnvoll, idealerweise wieder sozialraumorientiert.

Die Stadt Nürnberg plant, das Musikprogramm MUBIKIN für Kinder in Kindergarten und Grundschule in ausgewählten Schulsprengeln ab 2026 in städtischer Trägerschaft fortzuführen. Nach 15 Jahren erfolgreicher öffentlich-privater Kooperation gilt es, das Programm im bisherigen Sinne weiterzuentwickeln, um die Persönlichkeitsentwicklung, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu fördern. Eine sorgfältige Auswahl der teilnehmenden Schulsprengel ist dabei weiterhin wichtig.

Aufgrund seiner wechselvollen Geschichte und der entsprechenden historischen Erinnerungsorte hat Nürnberg eine besondere Verpflichtung, politische Bildung und insbesondere das Demokratielernen zu fördern. Die Träger politischer Bildung sind fest in der Bildungslandschaft verankert und inhaltlich breit aufgestellt; die Nachfrage ist hoch und wächst weiter (vgl. H 13.1, H 13.2 und H 13.5). Für die Weiterentwicklung dieses Themenfeldes ist es elementar, die Digitalisierung der politischen Öffentlichkeit stärker zu berücksichtigen. Zahlreiche Formate von laut!, dem Partizipationsprojekt für Jugendliche, arbeiten genau an dieser Schnittstelle von politischer und Medienbildung. Auch im Erwachsenenbereich gibt es Bedarf und Potenzial für einen Ausbau, der empfohlen wird.

Einrichtungen im Bereich Natur, Umwelt und Technik sind mit zahlreichen Angeboten und Kooperationen aktiv, darunter auch jüngst gegründete Einrichtungen wie das Zukunftsmuseum. Viele dieser Akteure verstehen sich zunehmend als Teil der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, wobei gemeinsames Handeln und Zusammenarbeit im Mittelpunkt stehen. Diese Potenziale sollten durch strukturelle Unterstützung gestärkt und die lokale Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren sollte weiter gefördert werden.

Die Nürnberger Museumslandschaft ist vielseitig und zieht Besucherinnen und Besucher von nah und fern an. In seiner Funktion als Vermittlungseinrichtung spielt das Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum dabei eine besondere Rolle. Wie sich am Beispiel des Germanischen Nationalmuseums zeigt (vgl. H 9.1), werden jedoch überwiegend Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen angesprochen. Durch Kooperationen und geeignete Maßnahmen könnte zusätzlich ein erweitertes Besucherspektrum adressiert und für Museumsbesuche gewonnen werden.